Auslaufmodell: Die alten Automaten werden ausgetauscht. Foto: Redaktion

Die Vereinigung der Händlerschaften in Bergisch Gladbach spricht sich für eine Abschaffung des Bargeld-Schachts bei den städtischen Parkautomaten aus. Zeitgemäß sei das Bezahlen per Handy-App, ergänzt durch eine Karten-Funktion.

In der Debatte über die Zukunft der Parkautomaten hat sich jetzt die Vertretung der Händlerschaft, die Vereinigten Interessensgemeinschaften Bergisch Gladbach, zu Wort gemeldet – und sich „ganz klar“ für ein Ende der Barzahlung beim Parken ausgesprochen.

Damit könne die Stadt rund 90.000 Euro einsparen, argumentiert die Vereinigung, der die Interessengemeinschaften Stadtmitte, Bensberg, Paffrath, Refrath und Schildgen angehören. Zudem hätten Apps den Vorteil der minutengenauen Abrechnung und vereinfachten den Bezahlvorgang.

Eine komplette Abschaffung der Automaten sei aber auch nicht sinnvoll, weil nicht alle Autofahrerinnen und Autofahrer, die zum Einkaufen nach Bergisch Gladbach kommen, bereit seien, eine App zu nutzen. Daher müsse es eine Alternative in Form einer Funktion für EC-Karten-, Giro- bzw. Kreditkarten geben.

Genau das hatte die Stadtverwaltung zunächst vorgeschlagen, war damit aber im Ausschuss für Infrastruktur, Umwelt, Sicherheit und Ordnung gescheitert. Der hatte, nach einer chaotischen Diskussion, mit der Mehrheit von Grünen, SPD und FWG die komplette Abschaffung der Parkautomaten beschlossen.

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Werden die Parkautomaten tatsächlich abgeschafft?

Eigentlich wollte die Stadt Bergisch Gladbach ihre Parkautomaten umrüsten, den Bargeld-Schacht entfernen und eine EC-Karten-Funktion einbauen. Bargeldzahlungen sollten nur über einen Umweg möglich bleiben. Darauf konnte sich der zuständige Ausschuss aber nicht einigen und beschloss, die teuren Automaten gleich ganz abzuschaffen. Wir erklären, wie es dazu kam, was es für die Bürger:innen bedeutet – und warum sich die CDU damit nicht abfindet.

Den Vorschlag von Grünen, SPD und FWG, die Bargeld-Zahlung über sogenannte Pickerl nach Wiener Vorbild zu ermöglichen, erwähnt die Händlerschaft nicht. Die Hoffnung der drei Fraktionen, diese Gutscheinhefte auch über den Einzelhandel vertreiben zu können, trifft dort offenbar nicht auf Gegenliebe. Zuletzt war die FWG von Grünen und SPD abgerückt und hatte nun doch für Automaten mit Kartenfunktion plädiert.

Offen stellt sich die Vereinigung der Interessengemeinschaft gegen die Haltung der CDU. Sie hat ihre Forderung nach einer „sinnvollen Kombination digitaler und analoger Bezahlmöglichkeiten“ bislang nicht konkretisiert, aber klar gemacht, dass eine Bargeldzahlung an Ort und Stelle möglich sein müsse. Eine „Zettelwirtschaft“ per Pickerl lehne sie weiterhin ab, hatte die CDU zuletzt bekräftigt.

Wer will eigentlich was?

Grüne und SPDAbbau der Automaten, Zahlen per App und bar per Pickerl
FWGNeue Automaten mit Kartenfunktion, Barzahlung per Pickerl
CDUBezahlung mit Karte, Bargeld, Handy-App
Stadtverwaltung Neue Automaten mit Kartenfunktion, Handy-App (zur Not plus Pickerl)
Vereinigung der InteressengemeinschaftenNeue Automaten mit Kartenfunktion, Handy-App

Die kontroversen Debatten im zuständigen Ausschuss für Infrastruktur, Umwelt, Sicherheit und Ordnung seien im Einzelhandel auf Unverständnis gestoßen, konstatiert die Vereinigung. Sie hoffe nun, dass bei einer der nächsten Ratssitzungen „ein wegweisender, wirtschaftlicher und zukunftsgerichteter Beschluss zum Bargeldlosen Parken auf städtischen Parkplätzen“ gefasst werden werde.

