2019 waren die Überreste der früheren Köttgen-Gießerei an der Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße abgerissen worden, jetzt wird auch diese Industriebrache hinter dem Bahnhof neu bebaut: Neben dem neuen Isotec-Firmensitz mit 60 Arbeitsplätzen entstehen hier drei Riegel mit 60 teuren Wohnungen, später ist auf dem Gelände noch mehr möglich.

Schritt für Schritt kommen die großen Bauprojekte in der Bergisch Gladbacher Innenstadt voran. Die 168 Eigentumswohnungen im „Stadtquartier 13″ (früher Steinbüchel) sind im Rohbau fast fertig, die Wohntürme am „Kalköfen Carré“ (mit weiteren 168 Wohnungen) wachsen rasch in die Höhe, und jetzt wird auch direkt gegenüber gebaut.

Auf dem Gelände der ehemaligen Köttgen-Gießerei, zwischen Autohaus Stein, Stadion und Obi, baut das Unternehmen Isotec von Horst Becker einen neuen Firmensitz plus Schulungszentrum, daneben entstehen drei große Wohnriegel mit rund 60 Wohnungen.

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Um zwei Jahre hatte sich das Isotec-Projekt verzögert, weil der bestehende Bebauungsplan Jakobstraße verändert werden musste; am Dienstagabend gab der Stadtrat den Satzungsbeschluss einstimmig frei. Eine Baugenehmigung war schon auf Basis des alten B-Plans erteilt worden, daher hatte Isotec im Frühsommer mit den Ausschachtungen begonnen.

Bebauungsplan Jakobstraße

Der neue B-Plan umfasst rund sechs Hektar, weitgehend als „Urbanes Gebiet“ und reicht von der Jakobstraße am S-Bahnhof im Süden bis zur Paffrather Straße im Norden; im Westen schließen sich Obi und das Stadion an, rechts die Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße mit dem neuen Wohngebiet an den Kalköfen.

Im Zentrum des Gebiets umfasst die Erschließungsstraße (orange) den eigentlichen Isotec-Campus. Südlich davon sind die drei geplanten Wohngebäude zu erkennen.

Der „Paul-Köttgen-Weg“ (orange, unterer Bereich) führt Fußgänger zum Bahnhof, dort fehlt allerdings noch ein direkter Zugang.

Im rosa gefärbten Bereich befinden sich städtische Flüchtlingsunterkünfte, hier ist später eine Kita geplant. Der Parkplatz an der Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße ist von den Planungen bislang nicht berührt, ebensowenig wie die bestehenden Häuser an der Jakobstaße, darunter das Theas und ein DRK-Gebäude.

Im Norden und Nordosten des Geländes bleiben die Autohäuser bestehen, der SteinGruppe gehört auch der frühere Tanzpalast, ein denkmalgeschützter Pavillon von 1902, der mal eine Ausstellungshalle für Autos werden könnte.

60 Arbeitsplätze und ein Schulungszentrum

Grundsätzlich haben sich die Isotec-Pläne in der Zwischenzeit nicht verändert, berichtet Prokurist Uwe Neumann. Für insgesamt rund 20 Millionen Euro baut das Unternehmen hier in einem ersten Bauabschnitt den „Isotec Campus“, der die noch in Kürten ansässige Verwaltung und ein Schulungszentrum aufnehmen soll.

Den neuen Verwaltungssitz hat das Unternehmen unverändert auf 60 Arbeitsplätze ausgelegt. Trotz der verstärkten Nutzung des Home Office – weil Isotec mit Wachstum plane, sagt Neumann.

Vor dem Verwaltungsgebäude soll es eine großzügige, für die Öffentlichkeit zugängige Freifläche geben, entlang der ringförmigen Erschließungsstraße sollen mindestens 19 Bäume gepflanzt werden. Mindestens 60 Prozent der Dachflächen müssen laut B-Plan begrünt werden.

