In einem Video demonstriert ein Mitarbeiter der Feuerwehr, wie der Spucktest abläuft - bei dem man nicht spuckt, sondern etwas Spucke in einen kleinen Trichter fließen lässt. Foto: Screenshot Feuerwehr GL

17.000 Schnelltests hatte die Stadt Bergisch Gladbach allen Schulgemeinschaften der Stadt kurzfristig zur Rückkehr in den Präsenzunterricht am Montag zur Verfügung gestellt. Dafür erhält sie sehr viel Lob. In einigen Schulen gibt es aber auch Kritik; ein paar machen nicht oder nur eingeschränkt mit.

Aus eigenen Beständen hatte die Stadtverwaltung am Freitag 17.000 Schnelltests an alle Schulen geliefert, damit sie am Montag zu Unterrichtsbeginn aller Schüler:innen, die ganze Lehrerschaft und das komplette Personal testen können. Eine Maßnahme, die auch das Land NRW (nur für die Schülerschaft) plant, so schnell aber nicht ausstatten konnte.

Daher stieß die Aktion der Stadt auf eine großes und weitgehend positives Echo. In den Schulen und dort vor allem in der Lehrerschaft gibt es aber auch praktische Vorbehalte und Kritik. Einige Schulen beteiligen sich offenbar gar nicht, andere nur eingeschränkt.

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Die Stadt habe alle 34 Schulen am Donnerstagabend per Mail informiert, erklärt die Stadtverwaltung. Was die einzelnen Schulleitungen mit dem Angebot machten, sei für die Stadt nicht relevant – und auch nicht bekannt. Er gehe davon aus, dass „ein Großteil der Schulen“ mitmacht, sagt Fachbereichsleiter Dettlef Rockenberg. Am Montag oder auch erst am Dienstag.

Zur Sache: Die Schnelltests sind freiwillig und werden nur durchgeführt, wenn eine Einverständniserklärung der Eltern vorliegt. Sie sollen unter Aufsicht der Lehrer:innen zum Beginn des Unterrichts durchgeführt werden. Bei positiven Ergebnissen sollen sich die Betroffenen vorsorglich in Quarantäne begeben. Die Fälle werden dem Gesundheitsamt gemeldet, zudem wird ein regulärer PCR veranlasst. Alle Infos

Praktische Probleme gibt es mit den Einverständniserklärungen der Eltern, ohne die kein Schulkind getestet wird. Die Stadt hatte den Schulen dafür zwar ein Formular an die Hand gegeben. Aber nicht alle Schulen haben diese Formulare an die Eltern verschickt; andere befürchten, dass der Rücklauf am Montagfrüh nicht groß sein wird.

„Die Vorarbeit der Stadt mit Anschreiben und Anleitung und Video war wirklich super“, sagt Frank Bäcker, Direktor des DBG. Jetzt hoffe er, dass am Montag möglichst viele Erklärungen vorliegen.

Erfreut äußert sich auch Nicole Schuffert, Leiterin des Berufskollegs Kfm. Schulen über die Initiative der Stadt Bergisch Gladbach: „Ich finde es sehr gut, dass nicht nur uns Lehrer:innen die Sicherheit einer Testung gegeben wird, sondern auch den Schüler:innen und deren Angehörigen.“

Problematisch sieht sie die Kurzfristigkeit: So würden viele Einverständniserklärungen Montag nicht vorliegen können, da die Schüler:innen dann den ersten Schultag hätten und am Wochenende nur über Mails zu erreichen seien. Dazu fehlten in den Haushalten Drucker, um die Erklärungen auszudrucken.

Darüber hinaus gibt es in einigen Kollegien Widerstand, auch in den Grundschulen. Die Argumente reichen vom zusätzlichen Arbeitsaufwand, über den Verlust an Unterrichtszeit bis hin zu hygienischen Sorgen. Einzelne Lehrer:innen kritisieren, dass es schwer werde, den Schüler:innen klar zu machen, Maske zu tragen und Abstand zu halten, nun aber in der Gruppe im Klassenraum Spucktests machen zu sollen.

Dabei spielt es eine Rolle, dass die Aktion von der Stadt ausgeht. Die ist zwar Schulträger, aber gegenüber Lehrkräften nicht weisungsbefugt. Damit können auch die Schulleitungen den Lehrer:innen nicht auferlegen, die Tests durchzuführen.

Das Schulministerium selbst hatte in einer Schulmail am Donnerstag darauf verwiesen, konkrete Hinweise zu den geplanten Selbsttests an diesem Montag zu liefern. Ob und wann das Land ausreichend Schnelltests für die Schulen ausliefert ist bislang offen.

In der Konsequenz wird es am Montag in Bergisch Gladbach kein einheitliches Vorgehen der Schulen geben. Einige Schulleitungen haben die Elternschaft bislang gar nicht informiert und warten offenbar erst einmal ab.

Andere Schulen wie das DBG, die IGP oder das NCG haben die Infos und das Formular rasch per Mail verschickt und wollen möglichst umfassend testen.

