So kann eine neu bewaldete Fläche nach vier Jahren aussehen. Foto: SDW

Borkenkäfer und Klimawandel haben im Bergischen Wald große Flächen hinterlassen, auf denen keine oder zu wenig Bäume stehen. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald sieht das als Chance, einen vielfältigen Wald der Zukunft zu pflanzen. Vor wenigen Tagen hatte das gut besuchte Bergische Waldforum über Waldumbau, Wiederbewaldung und den Zustand der Böden diskutiert.

Wir dokumentieren einen Beitrag der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald

Auf 40 Prozent der Waldflächen im Bergischen Land wachsen Buchen und Eichen. Der Fichtenanteil ist auf nur noch 12 Prozent gesunken. Aber 17 Prozent der Waldflächen sind derzeit unzureichend oder gar nicht wieder bewaldet.

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„Dies kann man beklagen oder als Chance sehen,“ sagt SDW-Vorsitzender Rainer Deppe anlässlich des Internationalen Tages des Waldes. „Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald hat sich für die Chance entschieden.“

Diese Waldflächen, die seit Jahren nicht bewirtschaftet sind, bieten jetzt die Chance, den vielfältigen Wald der Zukunft zu pflanzen. Da das Wachstum in der Natur immer weiter geht, kommt die Chance nicht so schnell wieder. Genau diese 17 % der Flächen sollten für die nächsten 5-6 Jahre in den Mittelpunkt der Beratung und der öffentlichen Wahrnehmung gestellt werden.

Die Flächen bieten die Chance, jetzt einen bewusst angepflanzten vielfältigen Wald wachsen zu lassen – aus verschieden Laub- und Nadelbäumen und aus dem, was aus dem im Boden vorhandenen Samenvorrat wächst.

Dass die Pflanzentscheidungen bewusst und genau auf den jeweiligen Standort der Waldfläche getroffen werden können, ist relativ einfach möglich. Denn in NRW liegen exakte Karten mit den Standorteigenschaften für jede Waldparzelle vor. Daraus abgeleitet wissen Förster und Waldeigentümer, welche der 23 Waldentwicklungstypen (WET) passen. NRW nimmt damit bundesweit eine Vorreiterrolle ein. Jetzt muss aus den wissenschaftlichen Erkenntnissen praktisches Handeln werden.

Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald empfiehlt, jeden Waldeigentümer der 17 % noch nicht wiederbewaldeten Flächen gezielt dahingehend zu beraten, sein Waldstück entsprechend des jeweils passenden Waldentwicklungstyps für die Zukunft auszurichten. In Naturschutzgebieten sollte die Anwendung der WET‘s zur Pflicht gemacht werden. Der aktuell zu erarbeitende Landschaftsplan bietet die Gelegenheit dazu.

„Zukunftsorientierter Naturschutz stellt sich heute auf den bereits stattfindenden und für die Zukunft zu erwartenden Klimawandel ein. Er sorgt heute dafür, dass Wälder vielfältig und für den einzelnen Standort passend zusammengesetzt sind“, erklärt SDW-Vorsitzender Rainer Deppe. „Wenn wir diese Chance verschlafen, wird man später den jetzt haben Handelnden bzw. Nichthandelnden zurecht Vorwürfe machen. Der Wald der Zukunft braucht unser Handeln jetzt!“

Das Bergische Waldforum tagte im Kreishaus. Foto: SDW

Bergisches Waldforum: Rekordandrang, klare Befunde – Fokus auf Bodenschutz und Mischwald

Mehr als 150 Teilnehmende kamen zum Bergischen Waldforum der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) in den großen Sitzungssaal des Kreishauses. Diskutiert wurden Waldumbau, Wiederbewaldung und der Zustand der Waldböden – unter den Gästen Waldbesitzende, Forstleute sowie Politik und Verwaltung, an der Spitze Landrat Arne von Boetticher.

Zum Auftakt verwies Rainer Deppe, Vorsitzender der SDW Rhein Berg / Leverkusen, auf eine aktuelle Meldung des Umweltbundesamts: Der Wald wirke wieder als CO₂ Senke (−19,3 Mio. t CO₂ Äquivalente). „Klimaanpassung beginnt im Boden und in der Pflege – dort entscheiden wir heute über die Wälder von morgen,“ sagte Deppe. „Unser Auftrag ist, die Vitalität zu stärken und Vielfalt gezielt aufzubauen.“

Wie stark der Strukturwandel bereits fortgeschritten ist, zeigte Jörn Hevendehl, Leiter des Regionalforstamtes Bergisches Land, anhand der Landeswaldinventur: Der Nadelwaldanteil sank in zehn Jahren von 39 % auf 22 %; Eiche und Buche liegen mit je 20 % vorn. Die Fichte, früher fast ein Drittel der Bestände, macht heute 12 % aus – überwiegend junge Bestände unter 40 Jahren, nachdem ältere dem Borkenkäfer zum Opfer fielen. Wiederbewaldung und Pflege bleiben zentrale Aufgaben: 17 % der Waldflächen sind unzureichend oder gar nicht wiederbewaldet; auf 40 % gab es in den letzten zehn Jahren keine Pflege oder Bewirtschaftung. Hevendehl: „Die Zahlen sind eindeutig: Ohne konsequente Pflege werden Lücken größer – mit aktiver Bewirtschaftung entstehen stabile Mischwälder.“

Ein Schwerpunkt des Abends lag auf dem Boden. Vorgestellt wurde ein Schulprojekt des Gymnasiums Wermelskirchen, das Robert Schmitz, SDW-Vorstandsmitglied und Vorsitzender der Forstbetriebsgemeinschaft Wermelskirchen, mit Schülerinnen und Schülern im Winter durchgeführt hat: An rund 30 Messpunkten ergaben sich pH-Werte von 3,5 bis 4,2. Die Ergebnisse bestätigen die Empfehlungen des Geologischen Dienstes NRW: Als Spätfolge des „Sauren Regens“ sind viele Waldböden deutlich zu sauer – Kalkung ist vielerorts erforderlich. Schmitz: „Die Messungen zeigen klar: Ohne gesunde pH-Werte bleiben Bodenleben und natürliche Verjüngung hinter ihren Möglichkeiten.“

Der Forstwissenschaftler Dr. Norbert Asche erläuterte die Folgen der Bodenversauerung – von beeinträchtigter Nährstoffversorgung und geringer Humusbildung bis zu Belastungen des Grundwassers – und plädierte für eine Bodenschutzkalkung mit etwa 3 t Kalkgestein/ha, um Bodenleben, Wurzelentwicklung, Biodiversität und Produktivität zu stärken.

Traditionell stellte SDW-Vorstandsmitglied Louis Altinkamis den Baum des Jahres 2026 vor: die Zitterpappel – eine robuste Pionierbaumart mit hoher ökologischer Bedeutung, die auch im Bergischen Land verstärkt zu erwarten ist.

Tenor des Abends: Der Wald im Bergischen Land ist unverzichtbar. Wer heute Vielfalt fördert und gezielt pflegt, schafft die Voraussetzung dafür, dass auch in 150 Jahren noch vitale Wälder die Region prägen.

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