Für Horst Becker ist es die Rückkehr zu seinen Wurzeln. Mit dem neuen Verwaltungs- und Schulungsgebäude „Isotec Campus“ hinter dem Bergisch Gladbacher Bahnhof bringt er rund 100 Arbeitsplätze an den historischen Startpunkt seines Unternehmens zurück. Der Rohbau steht, der Innenausbau beginnt, Anfang 2024 soll das ambitionierte Gebäude bezogen werden.

Der künftige Isotec-Campus auf dem Köttgen-Gelände an der Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße zeichnet sich durch eine große Luftigkeit und Ausblicke nach allen Seiten aus. Er liegt am Hang leicht erhöht, der Blick geht über Bahnhof, Innenstadt und Zanders zum Schloss Bensberg und zum Siebengebirge, zum Kölner Dom oder auch über das Belkaw-Stadion hinweg.

Die neue Isotec-Zenrale umfasst drei Geschosse plus Staffelgeschoss und Vollkeller. Foto: Thomas Merkenich

„Hier habe ich als Jugendlicher Fußball gespielt, von hier aus kann ich mein erstes Büro sehen“, sagte Isotec-Inhaber Horst Becker beim Richtfest seines neuen Firmensitzes. Damit schließe sich ein Lebenskreis.

Mit diesem ungewöhnlichen Gebäude wolle er seiner Heimatstadt etwas zurückgeben, vor allem aber seinen Mitarbeiter:innen beste Bedingungen bieten: „Das wird ein geiler Arbeitsplatz“, verspricht Becker gut gelaunt.

Horst Becker präsentiert beim Richtfest den Isotec-Campus

Er präsentiert ein kurzes Video, das helle und weit offene Räume zeigt, die einem riesigen Coworking-Space gleichen, mit großen Fensterflächen, offenen Loggien und einen ebenfalls verglasten Innenhof über die gesamt Gebäudehöhe hinweg.

Die Farben sind poppig – aber das sei noch ein alter Stand, man habe sich nun doch für natürliche Farben entschieden, korrigiert Becker.

Der Richtkranz schwebt hoch über dem künftigen Innenhof. Foto: Thomas Merkenich

Rund 100 Arbeitsplätze sollen hier entstehen, darüber hinaus weitläufige Konferenz- und Schulungsräume, eine Eventfläche, ein TV-Studio, ein Fitness- und sogar ein Meditationsraum für Mitarbeiter:innen und Partner:innen des Franchise-Unternehmens. Zudem wird in dem viergeschossigen Gebäude ein Zentrum für Forschung und Entwicklung integriert.

Isotec hat sich auf die Bekämpfung von Schimmel und Feuchtigkeitsschäde spezialisiert, fast 1000 Mitarbeiter zähle man in der gesamten Gruppe, sagt Becker. Zur Zeit befindet sich der Firmensitz noch in Kürten-Herweg.

Hintergrund: Das Energie- und Klimakonzept des Neubaus setzt auf Wärmepumpen, auf fossile Brennstoffe werde völlig verzichtet. Zusätzlich greift man zum Erwärmen und Kühlen des Gebäudes auf die „Betonkernaktivierung“ zurück. Sie nutzt die Fähigkeit der Decken im Gebäude, thermische Energie zu speichern und damit Räume zu heizen bzw. zu kühlen. Die energieintensive Kühl- und Lüftungstechnik wird auf ein Minimum reduziert.

Horst Becker. Foto: Thomas Merkenich

Gut 20 Millionen Euro investiert Isotec auf dem alten Köttgen-Gelände. Im Frühjahr 2024 soll der Umzug nun stattfinden, ist Becker zuversichtlich. Im Vorfeld hatte es eine Verzögerung um zwei Jahre gegeben, weil zunächst der Bebauungsplan geändert werden musste.

Der Unternehmer bedankt sich bei Ex-Bürgermeister Lutz Urbach und Bürgermeister Frank Stein, für die sehr gute Zusammenarbeit zwischen Investor und Stadt. Die habe auch bei dem Wunsch mitgemacht, die Erschließungsstraße nun doch nicht Fanny-Lewald-Straße sondern Köttgen-Allee zu nennen, zu Ehren der Gründer der ehemaligen Köttgen-Giesserei Paul und Hermann Köttgen.

Das Viertel hinter dem Bahnhof verändert sich rasant. Links der Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße entsteht der Isotec-Campus, rechts wird gerade das Wohnviertel „Kalköfen-Carré“ hochgezogen. Für das Kopfgrundstück am Bahnhof gibt es nach dem Aus der Stadthauspläne private Interessenten, nur die Zukunft der RheinBerg Passage ist noch offen.

Zudem gab es komplizierte Absprache mit den Nachbarn, die ebenfalls auf dem Grundstück zwischen Jakobstraße, Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße, Paffrather Straße sowie Obi / Belkaw-Station angesiedelt sind.

Das Autohaus Stein (Audi und Skoda) verfügt in der nordwestlichen Ecke und entlang der Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße über große Flächen. Dort steht auch der denkmalgeschützte Köttgen-Pavillon von 1920, der zuletzt als Tanzpalast genutzt worden war und zur Auto-Ausstellungshalle umgebaut werden soll. Zudem gibt es eine weitere große Autowerkstatt und eine Spielhalle.

Der Blick zurück: Wir hatten das Köttgen-Gelände 2019 (damit noch mit den Ruinen der alten Hallen) und 2021 auf der Luft aufgenommen. Ein Doppelklick auf das Foto öffnet die Panoramatour, dann können Sie sich durch die 360-Grad-Aufnahmen und das Archiv klicken.

Leverkusener bauen drei Wohngebäude

Rund rund 3600 der insgesamt 27.000 Quadratmeter Fläche, zwischen dem eigenen Campus und der Bebauung an der Jakobstraße, hatte Becker an das Leverkusener Familienunternehmen HKM verkauft.

Hier sollen für 21 Millionen Euro (inklusive Grundstückspreis) drei große Wohnblöcke mit jeweils vier Geschossen, rund 60 Wohnungen und einer Wohnfläche von insgesamt 4500 Quadratmeter entstehen. Geförderter oder preisgedämpfter Wohnraum ist (auch) bei diesem Projekt nicht vorgesehen. 

Zufahrt zur Tiefgarage umgedreht

Zwar ist die Baugrube schon lange ausgeschachtet, doch auch hier hatte es noch längere Verhandlungen über die Zuwegung gegeben, berichtete Seniorchef Klaus Müller am Rande des Richtfests.

Die Zufahrt zur Tiefgarage werde jetzt doch nicht über die Jakobstraße führen, sondern direkt von der Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße auf das Gelände. Die Investoren hoffen, dass der Bauantrag jetzt rasch von der Stadt genehmigt wird und die Arbeiten beginnen können.

Die Zufahrt zum Campus und zur Tiefgarage des Wohnhauses erfolgt von der Johann-Wilhelm-Lindlar-Straße, die Einfahrt zu dem tiefer gelegenen Parkplatz wurde in Richtung Bahnhof verlegt. Rechts der Köttgen-Pavillon von 1920.

Nach wie vor offen ist ein möglicher zweiter Bauabschnitt auf dem Isotec-Grundstück, mit den bislang unbeplanten Flächen im Westen (an der Grenze zu Obi) und Norden (zu den Autohäusern). Zwar gebe es Ideen wie ein Gästehaus oder ein Seminarzentrum, entschieden sei aber noch nichts, hießt es zuletzt bei Isotec. Laut B-Plan wäre dort auch ein Parkhaus möglich.

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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