Die riesige Halle an Rand des Areals kann kurzfristig für Veranstaltungen genutzt werden, mittelfristig für Büros und Gewerbe

Die Frage „Was geschieht auf dem Zanders-Areal” beantwortet Bürgermeister Lutz Urbach stets knapp mit „Papierproduktion”. Doch nach und nach wird klarer, dass auf dem 37 Hektar großen Gelände im Herzen der Stadt sehr viel mehr möglich ist. Neben und nach der Papierproduktion. 

Kurz- und mittelfristig könnte die Öffnung eines größeren Teils des Areals zu erreichen sein, als bislang bekannt. Drei Maßnahmen könnten schon in zwei Jahren umsetzbar sein:

  • Die Stadt verhandelt mit Zanders, einen Teil der denkmalgeschützten Fabrikanlagen („das Museum”) und den sogenannten Büstenhain aus der Verpachtung heraus zu nehmen und öffentlich zugänglich zu machen.
  • Die gut 2000 Quadratmeter große Lagerhalle mit dem historischen „Gohrsmühle”-Schriftzug könnte schon kurzfristig genutzt werden, zum Beispiel als Veranstaltungshalle – bis über eine endgültige Nutzung entschieden wird.
  • Der alte Werksparkplatz am östlichen Rand („Entwicklungsbereich 2″) könnte entsiegelt werden und zusammen mit dem schräg gegenüber liegenden Quirlsberg einen wichtigen neuen Grünraum bilden. Am südlichen Rand des Geländes hat die Stadt mit dem Areal sogar ein kleines Waldgebiet erworben.

Deutlich aufwendiger und schwieriger wäre eine vierte Maßnahme:

  • Kleinere Produktionseinheiten und einen Teil der Kläranlage könnte Zanders mittelfristig aus dem westlichen Randbereich in den Kernbereich verlagern – womit im nordwestlichen Teil des Areals eine relativ große Entwicklungsfläche frei werden würde („Entwicklungsbereich 1″)

Das blaue Kernareal wird von Zanders (mehr oder weniger) genutzt, hier würde die Stadt gerne eine Fläche mit zwei historischen Hallen direkt hinter dem Officebereich übernehmen. Zudem soll Zanders die orangenen Einrichtungen im Entwicklungsbereich 1 (links) räumen. 

Allerdings: ganz so einfach ist das alles nicht, Hoffnungen auf große Flächen, die eine Inanspruchnahme des neuen Flächennutzungsplans überflüssig machen könnten (hier und hier), seien verfrüht, warnte Bürgermeister Urbach jetzt bei einem Pressegespräch.

Dabei informierte er gemeinsam mit den beiden Projektleitern Udo Krause (Stadtplanung) und Jonas Geist (Immobilienverwaltung) im Detail über den Stand der Dinge. Und die sind ziemlich komplex.

Jonas Geist (l.) und Udo Krause. Im Hintergrund die große leere Halle und die RheinBerg Galerie

Zur Erinnerung: Die Stadt hatte das gesamte Zanders-Areal im Insolvenzprozess gekauft und große Teile an die neuen skandinavischen Eigentümer verpachtet. Sie selbst verfügt bislang nur über den Eingangsbereich mit einem Teil der Bürogebäude und über Randstreifen.

Seither steht die Stadtverwaltung vor der Aufgabe, die Flächen optimal zu nutzen und konkrete Konzepte für diese nicht für die Produktion benötigten Flächen zu entwickeln. Gleichzeitig muss sie aber immer einen „Masterplan” ins Auge nehmen, für den Fall, dass die Papierproduktion irgendwann doch beendet wird.

Ohne irgendetwas zu sagen oder zu tun, dass die Überlebenschancen der Zanders GmbH und ihrer rund 350 Beschäftigten zu beeinträchtigt.

Das Zanders-Gelände (oben) prägt die Innenstadt. Foto: REGIONALE 2025 Agentur GmbH

„Standortsicherung ist das oberste Ziel” lautet daher die offizielle Mantra von Verwaltung ebenso wie von CDU und SPD – obwohl vielen klar ist, dass diese Rücksichtnahme die Entwicklung der Innenstadt bremst.

