Der Deutsche Platz in Bensberg. Foto: Thomas Merkenich

Grüne Inseln, die das Stadtbild verschönern, den Blick erfreuen, der Seele guttun und zum Ausruhen einladen. Öffentliche Rückzugsorte, kleine grüne Paradiese mitten in der Betriebsamkeit der Stadt, die für die Bevölkerung Lebensqualität bedeuten. Dies bietet die Vielfalt der öffentlichen Grünflächen, die Annette Voigt in Bergisch Gladbachs Stadtteilen entdeckt hat. Damit setzen wir unsere Serie MehrGrün fort und starten in Bensberg.

Wer wie ich in Bensberg nur die Einkaufsmeile der Schlossstraße kennt, vermutet womöglich gar nicht, wie grün Bensberg eigentlich ist. Denn derzeit wird dieser Teil der Schlossstraße grundlegend umgebaut, die meisten alten Bäume wurden gefällt – und bis die neu gepflanzten Bäume für ein grünes Ambiente sorgen und Schatten spenden, das wird dauern.                                                                                                     

Dennoch habe ich bei meinen Erkundungen in einem kleinen Ausschnitt der Bensberger City vielfältige Naturbesuche ins Stadtgrün erleben können. Begrünte Straßenränder, schmucke Baumalleen und ungestörte grüne Oasen zum Innehalten.

Den internationalen Tags der Artenvielfalt

am 22. Mai nimmt unsere Autorin zum Anlass für ihre Erkundungstouren. Dieser Tag erinnert an das 19992 verabschiedete UN-Übereinkommen über die Erhaltung und den Schutz der „Biologischen Vielfalt“, also der jeweiligen Flora und Fauna in einer Region. 

Dieses vielfältige Grün mit seinen verschiedenen Pflanzen- und Baumarten, das Annette Voigt bei ihren Touren aufspürte, ist Teil des naturnahen Stadtgrüns in Bergisch Gladbach. Sie beschreibt, wie diese grünen Terrains auf sie wirken, ohne einzelne Pflanzen -und Baumsorten oder Biodiversitäts-stärkende Maßnahmen konkret zu beschreiben. Biodiversität bzw. -Artenvielfaltfördernde Maßnahmen sind beispielsweise der Bau von Trockenmauern/Niststellen für Vögel und Insekten, das Pflanzen von Wildblumen und klimaresistenten Bäumen, die Gartengestaltung mit heimischen Pflanzen oder die Fassaden und -Dachbegrünungen.

Die drei Entdeckungstouren in Bensberg, Refrath und Gladbach geben lediglich einen kleinen Einblick. Es fehlen mit Sicherheit grüne Areale, die Menschen, die hier wohnen, kennen und nutzen. Bitte schreiben Sie uns und schildern Sie uns Ihre grüne Oase.  

Meine Tour startet an der Schlossstraße/Ecke Nikolausstraße an der Auffahrt zum Schloss. Dieser Kopfsteinbepflasterte Teil der Schlossstraße ist ein „Augenschmaus“. Links führt eine steinerne Treppe mit 15 Stufen zu einem Fußweg hinauf zum Schloss, gerahmt von blühenden Rasenstreifen. Ein wohltuender beruhigender Kontrast zur Betriebsamkeit der Einkaufsstraße. Der Anblick ist so schön. Wie angenehm wäre es, wenn es hier der Straße entlang Bänke geben würde. Platz dafür wäre genug vorhanden.   

An der Ecke plätschert der gerade neu eingeweihte Emilienbrunnen wohltuend. Hier befindet sich eine neue Rundbank und es beruhigt, dem sprudelnden Wasser zu lauschen. Wer genau hinschaut, entdeckt im Gestein des Brunnens bunte Farbtupfer, Steinpflanzen in violett, gelb und weiß.

Der Verschönerungsverein errichtete hier an exponierter Stelle nahe der Kirche St. Nikolaus in Gedenken an Emilie Schmitz (1807-1891) den Brunnen. Emilie Schmitz, Mitbegründerin des Verschönerungsvereins, trug damals maßgeblich zur Verschönerung des Ortsbildes bei wie beispielsweise den Aussichtspavillon mit Blick in das Rheintal auf der, nach ihr benannten Emilienhöhe (heute Standort der Thomas-Morus-Akademie). 

