Das Interesse an Gastrednerin Barbara Schock-Werner war groß: 114 Besucher folgten der Einladung der Seniorenunion Bergisch Gladbach, der Saal musste wegen Überfüllung geschlossen werden. In der Tat hatte die ehemaligen Dombaumeisterin Hochinteressantes zu berichten.

Lange vor Beginn des Mittwochstreffs war der große Saal des Restaurant-Hotel-Cafés Gronauer Tannenhof brechend voll. Anlass war: Gastrednerin Frau Prof. Dr. Barbara Schock-Werner, die ehemalige Dombaumeisterin am Hohen Dom zu Köln.

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Sie alle wollten von der Architektin, Kunsthistorikerin, Denkmalpflegerin, Hochschullehrerin und natürlich Dombaumeisterin einen Einblick in ihre vielfältigen Aufgaben erhalten. In Bad Cannstatt geboren, schilderte sie die einzelnen Stationen ihres Lebenslaufs bis zu ihrer Berufung, am 1. Januar 1999, die Tätigkeit als Dombaumeisterin aufzunehmen. Das Domkapitel hatte sich für sie entschieden.

Schon früh entdeckte sie ihr Interesse an der Architektur. Büroarbeit lag ihr nicht. Ihr Vorbild war der frühere Dombaumeister Prof. Arnold Wolff. Schock-Werner lernte zunächst den Beruf einer Bauzeichnerin, arbeitete als Maurer und Zimmermann und studierte Architektur.

Ihr Augenmerk galt dem Sakralbau und hier dem mittelalterlichen, gotischen Dombau. Sie besuchte dafür bekannte Dombauhütten in Deutschland und Europa und verschaffte sich Einblicke in Aufbau und Erhaltung dieser Bauwerke. Sie war mit an der Erstellung der Pläne für das Olympiastadion in München beteiligt. Ihren weltweiten Ruf erwarb sie sich durch ihre Arbeit als Dombaumeisterin in der Zeit von 1999 bis 2012.

Wie Schock-Werner berichtete, dürfen Bohrungen im Dom nicht vorgenommen werden. Das zum Bau der Kathedrale vorwiegend verwendete Material wie Sandstein vom Drachenfels und Schlaitdorfer Sandstein aus dem Neckarraum verbieten dies.

Vorgänger unseres heutigen Doms war der karolingische Hildebolddom, um 873 erbaut. Der damalige Erzbischof und Erzkanzler Rainald von Dassel hatte der Stadt die Reliquien der Hl. Drei Könige geschenkt. Für sie sollte ein würdiger Sakralbau entstehen, der auch für das ganze Reich ein Wallfahrtsort werden sollte.

Im Jahre 1248 begann der Bau des Doms auf Veranlassung des damaligen Erzbischofs Konrad von Hochstaden. 1322 endete er vorläufig. Erst 1844, im Zeitraum der Dombaubewegung, wurde weiter gebaut, und 1880 erfolgte dann die feierliche Einweihung.

Die Kölner Dombauhütte beschäftigt eine Vielzahl von Mitarbeitern aller erforderlichen Gewerke – Gerüstbauer, Restaurateure, Elektrotechniker, Bildhauer, Maler usw.

Schock-Werner gewährte den Gästen Einblick in die vielfältigen Aufgaben einer Dombaumeisterin. Oft sind die Farben an Gemälden verblasst, fehlen Körperteile an Skulpturen, müssen Beschallung und Beleuchtung erneuert werden, Hinweisschilder in den gebräuchlichen Sprachen angefertigt und Glasfenster restauriert werden.

Ihr spannendstes Erlebnis schilderte Schock-Werner mit einem Lächeln: Im Westquerschiff sollte ein neues Glasfenster eingesetzt werden. Auf einem Geburtstagsempfang, an dem auch Gerhard Richter teilnahm, fragte sie ihn, ob er für den Kölner Dom ein Fenster schaffen würde. Er wollte. Das Kölner Domkapitel war ebenfalls einverstanden. So erhielt der Dom sein weltbekanntes „Richterfenster“.

Die Dombaumeisterin erhielt für ihren Vortrag einen langen Applaus. Herr Klein überreichte ihr als Dank für ihre hochinteressanten Ausführungen einen kleinen Dom unter Glas des Künstlers Heiner Düsterhus.

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