Fast einstimmig hatte der Stadtrat ein Konzept für 14 Fahrradstraßen beschlossen. In der Siegenstraße in Refrath stößt das auf Widerstand. Nicht etwa, weil das zu Lasten des Autoverkehrs ginge. Die Anwohner:innen befürchten, dass ihre ruhige Sackgasse von rasenden Radler:innen aufgemischt wird. Aber es geht auch um Parkplätze und Wertverluste. Daher haben sie einen Offenen Brief verfasst.

Wir dokumentieren den Offenen Brief der Interessensgemeinschaft gegen die Umwidmung der Refrather Siegenstraße im Wortlaut

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Sehr geehrter Herr Bürgermeister, 

wir, eine Interessensgemeinschaft gegen die Umwidmung der Refrather Siegenstraße (zwischen Vürfels und Fußgängerbrücke Frankenforstbach) zur Fahrradstraße, möchten auf diesem Wege bewirken, dass die Verantwortlichen den Beschluss und das Konzept nochmals überdenken. Im Folgenden werden wir Ihnen dazu die Situation aus unserer Sicht schildern. 

In dem Zusammenhang ist noch zu erwähnen, dass die meisten Anwohner sehr verärgert darüber sind, dass wir nicht bereits vor dem Beschluss in die Planung mit einbezogen wurden.

Darüber hinaus ist es uns wichtig, Ihnen mitzuteilen, dass es unter uns zahlreiche Fahrradpendler gibt, die einen sinnvollen Ausbau des Fahrradnetzes befürworten, um schneller und sicherer von A nach B zu gelangen und so ggfls. Autofahrer dazu zu bringen, auch aufs Fahrrad umzusteigen. Die Sinnhaftigkeit sehen wir bei der Umwidmung der Siegenstraße allerdings als nicht gegeben, wie Sie den folgenden Ausführungen entnehmen können.

Hinweis der Redaktion: Die Umwidmung der Siegenstraße ist Teil eines Konzeptes für ein gesamtstädtisches Radroutennetz, das der Verkehrsausschuss Anfang des Jahres mit großer Mehrheit (gegen die FWG) beschlossen hatte. Im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung hatte die Stadtplanung im September die Überlegungen für die Siegenstraße der Anwohnerschaft erläutert; wir dokumentieren die Präsentation ganz unten. (Aktualisierung 10.10.2024)

Der o.g. Abschnitt der Siegenstraße wird seit mehr als 30 Jahren von Fahrradfahrern mit unterschiedlichen Zielen befahren. Ebenso nutzen diesen Abschnitt Autofahrer wie Anwohner, Pflegedienste, Besucher, Handwerker und Lieferdienste.

In weitaus größerem Umfang wird die Siegenstraße jedoch von Fußgängern, Familien mit Kindern, Schulkindern auf ihrem Weg zu den umliegenden Schulen, älteren Menschen, zum Teil mit Gehhilfen (u.a. Rollatoren), spielenden Kindern und Hundebesitzern genutzt.

Stark verkehrsberuhigte Straße

Die Siegenstraße ist zudem im o.g. Abschnitt eine stark verkehrsberuhigte Straße, da sie ab der Straße „Am Bach” zu einer Sackgasse wird. Durch diese Gegebenheiten ist die Siegenstraße besonders attraktiv für alle diejenigen, die abseits der verkehrsreichen Straßen, sicherer unterwegs sein wollen. Auch wichtig zu wissen ist die Tatsache, dass die Siegenstraße im o.g. Abschnitt ohne Bürgersteig auskommt.

Alle Nutzer kommen bisher sehr gut miteinander aus. Gegenseitige Rücksichtnahme und natürlich eine angemessene Geschwindigkeit – insbesondere der Autofahrenden – haben in den letzten 30 Jahren zu einem problemlosen Miteinander geführt, was im Übrigen auch von Fahrradfahrern bereits jetzt sehr gut angenommen wird. 

Privilegierung einer Nutzergruppe

Mit der geplanten Umwidmung zur Fahrradstraße werden die diversen Nutzer der Siegenstraße zugunsten einer einzigen Nutzergruppe stark eingeschränkt und nur noch geduldet. Auf Ihrer Internetseite ist außerdem zu lesen:

“Fahrradstraßen sind oft schneller als andere Straßen, da sie keine Verkehrsampeln oder andere Hindernisse haben, die den Verkehr behindern. Das bedeutet, dass Fahrradfahrende schneller von A nach B kommen können.” 

Allein diese Charakterisierung suggeriert dieser privilegierten Gruppe, dass sie deutlich schneller fahren dürfen („Rennstrecke für Fahrradfahrer“).

Wie dies auf einer Straße mit sehr unterschiedlich agierenden Verkehrsteilnehmern zu mehr Sicherheit für alle Beteiligten führen soll, ist uns völlig unverständlich. Zumal es keinen Gehweg / Bürgersteig gibt, auf den Fußgänger, ältere Menschen, zum Teil mit Gehhilfen, spielende Kinder, Hundebesitzer ausweichen können.

D.h., Sie haben beschlossen, dass:

  • Schulkinder auf ihrem Weg zur Schule zwar noch geduldet werden, aber darauf achten müssen, die Fahrradfahrenden nicht zu behindern. Somit müssen Kinder auf Fahrradfahrer aufpassen und nicht (mehr) umgekehrt! 
  • Anwohner und Pflegedienste mit ihren Fahrzeugen nur noch sehr eingeschränkt vor den Häusern parken können und Besucher sowie Handwerker gezwungen sind, sich für die Dauer ihres Besuchs / ihrer Dienstleistung einen (ggf. weit entfernten) Parkplatz zu suchen.
  • Fußgänger mit und ohne Hund, Familien, Senioren, Menschen mit Behinderung und spielende Kinder die Siegenstraße nicht mehr wie bisher nutzen dürfen, sondern angehalten sind, ständig den Fahrradverkehr im Auge zu behalten um diesen nicht zu behindern.

Sorge um die Parksituation

Die bisher bestehende und gut funktionierende gegenseitige Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer in der Siegenstraße ist mit der geplanten Umwidmung aus unserer Sicht nicht mehr gewährleistet, wenn eine (!) Nutzergruppe in diesem Maße bevorzugt wird.

Uns stellt sich eher die Frage, warum sich Ihre Bemühungen zur Fahrrad-Mobilität nicht mit den Fragen zur Optimierung der jetzigen sehr guten Ausgangslage in der Siegenstraße beschäftigt, wie z.B.:

  • Die Beschilderung/Ausweisung einer empfohlenen Fahrradroute Richtung Köln/Bensberg,
  • Spiegel zum Einsehen von Nebenstraßen,
  • usw.

Ein weiterer, wichtiger Gesichtspunkt für die Anwohner ist die Parksituation. Derzeit können die Anwohner, ihre Besucher, Handwerker, Liefer- und Pflegedienste die Straße zum Parken nutzen, ohne den Rad- und Fußgängerverkehr unangemessen zu beeinträchtigen.

Bei einer Straßenumwidmung würden die Anwohner erwarten, dass für genügend Ersatz gesorgt wird (sprich durch Parkflächen auf dem Randstreifen). Dies würde unserer Einschätzung nach zu weiteren, vermeidbaren Nachteilen führen:

  • Der Randstreifen der Siegenstraße im o.g. Abschnitt ist die einzige Versickerungsfläche für die Straße. Eine Kanalisation oder eine andere Möglichkeit der Regenwasserableitung ist nicht vorhanden. Mit den notwendigen neuen Parkflächen auf diesem Randstreifen würde der Hochwasserschutz durch Verdichtung und ggfls. Versiegelung nicht unerheblich beeinträchtigt. 
  • Die Kosten für den Ausbau ausreichender Parkflächen dürften nicht unerheblich sein.

Darüber hinaus haben einige Anwohner den Grünstreifen zum Teil über die Jahre bepflanzt, um zu verhindern, dass Kinder und andere Fußgänger die Bahngleise Richtung Spiel- und Bolzplatz bzw. zur Erntestraße queren. Außerdem dienen diese Bepflanzungen zusätzlich dem Geräusch-, Sicht- und Umweltschutz. 

Auf „unserer Straße“ nur noch geduldet?