Und wieder andere, wie das Kaufmännische Berufskolleg, fangen klein an. Da es Sorgen und Ängste des Kollegiums gebe, werde man am Montag mit einem Pilotprojekt starten. Die Schulleitungsrunde werde in einzelnen Klassen mit den Tests beginnen, um daraus Erfahrungen zu sammeln und mit dem Lehrerrat eine gesamtschulische Lösung zu finden.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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7 Kommentare

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  1. Liebe Redaktion,
    ich hatte nur die Info (aus erster Hand – Stand gestern), dass es für die Waldorfschule keine Tests gäbe.
    m.W.n. bedeutet übrigens „meines Wissens nach“
    Ich bin ja sehr froh, dass es da auch noch mit den Tests geklappt hat. Vielen Dank fürs recherchieren.

  2. Nur eine Kleinigkeit, aber weil es immer erwähnt wird: Einverständniserklärungen müssen nicht am nicht vorhandenen Drucker scheitern. Stift und Papier dürften überall vorhanden sein.

  3. Hallo,
    Ich stimme Frau Steinmetzer in allen Punkten zu. Es ist toll, dass die Stadt hier schnell und unbürokratisch gehandelt hat, um die Schnelltests noch vor dem Land in die Schulen zu bringen. Da finde ich die skeptischen Reaktionen mancher Schulleiter/innen völlig lächerlich. In unserer Schule war es kein Problem, die Eltern umfassend und schnell zu informieren und auch die Einverständniserklärung anzufordern. Natürlich muss man dafür aber auch mal über den Tellerrand hinaus blicken.

  4. Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich für das Engagement der Stadt bedanken. Jede Maßnahme, die Licht ins Dunkel der Verbreitung des Virus bringt und gleichzeitig die gesundheitliche Sicherheit unserer Kinder erhöht, ist sehr zu begrüßen. Toll, dass hier eine – in Teilen – unbürokratische Lösung und ein pragmatischer Weg gefunden wurde.
    Unverständlich sind mir allerdings die Reaktionen einiger Schulleiter. Die vorgetragenen Bedenken kann ich in keinster Weise verstehen.
    Die Durchführung sind relativ simpel, wieso gibt es da hygienische Bedenken?
    Die Schüler haben auch aktuell immer wieder Situationen, in denen sie die Masken abnehmen dürfen bzw. müssen wie zB Essen und Trinken. Ich traue Grundschülern durchaus die intellektuelle Fähigkeit zu, die Testsituation, genauso wie Nahrungsaufnahme, in einen anderen Kontext als dem normalen Unterrichtsgeschehen zu stellen und das Vorgehen umzusetzen.
    In welchen zeitlichen Umfang ist Unterrichtsausfall aufgrund der Testungen zu erwarten? In welchem Verhältnis steht dieser Ausfall zum Unterrichtsausfall der letzten 12 Monate?
    Aus eigener leidlicher Erfahrung muss ich sagen, dass es leider schon am Kommunikationsmanagement scheitern kann. Unser Schulleiter sieht sich nicht imstande, die Elternschaft über die Auslieferung, die anvisierten Testungen und die daraus resultierenden weiteren Planungsmaßnahmen zu unterrichten. Darüber bin ich mehr als enttäuscht.
    Sollte es nicht im Sinne eines Schulleiters/einer Schulleiterin sein, die Gesundheit ihrer Schüler und somit auch deren Angehörigen, so gut wie möglich zu schützen? Mit den Spuk-Schnelltests ist uns ein weiteres (von leider bisher nicht besonders vielen) Werkzeugen an die Hand gegeben worden. Eine Boykottierung oder allzu große Verzögerung in der konkreten Anwendung und Umsetzung halte ich ehrlich gesagt für grob fahrlässig.
    Ich wünsche mir sehr, dass durch schnelle Testungen im Schulalltag unseres eigenen Kindes etwas mehr Sicherheit in die Schule einkehrt!

  5. Komisch: Immer wenn was eigentlich Positives angestossen wird, finden sich direkt „Bedenkenträger“. Anstatt das Beste aus der Situation zu machen, wird gemeckert und nach Gründen gesucht dagegen zu sein.
    Heutzutage wird jeder „in der Luft zerrissen“ und „vor den Kadi gezogen“, der mal was nicht ganz richtig gemacht hat. Das wiederum führt dazu, dass manchen Mitbürgern (hier: Lehrer:innen) der Mut fehlt einfach zu handeln. Schade!

  6. Was immer Sie mit „m.W.n.“ meinen, das reicht uns nicht aus. Wir haben gerade noch mal nachgefragt: die Tests sind von der Feuerwehr heute an die Waldorfschule ausgeliefert worden. Da es sich ja um eine freie Schule handelt war sie zunächst nicht dabei, die Feuerwehr hatte aber schon am Freitag versucht, Kontakt aufzunehmen.

    (Nachdem wir die Antwort auf unsere Nachfrage erhalten haben haben wir diese Kommentar aktualisiert.)

  7. Guten Morgen,

    Es ist nicht richtig, dass die Stadt alle Schulen mit Schnelltests ausstattet. Die Waldorfschule in Refrath erhält m.W.n. keine Tests!