Die Umwandlung der alten Stadthäuser könnten das Leuchtturmprojekt der Bürgergenossenschaft für Wohnraumschaffung werden. Foto: Thomas Merkenich

Mehr als 25 engagierte Bürgerinnen und Bürger kamen am Montag zu einem ersten Treffen der Bürgergenossenschaft für Wohnraumschaffung i.G. Bergisch Gladbach zusammen. Sie setzen sich für den Erhalt historischer Stadthäuser und für neue Wohnmodelle ein – mit persönlicher Motivation und fachlicher Expertise, u.a. aus Architektur, Stadtplanung, Bauingenieurwesen, Projektentwicklung sowie der Immobilien- und Finanzwirtschaft.

Ziel des ersten Treffens im FreiRaum des Bürgerportals war es, die nächsten Schritte zur Gründung einer neuen Wohnraumgenossenschaft zu diskutieren und den Erhalt der historischen Stadthäuser als Priorität 1 und mögliches Leuchtturmprojekt auf den Weg zu bringen. In konstruktiver Atmosphäre wurden erste Ideen entwickelt sowie konkrete Wege für einen erfolgreichen Start der Genossenschaft erörtert.

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Ein zentraler Konsens des Abends: Die historischen Stadthäuser besitzen eine hohe identitätsstiftende Bedeutung für das Stadtbild und sollen nach Möglichkeit erhalten und einer zukunftsfähigen Nutzung zugeführt werden. Sie gelten als beispielhaftes Projekt für gemeinschaftlich getragenen, nachhaltigen und bezahlbaren Wohnraum.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass die Genossenschaft von Beginn an breiter aufgestellt sein soll. Neben den Stadthäusern wurden weitere Themenfelder benannt:

  • Nutzung von Leerständen
  • Umbau und Weiterentwicklung von Bestandsimmobilien
  • Schaffung bezahlbaren Wohnraums
  • Mehrgenerationenwohnen
  • gemeinschaftlich organisierte Wohnformen

Für die Stadthäuser wurden drei prioritäre Arbeitsbereiche definiert:

  1. Finanzierung und Wirtschaftlichkeit
  2. Architektonisches und städtebauliches Konzept
  3. Öffentlichkeitsarbeit und politischer Dialog

Darüber hinaus werden folgende sieben Hauptarbeitsgruppen gemäß Organisationsstruktur weiter aufgebaut und besetzt:

  • Hauptarbeitsgruppe 1: Medien · Öffentlichkeit · Kommunikation
  • Hauptarbeitsgruppe 2: Immobilien · Bestandsverwaltung
  • Hauptarbeitsgruppe 3: Notar · Recht · Satzung
  • Hauptarbeitsgruppe 4: Finanzen · Steuern
  • Hauptarbeitsgruppe 5: Architektur & Technik
  • Hauptarbeitsgruppe 6: Organisation · Beschaffung · Externe
  • Hauptarbeitsgruppe 7: Soziales · Gemeinschaft · Mitgliederbelange

Der Aufbau von Quartiers-Beiräten in den einzelnen Stadtteilen ist Bestandteil dieser Struktur. Sie sollen als lokale Ansprechpartner wirken, Bedarfe aufnehmen und die Bürgerbeteiligung dauerhaft verankern.

Als nächster Schritt soll gezielt der Dialog mit der lokalen Politik gesucht werden, um Unterstützung für eine genossenschaftliche Lösung zu gewinnen und tragfähige Rahmenbedingungen zu schaffen.

Die Initiatorinnen und Initiatoren zeigten sich optimistisch: Das breite Fachwissen der Teilnehmenden und das große Interesse aus der Bürgerschaft bilden eine starke Basis für die weiteren Schritte. Weitere Treffen sowie die Ausarbeitung eines konkreten Gründungskonzepts sind bereits in Planung.

