Der rassistische Brandanschlag von Solingen, bei dem im Jahr 1993 fünf Mitglieder der Familie Genç getötet wurden, jährt sich am Sonntag zum 32. Mal. Unter dem Motto „Gemeinsam erinnern, bewegen und ein Zeichen gegen Rassismus setzen“ beteiligt sich Bergisch Gladbach an einer Fahrradsternfahrt nach Solingen, zu der der Landesintegrationsrat NRW aufruft.

Wir veröffentlichen eine Mitteilung der Stadt Bergisch Gladbach

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Am Sonntag, den 25. Mai 2025, jährt sich der rassistische Brandanschlag von Solingen zum 32. Mal. Bei dem Anschlag im Jahr 1993 wurden fünf Mitglieder der Familie Genç brutal aus dem Leben gerissen. Zum Gedenken an die Opfer und als deutliches Signal gegen Rassismus und Ausgrenzung ruft der Landesintegrationsrat NRW – gemeinsam mit zahlreichen kommunalen Integrationsräten – seit einigen Jahren zu einer gemeinsamen Fahrradsternfahrt nach Solingen auf.

Auch in diesem Jahr beteiligt sich eine Gruppe aus Bergisch Gladbach – organisiert vom Integrationsrat Bergisch Gladbach, dem ADFC RheinBerg-Oberberg sowie dem Stadtsportverband Bergisch Gladbach – an dieser bewegenden Aktion. Das Motto lautet: „Gemeinsam erinnern, bewegen und ein Zeichen gegen Rassismus setzen“.

„Auch wir als Stadtsportverband stehen für toleranten Zusammenhalt und gelebte Vielfalt – im Sport wie in der Gesellschaft. Deshalb unterstützen wir diese Aktion auch in diesem Jahr gerne und erinnern – sportlich, aktiv und sichtbar – an die Opfer von Solingen“, betont Dettlef Rockenberg vom Stadtsportverband Bergisch Gladbach.

Mahnwache am NSU-Mahnmal „10+1 Bäume“

Den Auftakt bildet eine Mahnwache um 9.30 Uhr am NSU-Mahnmal „10+1 Bäume“ auf dem Quirlsberg an der Gnadenkirche in Bergisch Gladbach. Dieses im Juni 2024 eingeweihte Mahnmal erinnert an die Opfer des rechtsterroristischen NSU.
Zwischen 2000 und 2006 wurden neun Menschen mit Migrationshintergrund – acht türkischstämmige und ein griechischstämmiger – sowie 2007 die deutsche Polizistin Michèle Kiesewetter aus rassistischen und rechtsextremen Motiven ermordet. Die Zahl elf ergibt sich aus zehn Bäumen für die zehn Opfer des NSU und einem Baum für alle weiteren Opfer rassistischer Angriffe.

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Gedenktafel für NSU-Mahnmal auf dem Quirlsberg enthüllt

Im Sommer war das Mahnmal „10+1 Bäume“ für die Opfer der rechten Terroristen des NSU eröffnet worden, jetzt wurde es durch eine Stele vervollständigt. Die Tafel erinnere daran, dass es eine gemeinsame Verantwortung sei, sich täglich gegen rechte Gewalt sowie jede Form von Diskriminierung und Hetze einzusetzen, erklärte der Integrationsrat.

Alle Interessierten sind – auch unabhängig von der Teilnahme an der anschließenden Fahrradsternfahrt – herzlich eingeladen, gemeinsam innezuhalten, zu erinnern und ein sichtbares Zeichen gegen rassistische Gewalt zu setzen.