Foto: Thomas Merkenich

Oben angekommen, wo die Schlossstraße auf die Kadettenstraße mündet, belohnen kleine Bäume auf dem Schlossvorplatz für den steilen Weg. In einer geraden Linie angeordnet laden diese zum Verweilen ein. Bänke im Schatten, wie angenehm.

Es scheint ein beliebter Treffpunkt zu sein, wie ich bei meinem kurzen Aufenthalt beobachten kann.  

Foto: Thomas Merkenich

An der Ecke Schlossstraße und Kadettenstraße direkt gegenüber versteckt sich eine schmale, tiefer liegende Grünanlage, die schnell zu übersehen ist. Es ist der kürzlich sanierte Dachgarten der Schlossberggarage. Zwei Treppen führen an beiden Seiten hinunter in die kleine Parzelle und geben den Blick auf blühende Staudenbeete frei.

Die hellen Holzbänke in diesem grünen Winkel stehen leider größtenteils in der Sonne. Macht aber nichts, denn von hier aus sind die bunten Rabatte hübsch anzuschauen. 

Foto: Thomas Merkenich

Einen besonderen grünen Lichtblick finde ich eher zufällig in der Einkaufsstraße, links von der noch relativ neuen Bensberger Schlosstreppe. Es ist die frühere SchlosstreppeEs lohnt sich, diese hinauf zum Schloss zu steigen. Hier überrascht mich eine Rundbank mit einer je nach Jahreszeit verschieden blühenden Pergola und einem Baum in der Mitte.

Diese grüne Oase wirkt leider etwas verwahrlost, irgendwie wie verlassen. Und das liegt nicht unbedingt an den Graffitis. Ein bisschen frische Farbe auf die Holzbänke und etwas Pflege würden genügen. Und trotzdem. Diese kleine begrünte Ecke strahlt eine wohltuende Ruhe aus, hat etwas Heimeliges an sich und bietet einen tollen Blick auf die Schlossstraße.

Auf halber Höhe gibt es außerdem eine kleine Rasenfläche mit einer grünen Bank, die ursprünglich wirkt. Auch hier ist es so still.  Kein Straßenlärm ist zu hören, keine Hektik zu spüren.

Das Terassenhaus, vom Deutschen Platz aus gesehen. Foto: Thomas Merkenich

Mein Rückweg von der Schlossstraße zur Gladbacher Straße überrascht mich mit weiterem Grün. Da steht ein mehrstöckiges Terrassen-Wohnhaus gegenüber dem Deutschen Platz. Alle Balkone sind üppig bepflanzt und es wirkt von weitem wie eine Wand aus lauter Pflanzen. Es erinnert an horizontale Bepflanzungen, einer Methode der Gartengestaltung für Innenräume und Fassaden. Einer Methode, die viel Zukunft hat.                                                                                                         

Direkt gegenüber im Karree Deutscher Platz, Gladbacher Straße und Kölner Straße schlängelt sich in Nähe des Kriegerdenkmals eine Baumallee mit blühenden Rabatten entlang. Bequeme Bänke im Schatten von Bäumen mit einladender Krone und Rasen in „sattem“ Grün sprechen mich an. Es handelt sich um den Deutschen Platz sowie dem Hindenburg Platz.

Der ungestörte Moment der Ruhe hier ist angenehm, denn Bäume und Gestrüpp schlucken den naheliegenden Verkehrslärm. Das Licht -und Schattenspiel dieser alten Bäume bei Sonne ist beeindruckend. Aber diese Bäume wird es nicht mehr lange geben? Im Rahmen des Integrierten Handlungskonzeptes Bensberg wollen die Städteplaner dieses Idyll erneuern – und dabei auch die relativ kleinen Bäume durch besser angepasste Exemplare ersetzen. Ein Projekt, das bei Baum-Liebhabern und Naturschützern sehr umstritten ist.

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Der Ausschuss für Infrastruktur, Umwelt, Sicherheit und Ordnung ist eine Wundertüte – und wurde an diesem Dienstag seinem Ruf gerecht: gut drei Stunden hat der Ausschuss intensiv diskutiert, den Plan für Baumfällungen auf dem Deutschen Platz akzeptiert, einen „alternativlosen“ Vorschlag der Verwaltung zum bargeldlosen Parken aber geschreddert. Darüber hinaus ging es um Spielplätze, Friedhöfe, Wälder und Toiletten.