Die Siegenstraße wurde Ende der 80er / Anfang 90er Jahre mit einem neuen Straßenbelag (Asphalt / Pflaster) versehen. Die Anlieger mussten die Kosten entsprechend der damaligen Rechtslage anteilig übernehmen. Diese Kosten waren erheblich und für einige Anlieger nur schwer zu tragen. Eine Umwidmung der Siegenstraße in eine Fahrradstraße würde für uns Anlieger aber bedeuten, dass wir auf „unserer” Straße demnächst allenfalls noch geduldet werden.

Ein weiteres wichtiges Thema ist uns der Wert unserer Eigenheime: Verkaufspreise für Eigenheime hängen neben vielen anderen Aspekten auch von der örtlichen Infrastruktur ab. Die geplanten Einschränkungen (für parkende Gäste in Hausnähe, Fußgänger, Familien und Kinder, die auf der Straße allenfalls geduldet werden) bedeuten ganz sicher eine Wertminderung der betroffenen Eigenheime, die wir nicht hinnehmen wollen.

Keine „durchgängige Radverkehrsführung“

Gemäß der auf der Öffentlichkeitsbeteiligungs-Veranstaltung vom 24.09. gezeigten Präsentation geht es Ihnen u.a. um „mehr Sicherheit für Verkehrsteilnehmende“ und eine „durchgängige Radverkehrsführung“. 

Unsere Bedenken zum ersten Punkt haben wir bereits weiter oben geschildert.

Den zweiten Punkt können wir zwar nur begrüßen, allerdings ist die Siegenstraße aus unserer Sicht nicht das Problem. Vielmehr sehen wir das Problem in den fehlenden Anbindungen in Richtung Köln und Bensberg. Hier sind weitaus größere Baumaßnahmen notwendig, die bisher weder fertig durchdacht noch beschlossen sind. Nur wenn man diese Anbindungen umsetzt, erhält man eine „durchgängige Radverkehrsführung“, auch ohne Umwidmung der Siegenstraße!

Nicht als Fahrradstraße geeignet

Aus den oben genannten Gründen bitten wir Sie, Ihren Beschluss und das Konzept noch einmal zu überdenken und an die Gegebenheiten der Siegenstraße – die aus unserer Sicht bisher kaum berücksichtigt wurden – anzupassen. Die Siegenstraße ist aus unserer Sicht im beschriebenen Abschnitt nicht als Fahrradstraße geeignet und es gibt keinen erkennbaren oder zwingenden Grund für die geplante Umwidmung. 

Vielmehr kann der gewünschte zusätzliche Effekt (mehr Sicherheit für Fahrradfahrende) einfacher und deutlich kostengünstiger erreicht werden, z.B. durch:

  • Beschilderung „Anlieger frei”, 
  • Begrenzungen der Geschwindigkeit für alle (!) Verkehrsteilnehmer, 
  • Spiegel an den Einmündungen der Straße, 
  • usw. 

Wir sind gerne bereit, hier mitzuwirken. 

Die nicht unerheblichen Kosten für „Fahrradstraße“-Markierungen, Bau von ausreichend Parkflächen, Beschilderungen „Fahrradstraße“, etc. sind aus unserer Sicht völlig unnötig, da Fahrradfahrer die Straße auch jetzt schon problemlos nutzen können. 

Wir bitten um ihre Stellungnahme bis Ende Oktober 2024. 

Mit freundlichen Grüßen, Die Interessensgemeinschaft gegen die Umwidmung der Refrather Siegenstraße

Dokumentation

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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  1. Lieber Michael Funcke,
    bevor etwas umgesetzt wird , muss auch geprüft werden ob es Sinn macht.

    1. Sie meinen, da gab es im Vorfeld keinerlei Prüfung oder übergreifendes Konzept? Jemand hatte spontan die Idee und daraufhin wurde umgehend die Durchführung beschlossen?

  2. Die Anwohner der Siegenstraße haben wohl lediglich die Befürchtung, dass sie sich hinsichtlich ihres Aktionsradius, der sich bislang (nur gefühlt) auf den privaten UND öffentlichen Raum erstreckte, einschränken müssen.
    Dies scheint wohl eher unbegründet zu sein (außer natürlich das beliebige Parken auf der Straße).

  3. Dem kann ich nur vollumfänglich zustimmen, der offene Brief ist wirklich sehr einseitig verfasst.

  4. Ich glaube, in der Siegenstraße ein Schild auf einem Privatgrundstück gesehen zu haben, auf dem sinngemäß steht, dass Parkplatznutzung im öffentlichen Raum vor dem Grundstück nur für Besucher (was auch immer das sein mag) gestattet sei. Sollte die Beobachtung zutreffen und der Wahrheit entsprechen, wäre das an Dreistigkeit schwer zu überbieten.

    Es geht bei diesem offenen Brief meiner Meinung nach ausschließlich um Autofahrerinteressen. Das Auto hat sich dabei tief im Denken verankert. Offenbar denkt man z.B., dass man durch das Zahlen von Anliegergebühren beim Straßenbau ein Recht am öffentlichen Raum erworben hat. Dazu passen auch die Aussagen zu Immobilienwerten. Das Risiko von Wertminderungen muss man als Eigentümer tragen. Eigenheime an Straßen, wo der PKW-Verkehr über Jahrzehnte unkontrolliert angewachsen ist, sind wirklich von einem Wertverlust betroffen. Übrigens stehen dem Risiko von Wertminderungen auch Chancen auf Wertzuwächse gegenüber.

    Wenn man hier für die Durchsetzung von Autofahrerinteressen vermeintliche Interessen von Kinder vorschiebt, da kann einem der Kaffee wieder hochkommen.

  5. Fahrradweg und -straßenbefürworter sowie -gegner bzw. -Kritiker stehen sich mal wieder unversöhnlich gegenüber, und das, weil die Siegenstraße Fahrradstraße werden soll. An dieser Stelle scheint das Vorhaben der Stadt so lächerlich wie an kaum einer anderen bisher. Eine kleine Straße, Sackgasse, nur einseitig Anrainer, auf der bisher keine Konflikte zwischen den 3 Gruppen von Verkehrsteilnehmern entstanden, soll gegen den Willen der Anrainer vergewaltigt werden. Ein Alibivorhaben par excellence wie bei der Laurentiusstraße. Da wird Geld zum Fenster rausgeschmissen, über das die Stadt nicht mal verfügt. Wahlen sind leider erst in einem Jahr.

    1. lieber Herr Havermann
      „…stehen sich unversöhnlich gegenüber…“ stimmt mal wieder zum Glück NICHT. BITTE nicht soo viel schwarz-weiß malen, schlecht reden oder herbeischleppen.
      Natürlich gibt es (leider bei allen Themen) die „Extremisten“ bzw „Fundamentalisten“ mit Schaum vorm Mund, aber die große Mehrheit diskutiert doch fair und vernünftig und ringt um die beste Lösung. So ist das halt (zum Glück !) in der/UNSERER Demokratie.
      Die Siegenstrasse entlang der KVB ist als ruhige Sackgasse völlig okay, das Problem sind die Anbindungen zu beiden (westlichen und östlichen ) Seiten. Der Refrather Heimatverein macht gute KONSTRUKTIVE Vorschläge – da wirklich vor Ort und bei den Refrathern.
      („Es ist nicht alles schlecht“ war mal Titel von Schmicklers Kabarettprogramm :)

      1. … und diese (Anbindungen) und andere (z.B. Parken) Problembereiche bei der Umwidmung zur Fahrradstraße sind bereits – im Übrigen auch durch den ADFC – adressiert und bereits im Fokus der Stadtverwaltung, wie man der Dokumentation auch unter diesem Beitrag entnehmen kann.

    2. „Eine kleine Straße … soll … vergewaltigt werden.“ – Das ist doch nur noch traurig, was Sie hier von sich geben.

    3. Bitte überlegen Sie doch bevor Sie irgendwelche Begrifflichkeiten verwenden. Ihnen wird doch klar sein was eine Vergewaltigung ist und dass es (zu viele) Menschen gibt, die durch eine solches Erleben psychische Probleme haben, zum Teil bis hin zu Suizidhandlungen.