„Die Situation bei Zanders ist nicht nur rosig”, sagt Urbach, „daher wäre es naiv, nicht in Szenarien zu denken – und das tun wir auch.”

Szenario 1 ist eine Teilkonversion der Flächen, die nicht für die Papierproduktion gebraucht werden. Szenario 2 ist eine Vollkonversion – in dem Fall, dass die Produktion eingestellt wird.

In einer ersten Phase kümmert sich die Stadt um die Randbereiche: oben links ist der Office-Bereich, rechts und unten liegen (potenzielle) Grünflächen. Der (weiße) Kernbereich is der Papierproduktion vorbehalten, der Bereich links könnte frei geräumt werden. 

So oder so muss die Stadt jeden Schritt eng mit Zanders abstimmen und im Zweifel mühsam ausverhandeln. Nach wie vor laufen die Verhandlungen über einen ordentlichen Pachtvertrag, die aktuelle Zwischenlösung läuft am 31. Dezember aus. Sie könnte zwar erneut verlängert werden, aber „einen vertragslosen Zustand werden wir nicht akzeptieren”, warnt Urbach.

Bei diesen Verhandlungen versucht die Stadt Zanders davon zu überzeugen, weitere Gebäude und Flächen frei zu räumen und an die Stadt abzugeben. „Eigentlich ist das eine Win-win-Situation”, sagt Stadtplaner Udo Krause: Zanders stößt nicht mehr benötigte Gebäude ab und zahlt weniger Pacht, die Stadt bekommt Raum für ihre Entwicklungspläne.

Die alte, schon lange nicht mehr genutzte Halle im Vordergrund wird als internes „Museum genutzt, rechts daneben der Holländersaal

Zum Beispiel: Das „Museum”, der Holländersaal, der Büstenhain

Allerdings zeigt sich vor Ort, dass das in der Praxis nicht so einfach ist. Ein gutes Beispiel dafür ist das sogenannte „Museum” der Papierfabrik. Direkt hinter den Bürogebäuden liegt das alte Herz der Papierfabrik, mit den markanten Backsteinhallen aus den vergangenen Jahrhunderten.

Dabei handelt es sich zum Beispiel um den „Holländer-Saal”, der früher mal zur Trocknung des Papiers genutzt wurde. Der wird zwar seit rund 30 Jahren nicht mehr genutzt, ist aber ebenso wie die benachbarten Hallen vollgestellt mit alten Maschinen.

Der Büstenhain ist noch an Zanders verpachtet, im Hintergrund rechts ein Verwaltungsgebäude, dass die Stadt an Dritte vermietet

Oder der „Büstenhain”: eine Grünfläche hinter dem Haupteingang, mit den Büsten wichtiger Mitglieder der Zandersdynastie. Auch diesen kleinen Park würde die Verwaltung gerne öffnen – und in einen öffentlichen Bereich einbeziehen, der in der Verlängerung der Poststraße bis auf das Zandersgelände reicht und es so direkt mit dem S-Bahnhof verbinden würde.

Hohe Hürden: Verkehr, Abgrenzung, Versorgung

Aber auch hier gibt es Hürden: Die Straße zwischen den (städtischen) Verwaltungsgebäuden und den historischen Hallen bzw. der Grünanlage wird hin und wieder von zehn Lastwagen genutzt, die stoßweise Zellulose in das dahinter liegende Lager bringen. Daher müsste der Eingang zum Werksgelände verlegt, neue Zäune gezogen, alte Hallen freigeräumt werden.

Ein weiteres Problem ist die Energieversorgung: Zanders betreibt ein eigenes, weitgehend autarkes Stromnetz, die Heizungen werden mit Wärme betrieben, die im Kraftwerk nebenbei anfällt. Will die Stadt Teilbereiche für andere Zwecke nutzen, muss ein neues Versorgungsnetz aufgebaut werden – wie es für den Officebereich am Werkseingang bereits geschehen ist.

