„Was hat die Stadt denn jetzt mit dem Zanders-Gelände vor?” Gleich die erste Frage zum Start der Bürgerbeteiligung für eine Neuordnung der Innenstadt und des riesigen Industrie-Areals zeigte, wieviel Aufklärungsarbeit die Verwaltung noch zu leisten hat.

Die Stadtverwaltung hatte eingeladen, um grundsätzlich über das geplante „Integrierte Handlungskonzept Innenstadt und Zanders” zu informieren und den Startschuss für eine mehrstufige Bürgerbeteiligung zu geben. Deshalb kann und will die Verwaltung die zitierte Frage nicht beantworten, stellte Bürgermeister Lutz Urbach klar.

Im Gegenteil: Sie will wissen, was die Bürger mit der Innenstadt vor haben. Dazu ergab dieser Abend mit gut 200 Teilnehmern im Spiegelsaal des Bergischen Löwen ein erstes Stimmungsbild ab, Wünsche an das Zanders-Areal wurde jedoch nicht abgefragt.

Ganz am Anfang und am Ende von Urbachs Vortrag stand eine Klarstellung: Erstes Ziel der Verwaltung ist die Sicherung der Papierproduktion und der 350 Arbeitsplätze bei Zanders. Daher werde jetzt konkret nur über die Bereiche geredet, die nicht für die Produktion gebraucht werden, führte auch Projektleiter Udo Krause (nicht zum ersten Mal) aus. Es wäre aber fahrlässig, so Urbach, nicht gleichzeitig auch „über das Szenario einer Schließung nachzudenken”.

Schauen Sie sich das Zanders-Areal bei unserem interaktiven Rundflug an

Über den Stand der Dinge, die Planungsphasen und Szenarien hatte das Bürgerportal bereits berichtet, jetzt erläuterte Projektleiter Krause den Stand der Dinge auf dem Zanders-Areal den interessierten Bürgern direkt.

Hinweis der Redaktion: Die Details zum Ablauf der weiteren Bürgerbeteiligung finden Sie hier

Zanders ist aber nur der eine Teil des künftigen Integrierten Handlungskonzeptes, dass die Innenstadt selbst einbezieht – und zu einer neuen Verzahnung und Vernetzung führen soll. Verantwortlich dafür ist ein externes Büro, „plan lokal” aus Dortmund, das an diesem Abend Alfred Körbel vorstellte.

Eine allererste Skizze zeigt, wie die Innenstadt über eine Verlängerung der Poststraße mit dem Zanders-Geländer vernetzt werden könnte

Das Büro hat mit einer Bestandsaufnahme begonnen, will daraus zunächst ein Leitbild erstellen und daraus Handlungsfelder sowie Ziele ableiten. Beide Projektteile, Innenstadt und Zanders-Areals sollen zu konkreten Maßnahmen führen, die über die Regionale 2025 gefördert werden sollen.

Wo halten sich die Bürger in der Innenstadt gerne (grün) auf, wo nur ungerne (rot)?

Zunächst aber geht es auch den Dortmunder Planern darum, von den Bürgern zu erfahren, wie sie die Innenstadt sehen, welche Funktionen ihnen wichtig sind, was ihnen fehlt. Darüber konnten die (überdurchschnittlich alten, überdurchschnittlich engagierten) Teilnehmer an diesem Abend mit blauen Klebepunkten auf vorbereiteten Stellwänden abstimmen – und individuelle Wünsche äußern.

Die Auswertung wird eine Weile dauern – aber die folgenden Schnappschüsse zeigen ein zwar nicht repräsentatives, dennoch interessantes Stimmungsbild auf. Die Fragen bezogen sich auf die Innenstadt, nicht auf das Zanders-Areal speziell. Gewerbe taucht als potenzielles Angebot daher gar nicht erst auf.

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Reden Sie mit: Was passiert auf dem Zanders-Gelände?

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Langer Weg zum Masterplan für das Zanders-Areal

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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9 Kommentare

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  1. Es gab ja einige Fragen, warum die externen Planer mal wieder aus Dortmund kommen, wie das Ausschreibungsverfahren lief. Wir haben nachgefragt, hier sind die Antworten: in-gl.de/2019/11/19/kommen-eigentlich-alle-stadtplaner-aus-dortmund/

  2. Dort wäre genug Platz für eine große Ladenzeile mit ausreichend kostenfreien Parkplätzen direkt vor der Tür. Ähnlich Strundepark, nur größer. So kenn ich es aus Österreich, aus Villach und Klagenfurt, wo sowas sehr gut funktioniert. Die Parkplätze würden die Leute noch zusätzlich in die Innenstadt locken, wenn sie zentral liegen. Vielleicht ist dort auch noch Platz für ein großes Möbelhaus, ein Kino und ein Indoorspielplatz. All das fehlt in Bergisch Gladbach. (Bensberg ist nicht Gladbach)

  3. hab noch etwas vergessen……was ist mit Barrierefreiheit????????? Wieso gibt es hier nur 3 Punkte??????? Bitte dringend nachbessern…….gaaaaaaanz dringend!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

  4. wie so einige meiner Vorredner frage ich mich auch….“wieso kommen alle Planungsfiguren aus Dortmund??“ Das war das Allererste, was mich bei dieser Veranstaltung sehr unagenehm „ansprang“……Was haben die Dortmunder, was die Gladbacher nicht leisten können???? Gibt es in BGL keine fähigen und interessierten Planungsbüros??Glaub ich nicht!!!!!!!!!!!!!
    Ein Schelm, wer Böses dabei denkt……………………..

