Foto: Siegbert Brey/Wikipedia

Einen Antrag für einen Miteinander-Weg hat eine Bürgerin in den Ausschuss für Anregungen und Beschwerden eingebracht. In anderen Städten sorgen solche Wege mit den entsprechenden Schildern bereits für ein besseres Gemeinschaftsgefühl und bauen Konfrontationen. Der Ausschuss beurteilte den Vorschlag zwar als „charmant“, lehnte ihn dennoch ab.

Miteinander-Wege sind zum Beispiel an der Kieler Förde keine Einzelheit. Auf Wegen, wo es viel Fußgänger- und Fahrradverkehr gibt, weisen entsprechende Schilder auf die gemeinsame Nutzung hin.

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Wo man in Bergisch Gladbach auf sausende Fahrräder, verärgerte Fußgänger und verängstigte Hunde trifft, findet man an der Kieler Förde ein rücksichtsvolles und entspanntes Miteinander. Das Schild macht aus Wegen, die früher für Streit in der Gemeinschaft sorgten, einen ganz anderen Ort, an dem die Bewohner Empathie füreinander entwickeln.

Das deeskalierende Schild sei ein so großer Erfolg, dass man sich kosten- und energieaufwendigere Maßnahmen sparen könne, urteilt die lokale Stadtverwaltung.

„Miteinander“-Wege gegen den rauen Ton

Ein solcher Weg fand sich nun auf der Tagesordnung des Ausschusses für Anregungen und Beschwerden wieder. Eine Bensberger Bürgerin hatte den Antrag auf die „Einführung eines Miteinander-Weges” in Bergisch Gladbach gestellt. Die Frau berichtete, sie habe ihr ganzes Leben in Bensberg verbracht und in den vergangenen Jahren eine deutliche Veränderung erlebt.

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Wie sich Bürger:innen in den Stadtrat einbringen können

In der zweiten Ausgabe der BürgerAkademie erläutert Dirk Steinbüchel. Vorsitzender des Ausschusses für Anregungen und Beschwerden, wie diese besondere Ausschuss funktioniert – und wie man als Bürgerin oder Bürger seine Anliegen in den Stadtrat bringt.

Vor allem das Verhalten im Verkehr und das Miteinander hätten sich gewandelt. Ein neuer Ton sei eingezogen, er sei rau geworden. Nicht nur in Bensberg oder in Bergisch Gladbach, überall herrsche dieser Ton vor. Nach Ansicht der Antragstellerin gehe die Rücksichtnahme zurück, das Gemeinschaftsgefühl schwinde.

Besonders beim Spazierengehen im Wald falle ihr auf, dass Fahrradfahrer kaum noch Rücksicht nehmen auf Fußgänger, Hundebesitzer und deren Tiere, auf ältere oder gehbehinderte Leute und Eltern mit Kinderwagen.

Die Antragstellerin hat jedoch eine Idee, wie man den Umgang miteinander verbessern kann. Sie regte die Stadt an, auch in Bergisch Gladbach Miteinander-Wege einzuführen. Sie würden für Vorsicht, Rücksicht und Respekt, also ein gutes Klima in der Gesellschaft sorgen.

Als konkrete und sinnvolle Standorte für die entsprechenden Schilder, nennt sie die Eingänge zu den Waldwegen zum Beispiel im Königsforst.

Parteien sind sich einig

Der Ausschuss bewertete das Anliegen als nicht so dringend, wie die Antragstellerin es sieht.

Die Grünen argumentierten, dass das hochbelastete Straßenverkehrssystem durch ein weiteres Schild nicht zusätzlich belastet werden solle. Den Hinweis der Stadtverwaltung, sie wolle auf dem Zanders-Gelände ein solches Schild aufstellen, griffen die Grünen auf. Das Vorhaben sei gut, um Wirkung und Notwendigkeit zu testen. Wenn dieses erfolgreich sei, solle man noch einmal überlegen, ob sich Miteinander-Wege auch an anderen Orten in der Stadt lohnen.

Verkehrszeichen 240

Die CDU stimmte der Grünen zu, man solle sich gegen eine Verdichtung des „Schilderwalds“ wehren. Stattdessen schlug sie vor, das bekannte Verkehrszeichen 240 an den Waldeingängen aufzustellen. Die CDU-Vertreter erklärten, dass sich Betroffene von einem Schild „Miteinander-Weg“ nicht beeindrucken ließen.

