Kinderärztin Uta Römer. Foto: privat

Endlich Frühling! Die Sonne scheint, alles blüht – und wer an Heuschnupfen leidet, der leidet jetzt richtig. Oft beschränkt sich Heuschnupfen nicht nur auf eine laufende Nase, sondern es treten auch schwerwiegendere Symptome auf. Kinderärztin Uta Römer erklärt, wie die Allergie überhaupt entsteht, wie man sie erkennt und was es für Therapiemöglichkeiten gibt.

Was ist Heuschnupfen überhaupt? Unser Immunsystem besteht aus vielen verschiedenen Abwehrzellen. Eine Art der Abwehrzellen sind die Lymphozyten. Diese bilden Abwehrstoffe, sogenannte Antikörper, gegen Eindringlinge, um den Körper zu schützen. Eindringlinge sind Bakterien und Viren, aber auch potenzielle Allergene wie Pollen von Bäumen und Gräsern.

Heuschnupfen ist eine allergische Reaktion auf den Blütenstaub von Pflanzen. Etwa 8,9 Prozent der Kinder in Deutschland leiden unter Heuschnupfen, wobei Kinder und Jugendliche ab 14 Jahren besonders betroffen sind.

Wie entstehen Allergien?

Bei Allergikern besteht eine genetische Veranlagung zu Allergien. Nach dem ersten Kontakt mit einem Allergen (z.B. Birkenpollen im Frühling) bilden die Lymphozyten von Allergikern beim nächsten Kontakt spezielle Antikörper, sogenannte IgE-Antikörper. Diese führen dann zu einer Freisetzung von Histamin, was zu einer Entzündungsreaktion im Körper führt.

Es gibt keine Medikamente, die die Entwicklung von Allergien verhindern können. Studien zeigen jedoch, dass der Kitabesuch, das Vorhandensein von Geschwistern, das Stillen, Impfungen und sogar das Halten von Hunden (aber nicht von Katzen) eine gewisse Allergieprävention bieten können.

Dies liegt daran, dass das Immunsystem durch die Abwehr von Infektionserregern oder harmlosen Antigenen beschäftigt ist, beziehungsweise dass durch die orale Aufnahme von Allergenen im Rahmen von Stillen und Beikost eine gewisse Toleranz entwickelt wird. So kann der Ausbruch von Allergien auch bei genetischer Veranlagung eventuell verhindert werden.

Was sind die Symptome?

Symptome des Heuschnupfens sind eine geschwollene Nasenschleimhaut, Schnupfen, Bindehautentzündung, Juckreiz, Asthma, Hautausschläge und mehr. Aufgrund von behinderter Nasenatmung und Juckreiz können Schlafstörungen, Müdigkeit, ein starkes Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen und sogar erhöhte Temperatur auftreten.

Manchmal ist es schwer, den Heuschnupfen von Infektionen zu unterscheiden. Aufgrund stark entzündeter Schleimhäute können auch wirklich eitrige Infektionen wie Bindehautentzündungen und Nasennebenhöhlenentzündungen auftreten. Aufgrund dieser Symptome können Kinder und Jugendliche manchmal die Schule nicht besuchen.

Neben Asthma (bei 32 Prozent der betroffenen Kinder) und Neurodermitis leiden Pollenallergiker oft auch unter einer Kreuzallergie auf Nahrungsmittel. Dies liegt daran, dass die Oberflächenmerkmale von z.B. Birkenpollen denen bestimmter Obstsorten (z.B. Äpfel) oder Nüssen sehr ähnlich sind. Das führt dazu, dass die IgE-Antikörper nicht nur auf die Birkenpollen, sondern auch auf diese Nahrungsmittel reagieren.

Bei Personen, die an Heuschnupfen leiden, sollten ggf. zusätzlich bestehende (Kreuz-) Allergien mit dem behandelnden Kinderarzt bzw. der Kinderärztin abgeklärt werden, da diese sehr individuell unterschiedlich sein können.

Wie stelle ich fest, ob mein Kind eine Allergie hat?

Zunächst einmal ist es wichtig, auf die oben genannten Symptome zu achten und dann in den Pollenflugkalender zu schauen um festzustellen, ob die Symptome nur während des Pollenflugs der verdächtigten Pflanze auftreten. In der Arztpraxis kann mittels Hauttest (Pricktest) oder Blutabnahme überprüft werden, ob eine Allergie vorliegt, die zu den Symptomen passt.

Es ist wichtig zu beachten, dass ein positiver Allergietest ohne passende Beschwerden lediglich eine Sensibilisierung bedeutet. Das heißt, die Person hatte Kontakt mit diesem Allergen, hat Antikörper gebildet, aber keine Symptome. Daher macht es keinen Sinn, ohne Symptome einen Allergietest durchzuführen.

Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ von Laura Geyer erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.

Was gibt es für Therapiemöglichkeiten?

Wenn die Allergie bestätigt wurde, stehen antiallergische Medikamente wie z.B. Cetirizin, antiallergische Augen- und Nasentropfen sowie gegebenenfalls Cortisonpräparate bei sehr starken Beschwerden zur Verfügung.

Es ist auch wichtig, das auslösende Allergen so gut wie möglich zu vermeiden, z.B. indem man die Fenster geschlossen hält, sich abduscht und die Haare wäscht, um die Pollen zu entfernen, und täglich die Oberflächen in den Räumen abwischt. Den meisten Patienten geht es bei Regen besser, aber wer möchte schon ständig Regen im Sommer?

Eine weitere Therapiemöglichkeit, die ab dem fünften Lebensjahr verfügbar ist, ist die Desensibilisierung. Dabei wird das Immunsystem regelmäßig über einen Zeitraum von z.B. drei Jahren mit steigenden Dosen des auslösenden Allergens gereizt, um eine Gewöhnung herbeizuführen und allergische Reaktionen zu verhindern. Diese Therapie zeigt gute Erfolge, wenn das Allergen identifiziert wurde und die Therapie gut vertragen wird. Auch hierzu kann Ihr Kinderarzt/Ihre Kinderärztin Sie beraten.

Bei der Diagnosestellung ist Ihre Mitarbeit als Eltern besonders wichtig, indem Sie die Symptome Ihres Kindes genau beobachten und dem Arzt/der Ärztin mitteilen. Gemeinsam können wir dann die notwendige Therapie einleiten.

Wir wünschen Ihnen einen fröhlichen Start in den Frühling!

Ihre Dr. med. Uta Römer und das ganze Praxisteam

Weitere Informationen zum Thema finden Sie u.a. auf Kinderärzte-im-Netz, der Arbeitsgemeinschaft Allergiekrankes Kind und Kinderumwelt. Hier geht es zur Webseite meiner Gemeinschaftspraxis für Kinder- und Jugendmedizin in Refrath.


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Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin. Sie hat eine Praxis in Refrath.

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  1. Kollegin Dr.Römer sei dank für diesen sehr guten Übersichtsartikel. Es ist oft herzzerreißend, die betroffenen Kinder leiden zu sehen. Die Dimension (30% mit Asthma !) ist vielen angesichts des verniedlichenden Begriffs „Heuschnupfen“ oft nicht klar. Wissenschaftlicher FAKT ist auch, dass allergische Erkrankungen auch wegen Klimaveränderungen und verbrennerbedingtem Feinstaub weiter ZUNEHMEN.
    Also gemeinsam auch für Tempo30 in Anwohnerstrassen, Luftschneisen (nicht alles zubauen) und autofreie Zonen. Das sind wir unseren Kindern und Enkeln schuldig.