16 Schülerinnen und Schüler der Förderschule in Moitzfeld werden in diesem Jahr zum Unterricht nach Rösrath gebracht. Foto: Thomas Merkenich

Die Fröbel-Schule in Moitzfeld ist für 120 Kinder ausgelegt, tatsächlich betreut sie in diesem Schuljahr aber 187 Schülerinnen und Schüler mit einer Behinderung. Der Grund: Immer mehr Eltern von Kindern mit dem Förderschwerpunkt geistige Entwicklung meiden die Regelschule und melden ihre Kinder an Förderschulen an. Deshalb musste die Fröbel-Schule nun zwei Klassen nach Rösrath auslagern. Schon jetzt berichten Eltern von schweren Folgen für die Kinder.

Die schlechte Nachricht kam im Juni per Schulranzen-Post: Der Platz an der Friedrich-Fröbel-Schule in Moitzfeld reiche im Schuljahr 2024/2025 nicht mehr für alle aus, teilte der Rheinisch-Bergische Kreis als Schulträger mit. 16 Schülerinnen und Schüler müssen daher das Jahr in der LVR-Schule in Rösrath verbringen.

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Diese Kinder haben alle einen sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf im Bereich der geistigen Entwicklung, einige von ihnen sind von Problemen aus dem Autismus-Spektrum betroffen. Sie werden jetzt jeden Morgen mit dem Bus nach Rösrath gefahren. Dort werden sie zwar von ihren vertrauten Lehrerinnen betreut, litten aber unter einem sehr lauten Klassenzimmer, fehlenden Rückzugsmöglichkeiten und dem Ausfall von Therapien innerhalb der Schulen, berichten Vertreterinnen der betroffenen Eltern.

Schon nach der ersten Woche in Rösrath zeigten einige der Kinder im Alter von sechs bis neun Jahren ein auffälliges Verhalten. Gerade für diejenigen Kindern, die unter Autismus-Spektrum-Störungen litten, sei die Auslagerung ein harter Schlag.

Die Eltern kritisieren, dass der Raummangel seit drei Jahren bekannt sei, der Engpass aber nun kurzfristig zu Lasten ihrer Kinder gehe. Schon jetzt schauten sie mit Sorgen auf das Folgejahr – denn 2025/26 benötige die LVR Schule in Rösrath die Räume selbst, dann drohe womöglich eine weitere Zwischenlösung.

Eingang der Fröbel-Schule in Moitzfeld. Foto: Thomas Merkenich

Anmeldezahlen steigen stark an

Birgit Bär, die Sprecherin der Kreisverwaltung, bestätigt den eklatanten Raummangel. Die Fröbel-Schule sei für 120 Kinder konzipiert, habe derzeit aber 187 Schülerinnen und Schüler. Daher sei die Auslagerung nach Rösrath eine Notmaßnahme, um alle Kinder unterzubringen. „Wir haben die Lösung gewählt, die die Plätze am schnellsten bereitstellt und möglichst wenige Belastungen mit sich bringt“, erläutert Bär.

Alle Förderschulen mit dem Schwerpunkt „Geistige Entwicklung“ seien mit stark steigenden Anmeldezahlen konfrontiert, weil wieder deutlich mehr Eltern von Kindern mit Handicaps die Regelschulen mieden und wieder Förderschulen bevorzugten.

Hintergrund: Förderschulen in Rhein-Berg

Der Rheinisch-Bergische Kreis ist Träger von insgesamt fünf Förderschulen. Neben den beiden Schulen für den Bereich „Geistige Entwicklung“ in Bergisch Gladbach-Moitzfeld und in Leichlingen gibt es im Feld „Lernen, emotionale und soziale Entwicklung“ die Verbundschule Nord in Wermelskirchen, die Verbundschule Mitte in Bergisch Gladbach-Refrath sowie die Albert-Einstein-Schule in Rösrath-Venauen.

