Das Basement 16 zeigt die Ausstellung „EinBlick in die Seele des Papiers“ mit Werken von Wolfgang Heuwinkel. Ein Gespräch mit Galeristin Marlis Sauer, Kurator Peter Köster und dem bergischen Künstler Wolfgang Heuwinkel über Kunst mit Papier und über eine Technik, die zeitgenössische Diskussionen über Umweltzerstörung durchscheinen lässt.
Text: Antje Schlenker-Kortum. Fotos: Thomas Merkenich
In Bergisch Gladbach gilt der Paper-Art-Künstler Wolfgang Heuwinkel seit Jahrzehnten als Lokalmatador“, erklärt die Galeristin des Basement 16, Marlis Sauer. Als Galeristin lägen ihr die heimischen Künstler besonders am Herzen, „und gerade Heuwinkels Arbeiten haben etwas zu erzählen. Das spürt man einfach, wenn man sie betrachtet.“
Kurator der Ausstellung „EinBlick in die Seele des Papiers“ ist der Bonner Kulturjournalist und Autor Peter Köster. Er gestaltete die Schau in der Bensberger Galerie als Zeitreise mit den wichtigsten Stationen und in den drei Dekaden on Früh-, Mittel und Spätwerk Heuwinkels des 1938 in Detmold geborenen Künstlers.

Köster erzählt, dass Wolfgang Heuwinkel frühzeitig mit Materialien und Techniken zu experimentieren begann, wie sich in der chronologisch aufgebauten Ausstellung schrittweise nachvollziehen lässt.
Heuwinkels künstlerische Handschrift ist geprägt von knickenden, reißenden, faltenden, einbrennenden, färbenden, schlagenden und wässernden Arbeitstechniken. Bekannt ist der Künstler heute vor allem durch Aquarelltechniken und durch die Arbeit mit Papierfaserstoff, Pulp genannt – ein Ausgangsstoff für die industrielle Papierherstellung.
Papierherstellung und Aquarell

Die Zeitreise beginnt mit einem Aquarell, das während des Grafikstudiums in den 60ern in Bielefeld entstanden ist: ein überraschend buntes, gegenständliches Stillleben.

Mit dem Aquarell hat es begonnen; ihm ist Heuwinkel bis heute treu geblieben. So führt die Reise zu den Aquarellen auf Papier, die er von Island angefertigt hat – nicht ausgehend von Landschaftsfotos oder Skizzen, sondern aus der eigenen Erinnerung an das Erleben der Eindrücke.
Für die Island-Serie hat Heuwinkel das Material gewässert, bläulich gefärbt und gerissen, sodass scheinbar eisige, zerklüftete Ränder und kleine schollenartige Ablösungen entstanden sind. In mehrere Ebenen geschichtet, erzeugt das eine malerisch wirkende Bildtiefe, die spätere, objekthaftere Werke bereits einleitet.
Auch Lanzarote hat den Künstler tief beeindruckt und zu einer eigenen Serie veranlasst. Heuwinkel hat mit Vulkanasche experimentiert, was ihn zu einer erdigen Farbigkeit inspiriert und zu einer undefinierten, teils kraterähnlichen Struktur, die die Fantasie anregt, je tiefer man in die Details hineinblickt.
Wolfgang Heuwinkel „EinBlick in die Seele des Papiers“
Galerie Basement 16, Schloßstraße 16, Bensberg
Kurator: Peter Köster
Vernissage: 23. August, 19 Uhr, zu sehen bis 1. September
Geöffnet Di bis Fr 15 bis 18 Uhr, Sa und So 11 bis 15 Uhr
Künstlerwebsite: www.w-heuwinkel.de

Schon deswegen will Heuwinkel seinen Werken keine Titel geben – die Betrachter sollen nicht voreingenommen sein und das Benannte in der Arbeit suchen; sie sollen ihre eigenen Assoziationen einbringen.