Hintergrund: Die Erschließungsstraße soll nach einem Beschluss des Hauptausschusses mit den Stimmen der Ampel nicht wie von der Verwaltung vorgeschlagen „An den Kalköfen“ heißen. Sondern „Fanny-Lewald-Straße“. Diese Idee hatte Finte, das Bündnis für Fraueninteressen, eingebracht.  Fanny Lewald war eine jüdische Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts und Freundin von Maria Zanders.

Wunschtermin für die Fertigstellung sei der Oktober 2023, sofern die Lage auf dem Baumarkt und die Materialversorgung das zulasse. Der Isotec-Campus sei technisch anspruchsvoll geplant, da könnte am Ende das eine oder andere Bauteil fehlen, befürchtet Neumann.

Fotos: Thomas Merkenich

Potenzial für 2. Bauabschnitt

Noch völlig offen sei der zweite Bauabschnitt, mit den bislang unbeplanten Flächen im Westen (an der Grenze zu Obi) und Norden (zu den Autohäusern). Zwar gebe es Ideen wie ein Gästehaus oder ein Seminarzentrum, entschieden sei aber noch nichts.

Laut B-Plan wäre dort auch ein Parkhaus möglich. Nur Einzelhandelsunternehmen sind ausgeschlossen.

HKM baut südlich des Campus drei Wohnriegel. Die Visualisierung zeigt die Ansicht von Norden, hinter den Gebäuden liegt die Jakobstraße mit ihren Anrainern und der Bahnhof. Visualisierung: HKM Beteiligung GmbH & Co. KG

Drei Gebäuderiegel mit 60 Wohnungen

Einen Teil des Grundstücks, rund 3600 der insgesamt 27.000 Quadratmeter Fläche, hatte Isotec bereits im vergangenen Jahr an das Leverkusener Familienunternehmen HKM verkauft. Die Baugrube ist bereits ausgeschachtet, hier sollen für 21 Millionen Euro (inklusive Grundstückspreis) drei große Wohnblöcke mit jeweils vier Geschossen, 58 bis 60 Wohnungen und einer Wohnfläche von insgesamt 4500 Quadratmeter entstehen, berichtet Geschäftsführer Philipp Müller.

Auf diesem Gelände werde es nur drei Parkplätze geben, alle anderen Stellplätze verschwinden in einer Tiefgarage.

Die Baugrube ist bereits ausgehoben. Foto: Thomas Merkenich

5500 Euro pro Quadratmeter

Dabei handelt es sich, wie zum größten Teil auch bei den anderen Bauprojekten in der Innenstadt, um sehr hochwertigen Wohnraum mit einem hohen Ökostandard. Müller geht im Moment von Quadratmeterpreisen von 5300 bis 5500 Euro aus.

Geförderter oder preisgedämpfter Wohnraum ist bei diesem Projekt nicht vorgesehen. Das sei im Bebauungsplan nicht gefordert und angesichts der hohen Grundstückskosten wirtschaftlich auch nicht machbar, erläutert Müller.

Hintergrund: Die Stadt Bergisch Gladbach will im Zuge der neuen Baulandstrategie bei allen Bauprojekten, für die Bebauungspläne notwendig sind, einen Anteil (vorn voraussichtlich 30 Prozent) für geförderten Wohnungsbau festschreiben. Das gilt aber nur für künftige Projekte, wie zum Beispiel das Wachendorff-Gelände.

Eine entsprechende Nachfrage für diese Wohnungen wird es geben, ist sich Müller sicher. Die Lage direkt am Bahnhof sei perfekt für Bergisch Gladbach, die künftige Entwicklung mit einem zweiten S-Bahn-Gleis, der Neunutzung des Zanders-Geländes und irgendwann auch der Grundstücke direkt an den Gleisen werde für eine weitere Aufwertung sorgen.

Eine bewegte Vergangenheit hat dieses Gebäude: 1902 als Köttgen-Pavillon auf der Düsseldorfer Industrieausstellung gebaut wurde es später als Tanzpalast an der Wilhelm-Lindlar-Straße genutzt. Das alte Stahlgerüst soll wieder freigelegt werden, der Pavillon womöglich als Ausstellungshalle für Autos genutzt werden. Foto: Thomas Merkenich

Dokumentation

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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