Das Isover-Gelände jenseits der Bahngleise mit dem markanten, 120 Meter hohen Schornstein. Foto: Stefan Krill / panomedia 360

Wie angekündigt hat das Unternehmen Saint-Gobain Isover die traditionsreiche Produktion von Glaswolle in Bergisch Gladbach eingestellt. Nun sind es noch 60 Mitarbeiter, die hier ein Spezialprodukt aus Steinwolle herstellen. Dafür gebe es eine stabile Nachfrage. Ob das Unternehmen Teile des riesigen Geländes am Rand der Innenstadt abgibt, ist noch völlig offen.

220 Beschäftigte hatten bis Mitte 2025 im Bergisch Gladbacher Werk von Saint-Gobain Isover Glaswolle für die Gebäudedämmung hergestellt. 160 von ihnen waren im Sommer gekündigt worden, die allermeisten von ihnen sind freigestellt und werden auf der Basis einer Vereinbarung mit den Arbeitnehmer-Vertretern mit Ablauf der Kündigungsfrist im März ausscheiden, sagt Werksleiter Ralf Kramer in einem Gespräch mit dem Bürgerportal.

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Die große Wanne zur Produktion der Glaswolle sei im Sommer geleert und abgestellt worden, eine kleinere Wanne laufe jedoch weiter. Hier stellen die verbliebenden 60 Mitarbeiter Hochleistungsmineralwolle her, die zu Rohrschalen verarbeitet wird. Diese werden zur Isolierung von Rohren genutzt, durch die sehr heiße oder auch sehr kalte Stoffe fließen. Bei diesem „Ultimate“-Produkt habe Isover ein Alleinstellungsmerkmal und stoße auch international auf eine stabile Nachfrage, sagt Kramer.

Die Geschichte von Saint-Gobain Isover G+H

1878: Den Grundstein für das heutige Unternehmen Saint-Gobain Isover G+H AG, kurz Isover, legen der Chemiker Carl Grünzweig und der Kaufmann Paul Hartmann: Sie eröffnen in Ludwigshafen die „Fabrik chemisch-technischer Produkte von Grünzweig + Hartmann“.

1931: Gründung der Glaswollefabrik Glaswatte GmbH in Bergisch Gladbach. Zuvor hatte der Ingenieur Friedrich Rosengarth bei einem Kirmesbesuch in Bergisch Gladbach gesehen, wie Zuckerwatte hergestellt wurde und hatte die Idee, ein ähnliches Verfahren zu nutzen, um aus Glas Glaswatte als Dämmstoff herzustellen.

1935 steigt der französische Konzern Saint-Gobain mit 50 Prozent ein. 

1963 übernimmt Saint-Gobain die Aktienmehrheit an der Grünzweig + Hartmann AG

1972 fusionieren „Glaswatte“ und „Grünzweig + Hartmann“. 

1982 wird der 120 Meter hohe Schornstein in Bergisch Gladbach errichtet 

2000 erfolgt die Umbenennung in Saint-Gobain Isover G+H AG

Heute ist Isover nach eigenen Angaben weltweiter Markt- und Innovationsführer im Bereich Dämmstoffe. 

Daher sei diese Produktion auf absehbare Zeit gesichert, betont der Werksleiter. Gerüchte über eine Betriebsversammlung oder andere kritische Entwicklungen im Werk weist auch Unternehmenssprecher Michael Wenger zurück. Es habe in der vergangenen Woche nur einen der üblichen Werksbesuche des Managements gegeben.

Die Produktion werde laufend modernisiert, der Gas-Verbrauch optimiert, berichtet Kramer weiter. Langfristig werde Isover die Energieversorgung umstellen, um die nationalen und unternehmensinternen Klimaziele zu erfüllen. Sehr wahrscheinlich werde in Zukunft Strom eingesetzt, womöglich in Kombination mit Wasserstoff.

Das Isover-Gelände reicht von den Bahngleisen und der Jakobstraße bis zur Straße „Am Stadion“ und der Tannenbergstraße. Foto: Google Maps

Riesige Industriefläche am Rand der Innenstadt

In Bergisch Gladbach wird für die Produktion der Rohrschalen nur noch ein Teil des Geländes benötigt. Wie groß die gesamte Fläche ist, kann Kramer auf Anhieb nicht sagen; er schätzt sie auf bis zu 20 Hektar. Zum Vergleich: das gesamte Zanders-Areal ist 34 Hektar groß.

Zwar gebe es im Unternehmen erste Ideen, was künftig mit diesen Hallen und Flächen passiere. In der Frage, ob Teile der Flächen abgegeben werden, stehe man aber noch ganz am Anfang, betont Krämer. Es gebe aber einen guten Kontakt zur Wirtschaftsförderung der Stadt.

Foto: Thomas Merkenich

Zwar sei es unwahrscheinlich, dass Saint-Gobain neue Produktionslinien nach Bergisch Gladbach verlegt, sagt der Werksleiter. Die Flächen könnten aber innerhalb des Unternehmens als Lagerflächen weiter benötigt werden: „Gebäude abgeben geht schnell, aber wenn man sie dann doch für den Eigenbedarf braucht, bekommt man sie in der Regel nicht zurück.“

Das Bürgerportal verfolgt die Entwicklung der großen Bauprojekte in der Innenstadt von 2019 bis 2024 in Form einer 360-Grad-Panoramatour. Die Fortschritte lassen sich mit Hilfe eines Zeitstrahls nachvollziehen. Mit einem Doppelklick öffnet sich die Tour in einer großen Ansicht. Guten Flug!


Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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