Engagierte Bürgerinnen und Bürger mit Motivation und Begeisterung für ihre Stadt – ebenso wie Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die sich fachlich oder organisatorisch einbringen möchten – sind ausdrücklich willkommen und können sich per E-Mail melden unter: BGL-GfW@t-online.de

„Die Genossenschaft lebt vom Mitmachen. Wer Engagement, Ideen oder auch fachliche Kompetenz einbringen möchte, ist herzlich eingeladen, sich zu beteiligen“, so Initiator Johannes W. Ditsche.

Die Bürgergenossenschaft für Wohnraumschaffung i.G. Bergisch Gladbach setzt sich für den Erhalt der alten Stadthäuser und für neue Wohnmodelle ein. Kontakt: BGL-GfW@t-online.de

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  1. Wenn ich als Rentnerin ein Einkommen von 1100 € habe, kann ich mir selbst eine kleine Wohnung ohne Tranferleistungen nicht leisten.

  2. Zur Wohnraum Genossenschaft . Ganz klar Daumen hoch
    Zum Stadthaus an sich: warum lässt man nicht die Mitarbeiter vorläufig in ein anderes Gebäude ziehen- renoviert das Stadthaus und dann alle Mitarbeiter wieder zurück ziehen. Denn diese Büros wie Bürgerbüro und sonstige gehören in die Stadtmitte und nicht an den Stadtrand.

    1. Na ja, was man so Stadtmitte und Stadtrand nennt. Für eine große Zahl von Bürgern Bergisch Gladbachs ist die sogenannte „Stadtmitte“ weit weg und für knapp die Hälfte der Einwohner nur über zwei ständig verstopfte Straßenverbindungen erreichbar. Das, was Sie als „Stadtrand“ bezeichnen, liegt geografisch sogar etwas zentraler als das alte Stadthaus (und von dem etwa 5-10 Gehminuten entfernt).

  3. Was sind mehr als 25 engagierte Bürger und Bürgerinnen? 26 oder 40 oder 100? Wie groß war der Kreis der Interessenten tatsächlich?

    1. Vielen Dank für die Nachfrage.

      Beim ersten Treffen waren 27 Personen anwesend. Weitere acht Interessierte hatten sich im Vorfeld verbindlich gemeldet, konnten jedoch krankheitsbedingt, urlaubsbedingt oder aufgrund nicht verschiebbarer Termine nicht teilnehmen.

      Für ein erstes Auftakttreffen einer Initiative in Gründung ist das ein sehr ermutigender Start. Weitere Rückmeldungen sind inzwischen hinzugekommen.

      Entscheidend ist für uns nicht die reine Zahl, sondern das konkrete Engagement der Bürgerinnen und Bürger und die fachliche Breite, die dieses Projekt von Beginn an trägt.

      Wer sich selbst ein Bild machen oder aktiv einbringen möchte, ist herzlich eingeladen, an einem der nächsten Treffen teilzunehmen. Die Genossenschaft lebt vom Mitmachen – unsere Treffen sind offen für alle, die konstruktiv mitarbeiten möchten.

      Danke!

  4. Bergisch Gladbach hat sicher viele Probleme und Themen zu lösen. Eines der gravierenden Probleme ist der Mangel an bezahlbaren Wohnraum. Viele Familien können sich einen Quadratmeterpreis von €15,00 oder mehr einfach nicht leisten.

    Die Stadthäuser für Wohnzwecke umzubauen um damit mehr und auch bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, ist eine der richtig guten Lösungsideen.

    Die Stadthäuser haben zudem eine gute zentrale Lage und gute Infrastruktur. Ein perfektes “Filetstück” zum Wohnen.

    Ein Abriss dieses intakten Gebäudekomplexes wäre gesellschaftlich fatal. Hinzu kommt noch der ökologische Schaden.

    Meine Bitte an den Rat der Stadt, bitte verhindern Sie einen Abriss und setzen Sie sich für eine Nutzung zu Wohnzwecken ein, unterstützen Sie die Idee einer genossenschaftlicher Nutzung.

