Mehr Grün in der Stadt ist schön und gut, aber für das Gemüt und für den Artenreichtum sind vielfältige und bunte Lebensräume noch viel besser. Dafür setzt sich seit sieben Jahren der Initiative „Blühendes GL“ ein, die Teil des Bienen-Zuchtvereins Bergisch Gladbach ist. Sie liefert Samentütchen – und viel Know-how bei Anlegen von Blühwiesen. 

Zwischen einer Vielfalt von Pflanzen summen Bie­nen und Hum­meln, Schmetter­linge und viele andere Insekten flattern durch die Luft. Das ist die Vision der Initiative „Blühendes GL“, die sich 2017 gründete und Teil des Bienen-Zucht-Vereins Bergisch Gladbach ist. Und hat nach eigener Einschätzung noch viel zu tun: „Die naturnahen Gärten nehmen zwar zu, sind aber oftmals zu artenarm und kaum bienenfreundlich gestaltet“, sagt Markus Bollen, der Gründer der Initiative.

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In einem naturnahen Garten wird neben einheimischen Wildpflanzen und -Gehölzen auf Biodiversität geachtet, Wege und Trockenmauern bieten Insekten gezielt Unterschlupf. Die Lieblingspflanzen der kleinen pelzigen Gesellen sind die, die sie ernähren und ihnen Nistmaterial geben.

Die Initiative „Blühendes GL“ verteilt kostenlos spezielles Saatgut, um genau diesen biodiversen Lebensraum zu erhöhen und über Wildblumen und Wildbienen bewusst aufzuklären. „Die Wildbienen sind bedroht, haben keine Lobby und mit unserem Saatgut schenken wir ihnen ihre Nahrungsgrundlage,“ begründet Bollen. 

Markus Bollen (l.) und Mitstreiter:innen bei einer Verteilaktion vor der VHS

Er erzählt dazu folgende Episode: Auf dem Dach des „Bergischen Löwen“ stehen einige seiner Bienenstöcke und einige Mitarbeiter:innen vermissten hier oben Pflanzen. Also wurden kurzerhand Hochbeete aufgestellt und entsprechend begrünt. „Die Bevölkerung möchte etwas tun und wir helfen ihnen dabei.“                                            

Hintergrund: Mit der Serie „mehr Grün für die Stadt“ …

… will unsere Autorin Annette Voigt auf Musterbeispiele für grünes Engagement in Bergisch Gladbach und im Rheinisch-Bergischen Kreis aufmerksam machen. 

Angesichts der zunehmenden Negativauswirkungen des Klimawandels wie Hitze -und Trockenperioden, Starkregen und Hochwasser ist der Erhalt von Grünflächen und die Neuanpflanzung klimaresistenter und schattenspendender Pflanzen, Bäume und Gehölze notwendiger denn je. In Zeiten knapper werdenden Wasserressourcen gilt es auch hier umzudenken und einzusparen, z. B. indem Rasenflächen zu blühenden Blumenwiesen umgewandelt werden. Möglichst viel Grün gehört in die Stadt, denn das sind die grünen Lungen der Bergisch Gladbacher Bevölkerung, unsere Sauerstoffproduzenten.

Doch statt dessen ersetzen Schottergärten und durchgeflieste Flächen ehemals grüne Vorgärten. Sie wirken der Biodiversität entgegen und berauben den Insekten und Kleingetier ihren Lebensraum. Da es von der Stadt keine Verfügungen gibt, die diese grauen „Steinwüsten“ verbieten oder zumindest reglementieren, können diese Beispiele dazu beitragen, an die grüne Vernunft zu appellieren.

Eine Reihe von Gartenprojekten haben wir bereits vorgestellt; Sie finden sie unter diesem Artikel.

Kennen Sie weitere Projekte dieser Art? Melden Sie sich gerne bei der Autorin.

Auf jeder brachliegenden Grünfläche, und sei diese auch noch so klein, sollen Wildbienenfreundliche Blühoasen entstehen, das wünschen sich die Akteure der Initiative. Zielentsprechend kann es dann schon mal vorkommen, dass der Besitzer von Rollrasen in seinem Vorgarten im Briefkasten eine kleine Tüte Saatgut findet.

Oder dass sich ein lebhaftes Gespräch mit der Besitzerin eines wildblühenden kleinen Gartens ergibt. „Dieser kleine Garten ist nicht unordentlich wie viele meinen, es ist eine 5-Sterne-Wellness-Oase für Wildbienen und Schmetterlinge,“ erläutert Bollen.  

