Ein Polizist kontrolliert Autofahrer, die verbotenerweise in die Schulstraße Im Grafeld einfahren. Foto: Redaktion

Um das hohe Aufkommen von Elterntaxis rund um die Grundschulen in Hand einzudämmen, hat die Stadt drei Schulstraßen eingerichtet. Autos dürfen in den Bring- und Abholzeiten nur mit Ausnahmegenehmigung einfahren. Einige Eltern halten sich allerdings nicht daran und ignorieren das Verbot, wie ein Besuch vor Ort zeigt.

Die Ausreden sind immer die gleichen: „Wir sind so spät dran“, „Das ist heute eine Ausnahme“, „Mein Kind ist krank, daher musste ich es fahren“. Der Polizist hat diese Ausreden schon dutzendfach gehört. Gelten lässt er sie nicht. „Auch wenn hier keine Absperrungen und Helfer mehr stehen, ist es verboten reinzufahren“, sagt er und kassiert 50 Euro von einer Frau.

+ Anzeige +

Die Mutter ist verbotenerweise von der Handstraße in die Straße Im Grafeld gefahren – in eine von drei Schulstraßen, die seit Januar im Umfeld der beiden Grundschulen GGS und KGS Hand und der Kita Rasselbande eingerichtet wurden, um die Zahl der Elterntaxis zu reduzieren und die Verkehrssicherheit für Kinder zu erhöhen.

Keine Absperrbaken mehr

Die Frau zeigt sich einsichtig, zahlt die Strafe ohne Diskussion. Eine Ausrede hat sie trotzdem parat. „Meinem Kind tut der Fuß weg. Normalerweise fahre ich ihn nicht vor die Schule“, erklärt sie. „Sie tun Ihrem Kind damit keinen Gefallen. Hier wird eine Generation erzogen, die es nicht mehr gewöhnt ist, mal eine Strecke zu Fuß zu laufen“, mahnt der Polizist.

Mehr zum Thema

Drei Schulstraßen sollen Eltern in Hand zur Vernunft bringen

Elterntaxis stellen für Kinder die größte Gefahr auf dem Schulweg dar. Am Dienstag sind in Hand drei Schulstraßen eingerichtet worden, um die Sicherheit rund um die beiden Grundschulen und die Kita zu erhöhen – zunächst als Verkehrsversuch. Eltern in Warnwesten kommt dabei eine besondere Rolle zu.

Es ist Aschermittwoch und einer der ersten Tage, an denen keine Eltern mehr im Dienst sind, um Absperrbaken auf die Straße zu stellen und so andere Eltern am Einfahren in die Schulstraßen zu hindern. 

Ursprünglich waren diese Elterndienste zu den Bring- und Abholzeiten nur für die ersten drei Wochen des Verkehrsversuchs vorgesehen. Weil aber etliche Eltern weiterhin verbotenerweise in die Schulstraßen fuhren, wurden diese Dienste bis Karneval verlängert.

Eltern als Helfer:innen im Einsatz

„Es war allerdings zunehmend schwerer, die Elterndienste zu besetzen“, berichtet Barbara Dortmann, Schulleiterin der GGS Hand. Sechs Personen waren dafür jeden Tag nötig: Morgens und nachmittags waren jeweils drei Eltern für eine Dreiviertelstunde an der Sankt-Konrad-Straße, Im Grafeld und am Heimstättenweg im Einsatz. KGS und GGS hatten sich die Dienste im Vorfeld in Vormittags- und Nachmittagsschichten aufgeteilt. 

Die grünen Markierungen zeigen die Stellen, an denen die neuen Verkehrsschilder stehen. Screenshot: OpenStreetMap
Zur Sache: Schulstraßen in Hand

Die drei Straßen Im Grafeld, Sankt-Konrad-Straße und der Heimstättenweg sind montags bis freitags jeweils zwischen 7.30 und 8.15 Uhr sowie zwischen 14.30 und 15.15 Uhr für den Autoverkehr gesperrt. Anwohner:innen, Mitarbeitende der Schulen, der Kita und der OGS sowie Handwerker:innen haben Ausnahmegenehmigungen

Verkehrsschilder an den Kreuzungen Im Grafeld/ Handstraße, Im Grafeld/ Dellbrücker Straße und Heimstättenweg/ Handstraße weisen auf das Verbot hin und weisen die entsprechenden Zeiten aus. 

