Beste Unterhaltung garantiert: Ein zauberhafter Roman mit viel Esprit und trockenem Humor. Ein düsterer Thriller der Extraklasse. Und ein literarischer Roman über eine vermeintliche Sommeridylle.

Helen Frances Paris: Der wunderbare Garten der Mrs P.

Willkommen in der Welt der Mrs P.! Aber vorweg sei gesagt, es erwartet Sie hier weder ein Cosy Crime im Stil von Miss Marple noch ein betulicher englischer Landhaus-Roman, wie man das Cover deuten könnte. In der Geschichte geht es zwar um eine ältere Dame und nebenbei auch um Pflanzen, aber der Ansatz der Autorin ist viel tiefgründiger. Lassen Sie sich von diesem zauberhaften Buch überraschen, das von Esprit und trockenem britischen Humor nur so sprüht. 

Janet Pimm ist Anfang 70. Sie ist nicht nur von Statur eine große kantige Frau, so ist auch ihr Wesen, zumindest nach außen. Sie hatte beim Geheimdienst gearbeitet. Weil sie drohte, eine Korruptionsaffäre ihres Vorgesetzten auffliegen zu lassen, wurde sie vorzeitig aus dem Dienst entlassen. Ihr Privatleben war ebenfalls mit vielen Enttäuschungen verbunden. Jetzt im Alter versucht sie nun ihre ganze Energie, die sie sonst in ihren Job eingebracht hat, anders zu fokussieren. Sie hat eine kleine Parzelle in einer Kleingartenkolonie und die wird täglich beackert.

Doch dann kommt die Idylle drastisch ins Wanken. Auf einer der Parzellen wird der Japanische Knöterich entdeckt. Eine Katastrophe! Diese Pflanzenart ist invasiv und verdrängt innerhalb kürzester Zeit alles, was um sie herum wächst. Die Stadt droht mit der Schließung der Anlage. Aber Janet wäre nicht Janet, wenn sie das so einfach hinnehmen würde. Ihr Verdacht von Sabotage scheint sich zu bestätigen. Sie muss jetzt handeln und nimmt Kontakt zu einer früheren Kollegin vom Geheimdienst auf. Jetzt nimmt die Geschichte richtig Fahrt auf. Mit ihrer Nachbarin Beverley macht sie sich auf nach Yorkshire zu einem konspirativen Treffen mit ihrer Ex-Kollegin.

Mit Janet Pimm hat die Autorin einen unvergesslichen Charakter geschaffen. Nach außen forsch und direkt, innen herzensgut, sensibel und einsam. Gekonnt beschreibt sie, wie sich Janet langsam aus ihrem selbst erwählten Korsett schält und wieder zu der lebensbejahenden Frau wird, die sie früher war. Das gelingt ihr aber nur mit Hilfe anderer Menschen.

Helen Frances Paris: Der wunderbare Garten der Mrs P.
dtv Verlag 2024, € 17,00.
Übersetzt von Sophie Zeitz
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Dieses ist das eigentliche Thema des Buches: Das Miteinander der verschiedenen Generationen, das Leben und leben lassen, die Wertschätzung und der Respekt jedem Menschen gegenüber egal welchen Alters. All diese Themen hat die Autorin sehr sensibel, mit viel Schwung und einer großen Prise Humor verpackt. Ein ganz besonderes Buch, das ich wärmstens empfehle.

(Sylvia Jongebloed)

Benjamin Cors: Krähentage

Bekannt geworden ist der Autor durch seine atmosphärischen Normandie-Krimis. Mit seinem aktuellen Buch begibt er sich auf ganz neues Terrain. Auf der einen Seite schneller, härter, actionlastiger und mit sehr viel Gänsehaut-Feeling und auf der anderen Seite atemberaubend spannend und sprachgewaltig erzählt. Hinweis für Zartbesaitete: Nicht vor dem Einschlafen lesen!

Deutschland, eine Stadt am Meer: Zwei Tote, die nach ihrem Ableben nachweislich noch lebend gesehen wurden, ausgehungerte Krähen, die an beiden Tatorten gefunden werden. Für die beiden neuen Ermittler der frisch gegründeten Sondereinheit „Gruppe 4“ kommt es gleich am ersten Arbeitstag knüppeldick.

Der Staatsanwalt macht Druck. Er will so schnell wie möglich Resultate sehen, denn die neue SOKO ist ein Prestigeobjekt. Der Aufklärungsdruck ist hoch. Dabei muss sich das Team erst mal zusammenraufen.  Die Lage gestaltet sich als extrem schwierig und der Täter als äußerst raffiniert. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis der nächste Mord geschieht.

Benjamin Cors: Krähentage
dtv Verlag 2024, € 13,00.
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Auch wenn die Ermittlungen überwiegend aus der Sicht der Ermittler beschrieben werden, kommt auch der Täter zu Wort. Dieser ist den Leser*innen zwar relativ früh bekannt, dies tut aber der Spannung überhaupt keinen Abbruch. Im Gegenteil, es heizt sie noch an. Cliffhanger am Ende vieler Kapitel tun ihr Übriges dazu.    