Was blüht denn da? 

Dass eine Aussaat zur naturnahen Begrünung gelingt, hängt von vielen Faktoren ab. Zunächst sind das qualitativ gute Saatgutmischung. Die Saatguttütchen, die „Blühendes GL“ verteilt, enthalten gemischte heimische Wildblumen und -Gräser aus gesicherten Herkünften, die dem Bundesnaturschutzgesetz entsprechen.

Eine Mischung enthält bis zu 50 Blumensamenarten und 10 Grassamenarten. Mögliche Pflanzen, die Wildbienen mögen, sind unter anderem die Schafgarbe, die Kornblume, der Klatschmohn oder die Moschusmalve. 

Je mehr Pflanzenarten eine der verteilten Wiesen oder -Blühmischungen enthält, desto wahrscheinlicher ist es, dass für jede ihre bevorzugte Pflanze dabei ist.  Es gibt nämlich einige Spezies, die nur eine Pflanzenart zur Nahrung nutzen. „Letztlich können Interessierte nachfragen, wir geben auch größere Mengen ab, haben aber auch Einzelarten wie beispielsweise Kornblumen“ erwähnt Renate Beckmann.  

Da deren Inhalt auf den Tüten nicht angegeben ist, bleibt es eine Überraschung, was gemäß der jeweiligen Boden- und Lichtsituation aufblüht. Die Samentüte als Wundertüte.     

Übrigens: auch im Gemüsebeet kann gut für Wildbienen gesorgt werden, indem man viele dieser „Gemüseblüten“ wie beispielsweise Möhren, Kohl, Radieschen oder Lauch einfach blühen lässt und nicht aberntet.

Die Initiative verteilt ausschließlich kontrolliertes/zertifiziertes Saatgut, das vom Verband deutscher Wildsamen und Wildpflanzen (bundesweiter Zusammenschluss von Wildsamen- und Wildpflanzenproduzenten) begutachtet wird. Wenn dieses regionale Saatgut, also sog. herkunftsgesichertes Pflanzenmaterial, verwendet wird, kann eine „Florenverfälschung“ vermieden werden.

Eine „Florenverfälschung“ ergibt sich, sobald nicht einheimische Pflanzenarten „eingeschleppt“ werden. Die jeweilige Ursprungs Flora verändert sich dann beispielsweise zum Leidwesen der Wildbiene. Sobald sie schlüpft, benötigt sie die Blüte einer ganz bestimmten Pflanze in dieser Region. Befindet sich hier jedoch beispielsweise Saatgut aus Bayern, dass erst später blüht, muss die Wildbiene hungern. 

Jedes Tütchen Saatgut, von der „Lebenshilfe“ verpackt, enthält eine Anleitung fürs Aussäen. Da muss beispielsweise vorher umgegraben, Erde gelockert, die Saat fest angedrückt und drei Wochen feucht gehalten werden.

Aussaat im Herbst

Das Säen im Herbst ist zu empfehlen, denn dann ist es merklich feuchter. Wer Hilfe braucht, erhält diese auf Anfrage von der Initiative. Renate Beckmann merkt an „Wir können nur anregen und anbieten, pflegen und Ordnung halten müssen die, die gesät haben. Die eigentliche Arbeit fängt nämlich nach der Aussaat erst an.“

„Blühendes GL“ ist bestrebt gezielt zu verteilen. Auf den Tütchen wird beispielsweise angeregt, bei der nächsten Feier den Gästen eine solche zu schenken. Unternehmen werden angesprochen, denn „meistens haben die größere zum Bepflanzen geeigneter Flächen.

Warum nicht mal Kunden oder Mitarbeitenden eines Autohauses eine Tüte Saatgut schenken oder auf Friedhöfen Grünflächen in Blühwiesen verwandeln“, erklärt Beckmann. Auch der Villa Zanders wurde bereits Saatgut angeboten, „denn eine Blühfläche passt gut zur derzeitigen Honig-Ausstellung“, meint Markus Bollen. 

Blühstreifen entlang der Wege im Stadtgarten Emilienhöhe in Bensberg

Grüne Netzwerkarbeit

Beim Verteilen kooperiert „Blühendes GL“ mit verschiedenen Gruppen, Vereinen und Institutionen. Seit ihrer Gründung 2017 wurde bereits Saatgut für weit über 50.000 qm Blühwiesen verteilt, in etwa sieben Fußballfelder und ausschließlich mit Hilfe von Spendengeldern.

