Die Ausstellung „Spiel mit dem Feuer“ von Bettina Mauel in der Galerie Kunstkabinett Partout erzählt bildgewaltig von Natur und Katastrophen, vom Menschen mittendrin und von einer Zukunft, die nicht absehbar ist.

Text: Antje Schlenker-Kortum, Fotos: Thomas Merkenich

Die Wuppertaler Künstlerin Bettina Mauel und ihre Galeristin Ursula Clemens-Schierbaum stehen philosophierend in der großen Industriehalle. An der Stirnseite präsentiert sich eine Installation mit großformatigen Malereien, die zickzackförmig angeordnet sind: die Installation „Apokalypse im Dialog“. Das Werk entstand für ein Projekt der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKIR) zum Thema Apokalypse. Es besteht aus acht großen Leinwänden mit jeweils rund zwei Quadratmetern Fläche sowie vier schmaleren Leinwänden, allesamt gemalt in Tusche und Acryl. 

+ Anzeige +

Für das Projekt bewarb sich Mauel mit den Gemälden „Höllensturz“, „Der Verlust“, „Erschütterung“ und „Wer Wind sät“. Letzteres entstand während der ersten Amtszeit von Trump. In der Ausstellung „Spiel mit dem Feuer“ sind viele Vorarbeiten für die Installation in der Kirche sowie frühere und aktuelle Malereien Mauels zu sehen.

Katastrophen als Sujet

Die Idee von „Apokalypse im Dialog“ war es, Natur und Naturkatastrophe dialogisch gegenüberzustellen, erklärt die Künstlerin. Als Motive wählte sie die vier Jahreszeiten und die vier Elemente der griechischen Philosophie: Feuer, Wasser, Erde und Luft. Die Leinwände wurden in Leporelloform aufgestellt, sodass jeweils vier zusammengehörende Bilder der Naturserie und der Serie über Zerstörung zu sehen sind – je nachdem, ob man die Installation von links oder rechts betrachtet. 

Der Begriff Leporello bezeichnet ursprünglich ein kleines, gefaltetes Buch, das Bildgeschichten erzählt. Ein Leporello lässt vieles offen, zeigt nebeneinander statt nacheinander und eröffnet so mehrere Perspektiven gleichzeitig. 

Auch wenn der Titel es suggeriert, hat Mauel sich bei der Entstehung der Werke ganz frei vom biblischen Apokalypsebegriff gemacht, wie sie betont. Für sie ist die bedrohliche Situation, wie sie in der biblischen Apokalypse beschrieben wird, absolut gegenwärtig.

Sie verweist auf die Weltlage: „Die Katastrophen, die uns umgeben: Flüchtlinge, Proteste, Naturkatastrophen … Es ist nachher wie vorher. Es hat sich nicht viel getan“, sagt die Künstlerin. Für die Vorarbeiten schaute sie viele Dokumentarfilme – für die Serie „Feuer“ beispielsweise über Vulkanausbrüche. So entstanden ganze Serien zu Natur und Katastrophen

Apokalypse und Zukunftsvorstellungen 

Das Bild mit der großen Flutwelle und den kleinen Menschen am Rand trägt den Titel „Wasser II“ und beschreibt für Mauel die aktuelle Situation: „Die Menschen sehen zu und im nächsten Moment sind sie weg.“ Auch andere Bilder wie „Apokalypse / Erde“ scheinen im ersten Moment klar die biblische Apokalypse zu illustrieren.

Wasser I und Wasser II, Foto: Thomas Merkenich

„Das kann man so sehen, ist aber nicht ursprünglich gemeint. Das könnte auch ganz aktuell sein“, sagt Mauel. Der Begriff Apokalypse stehe heute fast synonym für Weltuntergang, wobei die Welt sehr wahrscheinlich bestehen bleiben wird. Klar gehe es in der Apokalypse um die Katastrophe, doch was kommt danach? Man wisse nicht, was passieren wird. 

