Oft stehen Leute vor dem neuen Lokal in der Grünen Ladenstraße, spähen durchs Fenster und trauen sich dann doch nicht hinein. Das Lokal heißt „Mr. Falafel“, und neben Falafel servieren Alaa und ihr Mann Mohammad hier eine ganze Reihe weiterer hausgemachter Köstlichkeiten aus Syrien. Weil die syrische Küche den meisten Deutschen fremd ist, gibt es hier eine kleine Einführung.

Falafel – das sagt den meisten Deutschen etwas, zumindest denen der jüngeren Generationen. Wo es Döner oder Shawarma gibt, da gibt es in der Regel auch die frittierten Kichererbsenbällchen. „Viele Menschen hier essen kein Fleisch“, hat Alaa Kassar Bani Almargeh beobachtet. „Die mögen lieber Falafel.“

Deshalb haben sie und ihr Mann Mohammad Bustani das kleine Restaurant in der Grünen Ladenstraße „Mr. Falafel“ genannt. Vor gut dreieinhalb Monaten hat das Paar aus Syrien das Geschäft eröffnet, noch läuft es langsam. Als mein Mann und ich das Lokal kurz vor 13 Uhr betreten, sind wir die einzigen Gäste.

Im Hintergrund läuft arabische Musik, Alaa und Mohammad begrüßen uns freundlich. Kaum haben wir uns gesetzt, kommen eine Frau und ein Kind herein. „Kann man hier auch etwas zum Mitnehmen bestellen?“, fragt die Frau. „Natürlich“, sagt Mohammad. Sie bekommt ein Falafelbällchen zum Probieren und sieht aus, als würde es ihr schmecken.

Die meisten Gäste bestellen die Falafel-Rolle

Wir bestellen eine Auswahl aus der Karte zum Probieren. Die meisten Gerichte darauf sind Mezze, also Vorspeisen, oder Snacks, perfekt zum Teilen. Schon kurz darauf hören wir es brutzeln, bald erfüllt der Duft frisch frittierten Kichererbsenteigs den Raum. Die Küche liegt gleich hinter der Theke, man kann vom Tisch aus dabei zusehen, wie Alaa das bestellte Essen zubereitet.

Ein bisschen Geduld muss man mitbringen, dafür erhält man ganz frische Speisen.

Ich glaube, die Leute haben ein bisschen Angst, reinzukommen

Ein Mann betritt den Laden, auch er fragt, ob er hier etwas zum Mitnehmen bekommt. Die meisten Gäste bestellen die Falafel-Rolle (5 Euro), sagt Alaa später. Wenn sie sich überhaupt herein trauen. „Oft stehen Leute vor dem Schaufenster und gucken, aber ich glaube, sie haben ein bisschen Angst, reinzukommen.“

Die syrische Küche ist den meisten Deutschen fremd. Wenn überhaupt, dann kennen sie Shawarma und eben Falafel, Hummus vielleicht noch oder Taboulé.

Vermutlich würde es mir ähnlich gehen, wäre ich nicht mit einem Syrer verheiratet. Deshalb hier eine kleine Einführung in die köstliche syrische Küche – es lohnt sich, einfach mal reinzugehen und ein paar Sachen zu probieren, versprochen!

Gefüllte Weinblätter: ein Gedicht

Angefangen zum Beispiel mit den gefüllten Weinblättern (ab 2,50 Euro für 3 Stück), meinem persönlichen Favoriten im Mr. Falafel. Alaa macht sie, wie alles hier, selbst; nichts kommt aus der Dose oder dem Tiefkühlschrank. Das leicht herbe Weinblatt mit der beinahe cremigen Reisfüllung und der frischen Säure von Sumak, dazu die knackige Süße von Granatapfelkernen – diese Vorspeise ist wirklich ein Gedicht.

Auch mein Mann nickt anerkennend und vergibt „10 von 10 Punkten“. Nebenbei erklärt er, dass die nur mit Reis (und nicht auch mit Hackfleisch) gefüllten Weinblätter in Syrien eigentlich eine Fastenspeise der Christen seien, die in der Zeit vor Ostern auf Fleisch verzichten.

