Die Vereine stecken viel Aufwand in die Jugend, etwa bei der Bahnlaufserie des TV Herkenrath

Der Stadtsportverband fordert, die vor fünf Jahren eingestellte Förderung der Jugendarbeit aus der Stadtkasse wieder aufzunehmen. Zudem will er Geld für den Betrieb der Stadien. Die Chancen dafür stehen nicht schlecht. 

Mitten in der Haushaltskrise hatte die Stadt Bergisch Gladbach 2011 die Jugendförderung für die Sportvereine zunächst von 82.000 auf 41.000 Euro halbiert, danach ganz eingestellt. Es war eine von zahlreichen Sparmaßnahmen im Rahmen des Haushaltssicherungskonzeptes (HSK), gegen die sich die Vereine nicht wehren konnten. 

Heute befindet sich die Stadt immer noch unter des Knute des HSK und darf ab 2021 gar keine neue Schulden mehr machen – aber die Stimmung hat sich gedreht. Der Stadtsportverband hat unter dem neuen Vorsitzenden Hartmut-Christian Vogel den Antrag gestellt, ab 2018 wieder eine Pauschale für jeden Jugendlichen und einen Anteil an der Landessportpauschale zu bekommen. 

Dabei beruft sich der Sportverband auch auf den 2015 geschlossenen „Pakt für den Sport”, in dem sich die Stadt allgemein zur Unterstützung der Vereine verpflichtet hat. 

Der Antrag wird am 6. Dezember im Sportausschuss beraten. Die Chancen der Sportler, dabei nicht leer auszugehen, sind gut. Das geht aus der Beschlussvorlage hervor, die die Stadtverwaltung jetzt veröffentlicht hat (Dokumentation siehe ganz unten). 

Zwar lässt die Verwaltungsspitze offen, was sie dem Rat empfiehlt und legt ungewöhnlicherweise nur eine Reihe von Optionen zum Ankreuzen vor – aber die Ausführungen zeigen, in welche Richtung sich das Thema bewegt. 

Alte und neue Aufgaben begründen Rückkehr zur Jugendpauschale

In Sachen Jugendpauschale führt der Stadtsportverband an, dass die Vereine nicht nur wie eh und je eine wichtige Aufgabe bei der Jugend- und Sozialarbeit erfüllen, sondern zuletzt auch bei der Übermittagsbetreuung und Integration von Flüchtlingen aktiv geworden sind. Daher sei es angemessen, dass die Vereine eine pauschale Jugendförderung in Höhe von acht Euro pro Kind und Jugendlichen erhalten. In der Summe wären das rund 80.000 Euro. 

Genau diese 80.000 Euro wären bei den freiwilligen Leistungen, die die Stadt laut HSK-Regeln ausgeben darf, im Haushalt für 2018 noch nicht vergeben. Daher könnten Sportausschuss und Stadtrat diese Summe den Sportvereinen zusprechen. Entweder in voller Höhe oder in einem Stufenmodell (zunächst 40.000, in den Folgejahren 60.000 bzw. 80.000 Euro). 

Die Verwaltung lässt der Politik die Wahl zwischen der Nullvariante, dem Stufenmodell und der Maximalvariante mit 80.000 Euro. Klar sei jedoch, dass diese 80.000 Euro nur einmal zu vergeben seien. Fließe das ganze Geld in den Sport, bleibe für andere Zwecke nichts übrig. 

Kooperation bei der Sportpauschale

Auch bei der Sportpauschale zum Bau und Unterhalt der Sportstätten gibt es verschiedene Optionen. Hier geht es konkret um 304.000 Euro, die das Land im Jahr an die Stadt überweist. Formal argumentiert die Verwaltung, dass ihre Ausgaben für die Sportstätten jedes Jahr höher als die Erstattung durch das Land ausfallen – und das in den nächsten Jahren eine Reihe von Projekten ansteht. Daher bleibe für die Vereine eigentlich nichts übrig. 

Dafür gibt die Stadt die Sportpauschale aus
„In Bergisch Gladbach fließt die Sportpauschale seit vielen Jahren voll umfänglich in die Sanierung bzw. den Neubau von kommunalen Sportstätten. So z.B. in den letzten Jahren

  • die Sanierungen der Dreifachhalle Herkenrath, der TH Schildgen, der TH Hand, der SH Saaler Mühle, der SH Kleefeld, der Neubau der TH Paffrath,
  • Generalsanierung der Turnhalle Sand,
  • Installation LED-Beleuchtungsanlage IGP,
  • umfangreiche anstehende Maßnahmen im Rahmen des Brandschutzes am städtischen Stadion,
  • Erneuerung der Beleuchtung im städtischen Stadion,
  • Heimfall der Eissporthalle mit evtl. Sanierungsaufwand,
  • teilweise Beteiligung bei Umwandlung der Ascheplätze in den Stadtteilen in Kunstrasen-plätze im Trägermodell und
  • anteilige finanzielle Beteiligung an Sanierungskosten von Sportplätzen im Trägermodell z. B. bei Erneuerung der Kunstrasenbeläge.

Man könne aber auch, so die Verwaltung, anders argumentieren. Es bestehe kein „normierter Vorrang kommunaler Maßnahmen gegenüber zweckentsprechenden Maßnahmen der Vereine”. Im Klartext: wenn die Politik so entscheidet, dann bekommen die Vereine halt einen Teil des Kuchens, für konkrete Ausgaben im Rahmen der Sportstätten.

Konkret schlägt die Verwaltung vor, ein Drittel der 304.000 Euro an die Vereine weiterzureichen und gemeinsam zu entscheiden, in welche Projekte das Geld fließen soll. 

Mehr Geld für die Vereine – aber nicht viel mehr

Alles in allem sieht es so aus, als ob die Vereine der Stadt im nächsten Jahr mit 142.000 Euro, wenn nicht sogar mit 184.000 Euro rechnen können. 

Allerdings, große Sprünge können sie damit auch nicht machen. Wird eine Jugendpauschale von acht Euro pro Kopf ausgezahlt, rechnet die Verwaltung vor, dann entfallen auf einen Kleinverein wie dem TT Bärbroich mit 66 Kindern/Jugendlichen 480 Euro im Jahr. Ein Großverein wie BW Hand mit 732 Kindern/Jugendlichen kann mit 5.856 Euro rechnen. 

Dokumentation: Der Antrag des Stadtsportverbands

Dokumentation: Beschlussvorlage der Verwaltung

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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