Viele Kinder kennen die Geschichte von Jesus nicht. Die Erzählkrippe im Heilsbrunnen zeigt sehr anschaulich, was es mit Jesu Geburt auf sich hat. Falls Sie die Krippe nicht kennen, hier können Sie sie anschauen.

Maria und Gabriel

Es beginnt mit dem Entschluss Gottes, eine junge Frau aus Nazareth namens Maria auszuwählen. Offenbar steht sie Gott so nahe und ist seelisch gewappnet für die übernatürlichen Herausforderungen und für das menschliche Leid, das sie erwartet, dass sie die Richtige für diese ehrenvolle wie belastende Aufgabe ist. Gabriel, einer der vornehmsten Engel Gottes, wird zu ihr gesandt, um ihr die Gute Nachricht zu bringen, dass sie den Erlöser gebären wird, den Gott sendet.

Sowohl die Engelskunde als auch die jungfräuliche Empfängnis mag uns heute unnötig und sogar unglaubhaft erscheinen. Für Lukas, den Evangelisten, ist sie absolut notwendig, denn der Engel verdeutlicht, dass diese Empfängnis Gottes Wille ist; und die Empfängnis ohne Mitwirkung eines Mannes entspricht der Erkenntnis, dass dieses Kind zugleich Gott und Mensch ist. „Wahrer Gott und wahrer Mensch“ heißt es im christlichen Bekenntnis.

Diese Situation der Begegnung Mariens mit Gabriel findet sich in der Krippe ganz rechts. Es dürfte Nazareth sein, wo Maria lebt.

Maria bei Elisabeth

Die nächste Station ist Mariens Besuch bei Elisabeth. Elisabeth, eine Verwandte Marias, ist eine erfahrene Mutter. Maria vertraut sich ihr an und erbittet ihren Rat. Elisabeth ist hier überraschend alt dargestellt. Offenbar soll es ihre Lebenserfahrung zeigen, die sie Maria zur Verfügung stellt.

Diese Station spielt links oben in der Stadt. Hier empfängt Elisabeth Maria gerade und das Kind in ihrem Leib hüpft vor Freude. Auf verborgene Weise begegnen sich Jesus und Johannes der Täufer zum ersten Mal.

Die Weisen auf der Suche nach dem neugeborgenen König der Juden

An den ersten Sonntagen im Advent wird der weite Weg der Weisen verdeutlicht, indem sie noch nicht in der Krippenlandschaft ankommen, sondern noch auf der anderen Seite der Kirche unterwegs sind. So haben besonders die Kinder viel zu entdecken.

Wir sprechen gerne von drei Königen, aber weder die Zahl noch der Status wird in der Bibel erwähnt. Es sind drei Geschenke, und deshalb vermuten wir, dass es drei Schenkende waren. Und aufgrund der wertvollen Gaben gehen wir allzu leicht von Königen aus, die in der Lage sind diese Geschenke zu überreichen. Doch es sind wohl eher Sterndeuter. Im griechischen Text ist von „Magoi“, also Magiern, die Rede, Männer, die sich mit den Geheimnissen der Welt und des Weltalls auskennen.

Sie folgen einem Stern. Tatsächlich hat es im Jahre 7 vor Christus eine besondere Himmelskonstellation gegeben: Jupiter und Saturn standen so nahe beieinander, dass sie sich zu berühren schienen. Der königliche Jupiter und der inthronisierende Saturn deuteten auf einen neuen König.

Der Weg führte die Magier über Jerusalem schließlich nach Bethlehem.

Herodes, der eifersüchtige König

Auf der Suche nach dem neugeborenen König führte der Weg der Marie also zuerst nach Jerusalem. Herodes der Große war erschrocken. Er fürchtete einen Konkurrenten. Seine einsame Position soll in diesem Thronsaal dargestellt sein. Keine lebhafte Hofgesellschaft, sondern nur zwei ebenfalls einsame Schildwachen leisten ihm Gesellschaft.

Maria und Joseph auf dem Weg

Währenddessen ist auch das junge Paar unterwegs. Im Laufe der Adventssonntage nähern sie sich Bethlehem. In dieser Gestalt werden sie schließlich bei der Wassermühle verharren und dem Wirt begegnen.

Vermutlich war der Wirt viel mitfühlender, als er gerne in Krippenspielen dargestellt wird. Seine Rolle ist oft der Vorstellung angepasst, dass der Weg Jesu in der Welt von Anfang an ein steiniger sei. In Wahrheit mag er Mitgefühl empfunden haben mit den beiden, besonders der jungen schwangeren Frau.