Bei den Schulstraßen in Hand handelt sich um einen zwölfmonatigen Verkehrsversuch. Er wird von der Stadt eng begleitet und evaluiert. Auf Grundlage der Erkenntnisse soll entschieden werden, ob und in welcher Form eine dauerhafte Regelung kommt. 

Die erste Schulstraße in Bergisch Gladbach ist – ebenfalls als Verkehrsversuch- Anfang September im Umfeld der KGS In der Auen gestartet. Die Einführung bewertet die Verwaltung bislang als erfolgreich.

„Ich hätte vorher nicht damit gerechnet, dass manche Eltern so frech und unbelehrbar sind“, sagt Dortmann. Immer wieder habe sie beobachtet, wie einige einfach an den Absperrbaken und den Helfer:innen mit den neonfarbenen Warnwesten vorbeigefahren seien – „Mit den Kindern hinten drin. Dabei haben sie doch eine Vorbildfunktion!“ 

Manche Eltern fahren ihr Kind direkt vor die Schule. Foto: Redaktion

Insgesamt habe sich die Verkehrssituation vor den Schulen durch die Schulstraßen schon stark verbessert, findet Dortmann. Sie berichtet von vielen Eltern, die ihr Kind nun nicht mehr mit dem Auto bis vor die Schule fahren. „Die meisten halten sich an die neue Regelung.“ 

So nimmt das auch Lisa Schöffel wahr. Sie ist Mutter eines Schulkindes an der GGS Hand und Mit-Initiatorin der Schulstraßen. „Wir Eltern erleben eine deutliche Entspannung rund um die Schulen.“ 

Verbotsschilder werden ignoriert

Doch es gibt auch die Unbelehrbaren, die die Verbotsschilder ignorieren. „Das sind diejenigen, die ihr Kind am liebsten in die Klasse bringen möchten“, berichtet die Schulleiterin. Daher ist sie froh, wenn die Polizei vor Ort ist und Knöllchen verteilt: „Dann funktioniert es besser.“ 

Auch an diesem Tag bremsen einige Autofahrer:innen ab, als sie den Polizisten in neongelber Weste sehen. Sie halten an, lassen ihr Kind auf der Handstraße aussteigen oder halten auf dem Parkplatz der Gaststätte „Zum weißen Pferdchen“. Manche Eltern begleiten ihre Kinder zu Fuß, viele Kinder laufen allein oder in Gruppen oder fahren mit dem Rad. 

Diskussion und Drohung

Ein SUV-Fahrer biegt in flottem Tempo in die Straße Im Grafeld. Kurz vor dem Schulgelände stoppt er. Unfreiwillig. Der Polizist tritt auf die Straße und an sein Seitenfenster. Der Mann lässt seinen Sohn aussteigen und beginnt eine Diskussion, droht mit seinem Anwalt. 

Er habe selbst dabei geholfen, die Absperrbaken aufzustellen. „Warum werde ich jetzt bestraft?“, fragt er. „Sie wissen also, dass es eine Schulstraße ist und handeln vorsätzlich. Das kostet dann 100 Euro“, sagt der Polizist. „Ich dachte, das wäre nur für eine Woche“, behauptet der Mann. Sein Sohn steht auf dem Gehweg und beobachtet die Szenerie mit grimmigem Gesicht. „Wir sehen uns vor Gericht“, ruft sein Vater dem Polizisten zu, nachdem dieser seine Personalien aufgenommen hat. 

Die Kreuzung Handstraße/ Im Grafeld ist aus Sicht des Polizisten die kritischste des Verkehrsversuchs. Am Heimstättenweg habe er zuletzt keinen einzigen Verstoß festgestellt, obwohl dort weder Absperrungen noch Helfer:innen im Einsatz waren.

Neue Gefahrenstelle

Das ist auch die Erfahrung von Lisa Schöffel. An besagter Kreuzung sei „eine neue Gefahrenstelle entstanden“: Vor allem morgens sei die Situation unübersichtlich. „Viele Eltern halten direkt vor den Baken, um ihre Kinder rauszulassen“, andere parkten vor dem Restaurant „und rangieren rückwärts auf dem Bürgersteig“. 