Deshalb habe sie für die Nischen, den Zwischenraum der Gegenüberstellung, eine Art Zwischenstücke gemalt: eine eigene Reihe von schmalen Bildern mit abstraktem Motiv. Für sie ist dies Ausdruck von etwas Unbestimmtem; daher arbeitete sie farblich sehr reduziert, schuf eine vage Stimmung in Grau-, Braun- und Schwarztönen, die visuell an „Schlamm oder Asche“ erinnert, wie sie erklärt.

Nach der Apokalypse entstehe etwas Neues, doch niemand wisse, was das sein wird, sagt Mauel. Die eigentliche Frage sei für sie, ob die Menschen in einer Welt „danach“ noch vorhanden sind oder nicht. „Klar ist, dass nichts klar ist.“ Dennoch sieht sie in ihren Bildern keine dystopische Version der zukünftigen Welt.

Ihr Beitrag „Apokalypse im Dialog“ mündete 2024 in einer Einzelausstellung in der Johanniskirche in Saarbrücken. Dort bot der große Chor viel Raum für das Panorama. Die Präsentation in der Galerie Partout ist enger, mehr gefaltet als in der Kirche – das erzeugt völlig andere Blickrichtungen und Interaktionen der Ausstellungsgäste.

Prägung der Künstlerin

Foto: Thomas Merkenich

Bettina Mauel studierte von 1978 bis 1983 an der Kunstakademie Düsseldorf bei Gerhard Richter, war Meisterschülerin bei Gotthard Graubner und wurde geprägt von ihrem Lehrer Bernd Koberling, einem der Väter der Wilden.

Mauel erzählt, dass die Düsseldorfer Schule nach Beuys völlig frei war, doch als Studentin sei man zuweilen „vollkommen lost“ gewesen; man musste sich selbst auf den Weg machen. So fand sie ihren Weg, indem sie viele Ausstellungen besuchte und in Bibliotheken recherchierte. 

Bettina Mauel – Spiel mit dem Feuer
bis 22.08.2025
Vernissage: : 28.6.2025, 17 Uhr mit Bettina Mauel
Einführungsrede: Holger Hagedorn, Künstler und Kurator
Musik: Dr. Hubertus Halbfas
Finissage: 22.8.2025, 19 Uhr mit Bettina Mauel

Partout® Kunstgeschichte & Kunstkabinett
Strassen 85, 51429 Bergisch Gladbach
Öffnungszeiten: di, do, fr 16-19 h, sa 11-13 h
und nach Vereinbarung
02204 42 52 38
instagram: @partout.kunstgeschichte
www.partout-kunstgeschichte.de
Künstlerseite: https://www.atelier-mauel.com

Als gebürtige Wuppertalerin beschäftigte sie sich intensiv mit dem Thema Tanz und mit Pina Bausch. Diese Erfahrung floss in lebendige Farben und expressive Pinselstriche ein, die vor allem Lebendigkeit und Dynamik ausdrücken. Seit zehn Jahren widmet sie sich der Abstraktion; die neuesten Arbeiten, „Die Kelche“, sind in den Vorräumen zu sehen. 

Kelche IV, Kelche II und Schwarm II (v.l.) Foto: Thomas Merkenich

Es gibt einen Katalog mit den Arbeiten der Künstlerin, in dem der biblische Apokalypsebegriff näher beschrieben wird. Als besonderes Special für „Spiel mit dem Feuer“ wurden die Motive der der Ausstellung als kleine Poster gedruckt.


Beiträge wie diese sind die Kür im Lokaljournalismus und erfordern viel Arbeit von Reporterin und Fotograf. Wenn Sie unsere Arbeit unterstützen wollen, dann gerne mit einem regelmäßigen freiwilligen Beitrag oder als Einmalbeitrag. Hier finden Sie mehr Infos zu unserem Verständnis von freiem Journalismus. Danke!

Weitere Beiträge über ausstellung in GL

Ausstellung: „Inklusion darf kein Zufallsprodukt sein“

Die Wanderausstellung „Botschaften für Inklusion“ macht Perspektiven und Wünsche von Menschen mit und ohne Behinderungen sichtbar. Sie ist bereits im Bensberger Rathaus und ab Freitag auch in der Servicestelle InBeCo in der Innenstadt zu sehen. Alles begann mit einem Flashmob in der Bergisch Gladbacher Fußgängerzone.