  6. Es ist bemerkenswert, mit welcher Vehemenz (nicht nur) in unserer Stadt versucht wird, jede kleinste – und sei es nur symbolische – Verbesserung für den Radverkehr zu verhindern. Die regelmäßigen “Kommentarschlachten” sprechen Bände. Wer die Siegenstraße kennt, weiß, dass es dort schon heute viel Rad- und wenig KFZ-Verkehr gibt. In der Praxis würde die Umwidmung also nahezu nichts ändern. Und dennoch…

    Wie wird das erst, wenn “ernsthafte” Maßnahmen anstehen, also der (naturgemäß begrenzte) öffentliche Verkehrsraum tatsächlich gerecht (um-)verteilt wird?
    Vielleicht ist es das, wovor die Fahrradgegner:innen Angst haben: Sie wissen durchaus, dass die rechtliche, finanzielle und planerische Privilegierung des Autoverkehrs keine Zukunft hat. Umso mehr versuchen sie, bestehende Privilegien gegen die beginnende Mobilitätswende zu verteidigen. Die heutigen Don Quijotes reiten nicht mehr hoch zu Ross, sie fahren im “heiligen Blechle”. Wenn sie nicht im selbstgemachten Stau feststecken.

    Eine kleine Korrektur @Redaktion: Die einleitende Aussage “Fast einstimmig hatte der Stadtrat 14 Fahrradstraßen beschlossen.” ist so nicht richtig. Beschlossen wurde, dass im Rahmen der ersten Stufe des Radroutenkonzepts 14 Straßen auf ihre Eignung als Fahrradstraßen geprüft werden. Im Rahmen der Radpendlerroute sowie des StEK Gronau kommen weitere Straßen hinzu.

    1. ” In der Praxis würde die Umwidmung also nahezu nichts ändern.”

      Leider doch, die Fahhradfahrer würden auf ihr “Recht” der Benutzung ohne Fußgänger und vor allem Hunde pochen, man wir sich dort streiten und wieder mal ein schlechtes Vorbild für ein vernünftiges Miteinander abgeben.

      Heute ist das Miteinander dort in der Regel gut und es gibt eigentlich keinen Grund das zu ändern.

      1. Fußgänger haben in einer Fahrradstraße die gleichen Rechte wie in einer „normalen“ Straße.

        „ Fußgänger müssen die Gehwege benutzen. Fußgänger dürfen auf der Fahrbahn – hier Fahrradstraße – nur dann gehen, wenn die Straße keinen Gehweg oder Seitenstreifen hat (§ 25 Absatz 1 StVO).

        Triffst du auf eine Fahrradstraße ohne Gehweg oder Seitenstreifen, darfst du als Fußgänger innerorts am rechten oder linken Fahrbahnrand gehen (§ 25 Absatz 1 StVO).“

        Es gibt also kein Recht der Radfahrer auf alleinige Nutzung der Fahrbahn in der Siegenstraße.

        Und woher kommt die Einschätzung, dass RadfahrerInnen plötzlich ihr Verhalten grundlegend ändern würden?
        Schließen Sie da von sich auf andere oder haben sie eine Kristallkugel?

      2. Wie weiter unten schon geschrieben: Bei der Ausweisung als ‘Fahrradstraße’ geht es darum, den verfügbaren Verkehrsraum zu vergrößern – heute ist er z.T. durch parkende Autos und überwuchernde Hecken eingeschränkt. Das bedeutet *weniger* Konflikte zwischen Fußgängern und Radfahrern, mehr Übersichtlichkeit.
        Warum sich Radfahrende (oder Fußgänger) dann rücksichtsloser verhalten sollten, verstehe ich auch nicht.

  7. Es ist absolut sinnvoll, die Siegenstraße für eine “Fahrradroute” einzuplanen. Eine Umwidmung zu einer Fahrradstraße ist unnötig.
    Viel wichtiger ist die Durchgängigkeit der Routen.
    Die Siegenstraße endet an beiden Seiten sehr abrupt für Radfahrer. An der Haltestelle Lustheide / Kreuzung Vürfels ist keine Verlängerung zur Straße In der Auen fast nicht möglich. Bebauung mit privaten Grundstücken und Garagen. Die Straßenbahn wird vermutlich nicht “mal eben” um 10m nach Süden verlegt.
    Die Verlängerung der Haltestelle wird ja auch gerade geplant/diskutiert. Vermutlich unkoordiniert.

    Im Osten an der Dolmanstraße ist eine Weiterfahrt Richtung Bensberg nur mit einer zu erstellenden Querungshilfe und Querung der Schienen möglich.
    Mit Radverkehr in zwei Richtungen fährt man also jeweils einmal kurz gegen die Fahrtrichtung.

    Bitte durchaus flexible und kurzfristige Lösungen. Diese müssen aber durchdacht sein. Das Thema Siegenstraße wirkt wie ein Schnellschuss: Es muss noch etwas Geld verbrannt werden.

    Fahrradstraßen sind dort notwendig, wo heute das Auto dominiert.
    Nicht dort, wo alle erfolgreich miteinander Leben.

    1. Aus meinem Kenntnisstand: Der Umbau Haltestelle Lustheide soll koordiniert mit Option für den Radverkehr ablaufen. Die Querungsproblematik u.a. Dolmanstraße/Vürfelser Kaule, ist seit Jahren adressiert und wird von der Stadt nach Präsentation auch berücksichtigt.

      Die Siegenstraße ist Teil einer längeren durchgängigen Ost-West Fahrradstraßenroute und im Netzgedanken geplant. Eher kein Schnellschuss.

      s. auch meine anderen Kommentare

      https://www.bergischgladbach.de/240921-oeb-siegenstrasse-praesentation.pdfx

      1. Lieber Michael ,
        die Querung Siegenstrasse / Vürfelser Kaule soll durch Mittelinseln ( rechts und links von den Schienen) gelöst werden . Ohne Lichtschranke fast unmöglich zu überqueren. Dadurch wird es wieder zu Rückstau kommen und Autofahrer werden unweigerlich in die Seitenstraßen ausweichen. Ganz davon abgesehen, dass es noch Jahre dauern wird bis dies verwirklicht wird. Abhängig von den KVB arbeiten an den Haltestellen. Es stehen also noch viele ? im Raum. Wir sind uns einig, dass diese Radroute nach Köln- Bensberg sehr sinnvoll ist. Ob es dazu ausgewiesene Fahrradstrassen geben muss, ist diskussionswürdig.

      2. Liebe Brigitta, der Vorschlag Deiner CDU, aus der Siegenstraße eine Fahrradstraße zu machen, ist schon mehrere Jahre alt. Dieser wurde nach den Umfragen der Stadtverwaltung in 2023, bei dem selbige ebenfalls sehr oft genannt wurde, erneut von den Grünen aufgegriffen. Die Diskussion wurde dann im Februar nach Vorschlag durch die Stadtverwaltung im Rahmen des geplanten Fahrradroutennetz mit vielen anderen weiten Vorschlägen im Ausschuss durchgeführt und dann fast einstimmig beschlossen.

        Jetzt heißt es endlich auch mal an die Umsetzung kommen.

    2. Für beide genannten ‘Problemstellen’ wird an einer Lösung gearbeitet – die Frage ist, wie lange es dauert.

      Im Rahmen der Verlängerung der Haltestelle Lustheide soll der bestehende Radweg so ausgebaut werden, dass er leichter nutzbar wird und Radfahrer weniger Anreiz haben, über den Bahnsteig zu fahren. Der Weg wäre dann zwar weiterhin (zu) schmal, aber immerhin durchgängig.
      An der Dolmanstraße bzw. Vürfelser Kaule sollen zwei Verkehrsinseln zum leichteren Queren eingerichtet werden, nördlich und südlich der Schienen. Der westseitige Bürgersteig wird dafür etwas schmaler.

      Ob die Umwidmung zur ‘Fahrradstraße’ sinnvoll ist… Aus meiner Sicht ergibt es dann (und nur dann) Sinn, wenn es als Teil einer Radverkehrsachse entlang der Linie 1 gedacht und zeitnah in westlicher und östlicher Richtung verlängert wird.

