Pfarrer Elmar Kirchner (hier mit Pfarrer Samuel Dörr von der evangelischen Gemeinde) segnet den Pilgerstein vor der Kirchenmauer von St. Nikolaus in Bensberg. Fotos: Beatrice Tomasetti

Der Pilgerweg von Leipzig über Köln bis nach Santiago de Compostela führt schon immer durch Bensberg – wird aber erst jetzt durch einen eigenen Haltepunkt markiert: Ein dreieinhalb Tonnen schwerer Grauwackefindling dient als Wegweiser, als Anziehungspunkt und auch als Segensstein, der Menschen verbindet.

Großer Auflauf am Samstagvormittag auf der Nikolausstraße unterhalb der Kirchhofmauer. Bei strahlendem Sonnenschein versammelten sich hier rund 60 Gemeindemitglieder – darunter auch zahlreiche Vertreter aus dem Kirchenvorstand und Pfarrgemeinderat. Denn es gab allen Grund auf ein Projekt anzustoßen, das nach längerem Vorlauf mit vielen Spendern in die Tat umgesetzt werden konnte.

Schließlich verfügt von nun an auch Bensberg über eine eigene Markierung auf dem Pilgerweg von Leipzig nach Köln – mit dem Fernziel Santiago de Compostela, wo der Apostel Jakobus begraben liegt. Was es bislang in den Orten Hohkeppel, Immekeppel, Frielingsdorf und Lindlar gab – einen Haltepunkt mit Markierung auf diesem langen Weg – finden Pilger jetzt auch in unmittelbarer Nähe von St. Nikolaus. 

Werner Höderath, Pfarrer Samuel Dörr von der evangelischen Gemeinde, Andreas Lücke, Verein der Freunde und Förderer von St. Nikolaus, Pfarrer Elmar Kirchner und Annemarie Schmoranzer an der neuen Wegemarke. Zur Zeremonie waren u.a. auch die Pastoralreferentin Violetta Gerlach, der Landtagsabgeordnete Martin Lucke, die Bewerberin um das CDU-Rheinberg-Bundestagsmandat, Caroline Bosbach, und Josef Willnecker, stellvertretender Bürgermeister gekommen.

Initiative der „Freunde und Förderer von St. Nikolaus“

Der Verein der „Freunde und Förderer von St. Nikolaus“ unter der Leitung von Andreas Lücke hat mit vielen Mitstreiterinnen und Mitstreitern – darunter Ideengeberin Annemarie Schmoranzer, Werner Höderath und Bubi Scherer – die Initiative dazu ergriffen und mit Unterstützung des Kirchenvorstands den Plan auf dem Kirchengelände Wirklichkeit werden lassen.

Jetzt gesellt sich auf der langen Pilgerstrecke – vorbei an der alten Burg, Schloss Bensberg, der Pfarrkirche St. Nikolaus und der evangelischen Kirche – zu den bislang 23 Wegemarken auch eine 24. dazu.

Konkret besteht diese aus einem dreieinhalb Tonnen schweren Grauwackefindling aus Lindlar, gestiftet von der Firma Quirrenbach, und einer darin eingelassenen Bronzeplatte von der Glockengießerei Petit & Edelbrock, die auch schon die fünf Glocken von St. Nikolaus in den 1950er Jahren gegossen und den neuen Glockenstuhl der jetzt sanierten Pfarrkirche errichtet hat.

Die in Bronze gegossene Platte an St. Nikolaus weist den Pilgerweg von Ost nach West mit Stationen in Rhein-Berg aus.

„Der Jakobsweg führt seit Jahrhunderten über den alten Handelsweg ‚Heidenstraße’ von Leipzig über Halle, Attendorn, Winterberg, Marienheide und Bensberg bis nach Köln. Mit der Errichtung des 24. Wegesteins an St. Nikolaus stellen wir Bensberg als wichtigen Punkt des Weges heraus. Wir freuen uns über Pilger und Wanderer, die Bensberg und den Wegestein besuchen!“, betonte Andreas Lücke, der hofft, dass dieser Stein der attraktiven Wander- und Pilgerroute durchs Bergische Land zu neuer Geltung verhilft.

Pfarrer Elmar Kirchner segnete den Wegestein und betonte, dass jede irdische Pilgerreise letztlich dazu diene, die Vollendung bei Gott zu finden und damit am eigentlichen Ziel anzukommen.

„Wandern und Pilgern verbindet Menschen und Kirchen“

Sein evangelischer Mitbruder Samuel Dörr stellte zunächst kritisch die Frage in den Raum, ob wir von Steinen, die als Wände und Mauern blockierten und trennten, schwer und unverrückbar seien, nicht schon genügend hätten, um dann positiv herauszustellen, dass dieser Findling als Wegweiser für Pilger einzigartig sei, weil er eben genau das Gegenteil tue: zum Gespräch einlade und unter Umständen neue Perspektiven eröffne.

„Wandern und Pilgern verbindet Menschen“, so Dörr wörtlich, „und auch unsere Kirchen.“ Von daher sei diese Wegemarke ein Segensstein. „Und davon können wir nicht genug haben.“

osef Willnecker, stellvertretender Bürgermeister von Bergisch Gladbach, dankt in seinem Grußwort den Initiatoren und Spendern des Projektes.

Anziehungspunkt für Wanderer von nah und fern

„Pilgerwege gibt es viele, aber eines verbindet sie alle: Pilger sind immer auch auf der Reise zu sich selbst; egal ob das Grab des Heiligen Jakobus in Spanien besucht wird oder die Statue der Heiligen Maria im französischen Lourdes das Ziel ist“, sagte Josef Willnecker und dankte im Namen der Stadt allen, die zur Realisierung dieses Wegesteins beigetragen hatten.

Der Pilgerbrauch sei immer auf eine Erfahrung zurückzuführen, die gläubige Menschen gemacht hätten. „Auf bestimmten Wegen oder an bestimmten Orten spürt der Gläubige göttliche Kräfte.“ Gerade der Jakobsweg werde gerne auch zur Selbstfindung, persönlichen Entwicklung oder als Auszeit vom täglichen Stress genutzt.

„Wer auch immer sich aus welchen Gründen auf die Wanderung begibt: Der Jakobsweg ist eine sehr gute Wahl“, befand der offizielle Vertreter der Stadt. Und zur Orientierung dieses Weges dienten Wegesteine.

Abschließend betonte Willnecker: „Ich bin sehr stolz, dass es nun in Bergisch Gladbach einen solchen Wegestein gibt, der nicht nur als Hinweistafel gilt, sondern auch als neuer Anziehungspunkt für die vielen auswärtigen Wanderer, aber auch für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt. Das ist einfach großartig und verdient höchste Anerkennung und Wertschätzung!“

ist freie Journalistin und ehrenamtlich für die Pfarreiengemeinschaft St. Nikolaus und St. Joseph tätig.

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