Alu-Bedampfung verlagern, Klärwerk verkleinern

Noch komplexer ist die Räumung des nordwestlichen Geländes, auf dem sich im Moment die für die Produktion wichtige Alu-Bedampfungsanlage und ein Teil des Klärwerks befinden. Aber, das hatte schon der frühere Eigentümer Mutares geplant, die Alu-Anlage könnte in den Kernbereich verlegt werden.

Und auch die Kläranlage „Bio 3″ könnte aufgegeben werden, wenn die älteren Anlagen „Bio 1″ und „Bio 2″ saniert werden würde. Technisch möglich, erfordert aber Investitionen. Und die wird der neue Eigentümer nur tätigen, wenn es eine langfristige Erfolgschance für das Unternehmen gibt.

Regionale 2025 gibt Stuktur vor

Dennoch ist die Stadtverwaltung optimistisch, innerhalb der kommenden zwei Jahre ein Konzept für diese beiden Bereiche und eben auch für das nordwestliche Gelände zusammen zu bekommen und auch über Wettbewerbe zu qualifizieren. Das sind die Bedingungen, um bei der Regionale 2025 zum Zuge zu kommen.

Und auch dabei geht es immer auch um das Große und Ganze. Das Projekt für die Regionale heißt nicht umsonst „Integriertes Handlungskonzeptes Zanders Innenstadt“ – sondern soll den Grundstein für einen echten Neustart der Innenstadt rund um den S-Bahnhof legen.

Eine Brache mitten in der City. Die Gleise werden nicht mehr genutzt, hinten die RheinBerg Galerie

Womit die Freiräume füllen?

Mit welchen Inhalten das Zanders-Areal langfristig gefüllt werden soll, ist völlig offen, betonen Urbach und seine Planer. Der Bürgerbeteiligung wolle und dürfe man nicht vorgreifen.

Auf Nachfrage konkretisieren die Planer immerhin, was möglich ist: eine Mischnutzung aus Arbeiten, Wohnen und Freizeit. Vor allem in den Randbereichen – und in Abhängigkeit von dem, was tatsächlich aus der Papierfabrik.  „Nicht überall kann man beispielsweise aus Immissionsschutzgründen Wohnungen bauen,“ warnt Stadtplaner Krause.

Für den Kernbereich, in einer Zeit nach der Papierproduktion, wären noch ganz andere Dinge möglich, sagt Urbach selbst. Zum Beispiel Bildungseinrichtungen, nach dem Vorbild des Gummersbacher Steinmüller-Geländes.

Einstieg in die Bürgerbeteiligung

Der nächste Schritt im Planungsprozess ist jetzt zunächst eine umfangreiche Bürgerbeteiligung. Sie beginnt bereits am Mittwoch, dem 13. November, mit einer Informationsveranstaltung im Spielsaal des Bergischen Löwen unter dem Motto „Vorbeikommen, informieren, diskutieren“.

Details: Bürgerbeteiligung und Masterplan
Die Bürgerbeteiligung läuft so ab:

  • Auftaktveranstaltung mit einer Ideensammlung am 13.11. im Spiegelsaal des Bergischen Löwen,
  • Themenabende, die sich u.a. mit gelungenen Beispielen für Konversion, Nutzungmix, Grünflächenplanung, Gestaltung öffentlicher Räume und Mobilität befassen, Januar und Februar 2020
  • in Workshops im März und April 2020 sollen kleinere, interdisziplinär besetzten Teams  unter fachlicher Leitung Visionen für die mögliche Nutzung erarbeiten
  • in einer Werkstatt 3 werden die Ergebnisse der Workshops zusammen gefasst, Mai 2020
  • öffentliche Abschlussveranstaltung, Mai oder Juni 2020

Die Stadtverwaltung betont, dass es bei dieser Bürgerbeteiligung nur um „Leitplanken” für die Stadtplanung gehe: „Der Beteiligungsprozess zielt in erster Linie auf die Erarbeitung von Leitideen. Unter dem Begriff „Leitidee“ seien planerische Visionen zu verstehen, „an denen sich die konkreteren städtebaulichen Planungen anschließend orientieren.”

Parallel dazu muss die Stadt eine Reihe von formalen planerischen Schritten erfüllen. Erst dann, so die Beschlussvorlage, könne ein „städtebaulicher Masterplans für das Zanders-Areal und Umgebung” aufgestellt werden – der dann wiederum Grundlage für konkrete Maßnahmen wäre.