Die Freie Wähler Gemeinschaft (FWG) widersprachen dem Argument des „Schilderwaldes“, da es nur um Wald- und Wanderwege gehe, wo wenige bis keine Schilder stünden. Man müsse außerdem bedenken, dass das vorgeschlagene Schild kein offizielles Verkehrszeichen ist. Sondern nur ein Hinweis, wie beispielsweise Tempoanzeigen mit Smileys, die erkennen lassen, ob die gefahrene Geschwindigkeit angemessen ist. Auch die FWG lehnte die weitere Verfolgung der Anregung ab.

Die SPD erkannte den Vorschlag als eine gute Idee an. Sie stimme der Antragstellerin zu, dass alleine das Wort „Miteinander“ die Stimmung an solchen Wegen verändern könne. Dennoch machte sich auch die SPD nicht weiter für die Anregung stark.

Am Ende trug der Ausschuss der Stadtverwaltung lediglich auf, diese „charmante Idee als Handlungsoption künftig bei auftretenden Konflikten zwischen Rad- und Fußverkehr zu bedenken“. Alle Fraktionen im Ausschuss waren sich dabei einig.

Der Ausschuss einigte sich zudem darauf, auf die Erfahrungen zu warten, die man bei dem Schild auf dem Zanders-Gelände mache.

Enttäuschte Antragstellerin

Zum Schluss hatte die Antragstellerin noch einmal das Wort. Dass ausgerechnet das Zanders-Gelände für ein Miteinander-Schild geeignet sei, bezweifelte sie. Im Gegensatz zu einem Wald gebe es dort bereits Schilder. Zudem werde der Wald stärker von Fußgängern und Radverkehr genutzt als das Zanders-Gelände.

Ihre Enttäuschung macht die Bensbergerin deutlich. Sie findet es schade, dass die Miteinander-Wege für die Politiker nur eine „charmante Idee“ seien, die nicht umgesetzt wird, obwohl es mit wenig Kosten und Mühen verbunden wäre.

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  1. Schade, dass diese Anregung aus der Bürgerschaft vom Stadtrat zurückgewiesen wurde.

    Dabei könnte doch das Werben für ein „Miteinander“ ein guter Baustein im Mobilitätskonzept unserer Stadt sein. Insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmenden Enge (die sich kaum auflösen lässt) und des – so erlebe ich es ebenfalls – rauer gewordenen Tons oder Verhaltens, im Straßenverkehr und darüber hinaus.

    Und auch ganz konkret auch vor dem Hintergrund mancher unangenehmen Situation, die man sowohl als Fußgänger, als auch als Radfahrer erlebt – im Wald und in der Stadt.

  2. Ich bin Radfahrerin und Hundebesitzerin und habe den Eindruck, dass beide Seiten von diesem Schild aus ihrem – sagen wir mal einseitigen Wahrnehmungskreis – herausgeholt werden können. Gemeinsam ist genau der Appel, der vielleicht wach macht für die Situation der anderen. Hunde und Kinder sind spontan und können nicht immer auf Knopfdruck wieder zurück gerufen werden, wenn von hinten gerufen wird. Radfahrer:innen sind keine Schienenfahrzeuge und können vorausschauen und so agieren, dass sie verlangsamen und Zeit geben. Danke, Bitte sind Worte, die verbinden. All das ist in Gemeinsam gut ausgedrückt. In Holland gibt es Extra-Wege für Reiter:innen, Hunde-Besitzer:innen, Radfahrer:innen. Da, wo Platz ist, wäre das vielleicht eine Alternative. Da, wo das nicht geht, halte ich das Schild für absolut angemessen.

  3. Wer den gut nachvollziehbaren Wunsch nach mehr gegenseitiger Rücksichtnahme und einem freundlichen Miteinander anscheinend auf den Apell – so lese ich verschiedene Passagen dieses Artikels – an “sausende” Radfahrer reduziert, lässt das Anliegen leider in einem leicht einseitigen Licht erscheinen.

    An neuralgischen, problematischen oder nicht klar geregelten Bereichen kann solch ein Schild u.U. Sinn machen. Wald- und Wanderwege aber sollten soweit es geht, naturbelassen bleiben.