Dimensionen der Wahrnehmung
Beispielsweise zwei gefaltete große Arbeiten, die auch zur Island-Serie gehören – einmal in Schwarz- und das andere in Brauntönen eingefärbt. Hier hat Heuwinkel das Material so gefaltet, dass es an den Kanten schroff und scharfkantig ist. Durch einen differenziert eingesetzten Trocknungsprozess kann man einen Farbverlauf erkennen – aber – das ist das Poetische – nur in den Tälern der landschaftsartigen Struktur.
Für Heuwinkel ist das – wie viele seiner Werke – ein Experiment mit einem einzigartigen Ergebnis, das man so kein zweites Mal wiederholen, aber als Ausgangspunkt für neue Experimente nehmen kann.
Wolfgang Heuwinkel hat Kommunikation in Zürich studiert und er hat in der Papierfabrik Zanders im Bereich Kommunikation gearbeitet. Schon daher hat er einen engen Bezug zur Papierherstellung und zu dem Rohstoff Pulp, an den man sonst auch nicht so einfach herankommt. Zellstoff ist sein Rohstoff und „ein Alleinstellungsmerkmal“, lacht Heuwinkel.







Experimente mit Pulp
Heuwinkel bricht Oberflächen auf – im wörtlichen und metaphorischen Sinne. „Die Faser wird offengelegt“, sagt der Künstler. Durch diese Technik sehe man, dass etwas anderes darunter liegt. Das Material verhalte sich überraschend unterschiedlich und „wenn man das in Schichten macht, dann erhält man Einblicke in die Seele des Papiers“.
Das sei nur mit Pulp so möglich. Wenn er reiße, zerstöre er die Oberfläche. Und wenn er schräg reiße, sehe man ein Innenleben von dem Papier. „Da verhält sich die Farbe anders, das bringt eine Struktur. Das kann man nicht malen. Das kommt von dem Material selbst, weil die Farbe in die Fasern läuft.“

Der Kurator Peter Köster betont, Heuwinkels Arbeitsweise sei kein wissenschaftlich-analytisches Erforschen, sondern ein künstlerisches Experimentieren. Das sei – wie es Ausstellungstitel andeutet – ein Blick in die Seele des Papiers, denn „Heuwinkel lebt das Papier“. Wolfgang Heuwinkel erklärt, dass Ästhetik eine Rolle spielt, denn darum ginge es in der Kunst immer, aber ihm ginge es auch um den Ausdruck von etwas Substantiellem.

Er ergänzt: „Der Papierfaserstoff und das Holz haben heute eine andere Dimension.“ Das seien Elemente, die heute gesellschaftlich eine ganz andere Bedeutung haben – man denke beispielsweise an das Waldsterben oder an die Waldbrände. „Ich will da nichts verbessern. Ich glaube, das kann man mit Kunst nicht. Aber man kann Gedanken anstoßen.“
Zerstörung, Rettung und Wiedergutmachung

Beispielsweise in der Installation im Eingangsbereich: bestehend aus fünf Holzscheiten, jeweils mit einem tiefen Spalt versehen, wie ihn eine Axt hinterlässt. Dazwischen eingeklemmt sind einige weiße Seiten, deren Ränder zu schwarzen Fetzen abgebrannt wurden. Der Künstler habe den künstlerisch erzeugten Brand rechtzeitig gelöscht, sodass die Mischung aus Asche und Wasser eine gewisse Ästhetik und Stabilität des Materials hervorbrachte.
In diesem Sinne verdichtet wirkt auch die Installation, die der Künstler „Wiedergutmachung“ nennt – bestehend aus mehreren gespaltenen Holzscheiten am Boden. Hier hat Heuwinkel die in dem Sinne zugefügten Verletzungen“ der Axt mit der Zellstoffmasse ausgefüllt, die trocknet und zerklüftet. Ein ebenso poetischer Prozess, denn: „Das Material arbeitet weiter“, erklärt der Künstler.

Zur Vernissage wird eine Lichtinstallation von Hangpali mit D. Pauli aufgeführt. Unbedingt empfehlenswert ist auch das Künstlerführung am Dienstag, 27.8. und die Führung für Kinder und Jugendliche am Samstag, 31.8. Die Teilnehmer sind auf 15 Personen begrenzt. Anmeldung: hallo@kunstkönner.de.
Die Basement 16 Galerie bietet eine Sonderedition der Ausstellung zum Verkauf an. 30 Prozent des Verkaufserlöses gehen an den KunstKönner-Verein.
Heuwinkels installative Arbeiten und Objekte werden zeitnah in einer eigenen Ausstellung in Zanders Papierfabrik im Kalandersaal gezeigt.

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Dokumentation: Alle Fotos
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