Die VHS-Leiterin Nicole Mrziglod (links) freut sich darüber, dass das Mehrgenerationenhaus unter der Leitung von Denise Dörstel nun räumlich bei der VHS angedockt ist. Foto: Redaktion

Die erste Einrichtung hat das marode Gebäude des Q1 am Quirlsberg verlassen: Das Mehrgenerationenhaus ist in Räume der Volkshochschule an der Buchmühle umgezogen. Neben Workshops und Kursen für Menschen aller Altersklassen und Kulturen bietet es mit einem offenen Treff einen Ort der Begegnung und des Austauschs. Für die Leiterinnen der beiden Einrichtungen eine perfekte Symbiose.

Eine Vision wird Wirklichkeit. Was kitschig klingt, beschreibt Nicole Mrziglod so: „Das Mehrgenerationenhaus erfüllt meine Vorstellung von VHS als einem Ort der Begegnung.“ Die Leiterin der Volkshochschule (VHS) trägt diese Idee schon lange in sich. Bereits in ihrem Vorstellungsgespräch für ihre jetzige Stelle habe sie diese Idee vorgestellt: „Das Mehrgenerationenhaus wäre die perfekte Ergänzung für die VHS.“ 

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Die 37-Jährige ist noch kein volles Jahr im Amt – und beide Einrichtungen befinden sich nun tatsächlich unter einem Dach. „Mit dem Einzug des Mehrgenerationenhauses entstehe ein lebendiger Ort der Begegnung und des Austauschs verschiedener Generationen“, sagt Mrziglod bei der Eröffnung der neuen Räume im Erdgeschoss der VHS an der Buchmühle – zeitgleich mit dem Beginn des VHS-Frühjahrssemesters.

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Menschen in GL: Die Integrative

Sie war viele Jahre in der Sozialraum- und der Integrationsarbeit tätig und hat internationale Wurzeln: Nicole Mrziglod ist die neue Leiterin der Volkshochschule Bergisch Gladbach. Für die 36-Jährige schließt sich damit ein Kreis. Obwohl sie erst seit wenigen Wochen im Amt ist, hat sie sich bereits viel vorgenommen.

Die VHS nicht nur als eine Stätte der Bildung, sondern als einen Ort der Begegnung zu sehen, war von Beginn an ihre Vision. In einem Gespräch kurz nach ihrem Amtsantritt sprach sie von ihrer Idee eines Begegnungs-Cafés in der VHS: Menschen sollten sich dort treffen unkompliziert treffen können, niedrigschwellig, ohne vorherige Anmeldung.

Ort für alle Generationen und Kulturen

Genau das bietet nun das Mehrgenerationenhaus. Dabei handelt es sich um kein Haus im wörtlichen Sinne, wie Leiterin Denise Dörstel erklärt. Es ist eine von rund 530 Institutionen deutschlandweit, die im Rahmen des Bundesprogramms „Mehrgenerationenhäuser – Miteinander-Füreinander“ gefördert werden – als Ort der Begegnung aller Generationen und Kulturen und des ehrenamtlichen Engagements. Träger in Bergisch Gladbach ist die evangelische Kirchengemeinde.

„Viele Menschen kennen das Mehrgenerationenhaus nicht“, weiß Dörstel. Durch den Umzug in die VHS hofft sie darauf, neue Menschen zu erreichen. „Einige haben noch Berührungsängste, weil sie denken, unser Angebot richte sich nur an Familien. Doch wir laden jede und jeden herzlich ein, zu uns zu kommen.“ 

Das Mehrgenerationenhaus biete zum einen den offenen Treff während der regulären Öffnungszeiten (Details siehe unten). Darüber hinaus gibt es einzelne Veranstaltungen und Kurse wie das Seniorenfrühstück, eine Kleidertauschbörse oder ein Upcycling-Workshop. Regelmäßig findet beispielsweise der Kreativnachmittag oder die Krabbelgruppe für Kleinkinder statt. 

Angebote sind kostenlos oder günstig

Die Angebote werden von den vier Mitarbeitenden des Mehrgenerationenhauses oder von Ehrenamtler:innen durchgeführt. Sie sind kostenlos oder kostengünstig, „damit wir auch Menschen erreichen, die finanziell nicht so gut gestellt sind“, sagt Dörstel. 

Der Raum, in dem der offene Treff und die meisten Angebote des Mehrgenerationenhauses veranstaltet werden, wurde früher einmal für die Anmeldung der VHS genutzt. Nach Renovierung und Umbau gibt es dort jetzt jede Menge Spielsachen, Kinderbücher, eine Sitzecke, Tische und Stühle.

