Der Erweiterungsbau der Gemeinschaftsgrundschule Hebborn wurde in einer sehr kurzen Bauzeit aus dem Boden gestampft. Doch auch mehr als ein Jahr nach der Eröffnung der sogenannten Sofortschule wirkt auf dem Außengelände vieles noch provisorisch, die moderne Mensa ist noch immer nicht in Betrieb. Unmittelbar vor den Herbstferien kommt jedoch plötzlich Bewegung in die Sache.

Dafür, dass die sogenannte Sofortschule als Erweiterung der Gemeinschaftsgrundschule (GGS) Hebborn bereits seit mehr als einem Jahr in Betrieb ist, sieht es rund um das Gebäude noch etwa unfertig aus. Bauzäune stehen herum, ein behelfsmäßiger Schotterweg führt zum Neubau hinauf, hinter dem modernen Bauwerk fällt der Blick hinter einer Umzäunung auf Schutt, gestapelte Paletten und allerlei Unrat.

Zum Schuljahresbeginn 2023 hatte die Stadt die Sofortschule eröffnet. Nach einer rekordverdächtigen Bauzeit von nur sieben Monaten war der Neubau in Modulbauweise errichtet worden. Die Priorität hatte darin gelegen, das Gebäude pünktlich in Betrieb zu nehmen. Die Fertigstellung der Außenanlage war zweitrangig.

Kinder essen in drei verschiedenen Räumen

Zum Betrieb einer Ganztagsschule gehört allerdings auch eine Mensa, in der die Kinder zu Mittag essen. Es gibt diese Mensa – und sie ist „quasi der Porsche unter den Mensen in Bergisch Gladbach“, sagt Myleen Dohrenbusch, Leiterin der Offenen Ganztagsschule (OGS) in Hebborn.

Doch bislang konnte die Mensa nicht genutzt werden. Die 275 OGS-Kinder haben bis zuletzt in drei verschiedenen Räumen gegessen: in der alten Mensa, in der Aula und in der Schulküche. Verteilt auf zwei Altbau-Gebäude. „Das bedeutet für alle Mitarbeitenden viel Organisationsaufwand“, sagt Dohrenbusch.

Damit könnte im Laufe der Herbstferien Schluss sein. Denn am Donnerstag kam plötzlich Bewegung in das Thema Mensa-Nutzung. Doch der Reihe nach.

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Die ersten Schüler:innen der KGS In der Auen haben am Montag die neuen Klassenräume bezogen, in der GGS Hebborn nehmen die I-Dötzchen heute die Schul-Erweiterung in Gebrauch. In sieben Monaten haben Stadt, Schulbau-Gesellschaft und Baufirma die beiden Modulbauten fertig gestellt – und für die gerade erst anlaufende Generalsanierung der Schulen Maßstäbe gesetzt. Wir schauen uns die „Sofortschulen“ und ihr Erfolgsrezept genau an.

Außenanlagen der Sofortschulen nähern sich der Fertigstellung

Die Erweiterungsbauten der Grundschulen in Hebborn und Refrath waren in nur vier Monaten errichtet worden. Doch vor allem die GGS Hebborn ist acht Monate später immer noch von einer Baustelle umgeben, die Mensa noch nicht in Betrieb. Aber nun ist Besserung in Sicht, nur auf den Bolzplatz müssen die Schülerinnen und Schüler noch eine Weile warten.

In der Elternschaft hatte es schon länger gebrodelt: „Dieses ganze Thema des Sofortbaus ist aus Elternperspektive eine Farce! Die Mensa kann nicht genutzt werden und um das Gebäude herrscht noch immer eine Baustelle“, sagte Pascal Beheng, Elternrat der OGS. „Einfach nur traurig, dieser Zustand.“

Die Stadt beschrieb indes ein anderes Bild: Die Außenanlagen rund um den Neubau seien „vollständig fertiggestellt und nutzbar“, lediglich der Schulzaun müsse noch ergänzt werden.

Bolzplatz lässt weiter auf sich warten

Im Bereich der Zufahrt müssten noch Leitungen für die neue Stromversorgung der Bestandsgebäude verlegt werden, teilte die Stadt auf Anfrage mit. Für den Ausbau des Weges und der provisorisch angelegten Parkplätze erarbeite die Schulbaugesellschaft derzeit verschiedene Varianten, die dann der Verwaltung vorgelegt werden.

