Urlaubsreisen in das Sehnsuchtsland Italien fallen in diesem Jahr eher aus. Umso schöner sind unsere Buchtipps, denn sie tragen Sie wohlbehalten in die Ferne.

Luca Ventura: Mitten im August.
Diogenes 2020, € 16,00.

Mit dem Auftakt zu dieser neuen Krimi-Reihe werden wir auf eine Lieblingsinsel der Deutschen entführt, nämlich nach Capri. Der Autor schreibt unter einem Pseudonym und lebt in der Nähe von Neapel.

Enrico Rizzi, Inselpolizist, schiebt in der Regel eine ruhige Kugel auf dem idyllischen Capri. Neben kleineren Delikten fällt meistens nicht viel an und so hilft er nebenbei noch in den väterlichen Obst- und Gemüsegärten. Das ändert sich schlagartig, als Mitte August ein Toter, erstochen, in einem Ruderboot an Land gespült wird.

Mit der vermeintlichen Idylle ist es nun aus und vorbei. Es ist Hochsaison und die Touristen sollen so wenig wie möglich mitbekommen. Für Rizzi ist dies der erste Mordfall und er bekommt Verstärkung vom Festland. Die neue Kollegin Antonia Cirillo ist mit den provinziellen Bedingungen auf der Insel gar nicht glücklich. Nebenbei lernt man, das Capri zu Neapel gehört und so muss sich Rizzi den Anordnungen der Stadt mehrfach beugen.

Nach und nach wird klar, dass es sich bei dem Toten Jack, um einen Studenten der Ozeanologie handelt, der aus einer reichen norditalienischen Industriellenfamilie stammt. Zusammen mit seiner Freundin Sofia war er auf die Insel gekommen. Nur der Grund für ihr Kommen erschließt sich den Ermittlern zunächst nicht.

Sofia ist seit dem Mord spurlos verschwunden. Und so laufen die Ermittlungen zunächst in alle Richtungen. Nach und nach wird klar, das Motiv liegt im Charakter des Opfers selbst begründet. Die Meinungen über ihn gehen extrem auseinander.

Auf der einen Seite der charmante Straßenmusiker, der sich nebenbei etwas Geld verdient. Und auf der anderen der extreme Umweltaktivist, der polarisiert und überall aneckt. So kristallisiert sich für die Ermittler langsam ein Motiv heraus, das sie dann schließlich auf die richtige Spur bringt.

Ein Krimi zwischen Zitronenhainen und Oleanderbäumen, angesiedelt auf der schönsten Insel der Welt, geht das? Auf jeden Fall! Mit sehr viel Lokalkolorit entwickelt sich hier ein ernstzunehmender Kriminalfall mit zwei sympathischen Ermittlern, von denen wir hoffentlich noch viel hören werden.

Es heißt, der zweite Band sei in Vorbereitung. Darauf freuen wir uns schon jetzt! Bis dahin und bis die rote Sonne im Meer rund um Capri versinkt, frönen wir dem „Dolce Vita“ mit diesem sehr launigen Sommerkrimi. Alla prossima volta, bis zum nächsten Mal!

(Sylvia Jongebloed)

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Marco Balzano: Ich bleibe hier.
Diogenes 2020, € 22,00.

Marco Balzano ist Lehrer für Literatur an einem Mailänder Gymnasium und gehört zu den erfolgreichsten italienischen Autoren. Außer Gedichten, Essays und Erzählungen schreibt er auch Romane. Den neuesten stellen wir Ihnen hier vor.

Graun ist ein kleines Dorf in Südtirol. Hier lebt die junge Lehrerin und Ich-Erzählerin Trina. Sie schreibt in einer Art Tagebuch für ihre Tochter über prägende Jahre ihres Lebens. Aufgewachsen in einfachen Verhältnissen auf einem Bauernhof, wird sie 1923 nach der Reifeprüfung wie ihre beiden Freundinnen Lehrerin. Sie heiratet den Bauern Erich und bekommt eine Tochter, später noch einen Sohn.

Das Leben ist voller Entbehrungen in Südtirol, das in den 1920er und 1930er Jahren sehr unter dem Machtstreben des Dritten Reichs und Mussolinis Italien leidet. Doch dann kommen die Kriegsjahre und es wird noch viel schlimmer. Vor die Wahl gestellt, nach Deutschland auszuwandern oder zu bleiben und als Menschen zweiter Klasse zu gelten, wählen Trina und Erich ihre Heimat und damit nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Das Unterrichten wird immer schwieriger und muss heimlich in Verstecken geschehen. Als viele Dörfler aus Angst vor den Soldaten in die Berge fliehen, schließen sie sich an. Sie leben dort unter unvorstellbaren Entbehrungen, leiden unter Hunger und Kälte und entkommen nur knapp der Hinrichtung.