      1. Oh, das hatte sich wohl überschnitten. Note to self: Vor dem Absenden aktualisieren… ;-)

  8. Hauptsache, alle diese entlang den Straßen/Radwege parkenden PKW verschwinden so peu à peu.
    Von diesen fürchterlichen “Dooring”-Unfällen abgesehen, sind die häufig Ursache für Unfälle zwischen Fußgängern + Radfahrern (verdeckte Sichtachsen, zu wenig Ausweichmöglichkeiten auf engen Fuß-/Radwegen).
    https://www.udv.de/udv/presse/parkende-autos-gefaehrden-sicherheit-von-fussgaengern-und-radfahrern-79190

    Das Herr Havermann hier jedes mal so heftig überreagiert (eigentlich wegen nichts) wenn von Fahrrädern die Rede ist, hängt möglicherweise mit einer eigenen bösen Erfahrung als Unfallverursacher zusammen?

    1. “Verdeckte Sichtachsen und zu wenig Ausweichmöglichkeiten auf engen Fuß- und Radwegen” exkulpieren Radfahrer nach dem Rücksichtnahmegebot des § 1 StVO im von vielen Diskutanden so bezeichneten “Konflikt” mit Fußgängern ebenso wenig wie Autofahrer im Verhältnis zu Radfahrern. Das wird gerne übersehen. Die Vermutung, Herr Havermann habe möglicherweise eine eigene böse Erfahrung mit Radfahrern als Unfallverursacher gemacht, bewegt sich auf dem Niveau des Denunziatiorischen. Im Forum nicht den vollen Namen zu nennen, passt zu dieser Art der Debattenführung wie die Faust aufs Auge.

      1. Und was hat das nun mit der Umwidmung der Siegenstraße zu tun? §1 StVO gilt vorher wie nachher.

      2. Der Paragraph 1 – so richtig und wichtig und hilfreich, würden sich mehr daranhalten.

        Und dennoch kein Allheilmittel oder gar Gegenargument bei berechtigten Forderungen nach fehlertoleranten Infrastrukturmaßnahmen im Straßenverkehr vor allem zum Schutz der s.g. schwächeren Verkehrsteilnehmenden.

        Zu diesen Maßnahmen zähle ich und im Übrigen auch sämtliche Regelwerke, die ich so kenne wie z.B. RASt oder ERA, auch das Freihalten von Sichtachsen, ausreichend breite Verkehrswege und Sicherheitstrennstreifen oder kontrolliertes bis eingeschränktes Parken auch zur Reduzierung der Dooring Problematik, gerade bei erhöhtem Aufkommen von Fahrrädern auf beliebten Fahrradrouten oder Fahrradstraßen.

        https://www.bergischgladbach.de/anlage-1-leitfaden-fuer-fahrradstrassen.pdfx

  9. Wie völlig unnötig sich die Umwandlung der Siegenstraße in eine “Fahrradstraße” darstellt, zeigen die hier veröffentlicheten Kommentare. Mit aller Gewalt sollen weiterhin Radfahrer so oft wie möglich (14 Fahrradstraßen in GL???) mit solchen Verkehrsführungs-Veränderungen unterstützt werden. Auch wenn die das nicht für nötig erachten und im Gegenteil dafür votieren, alles beim Alten zu lassen. Die Verwaltung mit Herrn Migenda an der Spitze – spielt der Bürgermeister überhaupt noch mit? – meint, Wahlversprechen einlösen zu müssen, völlig ignorierend, dass GL niemals zu einer Fahrradstadt holländischer oder Stockholmer Prägung werden wird. Dort hat man nämlich schon vor dem Krieg dieses Ziel ins Auge gefasst und daruf hin geplant. Wenn die Vorstellungen der Fahrradlobby realisiert werden sollen, nützen keine Fahrradstraßen an allen möglichen Stellen der Stadt. Dafür müsste eine große Reihe von Häusern abgerissen werden, um aus einer völlig verbauten Stadt eine explizit für Fahrräder umzubauen, da nützen 14 völlig unzusammenhängende Fahrradstraßen nichts.

    1. Lieber Herr Havermann,
      ich habe mal Ihre Aussagen bezüglich Niederlande und Stockholm recherchiert. Welchen Krieg meinen Sie? Den Vietnam Krieg?

      Stockholm begann damit grob ab 1990 und die Niederlande in den 1970er Jahren. Ich durfte mir letztens das E-Bike (Ich weis in Ihren Augen Teufelszeug) meiner Frau ausleihen und selbst die hügelige Landschaft zwischen Heidkamp/Stadtmitte und Sand ist kein Argument mehr, dass man nicht in Fahrradwege investieren sollte.
      Ob die die Umwandlung der Siegenstraße etwas bringt, bezweifle ich persönlich weil man dort wirklich gut Fahrrad fahren kann, da haben wir genug andere dringendere Baustellen.

    2. Faktencheck:
      * Die Siegenstraße ist als Ursprung eines unmittelbar zusammenhängenden Fahrradstraßen Ost-West Zuges (Teil der Route F2) von Lustheide in Richtung Bensberg zu betrachten, der mit knapp 2,5km Länge aus Im Buchenkamp, Buchenkampsweg, Siegenstraße, Wickenpfädchen, Friesenstraße und Hasenweg besteht.
      * Im weiteren Verlauf der F2 Route – südlich der Kölner Straße – bilden dann die zusammenhängenden Fahrradstraßen Kaule und Gartenstraße in Bensberg den Abschluss.
      * Im Aehlemaar, Sträßchen Siefen, Herkenfelder Weg und Borngasse sind in unmittelbarer Folge mit knapp 3,0km der wesentliche Teil der F7 Nord-Süd Verbindung zwischen Schildgen und Paffrath
      * Lediglich Alter Traßweg und Golfplatz (Bahndamm) sind eigenständig aber ebenfalls als längere Teile von Radnetzrouten zu bewerten.
      * Dass DIE Radfahrer, bzw. Kommentare, die Sie Radfahrenden zuordnen, mehrheitlich Fahrradstraßen ablehnen kann ich nicht erkennen. Sie als repräsentativ zu werten – eine Theorie.
      * Die Einrichtung von Fahrradstraßen als wichtigen Baustein im Zusammenhang mit der Etablierung eines Radverkehrsnetzes war keine Einzelentscheidung durch den 1. Beigeordneten Herrn Migenda sondern vor allem Ergebnis eines jahrelangen Prozesses mit letztendlich politischem Auftrag, bei dem sich (Beschluss im Februar 24) fast alle Fraktionen einig waren.

      https://www.komoot.com/de-de/collection/2527813/-bergisch-gladbach-radrouten-im-nebennetz
      https://in-gl.de/2024/02/12/rot-gruen-begruesst-vorschlag-fuer-radverkehrsnetz-und-will-4-strecke/

    3. Auch in den niederländischen Städten, die nicht durch einen Krieg (welchen auch immer) zerstört wurden und daher im Zentrum so aussehen wie seit Jahrhunderten, hat man es geschafft, dem Radverkehr Raum zu schaffen. Da musste dann halt der Autoverkehr zurückstecken. Aber in dieser Hinsicht wird GL wohl tatsächlich keine “Fahrradstadt holländischer … Prägung” werden, wenn es so weitergeht wie bisher.

    4. Häuser müssten abgerissen werden? Im Ernst? Vielleicht haben Sie es noch nicht bemerkt, Herr Havermann, aber die Straßen sind hier durchaus in reichlicher Zahl vorhanden. Allein der Platz darauf müsste anders verteilt werden, auch wenn Ihnen das als Respektlosigkieit gegenüber dem Gaspedal erscheinen mag.

  10. In der Siegenstraße gibt es immer mal ‘Konflikte’ (das Wort ist eigentlich zu hoch gegriffen) zwischen Fuß- und Radverkehr, die sich gegenseitig ausweichen müssen. Sei es wegen parkender Autos, sei es weil der Weg von einer großen Hecke beengt wird.

    Bei der Einrichtung einer ‘Fahrradstraße’ geht es vor allem darum, diese Engstellen zu beseitigen. Mehr Platz heißt weniger (potentielle) Konflikte – was Fußgängern genauso zugutekommt wie Radfahrenden.

