Aus Kernen herausgezüchtet. Fotos: Annette Voigt

Die AWO-Kita Herrenstrunden gleich einem Schiff, die Kinder nennen sich Seeräuber und Piraten. Doch statt das Meer erkunden sie Wald und Wiesen, mit einem wachen Blick auf den Natur- und Umweltschutz. Für ihr nachhaltiges pädagisches Konzept war die Einrichtung als erste „Kita-Klima“ in Rhein-Berg anerkannt worden. Wir haben uns angeschaut, was das für den Alltag der Kinder bedeutet.

Die Kita des AWO-Kreisverbands Rhein-Oberberg in Herrenstrunden ist die erste und bislang einzige „KlimaKita“ im Rheinisch-Bergischen Kreis. Mit diesem Titel war sie 2024 von der Landesgesellschaft für Energie und Klimaschutz „NRW.Energy4Climate“ ausgezeichnet worden. Das Land zeichnet damit Kitas aus, die sich mit einem langfristig angelegten pädagogischen Konzept für den Klimaschutz einsetzen.  

„Unsere Kinder sollen ökologische Lebensräume erleben und dadurch lernen, achtsam mit den natürlichen Ressourcen umzugehen,“ sagt die Kita-Leiterin Bettina Ommer. Unter ökologischer Bildung verstehe die Kita „die Vermittlung des Bewusstseins für eine gesunde Wechselbeziehung von Pflanzen, Tieren und Menschen“.  

Die kindgerechten Klimathemen werden das ganze Jahr über angeboten, wobei die Ideen der kleinen Piraten und Seeräuber aufgegriffen und die Eltern punktuell einbezogen werden. Die Kita war 1998 in einer ehemaligen Dorfschule eröffnet worden – der moderne Anbau hat die Form eines Schiff, daher nennen sich die Kinder Seeräuber und Piraten. 

Unserer Erde geht es nicht gut!

Zunächst hatten die Kinder besprochen, wer alles auf der Erde lebt. Also der Mensch, das Tier und die Pflanze. Schnell wurde klar, dass jeder auf jeden angewiesen ist und es allen gutgehen soll. „Der Mensch passt nicht gut auf die Erde auf“, stellten die Kleinen fest, berichten die Erzieher:innen. Ist die Luft verschmutzt, werden die Menschen krank. Haben Pflanzen kein Wasser, verdursten sie.  

Wie schlecht es der Erde geht, können die Kinder genau beobachten, wenn sie im Wald sind. Die Natur eignet sich gut, die Umwelt zu beobachten und die vier Elemente näher kennenzulernen. Hier gibt es viele Bäume, die krank sind oder nicht mehr leben.

Hintergrund: Mit der Serie „Mehr Grün für unsere Stadt …“

… will unsere Autorin Annette Voigt auf Musterbeispiele für grünes Engagement in Bergisch Gladbach und im Rheinisch-Bergischen Kreis aufmerksam machen. 

Angesichts der zunehmenden Negativauswirkungen des Klimawandels wie Hitze -und Trockenperioden, Starkregen und Hochwasser ist der Erhalt von Grünflächen und die Neuanpflanzung klimaresistenter und schattenspendender Pflanzen, Bäume und Gehölze notwendiger denn je. In Zeiten knapper werdenden Wasserressourcen gilt es auch hier umzudenken und einzusparen, z. B. indem Rasenflächen zu blühenden Blumenwiesen umgewandelt werden. Möglichst viel Grün gehört in die Stadt, denn das sind die grünen Lungen der Bergisch Gladbacher Bevölkerung, unsere Sauerstoffproduzenten.

Doch statt dessen ersetzen Schottergärten und durchgeflieste Flächen ehemals grüne Vorgärten. Sie wirken der Biodiversität entgegen und berauben den Insekten und Kleingetier ihren Lebensraum. Da es von der Stadt keine Verfügungen gibt, die diese grauen „Steinwüsten“ verbieten oder zumindest reglementieren, können diese Beispiele dazu beitragen, an die grüne Vernunft zu appellieren.

Eine Reihe von Gartenprojekten haben wir bereits vorgestellt; Sie finden sie unter diesem Artikel.