Visasvis des Denkmals weisen Hinweisschilder an den Bäumen auf den Protest hin, der Inhalt stimmt nachdenklich. „Müssen wir nun Abschied nehmen? Euch Schatten zu spenden, war mir stets ein Vergnügen. Euer Kugelahorn.“                                                    

Die evangelische Kirche Bensberg. Foto: Thomas Merkenich

Absoluter Höhepunkt dieser Tour ist für mich jedoch der Friedhof Bensberg in Nähe der Katholischen Kirche St. Nikolaus/St. Joseph und der Evangelischen Kirche. Ich benutze den Eingang Ecke Im Bungert/ Baumgarten und treffe als erstes auf eine Bank unter einem alten hohen Baum mit knorriger Rinde. Es wirkt als würde dieser riesige Geselle die beschützen, die hier sitzen.

Ein malerisches Gartenbild. Zum Spazierengehen ist diese idyllische Vielfalt, die vorbei an blühendem Rhododendron führt, sehr zu empfehlen. Das Grabmal Hermann von Budde  (preußischer Staatsminister und erster Ehrenbürger der Stadt Bergisch Gladbach) mit den alten Steinbänken und der Frauenstatue am Rand unter Rhododendron wirkt romantisch. 

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Die Buddestraße und der Friedhof in Bensberg sind auf besondere Art verbunden. Das wird beim Spaziergang über den Friedhof bewusst, wo das imposante Grabmal von Hermann von Budde zu entdecken ist.

Auf diesem Friedhof lässt es sich besonders im Sommer unter dem Schatten der vielen Nadelbäume gut aushalten. Viele Treppen führen hoch und runter zu lauschigen Plätzen, unter den Füßen den weichen leuchtend grünen Rasen, in den die meisten Gräber eingebettet sind. Dieser Friedhof, an einem Hang liegend, wirkt auf mich wie ein Stadtgarten mit waldähnlichem Landschaftscharakter. Hier genieße ich ungestörte Momente der Stille. Und das mitten in Bensberg. 

An der Kreuzung Bensberger Straße, Ecke Saaler Straße, Gladbacher Straße in Richtung Saaler Mühle, endet meine Tour heute. Ich treffe auf einen schmalen Grünstreifen parallel zum Bürgersteig, der sich mit Gehölzen, Rasen und Wildblumen vom tristen Grau der Straße erfrischend abhebt. Es ist zwar nur ein breiter schattig bepflanzter Weg, aber der Blick auf Rasen und blühende Gänse- und Butterblümchen erfreut jeden, der hier vorbeigeht. Wie schade, dass es keine Bank gibt. Also bleibe ich eine Weile stehen, um in die tiefgrünen Baumkronen und auf die blühende weiß gepunktete Wiese zu schauen.

Für die, die viel gemischtes Grün mögen und mal für einen kurzen Moment die Natur genießen möchten, für die bietet Bensberg überraschend viele grüne Rückzugsorte. Kleine grüne Inseln mitten in der Stadt.

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  1. Vielleicht sollten wir uns einfach mal ein Beispiel nehmen an dieser Initiative:http://www.eh-da-flaechen.de/
    Was sind Eh da-Flächen?
    Eh da-Flächen sind “eh da”. Diese saloppe Formulierung will ausdrücken, dass diese Flächen “sowieso” vorhanden sind. Die Idee dahinter ist: Flächen ohne erkennbare wirtschaftliche Nutzung im Siedlungsraum oder in der freien Landschaft sollen für die Förderung der Biodiversität verfügbar gemacht werden.

  2. Am schlimmsten ist die Mäherei; überall werden die Grünflächen ständig gemäht, kurz gehalten.
    Sogar Waldwegeränder werden neuerdings gemäht, Strassenränder werden viel zu oft und zu breit gemäht. Dies alles forciert das Insektensterben weiter!

  3. Danke dem Bürgerportal und Frau Voigt für diesen wirklich AUGENöffnenden hilfreichen Bericht über jedes Grün in unserer (oft gruselig zubetonierten) Stadt. Die gute Idee für die gewünschten Bänke bitte an Stadtverwaltung und Parteien richten.