Auch das ist an Aschermittwoch mehrfach zu beobachten. Nach den ersten Schulstraßen-Wochen hat Schöffel Eindrücke aus der Elternschaft beider Grundschulen gesammelt und an die städtische Mobilitätsabteilung geschickt. Demnach bringen manche Eltern ihre Kinder zu Fuß an der Gefahrenstelle an der Kreuzung vorbei. Ihre Autos parken sie währenddessen an der Handstraße. 

„An der Handstraße braucht es daher dringend weitere Elterntaxihaltestellen oder Parkplätze“, lautet eine Forderung an die Stadt. Außerdem sollten aus ihrer Sicht die Schulstraßen-Zeiten nach hinten ausgedehnt werden: „Zwischen 15.15 Uhr und 15.30 Uhr sind ebenfalls noch viele Kinder unterwegs.

Manche Eltern scheinen bis 15.15 Uhr zu warten, um dann mit dem Auto einzufahren“, so die Erfahrung der Mit-Initiatorin. Außerdem wünscht sie sich auch künftig stichprobenartige Kontrollen der Polizei.

Weniger Bring- und Holverkehr

Auf Nachfrage teilt die Stadtverwaltung mit, dass derzeit geprüft werde, „ob und in welcher Form die bestehenden Hol- und Bringzonen erweitert oder angepasst werden“. Den bisherigen Verlauf des Verkehrsversuchs bewertet sie positiv: „Bereits in den ersten Wochen hat sich die Situation unmittelbar vor den Schulen spürbar verbessert.“ Weniger Bring- und Holverkehr sorge für mehr Übersichtlichkeit und damit für mehr Sicherheit der Kinder. 

Gleichzeitig betont die Stadt, dass das Einfahren in die Schulstraßen mit Ausnahmeregelungen auch künftig erlaubt sei. Es gehe nicht darum, den Autoverkehr dort vollständig zu unterbinden. Rückmeldungen aller Beteiligten – Schulleitungen, Elternhelfer:innen und Polizei – fließen demnach fortlaufend in die Bewertung des Verkehrsversuchs ein.

„Wie im gesamten Straßenverkehr wird es auch hier nicht möglich sein, jeden einzelnen Verstoß zu ahnden“, heißt es weiter. Kontrollen der Polizei sollen aber weiterhin „konsequent“ stattfinden und bei Bedarf verstärkt werden.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

27

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Anzeigen können ganz einfach über weg.li gemacht werden. Foto hochladen, Daten eingeben und Anzeige ist bei der Ordnungsbehörde.

  2. 6 km in der Früh an der stark befahrenen Landstraße bei Kälte,Nebel, Schnee, Regen, Dunkelheit und sommerlicher Hitze zur Schule hin und am Mittag wieder retour.

    I.d.R. mit dem Fahrrad ohne Gangschaltung. Die Schule lag ca. 160 mtr. höher.
    Ausser die Strasse war gefroren. Dann halt zu Fuß.
    An einem Schneetag hatte ich mal die lange Kette von unsere Standuhr gemopst und mir daraus eine Kette für die Fahrradreifen gebastelt.
    Hat ca 2 km gehalten.

    Wir trafen unterwegs die Kumpel aus dem Nachbardorf. Die Ärmsten hatten dann schon 3 km hinter sich.
    Waren aber immer noch bereit für irgendeinen Unsinn, den man unterwegs anstellen konnte.
    Auf dem Weg gab es bei manchen netten Eltern anderer Schüler, wenn es sommerlich heiss war, Wasserstationen.
    Einfach klingeln und wir bekamen ein Glas Wasser, manchmal sogar mit frisch gepressten Apfelsaft. Ein Träumchen.

    Wir haben es alle überlebt. Keiner war fettleibig.
    Wir waren gesund, sportlich und fröhlich und die Wege und Erlebnisse durch alle Jahreszeiten machten Spaß.
    Wir entdeckten unterwegs Rehe, Füchse, Wildschweine, ausgebüxte Rinder, Störche, das Singen der Vögel.
    Jeder Schultag begann und endete mit Abenteuern an der Landstraße und in den Dörfern, durch die wir kamen.

    Wenn manche Eltern wüssten, was sie alles ihren Kindern vorenthalten.