Kennen Sie weitere Projekte dieser Art? Melden Sie sich gerne bei der Autorin.

Kinder haben Lust, etwas zu erforschen. Mit einem digitalen Mikroskop nehmen sie unter die Lupe, was es im Wald alles gibt, wie Pflanzen, Bäume, Blätter und Tiere, aber auch Plastikmüll. Die Kinder wissen genau, dass Müll nicht hierin gehört, und empören sich darüber. Eifrig sammeln sie diesen ein. Nur die Metallleiter, die sie letztens fanden, mussten sie liegenlassen. 

Sie wissen, welche Regeln im Wald einzuhalten und welche Ressourcen zu schonen sind. Brütende Vögel werden in Ruhe gelassen. Wurzeln werden geschützt, indem sie nicht ausgegraben werden. Sie kriechen nicht in Tierhöhlen wie die „Zwergenhöhle“, in der die Fledermäuse im Winter schlafen. Plastikspielzeug nehmen sie nicht mit.

Der Wald ist ohnehin der schönste Spielort, in dem es immer etwas zu entdecken gibt. Sie spielen mit natürlichem Material und bauen beispielsweise Tipis aus Totholz oder Sofas aus Stöcken und Moos. Wieder zurück in der Kita schließen sie das Mikroskop an den PC an, um im Detail ihre Aufnahmen zu studieren. Gegenstand der Rezertifizierung durch das Land, die im Sommer beantragt werden soll, ist das Thema Wald.

Wer, wie, was, warum?

In einem Glas sammeln die Kinder Regenwürmer, um ihr Leben zu erforschen. Sie nennen das Glas ihr Wurmhotel. Die Kleinen fütterten die Würmer mit Kaffeesatz und Zwiebeln und beobachteten ihr Fressverhalten. Nach kurzer Zeit wurden die Regenwürmer wieder freigelassen. Denn die Drei- bis Sechsjährigen wissen sehr genau, dass sich Regenwürmer in der Erde am wohlsten fühlen.   

„Wir ermöglichen ihnen im Rahmen einer frühen Bildung, Erfahrungen zu machen, Zusammenhänge zu verstehen und Wissen zu erwerben. Wir unterstützen ihren Forscherdrang auf vielfältige Weise“, erklärt Ommer. Es ist daher plausibel, dass die Stiftung „Kinder forschen“ die Kita bereits mehrfach dafür auszeichnete.

Eine Solarfirma spendete kleine Solarmodule. Damit bauten die kleinen Forscher Solarhäuser aus Holz, in denen sie Glühbirnen befestigten, die mit Hilfe der Sonneneinstrahlung leuchteten. 

In einem Hochbeet pflanzten die wissbegierigen Kinder Apfelkerne ein, um „ihr Frühstück wachsen zu lassen“. Allerdings – wenn der Apfelbaum die ersten Früchte trägt, sind die Kinder längst in der Schule. „Die Ernte war nicht die Absicht, sondern zu erleben, wie schon nach kurzer Zeit aus einem Kern ein zartes Pflänzchen sprießt“, erklären die Erzieher:innen.

Aus den Aprikosen- und Granatapfelkernen wurde übrigens nichts. „Auch dies ist beim Gärtnern eine wichtige Erfahrung“.

Wie kann ich Luft sehen?

Vielfältige didaktisch-methodische Materialien laden die Kinder zum Nachdenken und Mitmachen ein, wie beispielsweise zum Thema Luft. Die kleinen Klimaschützer ließen ihrer Phantasie freien Lauf und bastelten aus beweglichen Materialen, z. B. Stoff, Federn und Schnüren ein Mobile, das an der Decke des Gruppenraumes zu schweben scheint.

Stolz erklären sie ihr Kunstwerk, einen Rahmen mit den vier Elementen. Ein Wölkchen auf weißem Grund stellt die Luft dar, der blaue Tropfen auf Blau das Wasser, das Pflänzchen auf Braun die Erde und das Fünkchen auf Rot das Feuer.