    1. Aktueller Blick auf Immoscout.
      51429
      Wohnung bis 100qm und 1200€ kalt. Ergebnis 51 Angebote. (Ab 1200 nur 9 Stück)
      51427
      101 Stück bis 1200 // 26 Stück ab 1200

      Wo haben wir ein Problem mit bezahlbarem Wohnraum?
      Weil die für einen selbst perfekte Wohnung, Neubau, mit kurzem Arbeitsweg nicht für 600€ zu bekommen ist?

      Wenn teure Wohnungen gebaut werden ist es doch völlig in Ordnung, denn die neuen Bewohner machen ältere, günstigeren Wohnraum frei.

      1. 2 Arbeitnehmer in Vollzeit im Mindestlohn und 2 Kindern können sich eine Wohnung für 1.200 kalt leisten? Sind Sie sich da sicher?
        Bezahlbarer Wohnraum bedeutet nicht zwingend Sozialwohnungen, die Sie mit einer Miete von €600,– unterstellen.
        Übrigens, wenn Sie eine 4-Zimmer Wohnung für eine 4köpfige Familie bis 1200,– in Bergisch Gladbach bei Immoscout suchen, gibt es 3 Angebote. Ihre Suche mit den vielen Treffern beinhaltet auch 1 oder 2 Zimmer und auch Wohnungsgrößen ab 1qm.

      2. Herr Petersen:
        Einnahmen pro Monat (grobe Schätzung):
        Lohn 1 (netto): ~1.750 €
        Lohn 2 (netto): ~1.750 €
        Kindergeld (2 Kinder): ~518 €
        Kinderzuschlag (falls berechtigt): ~200–600 € *
        Wohngeld (falls berechtigt): ~150–500 € *
        Gesamtnetto könnten realistisch ca. 3.500–4.800 €+/Monat sein,

        Ja, man kann sich eine Wohnung für 1.200€ leisten.

      3. Das wird jedenfalls sehr knapp. Mit zwei Vollzeitbeschäftigten zum Mindesstlohn kommt man bei 220 Arbeitstagen auf eine Jahresbruttosumme von 45.126 Euro (12,82 Euro x 8 Stunden x 220 Tage). Netto sind das in Steuerklasse 4 knapp 30.000 Euro, also etwa 2500 monatlich. Wenn man mit 300 Euro Nebenkosten rechnet, bleiben vom Gehalt noch 1000 Euro monatlich übrig, dazu kämen (laut Wohngeldrechner NRW) noch 442 Euro Wohngeld. Da bleiben also 1442 Euro für den Lebensunterhalt von 4 Personen.

      4. mit 4 Deutschlandtickets bleiben 1200€ für Lebensmittel und Kleidung.

        Und wer sagt, dass man zu viert 100qm braucht. Haben ist schön, aber dann sollte man nicht zwei ML-Empfänger sein. So böse, wie sich das anhören mag.

      5. Wir sollten uns in der Diskussion zunächst auf Bergisch Gladbach mit seinen Stadtteilen konzentrieren – auch wenn vergleichbare Entwicklungen natürlich auch in anderen Regionen sehr aktuell sind.

        Es zeigt sich deutlich: Geeignete Wohnungen für einen 4-Personen-Haushalt im bezahlbaren Segment sind nur in sehr geringer Zahl vorhanden. Das Problem ist konkret – passende Wohnungen für Familien sind knapp.

        Gleichzeitig wird dem demographischen Wandel nicht ausreichend Rechnung getragen. Die Wohnform von ca. 45–55 m², barrierefrei und altersgerecht, wird dringend benötigt, ist jedoch kaum verfügbar. Genau diese Wohnungen müssten in ausreichender Zahl entstehen. Erst dann hätten ältere Menschen eine reale Möglichkeit, aus ihren bisher großen Wohnungen in eine ihrem Lebensabschnitt passende Wohnfläche zu wechseln.

        Ohne dieses Angebot bleibt der häufig zitierte „Freizug-Effekt“ eine theoretische Annahme.

        Danke!