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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  1. Wieso wurde das Thema denn wieder ausgegraben? Schon bei der Veröffentlichung letzten Sommer war doch klar, dass die Meinung der Einzelhändler zum Thema völlig irrelevant ist. Deren Vertretung soll ihre Interessen verfolgen. Wie die einzelnen Bürger ihre Parkgebühren bezahlen können, gehört definitiv nicht dazu – in dieser Frage erwirbt man durch die Eigenschaft, Einzelhändler zu sein, auch keinerlei Kompetenz.

  2. Ich glaube der Einzelhandel will gar keine Kunden mehr haben. Wenn ich demnächst per App oder Karte bezahlen muss, kann ich direkt meine Einkäufe online bestellen, denn das geht auch bargeldlos.

    Senioren sollen wohl eher aus der Stadt raus bleiben?

    Denn Busse werden auch immer teurer. Vielleicht überlegt man mal über freie Busfahrten und oder kostenloses Parken für Senioren.
    Ich denke dann wäre Bargeldlos ok.

    1. Warum man bei diesen Diskussionen immer den ” rückständigen Senior ” ranziehen muss ist mir unverständlich. Ich fühle mich als Senior so langsam übelst diskriminiert.

      Als Senior bin ich vermutlich digital fitter wie 90% der hier kommentierenden.
      Versteckt euch doch nicht immer, wenn ihr selber mit der Technik nicht klar kommen wollt, hinter den angeblich rückständigen Senioren.

      Als Senior bin ich hauptsächlich Mithilfe der Apps bequem geworden.
      Sitze bequem im Trockenem im PKW. Stelle die Parkzeit in der App ein und gehe ins Café oder den örtlichen Einzelhandel.
      Ein Segen solch eine App.

      Wenns länger dauert, dann verlänger ich halt via App aus dem Café heraus die Parkzeit.

      Kostenlos Parken warum ?
      Warum sollte ich als Senior aus der Stadt bleiben…?
      Im Internet bestellen. NÖ…

      Ich informiere mich im Internet und gehe mit diesem Wissen zum örtlichen Einzelhandel und erhalte hier etwas, was das Internet mir nicht bietet – Service- und dafür zahle ich gerne etwas mehr!

  3. Die Investition in neue Automaten könnte man einsparen. Es ist KEINE Investition in die Zukunft. In 5 Jahren wird man über die heutige Diskussion lachen. Lösung für nicht smartphone-besitzende , aber autofahrende Senioren: alle ab 75 oder 80 Jahren parken kostenfrei . Nachweis mit einem Ausweis, den man sich 1x im Jahr im Bürgerbüro ausstellen lässt. Die Mindereinnahmen dürften für die Stadt zu verschmerzen sein.

    1. Und was ist mit den unter 75-Jährigen, die kein Smartphone verwenden? Die bekommen dann Parkverbot oder werden dazu verdonnert, eins anzuschaffen, weil sie als Fortschrittsfeinde bestraft gehören?

    2. Hallo Heribert Bergermann, warum soll der 75jährige sportlich aktive Senior Ihrer Meinung nach kostenfrei parken dürfen (um z.B. einen netten Cafebesuch zu genießen) während die gesundheitlich angeschlagene 74jährige Seniorin für das Parken zahlen muss (um z.B. einen Arztbesuch wahrnehmen zu können)?

  4. Diese ganze Debatte ist doch einfach lächerlich. Daher wäre es gut, wenn die Dinger einfach nie wieder existieren würden, damit wir alle nie wieder unsere wertvolle Zeit mit so etwas verschwenden muss. Und besser mal die wirklich wichtigen Probleme angehen können. Ist ja nicht so, dass wir keine hätten in unserer schönen Stadt.

    1. Hallo Paul Brings, wenn es in Bergisch Gladbach keine Parkraumbewirtschaftung gäbe würde ein jeder (Anwohner der Immenstadt, Beschäftigte in der City und Bahnfahrer nach Köln) sein Fahrzeug solange er will auf die öffentlichen Parkplätze stellen und man würde zum Einkauf keinen Parkplatz finden.