„Warum stinkt Blacky?“

Die Geschichte vom sauberen Wölkchen, das einer schmutzigen Wolke (Blacky genannt) begegnet, führt zu einer dynamischen Frage- und -Antwortrunde. Die Kinder sind in ihrem Element.

„Warum stinkt Blacky?“ „Weil die Wolke nicht aus sauberer Luft, sondern aus Dreck und Staub ist“. „Was macht denn die Luft dreckig?“ „Benzin und deshalb fährt mein Papa ein Elektroauto.“ „Schornsteine, Schiffe, Autos, Motorräder, Flugzeuge auch.“ „Alle Schiffe?“ „Nein, Ruder- und Segelboote nicht.“ „Warum ist die dreckige Luft nicht gut“? „Da ist zu wenig Sauerstoff drin.“ „Dann kriegen wir schlecht Luft. Das ist ungesund für unseren Körper. Da muss man ins Krankenhaus.“

„Was können wir tun, um die Luft zu verbessern?“ „Da sind auf dem Dach so Platten wie bei unseren Solarhäuschen. Die Platten, das ist Solar.“ „Wir könnten ohne Auto zur Kita kommen, z. B. zu Fuß, mit dem Laufrad oder dem Fahrrad.“ Die Ideen sprudeln nur so heraus.

Nachdem die Kinder ausführlich über die schlechte Luft debattieren, möchten sie wissen, wie diese aussieht und entsteht. Ein dunkles Glas voll Ruß dient zur Veranschaulichung.

Die Erzieherin macht dazu ein Experiment. Drei verschieden hohe Gläser werden auf drei brennende Teelichter gestülpt. Die Kinder beobachten gespannt, was passiert, und können detailliert begründen, warum in dem kleinsten Glas die Flamme am schnellsten erlischt. „Na klar, da ist doch ganz wenig Luft drin“. „Und in der Luft ist Sauerstoff und der ist nun alle“. „Das Feuer braucht nämlich Luft zum Brennen“.

Das Thema Luft beenden die Kinder mit dem Lied der Elemente: „Die Welt der Elemente ist zauberhaft und wunderbar. Vier tolle Elemente sind immer für uns da (Refrain). Die Luft sie lässt uns atmen, umgibt uns rein und klar, wir können sie nicht sehen, doch ist sie immer da.“ (Die zauberhafte Welt der Elemente, Sabine Gottschalk, Verlag Mülheim a. d. Ruhr 2019) 

Klimaschutz prägt den Kita-Alltag

Die Kinder sparen beim Händewaschen Wasser, indem sie beim Einseifen das Wasser abstellen. Das Licht wird nur angeschaltet, wenn es nötig ist. In einem Workshop des LVR-Papiermuseums lernten die Kinder, spielerisch aus altem Papier neues zu schöpfen. Das Thema Recycling wurde veranschaulicht und die Kleinen sensibilisiert, wie bedeutsam die Ressource Papier ist. Jetzt wird im Kindergarten Papier doppelseitig verwendet. 

Täglich wird in der AWO-Kindertagesstätte das Mittagessen frisch aus regionalen und saisonalen Lebensmitteln zubereitet. Fleisch gibt es vom Bauern aus dem Ort. Somit werden lange Lieferwege und CO₂ eingespart.

Umweltbewusst sein bedeutet, auch Abfall zu vermeiden. Regelmäßig sammeln die Kinder gemeinsam Müll in der Umgebung ein. „Plastik gehört in die gelbe Tonne und nicht auf den Bürgersteig“, so die Kinder. Eine Collage, die die kleinen Klimafreunde anschließend kreieren, stellt die Umweltverschmutzung dar, die sie erlebt haben.   

Übrigens: Die AWO Rheinberg ernannte in allen Kindergarten- und Alteneinrichtungen einen „Klima-Engel“, der/die dafür sorgt, zwecks Entlastung der Umwelt Rohstoffe, Energie und Wasser so sparsam und effizient zu nutzen.

Die kleinen Naturforscher von heute sind die Naturliebhaber und Klimaschützer von morgen, die jede Pflanze, jeden Baum und jede Grünfläche achten, wie sie es in ihrer Kindheit erlernten. 

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