    Wir hatten zu Hause auch 2 PKW. Vater einen großen Dienstwagen. Mutter einen kleinen BMW 700.

    Auf die Idee uns zur Schule zu fahren, wären die allerdings nie gekommen.
    Wir waren schließlich keine Bewegungslegasteniker und sollten uns gesund entwickeln.

    Auf die Idee einem Lehrer oder dem Ordnungshüter ein hilfloses ” Sie hören von meinem Anwalt” entgegenzukrähen wären die ebenfalls nie gekommen.

    Diese Töne habe ich erst viel später als Erwachsener von irgendwelchen armseligen Zeitgenossen gehört.

  3. „Wir sehen uns vor Gericht“ scheint die Erwachsenen-Variante von „Der hat mir mein Förmchen geklaut“ zu sein.

  4. Diese unbelehrbaren Eltern habe ich als ehemaliger Hausmeister einer Grundschule vor 25 Jahren jeden Morgen beobachtet. Mittlerweile dürften die damaligen Kinder die heutigen Eltern sein. Sie haben es ja nicht anders gelernt.
    Über die dummen Ausreden könnte ich ein Buch schreiben.
    Hier nur ein Beispiel, zehn Minuten zu spät wurde das Kind mit der Brötchentüte vom Bäcker vor der Schule rausgelassen, während die Mutter im Morgenmantel im Auto saß.
    Die Knöllchen können nicht hoch genug ausfallen.

    1. Hier in der Nähe ist ein Kindergarten. Die Eltern kommen auf den Parkplatz gebrettert, dass man schon von einem kleinen Wunder sprechen kann, dass dabei noch kein Kind unter die Räder gekommen ist. Sie parken Feuerwehrzufahrten zu. Als es einen Feuerwehreinsatz im Kindergarten gab, begannen manche Eltern eine freche Diskussion mit den Feuerwehrleuten, warum man dort geparkt hat. Dass es letztendlich das eigene Kind schützt, wenn die Feuerwehr rechtzeitig am Ort ist, schien nebensächlich. Eigentlich wäre es lustig, wenn die Kinder nicht die leidtragenden wären.

      1. Da hilft leider nur eins. Als Privatperson eine Anzeige bei der Stadt aufgeben. (Ort, Zeit, Name und Anschrift mitteilen und als Beweis ein Foto anhängen.) Halten/Parken in der Feuerwehrzufahrt wird mit mindestens 48,50 Euro “belohnt”. Da überlegt ein Verwarnter, ob er sich das wiederholt leisten kann und will.

  5. Wir sind früher immer zu Fuß zur Grundschule gegangen und es waren manchmal bis zu 20 Minuten. Man traf sich auf dem Schulweg mit Klassenkameraden und ging gemeinsam. Heute am besten mit dem Auto direkt in den Klassenraum und am Platz rauslassen.

    Uneinsichtige Eltern härter bestrafen. Es ist bedauerlich, dass die Polizei den fließenden Verkehr überwachen muss und somit das Personal an anderer Stelle fehlt. Was wird aus Deutschland, wenn diese Generation ins Berufsleben wechselt. Armes Deutschland kann man da nur sagen.

  6. Es ist schade, dass so negativ über Eltern gesprochen wird. Mein Kind geht zu einer Schule an der die Situation ähnlich ist und ich bin heilfroh, dass es dort noch keine Schulstraße gibt. Auch wenn mein Sohn laufen würde und um 6.00Uhr aufstehen hätten wir Probleme beim Abholen. Bis das Kind zu Hause wäre nach der OGS wäre es so spät, dass Sport, Freunde Treffen und andere Dinge nicht mehr möglich wären.

    OGS Ende um 15.00 ist heute Standard. Zu unserer Schulzeit war das Ende je nach Tag 11.30-13.10Uhr. Man kann das wirklich nicht vergleichen. Und ja, ich lasse mein Kind ungern heutzutage am Waldrand im Dunkeln laufen. Und ja, früher hat man das gemacht. Aber manchmal wird man auch schlauer und möchte sein Kind nicht bei Aktenzeichen xy vermisst wissen.