Darüber hinaus hat der Autor noch einen zweiten Handlungsstrang eingebaut. Es geht um Überfälle und Vergewaltigungen mit Todesfolge von jungen Frauen. Als ein Opfer zum Glück überlebt, gibt es zumindest auf diesem Schauplatz Hoffnung, den Täter zu fassen. Die Ermittler kämpfen also an zwei Fronten. Dadurch kommt beim Lesen zusätzliche Verwirrung auf, die vom Autor natürlich gewollt ist und gesteuert wird. Man fragt sich unwillkürlich, ob es Zusammenhänge zwischen den beiden Fällen gibt.

Meisterhaft manipuliert der Autor seine Leserschaft, führt sie auf verschlungenen Wegen zu immer wieder neuen Fährten. Wortgewaltig und bildhaft beschreibt er die Handlung und erzeugt zudem eine düstere und klaustrophobische Stimmung. Die Spannung ist extrem hoch und der Schluss vollkommen unerwartet und als Knalleffekt mit einem letzten Cliffhanger versehen, der es in sich hat. Überzeugen Sie sich selbst, dies ist ein Thriller der Extraklasse!

(Sylvia Jongebloed)

Maria Barbal: Am See

In Spanien ist Maria Barbal seit ihrem Klassiker „Wie ein Stein im Geröll“ längst ein Star in der dortigen Literaturszene. Sie ist eine Meisterin der leisen Töne. So auch in ihrem aktuellen Roman. Sensibel erzählt sie von einem Sommer im Leben einer Heranwachsenden, der das Leben der Protagonistin schlagartig verändert und für die Zukunft prägt.

Katalanische Pyrenäen: Für die zwölfjährige Nora gibt es im Sommer nichts Aufregenderes, als an heißen Sonntagen mit einer bunt zusammen gewürfelten Gruppe zu einem großen Stausee zu fahren, um dort die Sonne zu genießen und zu baden. Dabei ist vor allem das Schwimmen ihr größter Spaß. Das hat sie von Lidia gelernt, eine weitläufige Verwandte und Freundin ihrer Mutter.

Da ihre Eltern an diesen Ausflügen nie teilnehmen, darf Nora unter der Obhut Lidias mitfahren. Das Mädchen bewundert die attraktive junge Frau, von der sie so viel lernen kann und die stets gut gelaunt ist. Nur eine weiteres Kind gehört zu dieser Gruppe von sonst nur Erwachsenen. Quim ist fünf Jahre alt und eine wahre Nervensäge, wie Nora findet.

An diesem entscheidenden Sonntag muss sie mal wieder auf Quim aufpassen. Das nervt sie total, weil sie verständlicherweise andere Interessen hat und auch ein Stück weit damit überfordert ist. Aber die Erwachsenen haben ihre eigenen Probleme. Unter Zweien von ihnen ist ein heftiger Streit entbrannt und zwei andere müssen in dem kleinen Ort etwas Dringendes erledigen. In Nora macht sich immer mehr Trotz breit und dann geschieht das fast Unvermeidliche.

Maria Barbal: Am See
Blessing Verlag 2024, € 24,00
Übersetzt von Heike Nottebaum
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Sehr sensibel erzählt die Autorin von einem Mädchen, deren Kindheit nicht nur ein abruptes Ende nimmt, sondern deren Leben auch nachhaltig davon beeinflusst wird. Zuviel wird ihr aufgebürdet in ihren jungen Jahren. Sie bekommt Dinge mit aus der Welt der Erwachsenen, für die sie noch zu jung ist und die sie noch nicht richtig einordnen kann. Erst aus der Rückschau in späteren Jahren kann sie die verlorenen Puzzlesteine zusammensetzten.

Man könnte sagen, der Autorin ist sozusagen ein Gegenstück zu Sagans „Bonjour Tristesse“ gelungen, nur dass ihre Heldin die Kontrolle über ihr Leben behält und an einem vermeintlichen Fehler wächst. Mit etwas Wehmut, aber sehr atmosphärisch, wird von flirrenden Sommertagen und einer scheinbaren Idylle erzählt, die der Realität auf Dauer nicht standhalten kann. Wunderschön zu lesen und literarisch auf hohem Niveau!

(Sylvia Jongebloed)

Viel Spaß beim Lesen, Ihre Pia Patt und Birgit Lingmann

Pia Patt führt die Buchhandlung Funk inzwischen alleine, Birgit Lingmann gehört weiterhin zum Team

Die Buchhandlung Funk existiert seit vielen Jahrzehnten in Bensberg und ist seitdem Bestandteil des kulturellen Lebens von Bergisch Gladbach. Mehr als zehn Jahre waren Pia Patt und Birgit Lingmann (geborene Jongebloed) bereits in der Buchhandlung Funk beschäftigt, als sie im Oktober 2015 das Geschäft von Almut Al-Yaqout übernahmen. Seit Sommer 2023 führt Pia Patt die Buchhandlung alleine. Birgit Lingmann hat sich aus gesundheitlichen Gründen ein Stück weit zurück gezogen, arbeitet aber weiterhin im „funky“-Team mit.

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Pia Patt, geboren 1974 in Köln, verheiratet, 2 Katzen, wohnt in Lindlar. Sie wurde in der Buchhandlung Funk zur Buchhändlerin ausgebildet und interessiert sich besonders für Kinderbücher, Krimis, und Belletristik. Wenn sie nicht gerade liest, kümmert sie sich um ihren Garten oder feilt an ihren...

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