2021 erhielt die städtische Abteilung StadtGrün Saatgut für die Blühstreifen entlang der Wege im Stadtgarten Emilienhöhe in Bensberg unterhalb vom Vinzenz- Palotti -Krankenhaus und in 2022 Saatgut für das „Bergische Blütenmeer“ für 13.000 qm, die im Stadtgebiet ausgesät wurden.

Es erscheint zunächst wie ein Widerspruch, dass die Stadt von der Initiative kostenlos Saatgut erhielt. Markus Bollens Erklärung leuchtet ein. „Hauptsache wir vergrößern die Blühflächen im Stadtgebiet von Bergisch Gladbach und das mit einem hochwertigen Saatgut, das wirklich einen nachhaltigen Lebensraum für Insekten und Wildbienen garantiert“.                   

Aktionstag im Hermann-Löns-Viertel

Dank der Initiative entstanden bereits die Blumenwiesen im Hermann-Löns-Viertel,  am Mühlenteich in Herrenstrunden, im Stadtgarten oder an der Saaler Mühle. In Eigeninitiative der Anwohner wurden im Herrmann-Löns-Viertel und in Herrenstrunden 7.000 qm eingesät. Selbstverständlich beziehen auch die Obst -und Gartenbauvereine und der Gemeinschaftsgarten in Schildgen ihre Saat von „Blühendes GL“.

Viele Kooperationspartner

„Blühendes GL“ und „NaturGarten e.V.“ machen sich gemeinsam dafür stark, dass naturnahes Grün sowohl im privaten Bereich vor der Haustür selbstverständlich wird, als auch in öffentlichen Anlagen wie beispielsweise auf Schulhöfen, in Kindergärten, auf Firmengelände oder öffentlichen Flächen (Verkehrsgrün).         

Ein anschauliches Beispiel dieser Zusammenarbeit ist der kleine VHS-Gartenbereich. Die VHS bat „Blühendes GL“ um ihre Unterstützung, eine an Haus Buchmühle angrenzende brachliegende Fläche mit heimischen Stauden und Sträuchern zu bepflanzen. So entstand dieses grüne Kleinod, das inmitten der Stadthektik Ruhe spendet und zum Verweilen einlädt. Dazu tragen auch die beiden Holzbänke bei, von der „Blühendes GL“ eine spendete.

„Beim Sitzen kann die Atmosphäre in der Natur bewusst erlebt werden.“ Es tragen auch die begleitenden Veranstaltungen der Volkshochschule dazu bei, für die heimische Natur zu sensibilisieren und zu motivieren ähnliche brachliegende Flächen zu begrünen.

Weitere Kooperationspartner, die sich für den Erhalt der Biologischen Vielfalt einsetzen, sind unter anderem das Heimatmuseum in Bensberg, die Biologische Station Rhein Berg e. V., die sich um aussterbende Pflanzen kümmert, oder der BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland). Im Heimatmuseum finden jedes Jahr vier „Bienensonntage“ statt und beim Sommerfest führen die grünen Akteure der Initiative stets einen regen Austausch mit den Besuchern: innen, wobei die Samentütchen reichlich mitgenommen werden. 

Wer brachliegende Flächen begrünen oder den eigenen Garten mit Wildpflanzen naturnah umgestalten möchte, ist bei der Initiative „Blühendes GL“ bestens aufgehoben. Eine finanzielle Unterstützung ist willkommen. 

Infos und Kontakt: www.bluehendes-gl.de oder m.bollen@t-online.de

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  1. Man nennt diese Steinwüsten im Vorgarten auch “Gärten des Grauens”. Obwohl es nach der BauO NRW (9) verboten ist, wird das in fast keiner Kommune umgesetzt.

  2. Was es nicht alles gibt!?. Warum Will mann unbedingt Insekten auf Hauptverkehrsstraßen und in Ballungszentren ansiedeln?? Macht das in der Natur, das ist sinnvoller und effektiver.. Studien beweisen tagtäglich das gestresste Bienen zb nicht oder wenig produzieren.. wer das nicht sieht ist auf der Vorstufe zum Extremismus.

