Die Tannenbergstraße ist bis Ende Februar nur stadtauswärts befahrbar. Foto: Redaktion

Um den Ausbau der S 11 zu retten müssen die Fraktionen im Stadtrat jetzt sehr rasch ein Konzept für die Tannenbergstraße beschließen und sich gleichzeitig mit der Deutschen Bahn einigen, fordert go.Rheinland-Geschäftsführer Norbert Reinkober. Passiere das nicht, drohe das Projekt auf der Prioritätenliste nach hinten zu rutschen.

Dass in Bergisch Gladbach alle Fraktionen im Stadtrat und die Verwaltung voll und ganz hinter dem Ausbau der S11 um ein zweites Gleis und damit einem ordentlichen Anschluss der Stadt an das Schienennetz stehen, daran besteht für Norbert Reinkober überhaupt kein Zweifel.

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Dennoch macht sich der Geschäftsführer des Zweckverbands go.Rheinland (früher: RVK) große Sorgen, das aus seiner Sicht bislang sehr gut laufende Planverfahren könne aus dem Tritt geraten und sich womöglich um viele Jahre verzögern – wenn der Stadtrat jetzt nicht sofort einige wichtige Beschlüsse trifft.

Diese Sorgen hatte Reinkober am 11. September im Verkehrsausschuss vorgetragen, allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Das Bürgerportal und der Kölner Stadt-Anzeiger hatten anschließend auf der Basis von Gesprächen mit Ausschussmitgliedern berichtet. In einem Pressegespräch bestätigte Reinkober jetzt diese Berichte.

Ganz akut geht es um die Frage, welche Alternative es für den Auto-, Rad- und Fußverkehr für die Tannenbergstraße geben wird, die im Zuge des Ausbaus und der Einführung eines 5-Minuten-Taktes geschlossen werden muss. Und um die Frage, welche Anteil an den Kosten Stadt und Bahn tragen. Grundsätzlich muss die Bahn für Ersatz sorgen, stellt Reinkober klar, aber für alle „Sonderwünsche“ müsse die Stadt aufkommen.

Als Alternativen sind seit Jahren diverse Formen einer Unterführung und einer Ersatzstraße im Gespräch, zuletzt ist offenbar auch eine Brücke erwogen worden.

Derzeit werde auf Kosten von go.Rheinland unter großem Druck eine Machbarkeitsstudie zu diesen Optionen erarbeitet. Sie werde am 1. Oktober in einer Sondersitzung des Verkehrsausschusses vorgestellt, erläutert Reinkober. Er selbst habe zwar „eine Vision“, wie die beste Lösung aussehen könne – doch wolle er nichts vorwegnehmen und die Entscheidung ganz dem Stadtrat überlassen.

Der Stadtrat soll möglichst einige Tage vorab die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie erhalten, womöglich aber auch erst in der Sitzung informiert werden. Sollten die Fraktionen dann noch beraten müssen könne die Entscheidung noch einige Tage aufgeschoben werden, müsse aber noch im Oktober fallen, betont Reinkober.

Der hohe Zeitdruck sei durch die Sparbemühungen der Bundesregierung entstanden, auch für Investitionen in wichtige Verkehrsprojekte werden gekürzt. Projekte, bei denen der Entscheidungsprozess stocke, könnten daher hinten runter fallen, warnt Reinkober. Zudem befürchte er, dass der Konsens über die S11 im Zuge des anlaufenden Kommunalwahlkampfes zerredet werden könne.

Bereits im November stehe eine entscheidende Anhörung beim Eisenbahnbundesamt, bis dahin müsse das Konzept für Bergisch Gladbach stehen. Und mit der Deutschen Bahn abgestimmt sei. Aber auch bei der Bahn werde mit Hochdruck am S 11-Ausbau gearbeitet, das ja für die gesamte Kölner Region von großer Bedeutung sei.

Bei der Bahn sei auch angekommen, dass Bergisch Gladbach mit einer sehr kleinen Lösung für die Tannenbergstraße (neue Ampel an der Stationsstraße) nicht einverstanden ist. Zudem habe die Bahn erkannt, dass der Ausbau der Buchholzstraße für die Stadt keine Alternative ist.

Andere große Probleme für den S11-Ausbau seien überraschend schnell gelöst worden; so sei mit den Naturschutzverbänden eine gute Lösung für das Thielenbrucher Moor gefunden worden. Unter anderem werde dort mit aufwendigen und damit auch teuren Verfahren gearbeitet, um zwei bedrohte Tierarten zu schützen.