    Im Ostteil der Siegenstraße (zur Vürfelser Kaule) sollte überlegt werden, wie der Schleich- bzw. Parksuchverkehr reduziert werden kann. Eine (Kraft-)Verkehrsberuhigung würde die Sicherheit des nichtmotorisierten Verkehrs erhöhen, und nebenbei auch noch die Grundstückswerte.

    Die Kritik der Anwohner:innen erscheint mir angesichts dessen reichlich konstruiert, geradezu abenteuerlich. Wovor haben sie Angst – vor mehr Sicherheit und weniger Verkehrslärm?
    In einem Punkt stimme ich ihnen allerdings zu: “die Siegenstraße [ist] … nicht das Problem.” – die wirklichen Schwachstellen der ‘Fahrradachse’ liegen anderswo (und sollten zeitnah angegangen werden). Aber wenn das so ist und die Straße außerdem “von Fahrradfahrern bereits jetzt sehr gut angenommen wird”, wird die Einrichtung einer ‘Fahrradstraße’ kaum etwas ändern. Wozu dann also die Aufregung?

  11. auf Google maps kann sich jeder ein Bild der Situation vor Ort machen…voll bebildert.
    Man sieht als Radfahrer, das hier rein gar nichts gemacht werden müßte. Also sie ist bereits die ideale Fahrradstraße.
    Die Umwidmung zur Fahrradstraße wäre nur politisch motiviert und macht sich gut auf dem Erfolgszettel bei er nächsten Wahl als Umsetzung der Prio I-Liste.

    Wo ist in GL die erste Straße, die BAULICH für Radfahrer umgebaut wird? Mit separatem Radweg. All die Mühen mit Farbe und Schilder sind praktisch für umsonst, weil man das im Verkehr nicht wahrnimmt.

    1. Teilweise Zustimmung. Umso unverständlicher finde ich die Kritik der Anwohner:innen an einer Umwidmung, die in der Praxis wenig bis nichts ändern würde.

      Allerdings sollte nicht vergessen werden, dass die Siegenstraße nur ein (relativ kurzer) Abschnitt einer längeren Fahrradroute von Brück über Refrath nach Bensberg ist (F2 im städtischen Radroutennetz). Die Einrichtung einer Fahrradstraße hier ist gewissermaßen der “Nukleus”, an den sich Verlängerungen westlich und östlich entlang der Straßenbahnlinie anschließen sollen. Unter diesem Gesichtspunkt ergibt es m.E. dann doch Sinn, auch wenn sich in der Siegenstraße selbst (fast) nichts ändert.

  12. Meine Fräse,
    wenn man keine Probleme hat macht man sich selber welche?

    Ich befahre seit Jahrzehnten die Strasse mehrmals die Woche mit 35-40 km/h.
    Noch nie ein Problem gehabt, die Anwohner sind nicht doof, wissen ganz genau dass das Gefälle, auch wenn es nur gering ist, die Radfahrer schnell macht.

    1. Gefälle in der Siegenstraße, parallel zum Bahndamm, zwischen Vürfels und Frankenforstbach? Die ca. 1m Höhenunterschied auf 400m?

      Und Sie geben hier öffentlich zu, sich vorsätzlich nicht an die StVO der Tempo 30 Zone zu halten? Habe ich das richtig verstanden?

  13. “rasende Radler” – man glaubt es kaum… dabei behindern die Handwerker und Pflegedienste, um die man sich vorgeblich sorgt, die Fußgänger und Schulkinder doch ganz genau so (wenn nicht mehr).
    und auch wenn die Anwohner zur Sanierung zur Kasse gebeten wurden – es ist damit noch lange nicht “Ihre Straße”.
    das ist ein typischer kleinbürgerlicher Take zur Blockade wichtiger Schritte hin zur überfälligen Verkehrswende.

    1. Ich finde es schon ein wenig unschön, wenn jemand eine Gruppe von Menschen, die von ihm nicht geteilte, aber bedenkenswerte Argumente gegen die Ausweisung der Siegesstraße als Fahrradstraße vortragen, als Kleinbürger diffamiert. Wenn das die Diskussionskultur sein soll, in der hierzulande Debatten geführt werden, dann gute Nacht Deutschland.

      1. Bedenkenswerte Argumente? Wenn man all die Polemik, die Spekulationen und uninformierten Halbwahrheiten („rasende Radler“, „Privilegierung einer Nutzergruppe“, „die diversen Nutzer … stark eingeschränkt und nur noch geduldet“, „Rennstrecke für Fahrradfahrer“, „müssen Kinder auf Fahrradfahrer aufpassen und nicht (mehr) umgekehrt“, „Fußgänger mit und ohne Hund, Familien, Senioren, Menschen mit Behinderung und spielende Kinder die Siegenstraße nicht mehr wie bisher nutzen dürfen“, „Wertminderung der betroffenen Eigenheime“) rausstreicht, dann bleiben nicht mehr allzu viele Argumente.

        Was übrig bleibt, ist im Wesentlichen die Abneigung gegen die Unbequemlichkeit, das eigene Auto künftig auf dem eigenen Grundstück abstellen zu sollen.

  14. Allen Schreibtischtätern und Bürokraten ins Poesiealbum geschrieben: kümmert euch um die WIRKLICHEN PROBLEME (die es zu Genüge gibt, aber bitte keine Ablenkungsmanöver):
    Wenn es eine Straße gibt, bei der es seit Jahrzehnten problemlos ist, dann die Siegenstrasse, die ja eine ganz ruhige Anwohner- und Sackgasse war und ist. Seid fast 40 Jahren fahre ich fast täglich entspannt und völlig problemlos (ausschließlich) mit dem Fahrrad durch die ganz ruhige Siegenstrasse. Selten fährt ein Anwohner in Schrittgeschwindigkeit zu seinem Stellplatz. Ich bin tausende Male durch die Siegenstrasse geradelt und habe nie eine gefährliche brenzlige Situation erlebt.
    Übereifrige Stadtplaner sollten das nicht am Schreibtisch entscheiden, sondern selber durch die Siegenstrasse radeln, ehe sie unsinnige und teure Kosten veranlassen. Ich bin übrigens auch Mitglied vom ADFC (FahrradClub)

    1. Lieber Herr Thiel, die Mitarbeiter:innen der Stadtverwaltung (die Sie offenbar mit „Schreibtischtätern und Bürokraten“ meinen) haben die Siegenstraße nicht vorgeschlagen, das war die Grünen:

      https://in-gl.de/2023/06/07/gruene-schlagen-acht-fahrradstrasse-in-gl-vor/

      Der Vorschlag ist dann im Verkehrsausschuss von fast allen Fraktionen (mit Ausnahme der FWG) beschlossen worden:

      https://in-gl.de/newsletter/wissen-was-laeuft-der-tag-in-gl-14-2-2024/

      1. Danke in-gl für den freundlichen und wieder hilfreichen und immer sachdienlichen Hinweis.
        Wenn die GRÜNEN Steuergelder für die eh ruhige und ungefährliche Siegenstrasse in Refrath veranlassen sollten, wären sie für mich auch Schreibtischtäter. Fehler sind dafür da, korrigiert zu werden. Das macht den Unterschied.

      2. @Ralph Thiel: in Bezug auf die Steuern kann ich Sie in sofern beruhigen, dass quasi keine andere Stadt in Deutschland weniger Geld pro Einwohner für den Radverkehr ausgibt, als Bergisch Gladbach!
        Wahrscheinlich schaffen wir es unter anderem auch deshalb immer auf einen der letzten Plätze im ADFC Radklima-Test.
        Und was andere Alternativen zum MIV angeht, so ist Bergisch Gladbach auch die einzige deutsche Großstadt, welche nicht am Fernverkehrsnetz der DB angeschlossen ist.

  15. “Derzeit können die Anwohner, ihre Besucher, Handwerker, Liefer- und Pflegedienste die Straße zum Parken nutzen” “Bei einer Straßenumwidmung würden die Anwohner erwarten, dass für genügend Ersatz gesorgt wird”
    Diese 42 Anwohner*innen ERWARTEN also, dass die Stadt, also die Allgemeinheit (weiterhin) dafür Sorge trägt, dass genügend PRIVATE Parkplätze auf öffentlichen Straßen vorgehalten sind bzw. neu eingerichtet werden?
    Ich finde, diese Forderung ist an Dreistigkeit kaum noch zu überbieten!
    Parkplätze verursachen Kosten für Bau und Unterhalt! Wie wäre es, wenn diese auch von den 42 Anwohner*innen übernommen würden.