    1. Hallo Turgut Altunsuyu, was verstehen Sie unter “in der Natur”?
      Falls Sie die landwirtschaftlich genutzten Flächen angeht, so ist das keine Natur mehr. Und die Eigentümer (Landwirte) erzielen dort ihre Einnahmen.
      Es ist eine Verpflichtung an uns alle möglichst viele Pflanzen für die Insekten bereitzustellen, an den Hauptverkehrsstraßen gleichermaßen wie auf dem Land. Man kann – sofern vorhanden – seinen Garten oder Balkon “insektenfreundlich” bepflanzen. Hauptverkehrsstraßen führen im übrigen meist auch über das Land, z.B. Autobahnen.

    2. Das Ganze ist schon etwas komplizierter und mehr als „Insekten auf Hauptverkehrsstraßen und in Ballungszentren ansiedeln“. Dass Grün in der Stadt (und gerade da) gut tut, das konnte jeder in den letzten heißen Sommern nachvollziehen. Je mehr, desto besser. Und wenn man da sät und pflanzt, warum dann nicht standorttypische Pflanzen, von denen auch Insekten etwas haben? Es geht ja eher darum, Insekten nicht weiter zu vertreiben, als darum, sie „anzusiedeln“. Man erhält damit die durchaus gefährdete Biodiversität.

      Es geht auch nicht in erster Linie darum, Nutzinsekten wie Bienen zu halten, sondern insgesamt den Insektenbestand zu erhalten und wieder zu vermehren. Wo Insekten verschwinden, da verschwinden auch Vogelarten und andere Tiere. Pflanzen und die darin/darauf lebenden Insekten bilden die Basis verschiedener Nahrungsketten. Um die geht es und nicht um die einzelne Hummel, die über die Hauptstraße fliegt.

  3. Schottergärten
    Den Begriff kannte ich noch gar nicht.
    Ich bin oft mit dem Fahrrad im Stadtgebiet unterwegs und muss leider sehen dass immer mehr Vorgärten nicht mehr grün sind.
    Wie geht das?
    Die fruchtbare Erde wegrupfen, Plastikfolie rein und darüber Steingekrümel?

    Am lustigsten finde ich es ja wenn aus diesen totgemachten Flächen wieder kleine Pflänzchen auferstehen.

  4. Der Artikel ist sehr interessant und informativ. Ich möchte gerne noch hinzufügen, dass man mit wenig Aufwand durch gezielte Auswahl Kübel und Beete dekorativ und insektenfreundlich gestalten kann.
    Meine Favoriten sind Bartblumen, die später als viele Blumen blühen und sehr vielen Hummeln und Bienen Nahrung bieten. Lavendel und Löwenmäulchen blühen lange und werden sehr gerne besucht. Mein absolutes Highlight war dieses Jahr ein gewöhnlicher Natternkopf. Er hat monatelang geblüht und hat unendlich viele Hummeln und Bienen angezogen.
    Es gibt übrigens auch den kostenlosen Newsletter NaturaDB. Hier bekommt man wöchentlich interessante Tipps und Anregungen für einen naturnahen Garten.
    Zuletzt möchte ich noch anmerken, dass ich es schade finde, dass die Stadt Bergisch Gladbach noch keine Schottergärten ( Gärten des Grauens) verbietet. Gesetzlich wäre dies meines Wissens möglich.
    Blumige Grüße!

  5. Vielen DANK für den schönen Artikel! Ehrlicherweise muss man sagen, der Garten neben der VHS ist ein Werk von Naturgarten e.V., namentlich Uschi Bornhütter. Wir waren nur Vermittler und Helfer. Naturgarten e.V. sind die, die wirklich was von Naturgarten, heimischen Pflanzen und deren Nutzen für die Tierwelt verstehen. Bunte Blumen, die Menschen gefallen, sind das eine. Eine intakte, artenreiche Gartenwelt, die heimischen Tieren nützt, ist etwas anderes. Vielen DANK an Naturgarten e.V. !

    1. Das eine schließt das andere aber nicht aus. Deshalb können z.B. auch Anhänger formaler Gärten etwas für die Natur tun – sei es durch die Auswahl der Pflanzen, sei es durch die Anlage von Bienen-/Insektenweiden an der Peripherie. Und die Verfechter von Naturgärten können sich selbstverständlich auch an einer üppigen Blütenpracht erfreuen. Es muss eben alles mit gärtnerischem Verstand angelegt werden.