Als nächstes essen wir Muhammara (2,50 Euro, siehe Foto), eine Art syrische Pizza: dünnes arabisches Fladenbrot bestrichen mit Tomaten-Paprika-Soße und bestreut mit würzigen Schwarzkümmelsamen. Leicht, aromatisch, knusprig. Ein guter Snack für zwischendurch oder als Vorspeise. Gibt es auch mit Zataar (einer Würzmischung aus getrocknetem Thymian, Sumak, geröstetem Sesam und Salz, vermischt mit Olivenöl), Käse oder Hackfleisch.

Hummus, Taboulé und Baba Ghanoush

Zum Hauptgang teilen wir uns einen „Berlin Teller“ (15 Euro, siehe Foto unten), eine große Platte mit Pommes, zwei Hähnchenspießen, drei Falafelbällchen, vier Halloumi-Streifen und drei kleinen Schälchen, gefüllt mit Taboulé-Salat, Hummus und Baba Ghanoush.

Okay, fangen wir mit den Schälchen an, von oben nach unten: Taboulé ist ein (äußerst aufwendig zuzubereitender!) Salat aus sehr fein gehackter glatter Petersilie und Minze, Tomate, Bulgur und Zwiebeln mit einem Zitronen-Olivenöl-Dressing. Alaas Taboulé punktet zusätzlich mit süßen, knackigen Granatapfelkernen.

Hummus dürfte den meisten ein Begriff sein – ein Dip aus pürierten Kichererbsen, Olivenöl und der Sesampaste Tahini, meist gewürzt mit Zitronensaft, Knoblauch, Salz und Kreuzkümmel. Hier getoppt von ganzen Kichererbsen.

Baba Ghanoush – mein Favorit aus diesem Schälchen-Trio – besteht aus dem pürierten Fleisch gerösteter Aubergine, frischen roten, gelben und grünen Paprikastückchen, Zwiebel und auch hier wieder Granatapfel. Eine tolle Ergänzung zu dem rauchigen Aroma der Aubergine!

Mr. Falafel
Am Alten Pastorat 13
51465 Bergisch Gladbach Innenstadt

Geöffnet montags bis samstags von 9 bis 19 Uhr 
Sonntag ist Ruhetag

Telefon: 0162 7433289
E-Mail: info@misterfalafel.de
Website

Perfekt zubereitete Hähnchenbrust

Die zwei Dips und der Salat sind übrigens vegan, ebenso wie die Falafelbällchen. Den Teig aus Kichererbsen, Zwiebeln, Knoblauch, Petersilie und Gewürzen bereitet Alaa alle zwei Tage frisch zu, er wird anschließend geformt und frittiert.

Halloumi ist vielen aus der türkischen Küche bekannt, der halbfeste Käse wird hier in Streifen geschnitten und angebraten serviert.

Mein Highlight sind aber tatsächlich die Hähnchenspieße – und das will was heißen, denn ich esse überaus ungern Hähnchen. Das Fleisch ist lecker mariniert und unglaublich zart. Auch dafür vergibt der Mann 10 von 10 Punkten. „Hühnerbrust so zart hinzubekommen ist wirklich schwer“, sagt er, selbst leidenschaftlicher Koch.

Noch leckerer schmeckt das Huhn übrigens mit der Knoblauchmayonnaise Toum (1 Euro).

Arabischer Kaffee und Dattelbällchen

Leider reicht die Zeit nicht mehr für eine der köstlich klingenden Nachspeisen wie handgezogenes arabisches Milcheis (3 Euro) oder Qatayef, eine frittierte Teigtasche mit Käsefüllung und Zuckersirup (3 Euro).

Ein arabischer Kaffee (2,90 Euro) muss aber noch sein, ich liebe das starke Aroma mit der würzigen Kardamomnote. Dazu gibt es zwei Kugeln aus Dattelpaste, umhüllt von schwarzem und weißem Sesam.