Hintergrund: Der Brandanschlag vom 29.5.1993 in Solingen

In der Nacht auf den 29. Mai 1993 wurden bei einem rassistischen Brandanschlag auf das Haus der Familie Genç fünf Frauen und Mädchen mit türkischer Migrationsgeschichte getötet: Gürsün İnce (27), Hatice Genç (18), Gülüstan Öztürk (12), Hülya Genç (9) und Saime Genç (4). 14 weitere Familienmitglieder erlitten zum Teil lebensgefährliche Verletzungen. Der Sohn von Mevlüde Genç, Bekir Genç, hatte so starke Verbrennungen, dass sein Leben bis heute von Krankenhausaufenthalten und Pflege bestimmt wird.

Es war der bis zu diesem Zeitpunkt folgenschwerste rassistische Anschlag in der Geschichte der Bundesrepublik. Schon wenige Tage nach dem Anschlag wurden die Täter festgenommen: Vier männliche Jugendliche aus der Solinger Nachbarschaft – zwischen 16 und 23 Jahre alt. Alle vier waren schon zuvor mit rechtsextremen Äußerungen aufgefallen.

Mehr Informationen finden Sie in diesem Beitrag der Bundeszentrale für politische Bildung

„Der Brandanschlag von Solingen und die Mordserie des NSU waren rechtsextremistisch und rassistisch motivierte Verbrechen. Sie richteten sich gezielt gegen Menschen mit Migrationsgeschichte. Gerade deshalb ist unser gemeinsames Erinnern heute von großer Bedeutung – als sichtbares Zeichen gegen rechte Gewalt, Hass, Ausgrenzung und Diskriminierung jeglicher Art und für eine solidarische Gesellschaft“, sagt Redouan Tollih vom Integrationsrat Bergisch Gladbach.

Start der Radsternfahrt vom Quirlsberg

Direkt im Anschluss an die Mahnwache startet die Radgruppe gegen 10 Uhr vom Quirlsberg in Richtung Solingen. Die Route führt über Leverkusen und Solingen-Ohligs bis zum Mahnmal für die Opfer des Brandanschlags und weiter zum Tatort in der Unteren Wernerstraße in Solingen.

Die Strecke ist rund 35 Kilometer lang (einfache Strecke), dauert etwa 2,5 Stunden und wird in gemäßigtem Tempo zurückgelegt. Die Teilnahme ist kostenlos, erfolgt auf eigene Verantwortung und steht allen offen – unabhängig von Alter, Erfahrung oder Kondition. „Wir radeln entspannt und freuen uns über jede Unterstützung – egal ob mit Tourenrad, E-Bike oder Lastenrad. Wer mitradeln möchte, ist herzlich willkommen – auch ohne vorherige Anmeldung“, so Bernhard Werheid vom ADFC RheinBerg-Oberberg e.V.

Unterstützt wird die Aktion in diesem Jahr auch vom „Bündnis gegen Rassismus und für Vielfalt“. Das Bündnis wurde im Mai 2024 auf Initiative des Integrationsrates gegründet und umfasst mittlerweile über 30 gesellschaftliche, kirchliche und politische Organisationen aus Bergisch Gladbach. Unter der Schirmherrschaft von Bürgermeister Frank Stein setzt es sich für ein offenes, solidarisches und vielfältiges Zusammenleben ein – durch Aufklärung, Begegnung, konkrete Projekte und gemeinsame Aktionen.

Für alle Teilnehmenden werden – je nach Verfügbarkeit – T-Shirts mit antirassistischen Slogans zur Verfügung gestellt. Plakate, Transparente und kurze Redebeiträge am Zielort in Solingen verstärken die Botschaft: Rassismus und Ausgrenzung haben keinen Platz – weder in Solingen noch in Bergisch Gladbach. Die Veranstalter Integrationsrat, Stadtsportverband und ADFC freuen sich darauf, gemeinsam ein starkes Zeichen gegen Rassismus zu setzen und einen Beitrag für eine solidarische und inklusive Gesellschaft zu leisten.

Hier werden offizielle Pressemitteilungen der Stadtverwaltung veröffentlicht. Sie geben nicht die Meinung des unabhängigen Bürgerportals iGL wieder.

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