„! MenschSein“: Fotos vom Dasein im Wandel

In der Ausstellung „! MenschSein“ präsentieren die Fotografen Hartmut Schneider und Christoph Gerhartz in den Lux-Hallen Werke, die den Blick auf unsere Existenz aus verschiedensten Perspektiven und Jahrzehnten bis in die Gegenwart hinein beleuchten.

50 Shades of Blue: Partout zeigt „Blaue Horizonte” von Jovita Majewski

Die zwei Ausstellungsräume im Partout sind ausschließlich mit blauen Bildern bestückt. Wer glaubt, das sei bloß eine ästhetische Spielerei, liegt nicht ganz falsch – und genau darin liegt der Knackpunkt. Die junge Ausstellungsreihe „Sideways“ lädt zur Vernissage der Künstlerin Jovita Majewski in die Herkenrather Galerie Partout.

Malen mit Fasern: „Papier!“ von John Gerard in der Alten Dombach

John Gerard schöpft Papier in alter Tradition aus verschiedensten Materialien und lässt sich dabei über die Schulter gucken. In der neuen Ausstellung im LVR Industriemuseum Alte Dombach zeigt der Leiter einer Papierwerkstatt außergewöhnlich kunstvoll gefaltete Objekte und Bilder aus Papier. Im Papiermuseum sind auch seine besonders gefertigten, poetischen Kunstbücher zu sehen.

Halfen Dombach: Künstleratelier öffnet die Türen

Am Wochenende öffnet der kleine Skulpturengarten der Ateliergemeinschaft Maxrath-Zieriacks in Sand. Die Ateliers im Weiler Halfen Dombach sind offen für Besucher, Gespräche und Rundgänge – ein neuer Ort für Kultur im Grünen entsteht. Eine kleine Preview und ein Ausblick auf die weitreichenden Pläne der Initiatorinnen.

„Druckfrisch“ zeigt moderne Druckgrafik in der VHS

Die Ausstellung „DRUCKFRISCH 2026“ präsentiert ab Freitag 15 Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland, Belgien, Polen und Tschechien. In 17-jähriger Tradition haben sie sich erneut in der VHS zusammengefunden, um aktuelle druckgrafische Arbeiten zu zeigen. Darunter finden sich auch einige innovative Techniken.

Kunst aus aller Welt bei der BaseArt im Basement16

Die BaseArt 2026 lädt zwei Wochen lang zu einer intensiven Begegnung ein zwischen 25 Künstler:innen aus zehn Nationen und Kunstinteressierten. Ein Ort wo Kunst sichtbar wird, Dialoge möglich werden und sich langanhaltende Verbindungen aufbauen können.

Kreishaus zeigt: Frauenbilder und Frauenrollen in Ost und West

Wie lebten, liebten und arbeiteten Frauen in DDR und Bundesrepublik in den 1970er- und 1980er-Jahren? Im Kreishaus sind dazu eine Kunstausstellung und eine Plakatserie der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur zu sehen. Ein Gespräch mit Anja Möldgen und Anna Bründl über deutsche Prägungen und aktuelle Realitäten im Bergischen.

Resonanz und ihr Transfer – „Zeichenräume“ in der Villa Zanders

Eine Garage als Projektraum, neun Teilnehmende, die zufällig weiblich sind und nicht zufällig mit „Zeichnung“ arbeiten – aber eben nicht nur. Die neue Ausstellung im Kunstmuseum Villa Zander skizziert eine sinnliche Reise in die Welt der Striche, Flächen und minimalen Spuren im Raum.

Leben im Wunderland – Eckard Alker feiert seinen 90. Geburtstag

Als Kind ist Eckard Alker aus Ratibor geflohen, nach Bergisch Gladbach. Er hat als Grafiker und Dozent gearbeitet, versteht sich als „Ackerer“ und hat immer der Kunst den Vorzug gegeben. Im Gespräch erzählt er von Flucht und Heimat, von Schattenfiguren und seiner Liebe zur surrealen Bildwelt. Der Besuch bei Eckard Alker in Lustheide wird dabei…

Something went wrong. Please refresh the page and/or try again.

Medienkünstlerin und Kulturjournalistin

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.