Fug und Janina beim Interview mit dem Bürgerportal

Sie singt u.a. im Chor der Oper Köln, er kann die Drei-Groschen-Oper auswendig. Im TV sind sie u.a. bei „Wissen macht AH!“ zu sehen. Als Duo “Fug und Janina” kämpfen Fulgencio Morente Gómez und Janina Burgmer mit der Pandemie. Live-Aufritte sind dünn gesät. Und öffentliche Hilfe für Künstler schwierig.

„Der Lockdown kurz nach Karneval war ein Schock für uns: Dauernd trudelten Absagen ein. Absage bedeutet: Kein Auftritt. Kein Auftritt bedeutet: Keine Gage.“ Einfach aber drastisch lautet die Rechnung, die Fulgencio Morente Gómez (Fug) aufmacht, als er über den Beginn der Corona-Krise berichtet.

Er und Janina Burgmer bilden das Duo „Fug und Janina“. Sie wohnen in Bergisch Gladbach. Und spielen Musik für Kinder, die auch für Erwachsene gut klingt, wie es auf ihrer Webseite heißt. Das bedeutet bei den beiden: Sie spielen vor allem live. Auf der Bühne, mit viel Interaktion. Denn die Kids vor Ort werden mit in die Show einbezogen, kichern in Mikros, tanzen und hopsen wild und dürfen mit musizieren. Die Auftritte sind dadurch sehr spontan.

Aber auch leicht anarchisch, weil Fug als das größte Kind auf der Bühne sowie als humoriger Sidekick von Janina die Performance mit ironischen Aktionen und Kommentaren würzt. „Ich singe mehr, Fug macht mehr Quatsch“, grinst Janina. Momentan herrscht jedoch Flaute. Corona.

(C) Franz Hamm Fotografie

Leider nicht „zesamme“

Dabei begann das Jahr für das Duo hervorragend, erzählen sie. Ein spannender Auftrag kam herein: Die Katholische Jugendagentur Köln (KJA) hatte die Musiker gebeten, einen Song für die Kinderkarnevals-Session zu schreiben. Der stand dann auch recht schnell unter dem Titel „Zesamme“. „Geplant waren zudem ein Video, ein Making-of, Aufnahmen zusammen mit dem FC im Fußballstadion“, erklärt Janina.

Eigentlich wollten sie dann planen, wie sie das Karnevalsprojekt, Dreharbeiten fürs TV, Janinas Moderation von Kinderkonzerten des Beethovenorchesters Bonn sowie ihre Auftritte als Duo in 2020 unter einen Hut bringen könnten, schildert Fug. Stattdessen folgte mit dem Lockdown die Vollbremsung, Leere und Ratlosigkeit.

Keine Kostenloskultur

Die Strategie gegen den Lockdown: Weiter kreativ bleiben, auch wenn die Lage extrem auf Stimmung und Kreativität „drückte“, erklärt Fug. So kamen sie auf die Idee, zuhause in ihrem kleinen Tonstudio Grimms Märchen zu erzählen. Als Hör-Märchen sind sie auf allen Streamingplattformen vertreten.

Ansonsten konnten die beiden dem allgegenwärtigen Musik-Streaming der Performing Artists in der Corona-Krise nicht so viel abgewinnen. „Das ist teils inflationär unter die Menschen gebracht worden“, schimpft Fug. Als Konsequenz würden die Leute dann nicht mehr auf die Konzerte kommen, weil sie sich an die Kostenloskultur gewöhnen würden, ergänzt er.

Mehr Infos zu Fug und Janina auf deren Webseite und auf Youtube.

Und Janina stellt klar: „Vielleicht müssten die Menschen die Kultur viel mehr vermissen um zu sehen, wie wichtig sie letztlich ist.“ Das Livestreaming ersetze nicht ein Konzert: Wenn Menschen lachen, schunkeln, mit den Künstlern interagieren, Kinder tanzen, dann habe das eine eigene Qualität. Wer Fug und Janina live erlebt hat der weiß, was den Unterschied zwischen digital und analog – also Streaming und live – ausmacht.

Knöllchen und Autoschunkeln

Öffentliche Hilfe ist – das wird schnell klar – ein Reizthema für das Duo. Unternehmerhilfe habe man erhalten, aber da unklar war wofür das Geld genutzt werden könne, tasteten sie diese kaum an. Betriebskosten habe man als Künstler nun mal wenig.

Die Künstlersoforthilfe war zu Beginn schnell erschöpft, nachgeschobene Budgets zu ergattern scheiterte an formalen Hürden. Immerhin half die GEMA (Verwertungsgesellschaft für Künstler) mit einer Soforthilfeaktion. Ansonsten blieben nur die Rücklagen, so das bittere Fazit.

Dennoch: Die getroffenen Maßnahmen mit Lockdown, Abstand- und Hygieneregeln halten beide für richtig, auch wenn diese sie als Künstler bis ins Mark treffen.

Wirklich nicht einfach, bei einem Auto-Live-Konzert Stimmung zu den Zuhörern zu transportieren, (C) Fotoagentur Wolf

Tod der Kultur?

„Endlich wieder Künstlerin“ postete Janina vor kurzem auf ihrem Instagram-Account. Da waren die beiden auf einem der ersten, raren Live-Auftritte in diesem Sommer unterwegs. „Wo sonst 5.000 Menschen reinpassen, hörten uns gerade mal 250 zu“, verdeutlicht Fug die Konsequenzen der Auflagen. Aber sie versuchen, das Beste aus den sterilen Live-Situationen zu machen:

„In Neuss saßen die Zuhörer zum Schutz in ihren Autos, wie beim Autokino. Bei einem tollen Mit-Tanz-Song baten wir die Zuhörer einfach, mit ihren Autos zu schaukeln, anstatt zu tanzen“, berichtet Janina. Das habe das Eis gebrochen. Hinterher verteilte Fug spontan Aufkleber als Knöllchen. Eltern und Kinder waren happy. „Und wir auch, weil wir endlich wieder Feedback von unseren Fans bekommen haben“, so Janina.

Den beiden ist die Bühne extrem wichtig. Die Auftritte sind – mehr noch als die Gage – echtes Lebenselixier für Fug und Janina. Über eine zweite Welle möge er gar nicht nachdenken, auch wenn es fast unweigerlich sei dass sie komme, zieht Fug ein Fazit. Und: „Wer das Solidarprinzip nicht mitträgt, der tötet letztlich die Kultur!“

Weitere Beiträge zum Thema

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.