Ein Teil der Schülerinnen und Schüler der Klasse 7c, die am Handy-Experiment teilnehmen, mit ihrer Deutschlehrerin Verena Soworka. Foto: Redaktion

Wie wirkt es sich auf das Wohlbefinden und die Psyche von Jugendlichen aus, wenn sie auf ihr Smartphone und den Konsum von sozialen Medien verzichten? Eine 7. Klasse am Bergisch Gladbacher Nicolaus-Cusanus-Gymnasium probiert es aus und nimmt an einem wissenschaftlich begleiteten Forschungsprojekt teil.

Drei Wochen ohne Handy lautet die Herausforderung. 16 Schülerinnen und Schüler der Klasse 7c des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums (NCG) haben diese angenommen. Sie nehmen am Handy-Experiment teil: Dabei wird untersucht, wie sich reduzierte Bildschirmzeit und der Verzicht auf soziale Medien auf das persönliche Wohlbefinden von Jugendlichen auswirken.

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Ins Leben gerufen wurde das Experiment vom österreichischen Bildungsministerium. Es wird wissenschaftlich begleitet. In Befragungen vor, kurz danach und deutlich nach dem Experiment untersuchen Wissenschaftler:innen mittels Fragebögen, wie sich die Stimmung, der Schlaf und die psychische Gesundheit der Teilnehmer:innen verändern.

Mehr Zeit für andere Dinge

Unter anderem beantworten die Jugendlichen Fragen zu ihrem Nutzungsverhalten – über Dauer und genutzte Apps, ihre Erwartungen und ihr persönliches Ziel mit Blick auf das Experiment. Was sie in den drei Wochen ohne Smartphone stattdessen tun wollen? Mehr Zeit mit der Familie oder Freunden verbringen, draußen sein, Sport machen, basteln, Spiele spielen lauten einige der Vorhaben. 

„Ich schaffe es auf jeden Fall, bis zum Ende des Experiments dabei zu bleiben“, kündigt ein Junge überzeugt an. „Ich glaube schon, dass es zwischendurch schwer wird“, sagt eine Mitschülerin. Eine bis eineinhalb Stunden nutze sie ihr Handy im Schnitt pro Tag. Dazu komme noch einige Zeit, in der sie über das Gerät Musik höre. Langfristig hofft sie, es künftig deutlich seltener und kürzer in die Hand zu nehmen – „vielleicht nur zehn Minuten pro Tag“.  

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Das NCG gehört nach eigenen Angaben zu den ersten Schulen in Deutschland, die an dem Experiment teilnehmen. Initiiert wurde es von Holger Stawitz, Klassenlehrer der 7c, und Deutschlehrerin Verena Soworka. Im Deutschunterricht hatte die Klasse zuvor das Buch „Erebos“ gelesen. Darin geht es unter anderem um Computer- und Handyspielsucht. 

Auch die Lehrer machen mit

„Es bietet sich die einmalige Gelegenheit diese Problematik aus wissenschaftlicher Sicht beleuchten zu lassen und an einem Experiment dazu teilzunehmen“, erklärt Stawitz. 16 von 30 Schüler:innen machen mit: Sie geben ihre Smartphones ab und sperren sie im Safe der Schule weg. Die übrigen Mitschüler:innen der Klasse beantworten die Fragebögen als Vergleichsgruppe.

Die Jugendlichen konnten frei entscheiden, ob sie ihr Handy abgeben oder nicht. „Sie können das Experiment auch jederzeit abbrechen und ihr Smartphone zurückbekommen“, sagt Soworka. Auf die Note wirke sich die Teilnahme nicht aus. Auch die beiden Lehrkräfte machen mit.

In einer Deutschstunde in dieser Woche ist der große Moment schließlich gekommen: Gemeinsam mit Soworka zählen die Jungen und Mädchen einen Countdown von Zehn abwärts. Dann schalten sie ihre Geräte aus legen sie in einen Korb, bevor sie in den Safe geschlossen werden. Am 24. März bekommen die Jugendlichen ihr Handy zurück. Wenn sie es schaffen, bis zum Ende durchzuhalten.

Weiterführende Informationen der Internetseite des Handy-Experiments.

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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