  16. Ein Schwerpunkt der Kritik aus diesem Schreiben scheint neben der “beliebten” Parkplatzthematik, die befürchtete Benachteiligung für den Fußverkehr unterschiedlichster Couleur. Beides kann ich nur eingeschränkt nachvollziehen. Nach meiner Einschätzung verbessert sich die Situation für den Fußverkehr sogar leicht:

    Heute sind in diesem Abschnitt der Siegenstraße Fußgänger*innen auf der Fahrbahn gemeinsam mit allen Fahrzeugen inkl. KFZ unter Tempo 30 (ausgewiesene Tempo 30 Zone – kein verkehrsberuhigter Bereich oder Spielstraße) unterwegs. Sie müssen aufgrund des fehlenden Gehweges nach StVO den Fahrbahnrand nutzen. Innerhalb geschlossener Ortschaften dürfen sie am rechten oder linken Rand gehen. Dieser wird aber durch parkende Autos immer wieder blockiert und damit der Fußverkehr zum Ausweichen in Richtung Fahrbahnmitte genötigt.

    Mit einer Fahrradstraße würden per Parkverbot die auf der schmalen Fahrbahn parkenden Autos entfallen, auf den u.U. erweiterten Seitenstreifen (überwiegend Rasenfläche parallel zur Bahnstrecke), der im Übrigen auch versickerungsfähig angelegt werden kann, kontrolliert verschoben oder eben auf die dort vorhandenen großzügigen privaten Grundstücke und deren Einfahrten verlagert werden müssen. Gefährliche Sichtbarrieren und Ausweichmanöver für den Fuß- und auch Schulverkehr entfallen.
    In einer Fahrradstraße gilt im Grundsatz ebenfalls Tempo 30. Da aber der Radverkehr in der Regel deutlich langsamer unterwegs ist (es handelt sich mitnichten um einen Radschnellweg) wird sich das Durchschnittstempo trotz Anlieger oder KFZ-Freigabe vermutlich weiter reduzieren.

    Eine Anmerkung zum angeblich fehlenden Netzgedanken: Dieses Argument verfängt m.E. nicht. Es gibt seit Anfang des Jahres ein von Stadtverwaltung und Politik beschlossenes Radverkehrsnetz. Die Siegenstraße gehört zur F2 Ost-Westverbindung von Lustheide nach Bensberg. Diese (und weitere) soll in den kommenden drei bis vier Jahren durchgängig für den Radverkehr untersucht und ausgebaut werden. Irgendwo muss ein Anfang gemacht werden, auch wenn immer mal wieder die zurecht bemängelten Anschlüsse (temporär) fehlen werden.

    https://www.bergischgladbach.de/radverkehrsnetz.aspx
    https://www.komoot.com/de-de/tour/1416871759

    Im Übrigen scheint – entsprechend der verfügbaren Informationen – die Siegenstraße in der 2023 öffentlich durchgeführten Bürgerbefragung zu Fahrradstraßen eine der meistgenannten Verbindungen zu sein. Dieser vermutlich auf (auch im öffentlichen Brief bestätigten) der starken Radverkehrs-Nutzung basierende Vorschlag unterstreicht ebenfalls die Sinnhaftigkeit einer Fahrradstraße und sollte daher entsprechend berücksichtigt werden.

    1. Zur Parksituation: Die Siegenstraße ist gar nicht mal so schmal, sondern zwischen dem Wendehammer und dem Vürfels etwa 7 m breit. Als Platzbedarf für den Zweirichtungsverkehr auf Fahrradstraßen gelten 4 m als angemessen. Dazu kommen 75 cm Abstandsfläche zu ausgewiesenen Parkplätzen. Da bleiben also 2,25 m zum Parken übrig.

      Es gibt natürlich Autos, bei denen 2,25 m Breite nicht ausreichen, vor allem, wenn zum Straßenrand hin ausgestiegen werden muss. Der zusätzliche Platzbedarf ist aber gering. Würde man die Parkmöglichkeiten auf der Bahndammseite ausweisen, dann würden im Grünstreifen zwei bis drei (weitere) Reihen Rasengittersteine ausreichen und der Fall wäre gegessen.

      Und wenn das dem Einzelnen nicht komfortabel genug ist: Nach Google Maps zu urteilen, haben praktisch alle Häuser mit Zugang von der Siegenstraße eine Einfahrt auf dem Grundstück. Was spricht dagegen, das eigene Fahrzeug dort zu parken?

      1. Im Mittel ist die heutige geteerte Fahrbahn in diesem Abschnitt zumindest nach Tim-Online eher 5m – 5,5m breit. Der vorhandene Grünstreifen müsste daher schon umfangreicher genutzt werden als von Ihnen angenommen.

        Aber warum für Parkplätze und nicht um einen eigenständigen Gehweg zu installieren?

        Im Bezug auf ausreichend privat verfügbarem Parkraum sind wir uns einig.

      2. Der Westteil der Siegenstraße (bis Vürfels) ist ca. 5,50 m breit. Eigentlich genug Platz – allerdings bleiben nur noch max. 3 m, wenn Lieferwagen oder SUVs parken. Radfahrende und Fußgänger (Familiengruppen, Hundeleinen…) müssen somit aufeinander Rücksicht nehmen, abbremsen und/ oder ausweichen. Kein großes Problem – aber ohne diese Engstellen wäre für beide Gruppen entspannter und komfortabler.

        Ein eigenständiger Gehweg würde fast den gesamten Grünstreifen beanspruchen – und ist in dieser doch sehr ruhigen Straße m.E. völlig unnötig. Sinnvoller scheinen mir einzelne Parkbuchten zur Straßenbahn hin, über die Länge der Straße verteilt. Das wäre ein nur geringfügiger Verlust an (versickerungsfähiger) Grünfläche, und würde es auch Handwerkern oder Besuchern ermöglichen, direkt vor Ort zu parken.

      3. Da habe ich wohl an der breitesten Stelle gemessen (so etwa zwischen den Hausnummern 15 und 23), da kam ich auf ca. 7 m – inkl. aller einigermaßen befestigter Flächen, da es mir ums Parken ging. Richtung Vürfels wird es dann wohl tatsächlich schmaler.

        Aber wie gesagt haben die Leute alle Parkflächen auf den eigenen Grundstücken, es sollte zumutbar sein, die auch zum Parken zu benutzen. Ausnahme sind die Hausnummern 33-45, aber die grenzen auch nur mit der Grundstücksrückseite an die Siegenstraße.

        Einen Gehweg halte ich ebenfalls für unnötig. Man kommt da jetzt als Fußgänger auch problemlos zurecht und nach der Umwidmung wird es verkehrsmäßig tendenziell wohl eher ruhiger werden.

  17. die gute Nachricht an dem Offenen Brief ist, dass es offensichtlich eine Nachbarschaft gibt, die zusammensteht. Das an sich ist ja schon selten.
    Das Tempo 30 ist sicher ein guter Einwand. das ist auf einer pfeilgeraden Straße schon eine Herausforderung mit dem Auto, 30 km/h zu fahren.
    die Pedelecs sind alle mit 25 km/h gedeckelt…
    Fahrradfahrer mit 30km/h sind schon eine Seltenheit, wie ich aus eigener Erfahrung weiß.
    Aus der Planung hört man heraus, dass es – wie üblich in dieser Stadt – auch nur um Maßnahmen geht, die mit einem Eimer Farbe und Schildern umzusetzen sind.
    In dieser Stadt wird es wohl keine Fahrrad(bau)maßnahme geben, die auch nur ansatzweise die Kosten einer 9m hohen Verkehrsbrücke erreicht.
    Also die Vorlieben zum Investieren in die Verkehrsinfrastruktur sind deutlich erkennbar.

  18. Auf meinem Weg nach Köln ist die Siegenstraße einer der unkritischen Abschnitte. Aus meiner Radfahrersicht ist der Änderungsbedarf hier also eher gering. Viel kritischer auf Gladbacher Gebiet sind die Querungen Dolmanstraße und In der Auen. Diese Probleme anzugehen würde dem Radverkehr deutlich mehr helfen als die Umwidmung einer Sackgasse – aber da das den Autoverkehr deutlich stärker beeinflussen würde als in der ruhigen Siegenstraße, lässt man das wohl lieber bleiben.