  5. Und nochmal: WOW!

    Bleibt eigentlich nur noch die Frage: Wer regiert und bestimmt in dieser Stadt tatsächlich – der gewählte Stadtrat oder der Einzelhandel? Diese Frage dürfen sich die werten Leser:innen gerne selbst beantworten und wir alle kommen wohl zu dem gleichen Ergebnis.

    Wir alle sind gespannt, ob SPD, GRÜNE und FWG weiter am „Pickerl“ festhalten werden. Denn was wir hier erleben mussten, ist ein Paradebeispiel dafür, wie Kommunalpolitik *nicht* funktionieren sollte – und wie Parteien jede Bodenhaftung verlieren können. Da werden Konzeptpapierchen geschrieben und sogar beschlossen, ohne die Betroffenen und Akteur:innen überhaupt zu fragen.

    Und als der Widerstand kam, war’s das mit der angeblich so cleveren Idee vom „Vertriebsnetz“ nach Wiener Vorbild. Übrig bleiben jetzt nur noch die städtischen Bürgerbüros – mit Öffnungszeiten und Standorten, die kaum zu den Bedürfnissen der Parkkund:innen passen – um dort „Pickerl“ auf Vorrat zu kaufen. Bürgerfreundlich geht anders.

    Der Beschluss aus dem letzten Ausschuss könnte mit der klaren Positionsbestimmung des Einzelhandels Geschichte geworden sein. Die FWG ist bereits deutlich und mit aller Kraft zurückgerudert, und SPD sowie GRÜNE sprechen vorsorglich schon von einer „Schonfrist“. Wird das Ganze in der nächsten Ausschusssitzung nun in einem Bauchklatscher auf Raten enden und begraben? Wir werden sehen, aber die Wahrscheinlichkeit ist deutlich gestiegen, denn mit dem harten Wendemanöver hat die FWG ihr Fähnchen in einen anderen Wind gedreht und findet eine neue Mehrheit. Am Ende könnte auch die anderen Folgen und Triumph und Niederlage den Platz tauschen.

    Das alles hätten sich SPD, GRÜNE, FWG und auch die CDU sparen können – wenn sie *vorher* mal mit den Betroffenen gesprochen hätten, statt mit heißer Nadel unausgegorene Traumschlösser zu basteln. Doch auch die CDU, die krampfhaft an ihren Münzen festhalten wollte, liegt daneben: Auch das wollen die Händler:innen nicht mehr.

    Wer die Verlierer sind stand aber schon bei allen Konzepten fest, denn es sind die Bürger:innen, die weiter der Parkraumbewirtschaftung draufzahlen müssen!

    Am Ende läuft es vielleicht auf eine Minimallösung mit neuen EC-Automaten hinaus. Aber ist das wirklich ein Kompromiss zwischen Kundenfreundlichkeit und Minimalkosten? Viel Lärm um fast nichts.

    Und anstatt endlich eine maßvolle, kostenrealistische Reform der Parkgebühren anzugehen – mit kaufmännischer Logik und sozialer Verantwortung – bleibt es wahrscheinlich bei einer klimafeindlichen, ungerechten und unsozialen Parkstrategie. Die sehr hohen tatsächlichen Kosten für den Betrieb Parkplätze werden den städtischen Haushalt weiter schwer belasten. Die Münzleerung war nur ein kleiner Teil der tatsächlichen Betriebskosten.

    Damit hat die Autolobby – gemeinsam mit SPD, CDU, GRÜNEN und FWG – ihr Ziel und Wunsch nach niedrigen Parkgebühren immerhin erreicht und sich einmal mehr durchgesetzt. Wir sind eben in Bergisch Gladbach. Und wer ehrlich ist, konnte wohl kaum mit einer klimagerechten, finanz- und sozialpolitisch sinnvollen Entscheidung rechnen oder erwarten.

    Nach 25 Jahren viel zu niedriger Parkgebühren dürfen die Bürger:innen wohl weitere tatenlose Jahren lang den Autoverkehr subventionieren. Und der städtische Haushalt bleibt belastet – durch eine mutlose Fehlkalkulation und einseitige Lobbypolitik. Für wichtige Aufgaben wie Jugendzentren, Schulen, Kitas oder Klimaschutz heißt es weiterhin: bitte hinten anstellen!