Wenigstens den Stall bietet er Ihnen an. Sie brauchen nur die Treppe hinunter zu nehmen. Hätte der Wirt um die nächtliche Niederkunft gewusst, er hätte sicher noch Decken und ein wärmendes Feuer ermöglicht.

Die Hirten und der Engel

Bei Lukas haben die Hirten viel zu tun. Auch den Hirten ist einen himmlische Begegnung vergönnt. Sie hören die wunderbare Botschaft sogar als erste. Diese Szene wird erst am Heiligen Abend gestellt und bleibt dann bis Anfang Februar stehen.

Aber einige Hirten werden auch an die Krippe gestellt, um Reaktion auf die erstaunliche Botschaft darzustellen.

Die Weisen an der Krippe

Wir folgen der Erwartung der Besucher und lassen auch Matthäus zu Wort kommen. Denn Matthäus kennt nur die Magier, Lukas nur die Hirten. Soll das Kind doch geehrt werden von einfachen Leuten und hochstehenden Persönlichkeiten. Und dazwischen finden wir uns auch. Doch dazu später.

Der Tross der Magier besteht aus Menschen und Tieren. Nach damaligem Weltbild gab es drei Kontinente: Europa, Asien und Afrika. Die anderen waren noch nicht entdeckt. Und Jerusalem und Bethlehem lagen in der Mitte dieses Kleeblattes. Sie bilden das Zentrum der Welt und der Geschichte.

Aus jedem Erdteil kam ein Magier. So werden sie dargestellt als Europäer, Asiate und als Afrikaner. Die Tiere entsprechen den Erdteilen: ein Pferd für Europa, ein Dromedar für Afrika und ein Elefant für Indien / Asien, sind als Lasttiere dabei.

Sie bringen Gold, die königliche Gabe, Weihrauch, der Himmelsduft aus Afrika, und Myrrhe, das Mittel zur Schmerzlinderung, das ursprünglich aus Somalia kommt. Myrrhe hilft zahnenden Kind, ist aber hier eher als Hinweis auf den Tod Jesu zu begreifen, denn es wurde zur Bestattung verwendet.

Der Jachad und die heutigen Menschen

Die Krippe wurde bewusst mit Figuren ausgestattet, die Stoffkleider tragen. So war es möglich, auch heutige Menschen zu integrieren. Einmal um zu sagen, dass auch die betrachtenden Kinder und wir an die Krippe gehören, zum anderen aber auch, um unsere Verbundenheit mit Israel und speziell mit Ganey Tikva, der Partnerstadt Bergisch Gladbachs, Teil dieser Krippe werden zu lassen.

Jachad bedeutet „Zusammen“: Wir hoffen auf Frieden und wachsende Gemeinsamkeiten zwischen Juden, Palästinensern und Deutschen. So ist auch Beit Jala, die Nachbarstadt Bethlehems, ebenfalls Partnerstadt unserer Stadt, Teil dieser Krippe.

Sehen Sie, wie Sie gerade auf dem Weg sind zur Krippe?

Auf der Flucht nach Ägypten

Ganz links sind Maria – sie zum fünften Mal in der Krippe – und Joseph – immerhin zum dritten Mal sichtbar beteiligt – und zwar schon wieder auf dem Weg. Es ist der erste Weihnachtstag. Keine Muße, kein Genießen der freundlichen Gesellschaft und der großzügigen Geschenke.

Schon in der Nacht trat wieder ein Engel auf den Plan und gab Joseph zur Kenntnis, dass das Kind in Gefahr sei. Welche Anstrengung für Maria, die die mit nicht wenigen Flüchtlingen unserer Tage geteilt hat.

Auch die Rolle Josephs ist nicht zu unterschätzen. Er bekam mehrfach Engelsbesuch im Traum. Und er hörte darauf. Welch ein sensibler Mann, dass er den ungewöhnlichen Nachrichten so viel Vertrauen schenkte, dass er sich danach verhielt.

Die Krippe weiter wachsen lassen

Wir hoffen, die Krippe hat Ihnen gefallen. Es gibt viel zu entdecken!

Und für Joseph könnte man glatt noch Stationen hinzufügen. Auch ein Esel für den Stall, der das Kindlein und die Eltern wärmt, wäre noch schön. Wollen wir die Krippe noch ein wenig wachsen lassen?

Alle Figuren wurden von Gemeindemitgliedern und Besuchern gespendet. Die Krippe wurde von mir erbaut und von Prof. Dr. Harjes elektrifiziert.

Allen, die zu dieser Krippe beigetragen haben, sei herzlich gedankt!

Achim Dehmel

Pfarrer der Kirche zum Heilsbrunnen, 4. Pfarrbezirk der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach.

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