    Im Urlaub am der Nordsee, wo wenig Verkehr und viel übersichtliche Fläche ist, ist mein 6jähriger alleine unterwegs, das heißt aber noch lange nicht, dass man sein Kind in der Stadt an einer Stelle laufen lassen muss, wo teils parkende Autos mit 50Sachen angefahren werden. (Ist uns so passiert) Was wäre gewesen, wenn das nicht mein Auto, sondern mein Kind gewesen wäre. Möchte mal sehen, wie schnell alle die hier zu Fuß gehen einfordern ruhig werden. Ein Auto kann man ersetzen, ein Kind nicht.

    Es wäre besser den Eltern zu Helfen mit mehr Haltestellen und solche Zentren besser zu planen. Zwei Schulen und ein Kiga in so einer kleinen Straße ist eine krasse Fehlplanung. Da ansetzen wäre besser als Elternbashing zu betreiben und Knöllchen zu verteilen.

    1. Hallo Diffi, tatsächlich, früher war um etwa 12.30 Uhr Schulschluß. Dann ging es für die Kinder zu Fuß nach Hause. Dort wurden nach dem Mittagessen die Hausaufgaben gemacht. D.h., ab etwa 15.00/15.30 Uhr war Spielzeit angesagt.
      Heute ist es anders, die Kinder sind bis etwa 12.30 Uhr in der Schule, im Anschluß dann Mittagessen in der OGS und dort werden dann auch die Hausaufgaben gemacht. Folgend daran dann Spielzeit in der OGS mit den Freunden.
      Also viel anders ist es mit der Freizeit/Spielzeit der Kinder zwischen früher und heute auch nicht.

    2. Menschen / Eltern wie Sie, die die Ursache allen Übels gerne woanders, nur nicht im eigenen Verhalten suchen, sind der Grund, warum es Schulstraßen geben und das Ignorieren selbiger sowie z.B. Falschparken konsequent geahndet werden muss.

      Diese – meist aus Bequemlichkeit, seltener aus Unwissenheit – Regelverstöße behindern und gefährden mittlerweile im großen Stil vor allem andere Kinder. Das Beispiel im Artikel zeigt leider allzu deutlich, wie uneinsichtig und vorsätzlich so mancher agiert. Schulstraßen (temporäre Durchfahrtsverbote) sind genau die ordnungspolitische Antwort auf diese Uneinsichtigkeit. Wenn Appelle an die Vernunft scheitern, folgen bauliche oder rechtliche Barrieren.

      Es ist paradox, wenn Eltern ihr eigenes Kind durch das “Bringen mit dem Auto” schützen wollen, dabei aber durch Wendemanöver und zweite-Reihe-Parken die Kinder gefährden, die zu Fuß oder mit dem Rad kommen.

      Einen Schulcampus als “krasse Fehlplanung” und damit als ursächlich für die Problematik “Elterntaxi” zu bezeichnen ist doch eher eine sehr kreative Ausrede und schafft keinerlei Legitimation für das beschriebene Fehlverhalten.

    3. Nur mal ein paar Fakten: In den 70er Jahren wurden auf dem damaligen Gebiet der Bundesrepublik Deutschland ca. 450 – 500.000 Menschen pro Jahr im Straßenverkehr verletzt, 15 – 20.000 sogar getötet.

      2024 wurden im heutigen Deutschland (also mit rund 20% mehr Menschen als in der BRD) im Verkehr 365.000 Personen verletzt und 2.770 Personen getötet. (Quelle: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Verkehrsunfaelle/Tabellen/liste-strassenverkehrsunfaelle.html#fussnote-1-251628)

      Der Straßenverkehr in Deutschland ist also seit den 70ern deutlich sicherer geworden!

    4. „Es ist schade, dass so negativ über Eltern gesprochen wird.“ – Vielleicht ist es schade, in jedem Fall aber notwendig. Und es wird nur negativ über die Eltern gesprochen, die selbst die Gründe dafür schaffen.

      1. Es wird ja nicht negative über Eltern gesprochen, sondern über Leute, die sich nicht an die Regeln halten wollen. Von Elternbashing kann also keine Rede sein.

        Versuchen wir mal, die Forderung von Diffi in Zahlen zu fassen. Aus Gründen der Gleichbehandlung müsste man allen Eltern ermöglichen, das Kind mit dem Auto zur Schule zu fahren. Dabei müsste ebenfalls aus Gründen der Gleichbehandlung auch eine SUV-Nutzung ermöglicht werden. Pro Parkplatz macht das ca. 20 qm, je nach Rangierfläche und Zufahrtswegen auch mehr. Da alle zeitgleich kommen müssen, macht das ca. 3000 qm Parkplatz für eine Grundschule mit 150 Kindern.