Forderungen der Bahn, für die Zeit der Bauarbeiten Flächen in der Innenstadt in Anspruch zu nehmen und nach Fertigstellung weitere Flächen für das Abstellen der Bahnen über Nacht zu erhalten, sind nach Reinkobers Einschätzungen erfüllbar. Bergisch Gladbach profitiere davon, dass die Bahnen hier „übernachten“, weil der Betrieb damit morgens sehr viel früher starten könne.

Das letzte der Planfeststellungsverfahren für die S11-Abschnitt, so Reinkober, solle noch im Herbst eingereicht werden. Grundsätzliche Aussagen zum Zeitplan, zum Baubeginn (mit einer monatelangen Stilllegung der Strecke) oder gar zur Fertigstellung macht Reinkober nach wie vor nicht.

Angesichts vieler unwägbarer Rahmenbedingungen wäre das unseriös. Erst wenn das Eisenbahnbundesamt die Planfeststellungsverfahren abgeschlossen habe, könne man Jahreszahlen nennen.

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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  1. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass Fußgänger und Radfahrende am Ende die A…karte ziehen und gar keinen Ersatz für die wegfallende Tannenberg-Querung bekommen?

    Die Frage steht seit Beginn der Planungen zum S-Bahn-Ausbau im Raum, aber bisher haben sich alle Beteiligten davor gedrückt, ernsthaft nach einer Lösung zu suchen. Jetzt herrscht plötzlich großer Zeitdruck – die Bahn will keine “Sonderwünsche” finanzieren, und der Stadt wird suggeriert, sie solle froh sein, wenn das zweite Gleis überhaupt kommt. Und sei es um den Preis, die Barrierewirkung der Bahnlinie weiter zu verstärken und ganze Stadtteile faktisch von der Innenstadt abzuschneiden.

  2. Ist die Tannenbergstraße überhaupt so relevant für den KFZ-Verkehr? Ich umfahre schon seit Jahren diese Ecke, weil die Ampel mir zu oft unten hängt.

    Eine Brücke für Fahrradfahrer und Fußgänger wäre vermutlich wesentlich günstiger und einfacher zu planen, dann noch eine Abzweigung zum neuen Fahrradhighway auf dem Bahndamm ;).

    1. Eine Brücke über die S-Bahn müsste in ca. 10 Meter Höhe verlaufen. Das ist keine sinnvolle Option, weder für Fußgänger noch für Radfahrende.

      1. Nein, müsste Sie nicht!

        Angenommen, man würde an der Ecke Hermann-Löns-Straße/Britanniahütte mit einer Rampe starten, hätte man eine Fußgänger und Fahrradfahrer gerechte Rampe. Die Brückenhöhe wäre am höchsten Punkt bei 6,70.Danach könnte eine Rampe Richtung Kalkstraße gehen und die zweite Rampe Richtung Bahndamm.

        Die Brücke wäre zwar leider nicht Rollstuhlgerecht (dann müssten die Rampen noch 30 Meter länger sein). Das ganze könnte auch noch ziemlich schick aussehen. Bezüglich der Werte habe ich mich per ChatGPT beraten lassen :).

  3. Irgendwann habe ich wohl den Überblick zum Diskussionsstand verloren. Das hier ” … der Ausbau der Buchholzstraße für die Stadt keine Alternative ist …” ist mir neu, eine Begründung habe ich auch nirgendwo gelesen oder gehört. Eine ‘normale’ Straßentrassen-Alternative erscheint mir zumindest aus planerischer Sicht einfacher und zeitlich berechenbarer als eine Tunnel- oder Brückenalternative.
    Es wäre sicherlich mehr als schade, wenn im Verkehrsausschuss der Ausbau der S11 durch kurzfristige parteipolitische Taktiken auf den Sanktnimmerleinstag verschoben würde.

  4. Obwohl weiß Gott kein Fachmann, scheint mir, die Lösung Tannenbergstraße als Brücke für alle Verkehrsteilnehmer zu suchen und Planen ein kleineres Übel gegenüber dem “hinten runterfallen” des 2. Gleises, wie es zu scheinen droht. Kann der Verkehr nicht auf der T. Str. geradeaus weiter zur Hauptstraße geführt werden, was sicher schon diskutiert wurde, bei mir jedoch eine Begündung bisher nicht ankam, vermutlich meien Schuld.