    In jedem Fall darf eine solche Initiative, die auch ich mir an der Mainstreet im Zanders Gelände – als “Shared Space” ohne Gehwege von allen Verkehrsteilnehmenden gemeinsam genutzt – gut vorstellen kann, in keinem Fall als “Einbahnstraße” verstanden werden. Respekt und Rücksichtnahme gilt für alle gleichermaßen.

    1. Fußgänger ärgern sich über sausende Radfahrer. Radfahrer über unvorsichtige Fußgänger und freilaufende oder an langen Leinen laufende Hunde. Fußgänger, die von sausenden Radfahrern erschreckt werden können ebenso ein Lied darüber singen, wie Radfahrer, die von Hunden vom Fahrrad geholt wurden .

      In dem Artikel wieder einmal den Versuch zu erblicken, Radfahrer zu diskreditieren, oder ihnen Rechte absprechen zu wollen, ist langsam echt langweilig.

      Die Idee der Dame ist doch offensichtlich, dass alle für einander ein bisschen Empathie entwickeln sollten, um ein Miteinander zu fördern. Wenn ein Schild dazu beitragen kann, warum nicht.

      1. Leider ist bzw. war die von mir vorsichtig kritisierte Einseitigkeit – ich sprach nicht von Diskreditierung o.ä. – nicht nur diesem Artikel sondern auch dem persönlichen Vortrag der Petentin in der Ausschusssitzung zu entnehmen.

        Und das ist leider überhaupt nicht langweilig noch handelt es sich um vernachlässigbare Einzelfälle – ich wünschte es wäre so – sondern eher um gängiges Gehabe. Einzelne Eskalationen in Social Media bis hin zur breiten tendenziösen Stimmungsmache gegen Radfahrende.

  4. Guten Morgen, ich nehme Bezug auf diesen Absatz: “Besonders beim Spazierengehen im Wald falle ihr auf, dass Fahrradfahrer kaum noch Rücksicht nehmen auf Fußgänger, Hundebesitzer und deren Tiere, auf ältere oder gehbehinderte Leute und Eltern mit Kinderwagen.”

    Ich musste leider die Erfahrung machen, dass auf mich als Fahrradfahrer im Wald kaum Rücksicht genommen wird. Und ich kann versichern, ich fahre umsichtig und rücksichtsvoll, halte Abstand und erschrecke niemanden durch heranrasen.
    Viele Hundehalter rufen ihre Hunde (trotz meiner höflichen Bitte aus ausreichender Entfernung, da ich Angst vor Hunden habe) nicht zu sich um sie für einen Moment anzuleinen oder festzuhalten. An dieser Stelle einen herzlichen Dank an die Hundehalter, die meiner Bitte sofort und gerne nachkommen.

    Rücksichtnahme kann auch durch eine Gefälligkeit zum Ausdruck gebracht werden.

  5. Mir ist etwas unklar, inwiefern ein solches Schild etwas ändern würde. “Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme” gilt im Verkehr ohnehin immer und überall (§1 StVO). Wenn nun auf bestimmten Wegen explizit aufgefordert wird, Rücksicht zu nehmen – gilt das dann im Umkehrschluss auf anderen Wegen nicht, oder weniger?
    Dennoch spricht wenig dagegen, es mal auszuprobieren und Erfahrungen zu sammeln. Anbieten würde sich z.B. der Weg entlang des alten Bahndamms, der Strunderadweg oder auch Am Heidetor.

    (Aus eigener Erfahrung könnte ich mir vorstellen, dass die guten Erfahrungen an der Kieler Förde einen ganz anderen Grund haben könnten: Die Menschen in Norddeutschland sind einfach generell entspannter und rücksichtsvoller.)

  6. Miteinander, jetzt auch in Bensberg, per Schild verordnet. Ich kann verstehen das man das nicht möchte. Wer Schilder aufstellt, muss auch für die Einhaltung sorgen. Das schafft die Stadtverwaltung schon lange nicht mehr. Saubere Straßen und Mülltonnen, Kontrolle von Rad- und Fußgängerwegen, Parkplatzkontrollen usw. die Verwaltung schafft es ja schon jetzt nicht ihre Aufgabe zu erfüllen. Jetzt noch zu kontrollieren ob sich Radfahrer, Fußgänger und spielende Kinder sich freundlich begegnen würde eine Aufstockung des Personals bedeuten, für die kein Geld in der Kasse ist. Es muss sich grundsätzlich etwas ändern, erzwungene Freundlichkeit reicht nicht, auch nicht per Schild.