        Für Schulen in NRW gibt es derzeit keine Vorgaben für die Größe des Schulhofes. Alte Richtwerte waren mindestens 5 qm pro Schüler, für Grundschulen vielleicht bis zu 20 qm. Ich hoffe, dass diese Überlegungen die Irrsinnigkeit von Diffis Vorderung deutlich machen.

    5. Kurze Anmerkung zu „Fehlplanung des Campus“: der „Campus“ ist aus den 60er!

      Ich bin 1976 dort eingeschult worden. Damals gab es 16 Grundschulklassen à30 Kinder (Anfang der 70er bei den Babyboomern 20-24 Klassen), dem 3zügigen Kindergarten und im heutigen Gebäude der GGS eine komplette Hauptschule (damals eine überaus beliebte Schulform – vermutlich auch dreizügig).
      Somit gehe ich davon aus, dass zu meiner Zeit deutlich mehr Kinder als heute den „Campus“ besuchten.

      95% der Kinder sind zu Fuß gekommen, ganz wenige mit dem Fahrrad (meist nur als Elterntaxi).
      Ich selbst, bin zu Fuß von der Hermann-Löns-Straße gelaufen, warum geht das heute nicht mehr?
      Wo wohnen denn all die Schüler die unbedingt mit dem Auto gebracht werden müssen?

    6. Hallo Diffi. Das ist genau die richtig Einstellung – die Anderen sollen machen/ändern. Meine Frau erlebt diese Erwartungshaltung bei ihrer Arbeit täglich. Eltern, die ernsthaft erwarten, das Erzieher/Lehrer täglich im Winter bei entsprechenden Temperaturen kontrollieren, ob 250 Kinder ein Jacke anhaben… gehts noch?

      Noch besser, als die Eltern mit mehr Haltestellen und (besser?) geplanten Zentren zu unterstützen, wäre doch, den Kindern zu mehr Selbstständigkeit zu helfen.

      Meine beiden Kinder sind zur KGS gegangen, meine Nichte und Neffen lernen Fahrrad- und Fußwege auf der Venloer Straße zu nutzen und all den Kommentatoren geht es trotz Fußweg zur Schule ganz gut.

      Wie gesagt, danke für Ihr deutliches Abbild der Erwartungshaltung einiger..

    7. Das arme Kind. Autoverbot und Ende. Es gibt immer noch Familien die kein Auto haben da müssen die Kinder auch laufen und zurecht kommen warum also solche nutzlosen Debatten.

  7. Ich frage mich immer wieder, ob die Kinder auch noch mit 18 von ihren Eltern zur Schule gebracht und wieder abgeholt werden. Wie sollen Kinder heutzutage noch lernen, eigenständig und aufmerksam eine Straße zu überqueren???? Und mit einem Anwalt zu drohen, zeugt von absoluter Uneinsichtigkeit und Egoismus. Das kann mit keinerlei Bußgeld “geheilt” werden.

  8. Knöllchen für Unbelehrbare finde ich eine gute Sache. Einkommensabhängige Knöllchen wären eine feine Weiterentwicklung . Ebenso die Nennung des „Einnahme“saldos je Tag.

    Bedauerlich, dass diese Schritte überhaupt gedacht werden müssen.

    1. Im Falle des SUV-Fahrers, welcher mit dem Anwalt droht, wäre eine Überprüfung der charakterlichen Eignung zum Führen eines Kraftfahrzeuges durch die Führerscheinstelle sicherlich auch eine Option.
      Solch eine Maßnahme würde vollkommen unabhängig von Einkommen oder Bußgeldhöhe wirken.

      1. Hinzu kommt: Gegen den Bußgeldbescheid wird er vor Gericht kaum etwas ausrichten können, wenn die Sachlage so klar ist. Er müsste den umständlicheren Weg gehen und die Anordnung der Beschilderung vor dem Verwaltungsgericht angreifen – mit recht dünnen Erfolgsaussichten. Und dort würde er kaum dem Polizisten begegnen, der ihn erwischt hat.