„Es ist ein Raum mit Aufenthaltsqualität entstanden“, gibt Mrziglod die Rückmeldung der ersten VHS-Besucher:innen wieder. „Das gab es in unserem Haus bisher nicht.“ Die Leiterin stellt sich vor, dass sich zum Beispiel Sprachtandem-Partner nach ihrem Sprachkurs dort zusammensetzen und sich unterhalten können.

Eine perfekte Symbiose

„Wir wollen eine intensive Verbindung zwischen beiden Einrichtungen schaffen“, erklärt Mrziglod. Die VHS mit einer „eher älteren Zielgruppe“ und das Mehrgenerationenhaus mit einer „eher jüngeren Zielgruppe“ könnten eine perfekte Symbiose bilden. Dass beide Einrichtungen ideal zusammenpassen, weiß Mrziglod nur zu gut: Vor vielen Jahren hat sie selbst das Mehrgenerationenhaus geleitet.

„Ich bin mir jetzt schon sicher, dass das Angebot hier im Haus gut angenommen wird. Ich habe fast die Sorge, dass ihr überrannt werdet“, sagt Mrziglod und lacht. Rund 400 Menschen kämen an einem regulären Tag während des Semesters ins VHS-Gebäude.

Das Frühjahrssemester der VHS

Unter dem Motto „Neue Welten entdecken“ hat am 23. Februar das Frühjahrssemester der VHS begonnen.

Neben der Vision Begegnungen zu schaffen, stellt Demokratiebildung einen Schwerpunkt des neuen Programms dar: Demokratische Prozesse und demokratische Grundwerte stehen in Kursen, Diskussionsformaten und Projekte im Fokus. Ein Auftrag der VHS besteht Mrziglod zufolge darin, Demokratiekompetenzen zu fördern und so den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.

Auch das Thema Bildungsurlaub spielt eine besondere Rolle: Teilnehmer:innen können dabei vor Ort auf Reisen gehen und neue Lern- und Erfahrungswelten erkunden.

Anmeldung und Informationen zu allen Angeboten:

VHS Bergisch Gladbach
Buchmühlenstraße 12
51465 Bergisch Gladbach
Telefon 02202/142263
www.vhs-gl.de

Die beiden Leiterinnen tauschen sich eng darüber aus, welche Veranstaltungen und Kurse im Mehrgenerationenhaus angeboten werden und welche das bisherige VHS-Programm ergänzen können. „Neue Ideen von Besucher:innen sind uns immer sehr willkommen. Sie können mitgestalten, uns unterstützen oder eigene Projekte durchführen“, sagt Dörstel.

Vom Jugendzentrum Q1 zur VHS

Bis Ende Januar war das Mehrgenerationenhaus im Gebäude des Jugendzentrums Q1 beheimatet. Das städtische Gebäude ist allerdings marode, die evangelische Trägerin hat den Mietvertrag gekündigt. Neben dem Jugendzentrum und dem Mehrgenerationenhaus sind in dem Gebäude das Kindergartenmuseum und der Pfadfinderstamm Folke Bernadotte beheimatet. Wie es mit dem Gebäude langfristig weitergeht, ob und in welchem Umfang es saniert wird, ist noch unklar. 

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Stadt schiebt Entscheidung über Schicksal des Q1 auf

Nach wie vor gibt es keine Klarheit, ob und wie das Gebäude des Jugendzentrums Q1 und der dort untergebrachten Pfadfinder gerettet werden kann. Nach einer Ortsbegehung und vielen Gesprächen sieht die Stadtverwaltung zwei Optionen: eine sehr teure Generalsanierung oder eine teure Übergangslösung. Im März soll der Stadtrat entscheiden, noch bis Oktober hält die evangelische Kirche den Status Quo aufrecht.

Dörstel zufolge ist der neue Standort an der Buchmühle besser erreichbar und bietet eine wirkliche Barrierefreiheit – zuvor mussten die Besucher:innen einen Berg hinaufsteigen und viele Treppen überwinden. Für ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen nicht immer ganz einfach.

Der erste Effekt zeigt sich schon nach den ersten Tagen, berichtet Dörstel: Das „Milchcafé“, ein Treffen für Schwangere und Eltern mit Babys, sei bisher eher schwach besucht gewesen. „Für das kommende Treffen musste ich nun einen Anmeldestopp aussprechen, weil sich zu viele anmelden wollten.“ 


Mehrgenerationenhaus
Erdgeschoss der VHS
Buchmühlenstraße 12
51465 Bergisch Gladbach
Tel. 0157 54 724 682
kontakt@mehrgenerationenhaus-gl.de

Öffnungszeiten: Mo. 9.30 – 14 Uhr
Di. 9.30 – 14 Uhr und 15 – 17.30 Uhr
Mi. 9.30 – 14 Uhr
Do. 9.30 – 14 Uhr und 15 – 17.30 Uhr
Fr. geschlossen

Das Programm des Mehrgenerationenhauses steht auf der Internetseite.


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ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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