  5. Die Veranstaltung war meiner Meinung nach ein gelungener Einstieg in eine Bürgerbeteiligung für dieses wichtigste Großprojekt in Bergisch Gladbach. Die Verantwortlichen haben deutlich den guten Willen für eine wirksame Einbeziehung der Bürger erkennen lassen. Zur Ergänzung möchte ich aber noch vorschlagen, dass geführte Besichtigungen für den Bereich der Teilkonversion angeboten werden. Durch Karten und Fotos wird die Ausgangslage nur bedingt erfahrbar. Deshalb bitte das Gelände so schnell wie möglich bis zu den Produktionsbereichen öffnen und für den geöffneten Bereich sachkundige Führungen für interessierte Bürger anbieten.

  6. Auch wenn die gestrige Auftaktveranstaltung marketingtechnisch gut aufbereitet war und selbst der Bürgermeister es sich nicht nehmen ließ, die Eröffnungsrede zu halten, kehrt schnell Ernüchterung ein, wenn man auf die Zwischentöne hört und wenn man sich frühere Planungsvorhaben in Bergisch Gladbach anschaut.
    Da gab es nämlich auch schon eine so genannte Bürgerbeteiligung. Nur, was ist daraus geworden? Ich denke an die Projekttage der Stadt im Zusammenhang mit der Regionale 2010. Das lief nach gleichem Muster ab. Die allermeisten wollten beispielsweise eine grünere Innenstadt, die Beibehaltung der Pflasterung mit einem Band für Rollstuhlfahrer und Gehbehinderte. Moniert wurde die Hinterhofatmosphäre an der Buchmühle und im Bereich der Straße An der Gohrsmühle.
    Dann der Stadtkulturgarten. Auch hier große Worte, Beteiligung der Bürger, aber ungenügende Umsetzung ihrer Vorschläge. Das vorgesehene Band Rosengarten, Buchmühle durch die Parkpalette verengt, die Hinterhofatmosphäre auf Rückseite der Hauptstraße nicht beseitigt – Bäume hätten genügt, wenn die Immobilienbesitzer dort zu Investitionen nicht bereit oder nicht in der Lage sind. Man sieht nicht gerade viele Menschen im Buchmühlenpark, denn der Blick auf wilde Parkplätze an der Rückseite der Häuser der Hauptstraße ist wenig erbaulich. Und die Kultur im östlichen Teil der Stadtmitte? Die Stadtbücherei wird an den Bahnhof verlegt, das Kulturhaus Zanders ist verkauft. Nicht zu vergessen Bensberg: Änderungswünsche der dort lebenden Menschen werden abgebügelt, weil sie den Designvorstellungen der Planer widersprechen. Und selbst wenn es öffentlich so klingt, als sei nun nach einer Infoveranstaltung der Stadt in Bensberg alles in Ordnung – das was jetzt vorgestellt wurde, war neuer Wein in alten Schläuchen. Die Planung bleibt in Wirklichkeit unverändert.

    Vor diesem Hintergrund bestehen Zweifel, ob nun bei Zanders ein veränderter Prozess abläuft. Die Beteiligung der Bürger ist etwa auf ein halbes Jahr begrenzt. Die eckigen (isolierenden) Begrenzungsklammern in der bei der Auftaktveranstaltung vorgelegten Projektskizze machen dies auch grafisch unmissverständlich klar. Es verwundert deshalb nicht, wenn vom Leiter des Projektteams am Ende der Veranstaltung fast in einem Nebensatz darauf hingewiesen wird, dass die Aufgabe der „Synthetisierung“ der Bürgervorschläge selbstverständlich bei den Planern liege.
    Das heißt doch: Ihr dürft zwar was sagen, aber bestimmen tun wir. Also doch wie gehabt.

    Übrigens: Auch mir ist aufgefallen: Immer wieder werden Dortmunder Planungsbüros mit der Lösung oder Begleitung Bergisch Gladbacher Probleme des Städtebaus beauftragt: Beim FNP, beim Stadtkulturgarten und jetzt auch beim Zanders-Projekt.
    Da macht man sich unwillkürlich so seine Gedanken…

  7. Warum kommen alle Stadtplaner und Verkehrsplaneraus aus Dortmund und nicht aus unserer Umgebung? In unserer Umgebung ansässige und lebende Planer haben doch einen viel besseren Einblick in unsere Bedürfnisse.

  8. Ich hoffe, dass auch bemerkt wurde, dass Parkplätze bei weitem nicht so wichtig sind, wie andere Dinge.
    Dass die Barrierefreiheit allerdings so schlecht abschneidet, finde ich erschreckend. Ich hoffe, die Planer haben das besser im Blick.

  9. Warum muss die Planung wieder von einem Büro von außerhalb gemacht werden? Gibt es in Gladbach keine geeigneten Planer die mit Herz und Seele bei ihrer Stadt sind?!