In der Zwischenzeit hatten sich zwei weitere Männer ins Lokal gesetzt und gegessen, sie wirkten, als wären sie nicht zum ersten Mal hier gewesen. Nun hat Alaa eine Pause und setzt sich zu mir, um ein bisschen mehr zu erzählen.

Der Traum vom eigenen Restaurant

Elf Jahre ist es her, dass sie zusammen mit ihrem dreijährigen Kind, ihrer Mutter, Tante und ihrem Onkel aus Syrien floh. Ihr Mann Mohammad war drei Monate zuvor vorausgegangen.

In Deutschland angekommen, landete die Familie in Bergisch Gladbach. Alaa und Mohammad bekamen zwei weitere Kinder. Im Oktober 2023 eröffnete das Café Almondie in der Laurentiusstraße, und Alaa begann, dort in der Küche zu arbeiten. „Ich habe gebacken und Stullen zubereitet“, sagt Alaa und lächelt, „das liebe ich.“

Irgendwann machte sie Falafelstullen – und die Gäste waren begeistert.

Ich will zeigen, was es alles Leckeres in der syrischen Küche gibt!

Auch in ihrer Heimat Damaskus hatte Alaa in einem Restaurant gearbeitet. Schon immer hatte sie davon geträumt, einmal selbst eines zu eröffnen. Jetzt ist dieser Traum wahrgeworden.

Es ist Alaa anzusehen, wie stolz und glücklich sie darüber ist. Fertig ist sie aber noch nicht: Sie möchte gerne weiter ausbauen und zum Beispiel arabisches Frühstück anbieten. „Ich will meinen Gästen zeigen, was es alles Leckeres in der syrischen Küche gibt!“

Der Anfang ist gemacht. Nun liegt es an den Menschen in Bergisch Gladbach, sich zu trauen und zu probieren, was Mr. Falafel alles (jenseits von Falafel) zu bieten hat. 


Hinweis der Redaktion: Wir testen die Cafés und Restaurants anonym. Falls für die Geschichte erforderlich, geben wir uns nach dem Bezahlen zu erkennen. Die Rechnung zahlen wir selbst.

ist freie Reporterin des Bürgerportals. Geboren 1984, aufgewachsen in Odenthal und Schildgen. Studium in Tübingen, Volontariat in Heidelberg. Nach einem Jahr als freie Korrespondentin in Rio de Janeiro glücklich zurück in Schildgen.

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  1. Toll, da muss ich nicht in die große Stadt mit K fahren. Danke für die ausführlichen Infos

  2. wir haben uns inspirieren lassen von in-gl.de und waren bei Alaa. Nett, freundlich, lecker .. und preiswert. Gut, vom Imbiss-Style zum Restaurant könnte noch am Design gefeilt werden. Etwas zu hell die Beleuchtung, etwas zu kühl in dieser kalten Jahreszeit (halt die Jacke angelassen und einen Minzetee mehr getrunken) .. aber: kann was werden. Hausgemacht war es aber und mithin 9 von 10 Punkten.

  3. Wir habe heute dort eine bunte Palette an köstlichen Gerichten für uns Drei bestellt. Unglaublich lecker, frisch und allerbeste Qualität. Und dann auch noch preiswert! Wir haben die üppigen Portionen nicht geschafft. Absot empfehlenswert – wir wiederholen es auf jeden Fall.
    Britta und Frank aus Bergisch Gladbach.

  4. Gerichte gut, aber keine gemütliche Atmosphäre, viel zu kalt! Alle saßen mit Jacken an. Kommen im Frühjahr wieder.

  5. Vielen Dank für den tollen Artikel mit den verlockenden Fotos und interessanten Erklärungen!
    Und dazu noch so sympathische Besitzer
    Ich werde das Mr. Falafel beim nächsten Stadtbummel garantiert besuchen.
    Freue mich jetzt schon!

  6. Kurze Frage: Ist jetzt Samstag oder Sonntag Ruhetag. Im Artikel steht geöffnet Mo-Sa .. und dann Samstag Ruhetag….
    Danke für die Antwort