Eine Trennung ist, insbesondere mit Kindern, ein einschneidendes Lebensereignis. Nina Tackenberg, Co-Leiterin der Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung, schreibt, was dazu führen kann, dass der Gedanke an Trennung überhaupt aufkommt, nennt „Erste-Hilfe“-Maßnahmen und erklärt, warum es auch für Kinder nicht immer das Beste ist, wenn Eltern zusammenbleiben.

Wenn eine Beziehung in die Krise gerät, steht oft – ausgesprochen oder unausgesprochen – die Frage beziehungsweise Sorge im Raum: Wann ist der Punkt gekommen, an dem es besser wäre, sich zu trennen?

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Jede Partnerschaft ist unterschiedlich, und die Trennungsfrage kann zu vollkommen verschiedenen Zeitpunkten auftreten. Es macht einen großen Unterschied, ob in einer noch jungen Beziehung nach einer ersten Verliebtheit der „Realitätscheck“ erfolgt oder ob sich die Partner:innen in einer langjährigen Beziehung aus den Augen verloren haben.

Sind Kinder mit in der Beziehung, macht das die Auseinandersetzung mit dem Thema Trennung in vieler Hinsicht noch deutlich komplexer.

Gründe für Trennungsgedanken

Nina Tackenberg, Co-Leiterin der Katholischen Ehe-, Familien- und Lebensberatung Bergisch Gladbach. Foto: Daniel Schubert

Aus der Forschung zu gelingenden Beziehungen wissen wir: Vertrauen ist eine elementare Grundlage gut funktionierender Partnerschaften. Ist es erschüttert, löst das oft Trennungsüberlegungen aus.

Weitere Gründe, über eine Trennung nachzudenken, sind zum Beispiel zu groß empfundene Unterschiede in grundsätzlichen Lebens- und Wertvorstellungen – und daraus resultierender, dauerhaft ungelöster Alltagsstress –, schwere Schicksalsschläge, Erkrankungen oder auch psychische und körperliche Gewalt in der Beziehung.

Erste Fragen an sich selbst

Wer mit Gedanken an eine mögliche Trennung spielt, kann sich zunächst einmal folgende Fragen stellen:

  • Angenommen, alles bliebe so, wie es gerade ist – möchte ich die Beziehung dann in einem Jahr oder in fünf Jahren noch so leben?
  • Und wenn nicht – was genau möchte ich anders haben?
  • Was davon wäre elementar wichtig an Veränderung, damit ich die Beziehung weiter leben kann, und was wäre schön aber nicht zwingend notwendig, damit ich mich wieder wohler fühlen kann?
  • Wie groß ist meine Zuversicht, dass sich das, was sich für mich ändern muss, ändern lässt?

Dieser Text ist zuerst im Newsletter „GL Familie“ erschienen. Er richtet sich an die Eltern (und Großeltern) jüngerer Kinder, hier können Sie ihn kostenlos bestellen.


Bei einer tiefen Beziehungskrise, bei der die Trennungsfrage auftaucht, braucht es von beiden Seiten ein „JA“ zum Rettungsversuch. Dann lässt sich gemeinsam auf die oben stehenden Fragen schauen und überlegen, welchen Umgang zurückliegende Ereignisse benötigen, wie Beziehung umgestaltet werden kann, damit sich beide wieder wohl miteinander fühlen können etc.

Wenn die Trennung wahrscheinlicher wird

Schwierig wird es, wenn sich die eine oder die andere Seite verweigert, konstruktiv über Geschehnisse, Empfindungen etc. zu sprechen; wenn es nicht gelingt, auf Augenhöhe miteinander zu kommunizieren und wieder in eine grundsätzliche Haltung zu kommen, in der beide Seiten interessiert, wie es dem oder der anderen geht. Dann wird eine Trennung wahrscheinlicher.

Auch wenn sich die moralische Akzeptanz von Trennungen in unserer Gesellschaft grundlegend verändert hat, ist eine Beziehungsende nach vielen Jahren ein einschneidendes Lebensereignis. Es löst erst einmal große Verunsicherung aus und beeinflusst das eigene Selbstwertgefühl, das Selbst- und Fremdbild, die Affektregulation und die Ausgestaltung der eigenen Rollen und Beziehungen.

Hier ist es wichtig, sich selbst zuzugestehen, dass ein solcher Prozess Zeit und manchmal Unterstützung von außen braucht, da er sehr existentielle Themen berührt.

Trennung mit Kindern

Sind Kinder mit betroffen, gibt es weniger eine Auflösung von Beziehung als vielmehr eine Umgestaltung und Umbildung der gesamten Familie. Eltern zögern eine Trennung häufig hinaus, weil sie denken, dass es das Beste für Kinder sei, wenn sie zusammenbleiben.

Wenn Kinder ein Anstoß dazu sind, eine Beziehung nicht leichtfertig zu beenden, sondern wirklich zu erforschen, was hinter den Paarproblemen steckt und sich um deren Lösung zu bemühen, so ist das mit Sicherheit für alle Beteiligten hilfreich. Denn tatsächlich ist eine Trennung für Kinder in der Regel ein noch einschneidenderes Erlebnis als für die Eltern.

Wenn aber die Probleme ungelöst bleiben, Streitigkeiten an der Tagesordnung sind und Kinder Eltern erleben, die in ihrer Paarbeziehung unglücklich und unzufrieden sind, so ist möglicherweise ein Punkt erreicht, an dem das Zusammenbleiben nicht mehr das Beste für die Kinder ist.

Dann ist es vielleicht besser für Kinder zu lernen – auch für ihre eigene Zukunft –, dass es manchmal trotz aller Bemühungen nicht gelingt, ein Paar zu bleiben, und dass man sich aus Beziehungen, in denen sich die Beteiligten nicht mehr gut tun, lösen darf.

Und nun?

Das vormalige Paar steht nun vor der Herausforderung, einen konstruktiven Weg der Kommunikation zu finden, um weiterhin als Elternteam seine Aufgaben erfüllen zu können.

Die Trennungs- und Scheidungsforschung zeigt, dass die meisten Betroffenen das Ende einer Paarbeziehung sowohl als Scheitern als auch als Entwicklungschance empfinden.

Wenn das nicht sofort gelingt, ist es gut, sich vielleicht mit ein bisschen zeitlichem Abstand mit beiden Seiten zu beschäftigen: mit dem eigenen Anteil am Scheitern und mit den Möglichkeiten, die mit der Trennung einhergehen.

Zum Einen ist es häufig sehr entlastend, den eigenen Einfluss wahrzunehmen und sich – bei einer nicht selbst gewollten Trennung – weniger den Geschehnissen ausgeliefert zu fühlen. Zum Anderen kann es hilfreich sein, darauf zu schauen, was man an guten Lernerfahrungen für die weitere Gestaltung des eigenen Lebens und etwaiger neuer Beziehungen mitnimmt.

Manchmal gelingt sogar ein gemeinsames Bilanzieren mit dem Ex-Partner oder der Ex-Partnerin, womit entweder ein guter Abschluss oder eine gute Grundlage für mögliche gemeinsame (Eltern-)Aufgaben geschaffen wird.


Haben Sie selbst eine Frage an unsere Expertinnen im Familienrat? Dann schreiben Sie uns bitte: redaktion@in-gl.de

Nina Tackenberg leitet als Elternzeitvertretung die Katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle in Bergisch Gladbach. Sie hat einen M.A. in Arbeits- & Organisationspsychologie sowie ein Diplom in Sozialer Arbeit, ist Systemische Coachin (DGSF), Gesundheits- und Krankenpflegerin.

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