Auch auf den Bolzplatz müssen die Kinder weiterhin verzichten: Laut Stadt wird dieser durch eine „hochwertige, öffentliche Multi-Court-Anlage ersetzt, die vielseitige Ballspielmöglichkeiten bietet“. Mit einer Fertigstellung rechne man in der ersten Jahreshälfte 2025. 

Betriebsbereit, aber praktisch nicht nutzbar

Zur Mensa hieß es in einer Stellungnahme der Stadt vergangene Woche: „Sowohl Küche als auch Mensa im Neubau sind betriebsbereit.“ In der Theorie ist die Mensa laut OGS-Leitung tatsächlich seit Ende August von der Stadt freigegeben. Zuvor hatten Mängel wie Probleme mit der Wasserversorgung und Schimmelbildung den Betrieb immer weiter verzögert.

Noch ist der Anblick trostlos: Die Mensa ist fertig, doch bisher wird sie nicht genutzt. Bis zu 70 Kinder können hier gleichzeitig essen. Foto: Stolzenbach

Warum nutzt die OGS die neue Mensa bisher dennoch nicht? „Weil der Platz nicht ausreicht. In der neuen Mensa können maximal 70 Kinder gleichzeitig essen. Wir können nicht alle 270 OGS-Kinder im Schnelldurchlauf durchs Mittagessen schleusen“, sagt Dohrenbusch. Das sei bei der Planung für die moderne Mensa, die laut Stadt für eine Essensversorgung von bis zu 300 Kindern ausgelegt ist, offenbar nicht mitgedacht worden. 

Die Stadt verwies darauf, dass die Erweiterung der Mensa überhaupt erst kurz vor den Sommerferien angefragt worden sei. Wer für die Fehlplanung verantwortlich war, die Schulbaugesellschaft oder die frühere OGS-Leitung, ließ sich nicht mehr klären.

Das lange Warten auf einen weiteren Essensraum

Abhilfe schaffen soll ein weiterer Essensraum in gleicher Größe im 1. Obergeschoss des Neubaus direkt über der Mensa. Dafür brauchte es aber eine offizielle Nutzungsänderung.

Die Stadt bestätigte, dass die Genehmigung durch die Bauaufsichtsbehörde nötig sei, bevor der Raum als Mensa genutzt werden könne. Bauliche Maßnahmen seien nicht nötig, „der zu prüfende Umfang wird als gering angesehen“, hieß es seitens der Stadt.

Dieser Raum im 1. Obergeschoss des Neubaus soll als weiterer Essensraum genutzt werden. Foto: Stolzenbach

Diese Einschätzung bestätigte sich am Donnerstagnachmittag: Die Stadt teilte nun mit, dass die beantragte Nutzungsänderung mit „sofortiger Wirkung“ stattfinden könne.

Der Wunsch der OGS-Leitung, in den Ferien endlich die neue Mensa nutzen zu können, hat sich mit der plötzlichen Freigabe erfüllt. In der Mensa liegt schon das Besteck bereit, das Mobiliar für den zweiten Essensraum wurde bereits geliefert. 

Aktualisierung, 13. November: Inzwischen nutzt die OGS die Mensa und den zweiten Essensraum. Seit dem 4. November wird in beiden Räume das Essen für die Kinder ausgegeben. „Bisher läuft alles ohne größere Probleme“, berichtet die Leiterin der OGS, Myleen Dohrenbusch. „Einige Abläufe müssen sich natürlich noch einspielen, aber insgesamt funktioniert alles gut.“

Kündigung des OGS-Trägers durch die Schule

Unterdessen gestaltet sich die weitere Zukunft für die OGS ungewiss: Die Schule hat den Vertrag für das OGS-Angebot mit dem Träger – die evangelische Kirchengemeinde Zum Heilsbrunnen – zum 31. Juli 2025 gekündigt.

Grund dafür war laut Stadt „die fehlende Grundlage einer vertrauensvollen Zusammenarbeit zwischen Schule und OGS-Träger“. Zur Suche eines neuen Trägers und zum Vergabeverfahren konnte die Stadt noch keine Angaben machen. Die GGS Hebborn äußert sich auf Nachfrage des Bürgerportals dazu nicht.

Für das OGS-Team sei diese Entscheidung „völlig überraschend“ gekommen, sagt Myleen Dohrenbusch. „Wir als Team funktionieren super und versuchen diese Situation bestmöglich für die Kinder zu gestalten.“

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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