Als der Krieg endlich zu Ende ist, schöpfen sie wieder Hoffnung und wollen ihr altes Leben neu aufnehmen. Doch das Schicksal hat noch mehr mit ihnen vor.

Der Gedanke, in dieser Gegend Südtirols einen Stausee zu bauen, kam das erste Mal Anfang des 20. Jahrhunderts auf, dann nahmen ihn die Deutschen kurz wieder auf. In den Nachkriegsjahren sind es schließlich die Italiener, die zur Realisierung des Projektes schreiten. Dörfer wie Graun werden geflutet, Häuser werden zwangsgeräumt, die Bevölkerung wird in Notunterkünften untergebracht. Das Land und persönlicher Besitz bis auf ein Minimum weg, kaum Entschädigung. Die Menschen entwurzelt und traumatisiert.

Von diesen historischen Fakten erzählt Balzano anhand einer fiktiven Familiengeschichte in einer klaren Sprache sehr einfühlsam und eindringlich. Man fragt sich, wie viel muss und kann ein Mensch erleiden. Der Leser ist in dieser Geschichte nicht nur ein Gast, der zuschaut, sondern er erlebt und fühlt das Geschehene mit.

Dennoch ist es ein versöhnliches Buch und es beschreibt, wie Menschen in Extremsituationen über sich selbst hinauswachsen und sich nicht unterkriegen lassen. Am Ende des Buches ruft sich die Protagonistin Worte ihrer Mutter in Erinnerung: Vorwärts gehen, die einzige Richtung die erlaubt ist, sonst hätte Gott uns die Augen seitlich gemacht.

Dem ist nur noch hinzuzufügen, dieses Buch wird sie verfolgen, aber sie würden es bereuen, es nicht gelesen zu haben, denn sie werden jetzt vieles aus einem anderen Blickwinkel sehen. Ein Buch, auf das man nicht verzichten sollte, ein ganz großer Wurf!

(Sylvia Jongebloed)

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Luca Ferraro: Rache an der Riviera. 
Emons Verlag 2020, € 13,00.

Der Autor, Journalist und Schriftsteller, lebt abwechselnd in Berlin und Ligurien und hat sich im Laufe der Zeit profunde Kenntnisse über Italien angeeignet. Er liebt besonders die Riviera, was diesem Roman sehr zugute kommt.

Die Geschichte beginnt im alten Hafen von Genua. Hier gibt es auf einem umgebauten Schiff das zweitgrößte Aquarium Europas. Dort wird im Piranha-Becken eine zerfetzte weibliche Leiche gefunden.

Dies wiederum bringt den Gerichtsmediziner Johann Sorbello auf den Plan. Die Obduktion ergibt Ungeheuerliches, er findet Olivenöl in der Lunge der Toten. Weil der leitende Ermittler wenig interessiert an diesem Fall ist, beginnt Sorbello selbst Nachforschungen anzustellen, zumal ein Foto der Toten bei ihm eine heftige Reaktion ausgelöst hat. Später unterstützt ihn Enza dabei, Tochter des größten Olivenölherstellers der Region und Freundin der Toten, die im väterlichen Unternehmen angestellt war.

Es entwickelt sich eine äußerst komplexe Kriminalgeschichte, die vor historischen Fakten nicht haltmacht. So wird das Thema der deutschen Besatzung am Ende des Zweiten Weltkrieges mit in die Handlung aufgenommen.

Nebenbei spielt gepanschtes Olivenöl eine wichtige Rolle, was in dieser Region Italiens wohl zu einem großen Problem geworden ist. Außerdem wirft eine tragische Familiengeschichte große Schatten auf diesen Fall.

Birgit Lingmann und Pia Patt führen die Buchhandlung Funk

Aber auch die menschliche Seite kommt nicht zu kurz. Sorbello, den Frauen nicht abgeneigt, hat ein äußerst kompliziertes Innenleben. Er lebt im ständigen Clinch mit den zuständigen Polizeibehörden. Auf der anderen Seite lernen wir die rebellische Fabrikantentochter mit den Modelmaßen und dem großen Herzen kennen. Köstlich wird auch der Assistent von Sorbello beschrieben, der heimlich für seinen Chef schwärmt.

Diese Mixtur aus vielschichtiger Handlung, komplexen Charakteren und atemberaubenden Landschaftsbeschreibungen ergibt einen spannenden Krimi, in dem ständig neue Fährten gelegt werden, die schließlich in einem großen Showdown enden und ein nicht vorhersehbares Finale ergeben. Eine bunte und vielschichtige Lektüre. Bis zum Ende bleibt die Geschichte mitreißend und lässt einen im Kopf perfekt nach Ligurien reisen.

(Sylvia Jongebloed)

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Viel Spaß beim Lesen.

Ihre Birgit Lingmann und Pia Patt

Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Lingmann (geborene Jongebloed) bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen.

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Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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