Nur für kurze Zeit ist in der Villa Zanders eine bemerkenswerte Kabinettausstellung mit Werken von Heinrich Jarczyk zu sehen. Sie geben einen guten Überblick über das Schaffen des in Bergisch Gladbach lebenden Künstlers. Zu sehen sind auch Arbeiten, die in seinen über 50 Einzelausstellungen bis dato nicht präsent waren.

Mit Heinrich Jarczyk stellt die Villa Zanders einen Künstler vor, der “auch” als Maler aktiv ist. “Auch”, weil er lange Zeit vornehmlich er als Naturwissenschaftler im Bereich Pflanzenschutz arbeitete. Gleichwohl hatte er bereits als Schüler Zeichenunterricht genommen. Dieser Leidenschaft konnte er sich ab 1986, seinem Abschied von Berufsleben, ausnahmslos widmen. Die Ausstellung wird aus Anlass seines 95. Geburtstages im Januar 2020 gezeigt.

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Heinrich Jarczyk: Damnoni-Bucht Kreta, 2006, Öl auf Leinwand

Zu sehen sind Werke eines Künstlers, der ausnahmslos gegenständlich arbeitet. Der in dieser Stilistik “ganz bei sich bleibt” wie es die Leiterin der Villa Zanders und Kuratorin der Ausstellung, Petra Oelschlägel, beschreibt.

Ausstellung in der Villa Zanders
Heinrich J. Jarczyk: Ihr glücklichen Augen …
14. August bis 13. September 2020
Eintritt während der gesamten Laufzeit frei!
Mehr Infos auf der Website der Villa Zanders

Den Besuchern der Villa präsentiert sich mithin ein inspirierender, facettenreicher Spaziergang durch eine Bildwelt mit Landschaftsbeschreibungen, Stilleben, aber auch Interpretationen von Ereignissen aus der Neuzeit. Der Ausstellungstitel “Ihr glücklichen Augen” verweist nicht nur auf die ausgewählten Objekte, sondern auch auf Jarczyks Haltung gegenüber Natur und Schöpfung insgesamt.

Petra Oelschlägel hat die Ausstellung nach einer Sichtung der Arbeiten Jarczyks in seinem Atelier konzipiert. “Die Auswahl der Werke wurde vor Ort getroffen, nachdem ich bei mehreren Treffen mit Familie Jarczyk einen Überblick über den Bestand gewonnen hatte”, erzählt sie.

Ein Werk, das in der Villa Zanders erstmals zu sehen ist: Washington D.C., Skizzenbuch Nr. 17 (1987-1990) von Heinrich Jarczyk

Premiere in Villa Zanders

Herausgekommen ist eine kleine aber feine Auswahl: In der Kabinettausstellung sind 42 Arbeiten zu sehen. “Das Gute an diesem Ausstellungsformat ist, dass der Besucher genau hinschaut”, beschreibt die Leiterin des Museums die Vorzüge der kleinen, aber feinen Kabinettausstellung.

Und die Besucher können in der Villa Zanders Werke entdecken, die bislang noch nicht ausgestellt worden sind: So z.B. die Jacobsmuscheln, Skizzenbuch Nr.- 46 (2008, das Einladungsmotiv der Ausstellung), Giraffen Kölner Zoo (2005), oder Washington D.C., Skizzenbuch Nr. 17 (1987-1990).

Spannend sind die drei ausgestellten Skizzenbücher. Sie geben einen intimen Einblick in die künstlerische Momentaufnahme Jarczyks mit Arbeiten, die teils seine Familie noch nicht zu Gesicht bekommen hat. “Die Arbeiten entstehen spontan, ohne großes Nachdenken”, erklärt die Direktorin. “Damit transportieren sie eine tolle Direktheit, eine Spontanität des Künstlers.”

Im Gegensatz dazu stehen die gezeigten Ölgemälde. Hierunter fällt zum Beispiel das Werk “Mauerfall”, das die Deutsch-Deutsche Geschichte 1989 sehr assoziativ illustriert. “Heinrich Jarczyk stammt aus dem Osten (Anm. der Red.: geboren in Neisse, Schlesien), insofern liegt die Vermutung nahe dass er dieses Ereignis weitaus emotionaler wahrgenommen hat als dies vielleicht für Künstler aus dem Westen der Fall war”, erläutert Petra Oelschlägel. Wundervoll auch das Stilleben “Hummer”, das Lieblingsbild von Jarczyks Frau, die selbst Klarinette spielen soll, verrät Petra Oelschlägel.

Heinrich Jarczyk: Hummer (1996)

Keine Avantgarde

Keine Frage: Die Arbeiten von Heinrich Jarczyk sind keine Avantgarde. Hier treibt kein Künstler Aussage oder Stilistik voran. Die Werke sind kleine, in sich ruhende Meisterwerke von hoher Präzision, mit Liebe zum Detail. Realismus par excellence, so wie die Muscheln auf dem Plakat zur Ausstellung. Die Bilder sind von einer Leichtigkeit, die den Betrachter das dahinterstehende, meisterliche Können nahezu vergessen lassen.

Heinrich Jarczyk hatte als Naturwissenschaftler einen anderen “Brotberuf” als Malerei. Wäre andere Kunst herausgekommen, wenn er davon hätte leben müssen – also Kunst ohne ökonomischen Druck? “Es ist ein Privileg, sich beruflich zu etablieren und dennoch seiner Leidenschaft lange Jahren folgen zu können”, meint Petra Oelschlägel. Die Werke von Heinrich Jarczyk, die sie in der Ausstellung zeigt, machen eine Antwort auf die Frage überflüssig.

Überblick über Leben und Werk von Heinrich Jarczyk unter www.jarczyk.de

Holger Crump

ist freier Journalist und vielseitig interessierter fester Mitarbeiter des Bürgerportals.

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