Der 124 Menschen, die in Rhein-Berg an Corona gestorben sind, gedachten Vertreter von Stadt, Kreis und DRK auf Einladung des Dellanima-Instituts am Sonntag. Da lag die Zahl der Toten aber schon bei (mindestens) 129. Foto: Dellanima

Fünf weitere Tote als Folge einer Corona-Infektion hat der Rheinisch-Bergische Kreis heute über das Landeszentrum Gesundheit gemeldet. Die Daten des Landeszentrum zeigen jedoch, dass seit diesen Todesfällen bereits zwei Monate vergangen sind. Offenbar ist das die übliche Praxis.  

Aktualisierung: Am Nachmittag hat das Gesundheitsamt Details zu den Verstorbenen genannt. Dabei zeigt sich, dass in der laufenden dritten Corona-Welle nicht nur die Patienten auf den Intensivstationen jünger als in den ersten beiden Wellen, auch unter den Todesopfern gibt es nun deutlich jüngere Personen als zuvor. Bei den fünf Toten handelt es sich um

  • eine über 90-jährige Person aus Bergisch Gladbach, 
  • eine über 80-jährige Person aus Bergisch Gladbach, 
  • eine über 70-jährige Person aus Overath, 
  • eine über 40-jährige Person aus Rösrath,
  • eine über 50-jährige Person aus Wermelskirchen.

Grundsätzlich meldet das Gesundheitsamt des Rheinisch-Bergischen Kreises Todesfälle erst, wenn der Totenschein vorliegt und nachweist, dass Corona die Todesursache ist. Aber offensichtlich sammelt der Kreis zunächst einen Stapel dieser Totenscheine an, bevor er sie in einem Schub an das Landeszentrum meldet und öffentlich bekannt gibt – so wie heute. Die Zahl der Toten stieg in der Statistik um fünf auf 129.

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Das Landeszentrum datiert die Todesfälle auf das tatsächliche Todesdatum zurück. Damit zeigt sich, dass sich der bisher letzte Todesfall aufgrund von Corona am 21.2. ereignete. Die weiteren vier heute gemeldeten Fälle datieren auf den 19.2, 17.2. (zwei) und 15.2..

Diese Praxis ist kein Einzelfall. Am 15.4. hatte das Gesundheitsamt, nach einer längeren Pause, ebenfalls fünf Tote gemeldet. Der Blick in die Datenbank des LZG zeigt: Sie waren zwischen dem 9.2. und 14.2. gestorben.

Foto: Sceenshot der Website des Landeszentrums Gesundheit

Damit relativieren sich Überlegungen, warum nach wie vor Hochbetagte sterben, obwohl sie eigentlich schon längst geimpft sein müssten. Mitte Februar hatte die KVNO zwar gemeldet, dass bereits 80 Prozent der Bewohner der Altersheime geimpft worden seien; die Impfung außerhalb der Heime hatte aber erst im März bekommen. 

Zudem bedeutet dieser Meldeverzug durch den Kreis, dass unter Umständen weitere Todesfälle der vergangenen Wochen noch ausstehen. Wie tödlich die Pandemie aktuell ist, lässt sich damit nicht beurteilen. Die horizontale Line am rechten Ende der Grafik oben ist nur ein Hoffnungswert.

Wir haben die Kreisverwaltung um eine Einordnung gebeten, bislang ohne Antwort.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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6 Kommentare

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  1. In unserer Kreisverwaltung scheint doch einiges im Argen zu liegen. Ich kann mich nicht an eine positive Berichterstattung erinnern. Es scheint bei den Handelnden wenig Sensibilität für die Bedeutung ihrer Tätigkeit und ihre Verantwortung vorzuliegen. Gerade in Zeiten, wo in der Aufarbeitung und kurzfristigen Meldung von Daten die Gestaltung von Massnahmen abhängt, wird das deutlich. Es ist wie so oft ein Führungsproblem!

  2. Man sollte sich mal ein Beispiel am Oberbergischen Kreis nehmen. Dieser informiert übersichtlich sowie sachlich über die tagesaktuelle Lage. Aber eigentlich spiegelt das die Kreisverwaltung wieder. Warum soll es in dieser Pandemie klappen, wenn auch sonst nicht viel funktioniert…. Zumindest scheinen die Fachämter, die hauptsächlich mit der Abarbeitung betraut sind, maßlos überfordert. Die Auflösung des Krisenstabes ist eigentlich nur Konsequenz aus der Unfähigkeit. Schade!

  3. In Köln, Leverkusen und anderen Städten kann man Todesfälle offenbar aktuell melden.

    Wieso kann man das hier nicht ?

    Die Arbeit der Kreisverwaltung in der Krise erscheint zunehmend zweifelhaft.

    Da werden Infejtionszahlen nachträglich mal eben erheblich nach oven korriigiert und jetzt offenbar systematisch erstmal zu niedrige Werte gmeldet die dann später nach oben korrigiert werden.

    Will man hier absichtlich niedrige Werte erzeugen ?

    Oder sind das die Folgen der Rücktrittswelle im Krisenstab ?

  4. Mit Faxgeräten wird im Rheinisch-Bergischen Kreis schon lange nicht mehr gearbeitet, sondern mit einem von der eigenen IT entwickelten System. Die Probleme sind anderer Natur, wie gerade im aktuellen Liveblog beschrieben.

  5. Das Versenden eines Faxes muss sich ja schließlich auch lohnen. Für eine Meldung macht man das nicht.

    Es lebe die Digitalisierung!