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) unterhält insgesamt 38 Förderschulen mit unterschiedlichen Schwerpunkten, vor allem im Bereich der körperlichen Einschränkungen.

Hintergrund: Inklusion und die Rechtslage

Grundsätzlich hat die Inklusion von Kindern mit Behinderungen in den Regelschulen laut Schulgesetz die erste Priorität. Gleichzeitig soll der Elternwunsch – etwa bei der Wahl einer Förderschule – berücksichtigt werden. Die Rechtslage, ob die Kreisverwaltung Kinder aufgrund von Raummangel ablehnen kann, ist nach Angaben des Kreises nicht klar geregelt. Daher bemühe sich die Bezirksregierung um eine juristische Klärung.

„Für viele Kinder ist die individuelle Förderung auch besser“, sagt Bär, daher wolle die Kreisverwaltung keine Anträge ablehnen. Die starke Nachfrage spreche ja auch für die Qualität der Förderschulen. Das Raumproblem betreffe auch die Martin-Buber-Schule in Leichlingen, dort seien zuletzt Lehrerzimmer und Verwaltung in Container auf dem Gelände ausgelagert worden.

Kein Platz für Container, Anbau braucht Zeit

Diese Möglichkeit sei auch bei der Fröbel-Schule geprüft worden. Doch gebe es auf dem ohnehin stark ausgenutzten Grundstück in Moitzfeld keinen Platz für eine Aufstellung von Schulcontainern. Der Fußballplatz sei dafür zwar geprüft worden, der Untergrund habe sich aber als nicht tragfähig herausgestellt.

Der Ausbau der Schule sei in der Tat schon länger geplant, habe aber nicht rechtzeitig umgesetzt werden können. Zur Erweiterung der Fröbel-Schule werde jetzt ein Gebäudeteil an das Werkstatt-Gebäude angebaut. Die Arbeiten hätten jetzt mit dem Aushub der Baugrube begonnen, berichtet Bär.

Foto: Thomas Merkenich

Die Fertigstellung sei zwar für 2025 anvisiert. Angesichts der Genehmigungsverfahren und üblichen Verzögerungen bei Bauprojekten sei aber nicht absehbar, dass die neuen Räume zum nächsten Jahr fertig werden – daher sei wahrscheinlich eine weitere Übergangslösung erforderlich. Die Kreisverwaltung sei mit Hilfe der Städte und Gemeinden bereits auf der Suche nach Räumen. Angesichts des Platzmangels und Sanierungsbedarfs fast aller Schulen ist das jedoch ein schwieriges Unterfangen.

Der Kreisverwaltung sei sehr bewusst, was den besonders sensiblen Kindern zugemutet werde und habe Verständnis für die Kritik. Der Kreis habe jedoch keine andere Option gehabt und arbeite jetzt mit Hochdruck daran, die Belastungen für die Kinder möglichst gering zu halten, betont die Sprecherin.

Das betreffe u.a. den Fahrdienst (einige Kinder müssen nach Angaben der Eltern jetzt bereits um 5:30 Uhr aufstehen und um 6:30 in den Bus steigen) und auch das Angebot von Therapien im Ausweichquartier in Rösrath. „Da werden wir uns noch etwas einfallen lassen,“ kündigt Bär an, „aber diese Übergangsphase bleibt schwierig“.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Vorschlag! Das leer stehende Gebäude vom früheren Edeka-Markt in Herkenrath prüfen. Ist zwar nicht optimal, könnte man allerdings evtl. als Übergang und Nähe an Moitzfeld umsetzen.

      1. Wenn der der Sportplatz nicht tragfähig ist, kann man hier bestimmt durch bauliche Maßnahmen eine aussreichende Tragfähigkeit herstellen. Da ja auch mit dem Erweiterungsbau, die grundsätzliche Probelmatik des Platzmangels nicht beseitigt wird, kann man hier kurzfristig Platz schaffen. Um eine langfristige Planung für den weitern Ausbau des Standortes in Angriff zu nehmen.