Franziska Hock leitet die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung. Foto: privat

Wie sieht das perfekte Weihnachten aus? Davon hat wohl jede:r bestimmte Vorstellung. Und häufig kollidieren diese inneren Wunschbilder, wenn mehrere Personen zusammen feiern. Franziska Hock von der Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung empfiehlt, über Erwartungen zu sprechen, und gibt dafür eine ganze Reihe hilfreicher Fragen an die Hand.

Bevor wir über Erwartungen an Weihnachten sprechen, lohnt ein kurzer Blick auf den Dezember selbst. Denn ehrlich gesagt: Der Monat ist einfach voll. Weihnachtsfeiern, Schulveranstaltungen, Familienabsprachen – und zwischendurch der Versuch, noch ein bisschen Besinnlichkeit unterzubringen.

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Es liegt nicht daran, dass wir unser Zeitmanagement nicht im Griff haben, der Dezember ist einfach eine besonders dichte Zeit. Vielleicht besteht der erste Schritt darin, das zu akzeptieren. Nicht alles lässt sich entschleunigen oder perfekt planen – und das ist in Ordnung. Wir dürfen müde, gestresst oder auch mal genervt sein, von uns selbst und manchmal auch voneinander.

Innere Wunschbilder, geprägt von Kindheit und Kino

Das heißt aber nicht, dass wir unsere Erwartungen und Wünsche einfach ignorieren sollten. Im Gegenteil: Es ist hilfreich, sie vor dem Hintergrund der Realität bewusst zu betrachten.

Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ von Laura Geyer erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.

Denn neben der äußeren Dichte bringt Weihnachten vor allem eines mit: Erwartungen – unsere und die der anderen. Jede Person in der Familie hat ihre ganz eigenen Vorstellungen davon, wie die Feiertage aussehen sollten. Viele von uns tragen Bilder in sich, geprägt von Kindheitserinnerungen, Filmen oder der Vorstellungen davon, wie es „sein sollte“: friedlich, stimmungsvoll, kuschelig.

Diese inneren Wunschbilder treffen an den Feiertagen auf die Vorstellungen anderer – ebenfalls geprägt von Biografien, Traditionen und Werten. Selbst wenn wir aus der gleichen Kultur kommen, haben wir und unsere Partner:innen Weihnachten vermutlich unterschiedlich erlebt. Was für den einen stimmungsvoll und harmonisch ist, kann für den anderen Stress oder Enge bedeuten.

Frühzeitig über Erwartungen sprechen

Hier liegt eine Herausforderung – aber auch eine Chance: nämlich die, frühzeitig über Erfahrungen, Wünsche und Erwartungen zu sprechen. Ziel ist eine bewusste Entscheidung, eine bewusste Planung für die Weihnachtstage. Hilfreich können dabei Fragen sein wie:

  • Wie habt ihr früher Weihnachten gefeiert – und was davon ist für dich heute noch wichtig?
  • Was verbindest du mit diesen Tagen?
  • Welche Traditionen passen zu uns, und welche dürfen sich verändern?
  • Welchen Stellenwert haben Geschenke für uns? Wollen wir uns etwas schenken – und wenn ja, wem? Gibt es Alternativen zu materiellen Geschenken?
  • Wie wollen wir als Paar oder Familie unsere eigenen Weihnachtstraditionen gestalten?
  • Was möchten wir den Kindern mitgeben? Was sollen sie später über „unser Weihnachten“ erzählen?
  • Was darf auf keinen Fall fehlen?

Eigene Grenzen stecken

Wenn eine Familie so ihren eigenen Weg sucht, stößt sie dabei oft auf das Thema Grenzen. Dann können Fragen entstehen wie:

  • Welche Treffen möchte ich wirklich wahrnehmen?
  • Wo möchte ich früher gehen?
  • Wie lange und wo treffen wir Menschen?
  • Was tut uns gut – und was nicht?

Um sich auch als Partner:innen gegenseitig im Blick zu behalten und die Beziehung zu stärken, kann es helfen, sich zu fragen:

  • Was ist mir wichtig, und was dir?
  • Wo kann ich dir entgegenkommen?
  • Was kann ich tun, damit du in der Weihnachtszeit glücklich bist?

Es muss nicht perfekt sein

Manchmal bedeuten eigene Entscheidungen, dass die Erwartungen anderer Menschen enttäuscht werden. In solchen Momenten hilft es, klar zu kommunizieren, dass man dies nicht tut, um jemanden zu verärgern, sondern weil man auf sich, die Familie und die eigene Energie achtet.

Das fühlt sich zunächst ungewohnt oder unbequem an – doch in dieser Ehrlichkeit liegt die Chance, dass die Erwartungen im nächsten Jahr leichter werden, weil der eigene Weg sichtbarer wird.

Und noch ein Gedanke zum Schluss: Rund um Weihnachten steckt oft der Wunsch nach Perfektion – perfekte Wohnung, perfekte Geschenke, perfektes Essen. Aber muss wirklich alles perfekt sein, damit es schön ist?

Oft sind es gerade die unperfekten Momente, an die wir uns am liebsten erinnern: „Weißt du noch damals, als …?“ Wenn wir unsere Erwartungen lockern, offen über Wünsche sprechen und Raum für Unperfektes lassen, kann daraus wieder das werden, was wir uns eigentlich wünschen: eine Zeit der Begegnung, des Miteinanders – und vielleicht sogar ein bisschen Frieden.


Haben Sie selbst eine Frage an unsere Expertinnen im Familienrat? Dann schreiben Sie uns bitte: redaktion@in-gl.de

leitet seit 2021 die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung Bergisch Gladbach. Nach der Ausbildung zur Krankenschwester studierte sie „Soziale Arbeit“ und schloss einen Master of Counseling in Ehe-, Familien- und Lebensberatung ab. Eine Ausbildung zur systemischen Familientherapeutin ergänzt...

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