  19. Auch ich habe den Eindruck, dass hier dringend über die Bedeutung von Fahrradstraßen aufgeklärt werden muss.

    Ich gehe davon aus, dass die Siegenstraße eine “unechte” Fahrradstraße werden wird, die zumindest für den Anliegerverkehr frei gegeben wird. Da es sich um eine Sackgasse handelt, fällt Durchgangs-Schleichverkehr von KFZ ja ohnehin weg.
    “Anwohner, Pflegedienste, Besucher, Handwerker und Lieferdienste” können die Straße also wie gewohnt nutzen.

    Auch FußgängerInnen jeder Art und jeden Alters werden nicht ausgeschlossen.

    Das erlaubte Tempo für ALLE Verkehrsteilnehmer wird 30km/h nicht überschreiten – kein Unterschied zu jetzt. Oder ist die Siegenstraße aktuell als Verkehrsberuhigter Bereich (Spielstraße) ausgewiesen?

    “Alle Nutzer kommen bisher sehr gut miteinander aus.” Warum sollte sich das in einer Fahrradstraße ändern? Fahrradstraßen werden oft als schneller empfunden, weil es dort keine Ampeln gibt. Das “Schneller” hat nichts mit der erlaubten Geschwindigkeit zu tun. Eine Fahrradstraße ist keine “Rennstrecke für Fahrradfahrer” – dazu braucht es einen Radschnellweg und das ist etwas völlig anderes.

    Irritierend finde ich auch, dass FußgängerInnen auf Fahrradstraßen lediglich als “geduldet” empfunden werden, in der aktuellen Situation aber offensichtlich nicht. Deswegen nochmal die Frage: Ist die Siegenstraße aktuell eine Spielstraße?
    “Fußgänger (…) dürfen die Siegenstraße nicht mehr wie bisher nutzen, sondern sind angehalten, ständig den Fahrradverkehr im Auge zu behalten, um diesen nicht zu behindern”. Laufen diese Fußgänger aktuell kreuz und quer über die Straße ohne auf andere Verkehrsteilnehmer zu achten? Das bezweifle ich stark. Und warum sollten FahrradfahrerInnen plötzlich keine Rücksicht mehr auf schwächere VerkehrsteilnehmerInnen nehmen, wenn sie das aktuell offensichtlich tun? Ist das eine Erkenntnis der zahlreichen Fahrradpendler in Ihrer Gruppe?
    “Die bisher bestehende und gut funktionierende Rücksichtnahme aller Verkehrsteilnehmer in der Siegenstraße ist mit der geplanten Umwidmung aus unserer Sicht nicht mehr gewährleistet, wenn eine (!) Nutzergruppe in diesem Maße bevorzugt wird.” Ich glaube Ihnen ist nicht klar, dass nach gültiger StVO zur Zeit die eine (!) Gruppe der KFZ bevorzugt ist.

    KFZ sind in einer Fahrradstraße auch nicht “geduldet” (die Straße wird ja wohl mind. für Anlieger frei sein), sondern eher “zu Gast” (wie es unsere niederländischen Nachbarn nennen). Und wie ein Gast sollen sie sich dort auch benehmen.

    Zur Parksituation:
    Gehe ich recht in der Annahme, dass aktuell keine Parkflächen ausgewiesen sind? Woher dann die Annahme, dass Rad- und Fußverkehr aktuell nicht unangemessen beeinträchtigt werden? Oder werden sie nur angemessen beeinträchtigt? Was heißt eingentlich in Ihren Augen “nicht beeinträchtigt”? Wird rechts von den parkenden Fahrzeugen soviel Platz gelassen, dass man auch mit z.B. einem Rollstuhl bequem daran vorbei kommt? Oder muss man auf die Mitte der Fahrbahn ausweichen?
    Werden Sichtachsen (besonders wichtig für Kinder) frei gehalten? Werden Grunstücksausfahrten ausreichend frei gehalten (so dass man auch was sehen kann) – ggf. auch gegenüber?
    Ja, das Parken in Fahrradstraßen ist nur in ausgewiesenen Bereichen erlaubt (wie auch in einer Spielstraße), dies sorgt je nach Anlage dieser Bereiche für eine zusätzliche Beruhigung des Verkehrs und mehr Übersichtlichkeit. Das erscheint mir jetzt nicht als Nachteil.
    Die Stadt ist auch nicht gesetzlich verpflichtet für evtl. entfallenden Parkraum auf der Straße für Ersatz zu sorgen. Es gibt kein Anrecht, sein privates Eigentum kostenfrei im öffentlichen Raum abzustellen. Da finden sich aber sicherlich Lösungen, wenn man gemeinsam danach sucht.

    Alles in Allem ist dieser offene Brief eine Darstellung des Florianprinzips in Reinform.

    Schade. Gemeinsam könnte man in dieser Stadt verkehrstechnisch echt was bewegen, aber es geht immer nur um Parkplätze und gekränktes Ego von KFZlern.

    1. Diesen Kommentar sollte man ausdrucken und den 42 Unterzeichnern des offenen Briefes in den Briefkasten werfen.
      Nebenbei sollten diese gebeten werden sich in Sachen StVO und Verwaltungs- und Steuerrecht nachschulen zu lassen, sofern sie eine Fahrerlaubnis besitzen.
      Offenkundig herrscht der Glaube vor, dass Parkplätze kostenfrei allen KFZ-Besitzern zur Verfügung gestellt werden müssen und das Parken auf der Fahrbahn zum Beispiel kein Sichthindernis darstellt, was insbesondere Kinder gefährdet.

    2. Danke.
      Das fasst das Missverständnis des Konzepts Fahrradstraße wunderbar zusammen.
      Es ist doch toll, dass es aktuell in der Straße gut funktioniert… warum man dann trotzdem dagegen ist, eine Fahrradstraße daraus zu machen, erschließt sich mir null. Als ob Fußgänger auf einmal weniger Rechte haben… die Argumentation ist absurd.

    3. Interessant auch, dass die „Bevorzugung einer Nutzergruppe“ rechtlich gesehen lediglich darin besteht, dass in Fahrradstraßen grundsätzlich auch nebeneinander gefahren werden darf. Das war’s dann auch schon.

      Das Gebot der Rücksichtnahme von Autofahrern auf Radfahrer gilt auch in jeder anderen Straße, wo Radfahrer unterwegs sein dürfen, und die Rücksichtnahme von Radfahrern auf Fußgänger bleibt weiterhin erhalten. Es ändert sich also nicht allzu viel, außer dass die Gleichberechtigung als Verkehrsteilnehmer ausdrücklich ins Bewusstsein gebracht wird – und das scheint manchem schon zu viel zu sein.

      1. Das “auch” beim nebeneinander Fahren kann auch noch gestrichen werden, denn auch auf allen anderen für den Radverkehr freigegeben Fahrbahnen, darf man dies grundsätzlich.
        Nur wenn man damit dann Kraftfahrzeuge behindert, dann dort nicht.
        Wobei behindern bedeutet, dass gefahrloses Überholen, also inkl. Einhaltung der Mindestabstände und Höchstgeschwindigkeiten möglich wäre, wenn dort in Einerreihe gefahren würde.

  20. Es ist schon unglaublich: In Refrath hat man Angst vor einer Fahrradstraße. In Lückerath klagt man gegen ein Kindergarten. Wenn es nicht so traurig wäre, müsste man lauthals lachen. Aber in Gronau soll eine 9-Meter hohe Trasse durch den Ortsteil gebaut werden, gerade auch für den Schwerlastverkehr. Lieber Herr Migenda, gibt es nicht eine Möglichkeit, auch eine Trasse, gerne ebenfalls 9-Meter hoch, durch Lückerath und Refrath zu bauen? Ihnen als Stadtplaner, fällt da bestimmt etwas ein. Nur damit es da mal wirklich einen Grund gibt, worüber sich die Anwohner aufregen können! Ironie aus.