Dabei verfolgt die Stadt finanziell zwei Ziele: die Förderung im Rahmen des Regionale 2025-Projektes „Zanders-Areal/ Südliche Innenstadt“ sowie eine städtebauliche Grundförderung durch die Bezirksregierung im Rahmen des InHK Zanders Innenstadt.

Es folgt ein Beteiligungsprozess über rund sechs Monate, mit Themenabenden und Workshops, wie sie auch in Bensberg am Anfang des dortigen Integrierten Handlungskonzeptes gestanden hatten. Später sollen die einzelnen Gruppen miteinander ins Gespräch kommen und Leitideen für die Entwicklung des Geländes formulieren.

Schauen Sie sich das Zanders-Areal bei unserem interaktiven Rundflug an

Und was ist mit dem Verkehr?

Dabei wird es auch und mal wieder um das Thema Verkehr geben. Zwar sei die gute Erreichbarkeit durch den ÖPNV das herausragende Merkmal des Zanders-Geländes, betonen die Planer. Allerdings sei auch klar, dass mit einer intensiven Nutzung des 37 Hektar großen Areals neue Verkehrsströme entstehen.

Eine gute Gelegenheit, den alten Traum von der (erneuten) Verlängerung der Straßenbahn von Thielenbruch bis in die Innenstadt neu zu prüfen, findet Stadtplaner Udo Krause. Nur mal so als Idee.

Weitere Beiträge zum Thema:

Langer Weg zum Masterplan für das Zanders-Areal

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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5 Kommentare

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  1. Warum gibt es immer noch Bürger, die nachträglich irgendetwas zu bemängeln haben. Lasst uns doch froh sein, dass es mit Zander ganz gut läuft. Sand ins Getriebe werfen, kann jeder. Aber eine so komplizierte Apparatur wie es der Zandersbetrieb ist, benötigt eine ständige Wartung ( beobachten) und eine durch Fachkräfte ( Beratung und Ausbildung) begleitete Mitarbeiter Struktur. Das da manchmal nicht immer alles glatt läuft, ist klar. Den Armen Pförtner jetzt als den Bösen hinzustellen finde ich einfach lächerlich. Lass besser alle Hilfe und Unterstützung dem Rat der Stadt , dem Bürgermeister, den Mitarbeitern der Firma und den Eigentümern zu fließen. Dann geht es schon mit Zandersbetrieb weiter und das freiwerdende Gelände kann anderweitig genutzt werden, wie es an dem Abend im November skizziert wurde.!!

  2. Ich hatte von der Informationsveranstaltung gehört und wollte mir die aufwändig produzierte Broschüre „Zanders Innenstadt – Projektskizze 1.0“ besorgen.
    Nicht so einfach. Im Impressum steht die Projektgruppe Zanders Innenstadt, Stabsstelle BM-15.
    Keine Telefonnummer, keine E-Mail-Adresse.
    Wohl aber eine Postanschrift: An der Gorsmühle 25, Gebäude A, 51465 Bergisch Gladbach.
    Der Pförtner war ahnungslos, erklärte uns aber den Weg zur Stabsstelle vorbei an gepflegten, leerstehenden Büroräumen. Im ersten Stock gab es tatsächlich die „Projektskizze 1.0“, aber keine Information über Workshops oder wie und wann die Ideen mit der Bürgerschaft erarbeitet werden sollen. Wir hofften auf Informationen in der Broschüre.
    Als wir das Gebäude verließen wurden wir rüde darauf hin gewiesen, dass das kein öffentliches Gebäude sei und wir das auch nicht hätten betreten dürfen. Der Pförtner habe das nicht gewusst.
    Nun stellt sich die Frage, wem gehört das Gebäude? Wer hat das Hausrecht? Und warum gibt es einen Pförtner, der über den Zugang nicht informiert ist.
    Ich sehe schwarz für alles Weitere.

  3. Wenn das Zanders-Gelände geöffnet wird, ist die Innenstadt aus Heidkamp und Gronau super zu Fuß und per Fahrrad erreichbar!