        So einen Spruch wie „Wir sehen uns vor Gericht“ lässt man gerne ab, wenn man zu viele amerikanische Anwaltsserien gesehen hat.

    2. #GeorgMeierlücke. Sozial orientierte Lösungsvorschläge – wenn auch die stets Teureren – finde ich super. Aber haben KFZ-Sünder nicht allein schon wegen ihres Fahrzeugbesitzes bereits schon sowas wie eine virtuelle Einkommensgrenze überschritten?

  9. Jetzt werden alle Einfahrten und privaten Parkplätze der Anwohner der Handstraße blockiert, weil Eltern die Kinder dort rauslassen.
    Aber das interessiert natürlich niemanden! Ist ja auch nicht ihr eigenes Grundstück!

  10. Ich bin als Grundschüler in Hilden jeden Tag 15 min zur Schule und zurück gelaufen. Ab der 5. Klasse hatte ich in Düsseldorf dann 30 min Schulweg mit dem Bus und zu Fuß, die Schule war zwei Vororte weiter. Niemals wären meine Eltern auf die Idee gekommen, mich mit dem Auto zu fahren, obwohl meine Mutter selbst Lehrerin an meiner Grundschule war und später das Gymnasium grob auf dem Weg lag, den mein Vater mit dem Auto zur Arbeit fuhr.

    Ich habe die Freiheit genossen, mit meinen Schulfreunden auf dem Weg zu quatschen und Blödsinn zu machen. Und mir soll bitte auch niemand erzählen, dass der Verkehr so viel schlimmer sei heute. Ich musste auf beiden Schulwegen (Grundschule und Gymnasium) jeweils zwei vielbefahrene Hauptstraßen überqueren.

    Der zitierte Polizist hat vollkommen recht, dass hier eine Generation zur Unselbstständigkeit erzogen wird – und übrigens auch zur Verkehrsuntauglichkeit. Wie sollen die Kinder lernen, sich im Verkehr zurecht zu finden, wenn ihnen die Eltern alles abnehmen und sie am liebsten ins Klassenzimmer fahren würden?

    1. #RainerLingmann. Ihr Beitrag ist der Beste von allen.
      Meine Mutter ging von meinem ersten Tag in der Volksschule in die Fabrik arbeiten. KFZ hatten damals nur die Vermögenden und der 15-Minuten-Schulweg führte ohne Zebrastreifen über zwei stark befahrene Straßen. Was ich bei den unzähligen Geh-Kilometern gelernt hatte, war Risikobewusstsein, natürliches Sozialverhalten (es war immer mindestens ein Kumpel dabei) und Orientierungsvermögen.
      Dass ich unfallfrei durchs Leben gekommen bin, verdanke ich vor allem dem Schulweg. Also selbstbestimmtes gelebtes Leben, vom 6. Lebensjahr an…
      Isabell Allende sagte einmal: “Wenn ich meinen Kindern ihre Probleme abgenommen hätte, hätte ich sie zur Lebensuntauglichkeit erzogen.”
      Mfg Dieter Richter (75), Bergisch Gladbach

      1. Ich wünsche mir so sehr, dass auch die komplette Oberheidkamper Straße zwischen der Bensberger Straße und dem Lerbacher Weg in absehbarer Zeit mal eine Schulstraße wird. Was man hier v.a. morgens als Anwohner miterleben muss, ist einfach unbeschreiblich. Da zweifelt man schon morgens vor dem ersten Kaffee am gesunden Menschenverstand der Leute, siehe Beitrag von Diffi.
        Aber wenn man nicht kapiert, dass man beim Versuch sein eigenes Kind durchs Leben zu helikoptern die Gefährdung und Belästigung aller anderen Kinder, Tiere, Mitmenschen billigend in Kauf nimmt, hat man es wohl auch nicht besser verdient, wenn der Nachwuchs niemals selbstständig genug wird, um mal die eigene Rente zu bezahlen.

  11. Schulstraße! Die Kinder werden zur Faulheit erzogen, wenn ein Kind wirklich einen weiten Weg hat keine Frage das es gebracht wird doch bis 500 Meter Fußweg ist zumutbar da muss man nicht noch bis vor die Türe fahren.Den Kindern mangelt es oftmals auch an Bewegung da wäre es besser den Schulweg zu Fuss zu gehen