  21. Im Brief stehen doch die Beweggründe: “Die geplanten Einschränkungen (für parkende Gäste in Hausnähe, Fußgänger, Familien und Kinder, die auf der Straße allenfalls geduldet werden) bedeuten ganz sicher eine Wertminderung der betroffenen Eigenheime, die wir nicht hinnehmen wollen.”
    Die Unterschreibenden sehen einzig ihren eigenen Vorteile des ruhigen Wohnens und einen Wertgewinn ihres Eigenheims gefährdet. Wobei durch das Befahren einer Straße und einer Reduzierung der erlaubten Geschwindigkeit vermutlich mehr Ruhe und Sicherheit für die Fußgänger einkehren wird.

  22. Ja warum den nicht “Not in my Backyard” ?
    Man wäre ja auch dumm wenn nicht, oder ?
    Wenn es um das Eigentum geht sollte man grundsätzlich dafür einstehen können und dürfen.
    Das würde ja auch jeder andere mit gesundem Menschenverstand tun. Wir haben doch größtenteils alle nichts zu verschenken.

    1. Sehr geehrter Herr „Olli“, ich kann Ihnen die Frage: „Warum denn „Not In My Backyard“ gerne beantworten:

      Weil wir es ansonsten mit einer ständigen Ausweitung gruppenspezifischer Ansprüche an den Staat und die Gesellschaft zu tun haben, woraus eine Zersplitterung in Reviere, Communities und Lobbies folgt, die ihre jeweiligen Interessen zum Maß der Dinge erheben und sich – als Opfer struktureller Benachteiligung – gegebenenfalls beleidigt, gekränkt und in ihrem Selbstwert verletzt fühlen. Dies führt zu einer weitgehend fragmentierten Gesellschaft, der die Idee des Allgemeinen, abhanden zu kommen scheint. Die Idee des Allgemeinwohls, ist aber wesentlich für das Funktionieren einer Gesellschaft.

    2. Sehr geehrter Herr „Olli“, ich kann Ihnen die Frage: „Warum denn nicht „Not In My Backyard?“ gerne beantworten:

      Weil wir es ansonsten mit einer ständigen Ausweitung gruppenspezifischer Ansprüche an den Staat und die Gesellschaft zu tun haben, woraus eine Zersplitterung in Reviere, Communities und Lobbies folgt, die ihre jeweiligen Interessen zum Maß der Dinge erheben und sich – als Opfer struktureller Benachteiligung – gegebenenfalls beleidigt, gekränkt und in ihrem Selbstwert verletzt fühlen. Dies führt zu einer weitgehend fragmentierten Gesellschaft, der die Idee des Allgemeinen, abhanden zu kommen scheint. Die Idee des Allgemeinwohls, ist aber wesentlich für das Funktionieren einer Gesellschaft.

    3. Es geht aber nicht um das Eigentum – sondern um eine öffentliche Straße, die Allen gehört.
      Dass es Nutzungskonflikte gibt, ist völlig normal. Die Frage ist, was schwerer wiegt: Das Interesse einer handvoll Leute, die (bzw. deren Besucher) auf öffentlichem Grund kostenlos parken wollen – oder das Interesse der Stadtbevölkerung an einem direkten, sicheren und konfliktarmen Verkehrsweg.

      @Max Heinrich: Zustimmung, auch wenn ich ‘Lobbyieren für die eigenen Interessen’ für grundsätzlich legitim (und die Basis jeglicher Politik) halte. Umso mehr wundern mich Ihre Kommentare zur geplanten Brücke über die S-Bahn, mitten in einem Gewerbegebiet mit großen Hallen. Wie Sie meinen Kommentaren entnehmen können, halte ich eine andere Lösung zwar für stadtplanerisch besser – aber eine übermäßige Beeinträchtigung der Anwohner:innen (so es denn welche gibt) durch eine Brücke kann ich nicht erkennen.

  23. Zur Thema “Begrenzungen der Geschwindigkeit für alle (!) Verkehrsteilnehmer”:

    Gemäß StVO dürfen Fahrradfahrer in einer Fahrradstraße mit Tempo 30 durchrasen, während Kraftfahrer mit diesem Tempo durch selbige schleichen müssen….

    1. Was soll denn diese Aussage? Für alle gilt Tempo 30.
      Egal, wie sich die Geschwindigkeit je nach Verkehrsteilnehmer “anfühlt”.
      30 Km/h sind 30 Km/h – ob im KFZ oder auf dem Fahrrad……

      1. Erzählen Sie das mal denjenigen, welche offene Briefe zu Themen verfassen, mit welchen diese offensichtlich nicht eingehend befasst haben.

    2. Hallo Holger Müller, mir fällt es oft schwer auf solche Kommentare sachlich zu antworten.
      30 KM/H sind für alle Fahrzeuge gleich schnell. Und wenn es Ihnen im PKW gefühlt zu langsam ist dann wechseln Sie auf das gefühlt “rasende” Fahrrad.

      1. Einem schriftlichen Kommentar kann man seinen ironischen Inhalt nicht entnehmen. Insbesondere wenn einem der Kommentator unbekannt ist . Das muss man dann schon kennzeichnen.

      2. Da haben Sie natürlich auch wieder recht.

        Wenn man (auch schon aus lange vergangenen Usenet-Zeiten) Holger Müller als kenntnsreichen Vertreter der radfahrenden Zunft in GL kennt, kann man die Aussage natürlich viel einfacher einordnen.

  24. Klarer Fall von Nimby (Not in my back Yard). „Wir alle wollen Veränderung aber bitte nicht da, wo ich wohne“. Leute, so ändert sich nie was. Und ich glaube auch nicht, dass Radfahrer die totbringende Spezies sind. Ich seh sie schon förmlich vor mir, wie sie kamikazeartig alles niederwalzen. Unglaublich

    1. Ich beziehe mich nicht auf die Änderung und Nimby, sondern nur auf die Aussage bzgl. der totbringenden Spezies Radfahrer. Unfälle von Fußgängern mit Radfahrern geschehen, wenn auch nicht so häufig wie mit PKW, die tendenz ist jedoch stark steigend. Oftmals sind diese Unfälle für Fußgänger und den Radfahrenden selbst aufgrund der Physiologie des Fahrrads gar nicht so ungefährlich, auch wenn die kinetische Energie beim Aufprall geringer ist. Automobilhersteller müssen einen Fußgängerschutz berücksichtigen, Fahrradhersteller nicht.
      Darüber hinaus gibt es bei Fahrrädern keine Versicherungs- und Kennzeichenpflicht. IMHO ist hierdurch die Schwelle für Verkehrsverstöße geringer als bei KFZ ohne das ich hierzu Zahlen kenne…
      Es gibt auch ein ca. 1 Jahr altes Interview. Im Grunde ist die Kernaussage, dass Radwege eigene Flächen benötigen und mehr gegenseitige Rücksichtnahme vonnöten ist.
      https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/fahrraeder-fussgaenger-unfaelle-studie-radfahrer-100.html

  25. Ich frage mich wirklich, welche und wieviele Anwohner diesen offenen Brief verfasst haben. Inhaltlich kann man den Inhalt eigentlich an keiner Stelle unterstützen. Es könnte möglicherweise bei den Verfassern Unkenntnis darüber vorzuherrschen, was eine Fahrradstraße überhaupt ist.

    Ein offener Punkt mit dem Radverkehr ist in diesem Bereich die Stelle Siegenstraße/Lilienweg. Hier nehmen rücksichtslose Fahrradfahrer nicht den Trampelpfad oder steigen ab, sondern fahren einfach über die Haltstelle der Straßenbahn, teilweise in hoher Geschwindigkeit und unter Betätigung der Klingel. Davon lese ich aber nichts in diesem offenen Brief.

    1. Der Offene Brief ist mit einer Unterschriftenliste mit 42 Personen versehen.

    2. „Es könnte möglicherweise bei den Verfassern Unkenntnis darüber vorzuherrschen, was eine Fahrradstraße überhaupt ist.“ – Ja, so hört sich das an. Es scheint so, als sei die Veränderung den Herrschaften einfach nicht recht und als würde man deshalb jedes zufällig in die Quere kommende Argument an den Haaren herbeiziehen, das nicht rechtzeitig in Deckung gegangen ist.