    Ein Rückschlag bedeutet nicht, dass das Ziel verloren ist. Also: Ab in die nächste Runde!


    Um dem „Disclaimer“ der Redaktion zuvorzukommen, stelle ich fest, dass auch dieser Kommentar eine rein private und menschliche (ohne KI geschriebene) Meinungsäußerung und keine Pressemitteilung einer Partei ist. Über meine aktive Rolle bei der Partei Die Linke in der Region können sie sich durch Klick auf den Namen über den Kommentar umfassend inkl. Ämter, Mandate, politischen Lebenslauf und Daten informieren.

  6. Lieber Redaktion Bürgerportal,

    Sie schreiben, SPD, Grüne und FWG würden sich für EC-Automaten starkmachen – verschweigen dabei aber geflissentlich, dass alle drei ursprünglich gar keine EC-Automaten wollten und weiter stur an der völlig überholten „Pickerl“-Lösung festhalten. So wurde es besdhlossen, wie nachzulesen ist. Es gibt keine anderen Beschlüsse im Rat udn tatsächlich haben SPD, GRÜNE udn FWEG diesen Vorschlag aus der Verwaltung für EC-Automaten blockiert. Verdrehen sie bitte nicht die Tatsachen!

    Ihr Beschreibung und Berichterstattung ist schon sehr grotesk, denn erst jetzt rudern GRÜNE, FWG und SPD hektisch und wild zurück – aber das Bürgerportal hält unbeirrt Kurs auf Kuscheljournalismus und verklärt die tatsächliche Ausgangslage. Nennt man das bei Ihnen neutralen Journalismus – wenn man zentrale Fakten einfach ausblendet?

    Besonders absurd wird es bei der FWG: Erst strikt gegen EC-Automaten, dann plötzlich dafür – und gleichzeitig für Pickerl. Eine politische Wundertüte, die offenbar für alles und nichts steht. Beliebiger und noch teurer geht’s kaum.

    Das Ergebnis? Seit heute offiziell: Der Einzelhandel winkt ab. Kein Interesse, Pickerl zu verkaufen, keine Kapazitäten, keine Lust auf unausgegorene Ideen aus der Lokalpolitik. Es gibt also keine Verkaufstsellen fpr “Pickerln” und damit ist die Idee gestorben

    Was bleibt, ist ein Vorschlag von FWG, SPD, GRÜNEN, der von Anfang an weder durchdacht noch praxistauglich war – und nun in sich zusammenbricht wie ein schlecht gebautes Kartenhaus. Für SPD, Grüne und FWG ist das ein handfester und krachender Reinfall.

    Und die FWG? Die kann man angesichts ihres Zickzackkurses wohl getrost zum rot-grünen Lager zählen – frei und unabhängig ist daran längst nichts mehr.

    Was wir hier erleben, ist das klassische Ergebnis von Politik ohne Bodenhaftung: Vorschläge aus dem Elfenbeinturm, fern der Realität, fern der Betroffenen. Keine Gespräche mit dem Einzelhandel, keine Rückkopplung mit der Praxis – stattdessen hektischer Aktionismus und Flickwerk, das weder tragfähig ist noch jemand will.

    Vielleicht wäre es hilfreich gewesen, vorher mit den Beteiligten und Akteuren zu sprechen – statt Ideen zu beschließen, die schon bei der Umsetzung in sich zusammenfallen. Jetzt haben wir den Salat: einen Scherbenhaufen, politische Peinlichkeiten – und jede Menge offene Fragen.

    Vom Bürgerportal wünsche ich mir an dieser Stelle nicht mehr als das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte: eine vollständige, ehrliche und kritische Berichterstattung – keine weichgespülte PR für gescheiterte Konzepte.
    Danke!

    Ihre Hanna

    1. Sehr geehrte Frau Freitag, auf welchen Text beziehen Sie sich? Wir haben nicht geschrieben, „SPD, Grüne und FWG würden sich für EC-Automaten starkmachen“. Wir verweisen – den Tatsachen entsprechend – lediglich darauf, dass sich die FWG nun für die Karten-Funktion ausspricht, dazu gibt es auch einen eigenen Beitrag der FWG.

      Dem Rest Ihres Kommentars können wir daher nicht folgen.