Bendix Banken (links) und Mika Gerlach haben die Schwimmschule "Mixi" in Refrath gegründet. Foto: Thomas Merkenich

Immer mehr Kinder können nicht sicher schwimmen. Die Wartelisten für Schwimmkurse sind lang, die Zahl der Schwimmbäder auch in Bergisch Gladbach und der Region ist begrenzt. Mika Gerlach und Bendix Banken wollen dem entgegen wirken, haben mit „Mixi“ eine Schwimmschule gegründet und in Refrath ein Schwimmbad gefunden.

Schwimmen ist ihre Leidenschaft. Und die möchten sie auch in Kindern wecken. Mika Gerlach und Bendix Banken bezeichnen es als Herzensangelegenheit, Kinder dabei zu begleiten, Scheu vor dem Wasser zu verlieren und sich darin sicher und mit Spaß zu bewegen. Daher haben die beiden vor kurzem ihre eigene Schwimmschule in Refrath gegründet. 

„Es gibt in Bergisch Gladbach zu wenige Schwimmmöglichkeiten. Die Wartelisten für Schwimmkurse sind lang“, sagt Bendix. Der Traum, eine eigene Schwimmschule zu gründen, sei vor über einem Jahr entstanden. 

Kennengelernt haben sich die beiden 22-Jährigen über ihr Studium an der Deutschen Sporthochschule Köln. Sie teilen ihre Begeisterung fürs Schwimmen, waren lange bei der DLRG aktiv. 

Die gemeinsame Idee

„Wir geben seit Jahren Schwimmkurse für verschiedene Vereine und Schwimmschulen“, berichtet Mika. „Das Problem ist aber, dass die Gruppen meistens zu groß sind. Jedes Kind bekommt dadurch zu wenig individuelle Aufmerksamkeit und Förderung.“ Außerdem wechselten die Kursleiter:innen häufig und das Niveau innerhalb einer Kursgruppe unterscheide sich teilweise massiv.

„Wir haben daher überlegt, es anders zu machen, mit einem eigenen Konzept und eigener Schwimmschule“, erklärt Bendix. „Uns war wichtig, dass der Unterricht in einer ruhigen, stressfreien Atmosphäre stattfindet, ohne Ablenkung.“ In öffentlichen Bädern, in denen parallel zu den Kursen der reguläre Betrieb stattfindet, sehen die beiden das nicht gegeben. 

Die Suche nach dem passenden Bad

Die Idee für die Schwimmschule „Mixi“ war geboren, nun musste ein geeignetes Bad gefunden werden. „Wir haben fast ein Jahr lang gesucht, haben öffentliche Bäder und Hotels abgeklappert“, sagt Bendix. Auch die Option eines Schwimmcontainers prüften sie. Fündig wurden sie schließlich in Refrath: Dort leitete Bendix bereits Eltern-Kind-Schwimmkurse für das Deutsche Rote Kreuz.

Das Schwimmbad befindet sich im Keller eines Mehrfamilienhauses, mitten in einer Wohnsiedlung. Es steht den Hausbewohner:innen und Mitgliedern des Refrather Treffs des DRK zur Verfügung. „Das Bad wird wenig genutzt. Daher können wir es zu festgelegten Zeiten mieten. Es ist perfekt für unsere Zwecke“, sagt Bendix. 

Das Becken hat eine Länge von 12,5 Metern, also die Hälfte von vielen Becken in öffentlichen Schwimmbädern. Das Wasser ist zwei Meter tief, eine Temperatur von 30 Grad sorgt für Wohlfühlatmosphäre. 

Eltern schauen durch ein Fenster zu

Die Wandfliesen versprühen den Charme der 1970er Jahre, die Fliesen rund um das Becken sind hell und modern. Auch Duschen und Umkleiden wurden renoviert. Durch ein großes Panoramafenster können Eltern aus einem abgetrennten Aufenthaltsraum beim Schwimmkurs zusehen. 

Die Kurse finden in kleinen Gruppen statt – die meisten mit zwei Kindern, einige auch mit vier Kindern. „So können wir jedes Kind intensiv intensiv begleiten und auf die persönlichen Bedürfnisse eingehen“, erklärt Mika. 

Angebot bereits ausgeweitet

Offiziell gestartet ist die Schwimmschule „Mixi“ am 1. Juli. Ihr Angebot haben die beiden Gründer seitdem stetig ausgeweitet – von einem Kurstag auf zwei. Inzwischen haben sie ein zweites Bad für einen weiteren Tag in der Nachbarstraße gemietet. „Die Nachfrage ist groß, wir haben für manche Kurse schon eine Warteliste.“ 

Die Kurse richten sich an Kinder ab einem Alter von 3,5 Jahren und reichen aktuell von der Wassergewöhnung bis zum Bronzeabzeichen. Die ältesten Teilnehmer:innen sind zehn Jahre alt. „Wir haben aber auch Anfragen von Erwachsenen, die schwimmen oder bestimmte Techniken lernen wollen.“

Perspektivisch wollen Bendix und Mika ihr Angebot ausweiten, Erwachsenenkurse anbieten und irgendwann weitere Schwimmlehrer:innen beschäftigen. 

„Der Bedarf nach Schwimmunterricht ist da. Und wir sehen es als Bildungsauftrag an: Schwimmen zu können ist wichtig und bedeutet viele gesundheitliche Vorteile“, sagt Bendix. Neben der Ausdauer werde auch die Koordination gefördert. „Jedes Kind sollte schwimmen können.“ Doch die Schwimmfähigkeit von Kindern nimmt seit Jahren ab. Die Zahl der Kinder, die die Grundschule verlassen, ohne sicher schwimmen zu können, steigt. (Quelle: DLRG)

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„Schwimmen muss man einfach können“

Warum ist es so schwierig in Bergisch Gladbach, einen Platz in einem Schwimmkurs zu bekommen? Ab wann (und wie) sollte ein Kind überhaupt schwimmen lernen? Und wie kann man dabei helfen, es ans Wasser zu gewöhnen, wenn man keinen der begehrten Kursplätze bekommt? Darüber haben wir mit Dirk Eggenstein vom Schwimmverein Bergisch Gladbach gesprochen.

„Für mich hat Schwimmen auch etwas mit Lebensqualität zu tun“, fügt Mika hinzu. „Wenn ich an die Urlaube meiner Kindheit zurückdenke, erinnere ich mich daran, wie ich stundenlang mit meinem Bruder und meinem Vater im Meer geschwommen bin. Das sind Erinnerungen, die für immer bleiben.“

Inklusion als Herzensangelegenheit

Besonders am Herzen liegt den Gründern die Inklusion. „Wir möchten, dass wirklich jedes Kind die Chance bekommt, sich sicher im Wasser zu bewegen“, sagt Bendix. Die Kurse bieten sie ausdrücklich auch für Kinder mit Behinderungen oder mit motorischen Schwierigkeiten an. Die Bäder sind barrierefrei über einen Aufzug zu erreichen. Außerdem ist eine Zusammenarbeit zwischen „Mixi“ und der Einrichtung „Gebärdenfunken“ für gehörlose Kinder geplant.

Bevor die Kurse starten, bereiten die beiden Schwimmlehrer alles vor: Sie hängen Wegweiser mit dem „Mixi“-Logo im Treppenhaus und auf dem Flur auf, stellen Getränke und Kekse im Elternraum bereit, legen Schwimmbretter, Poolnudeln und Wassertiere an den Beckenrand. Bevor es ins Wasser geht, begrüßen Bendix und Mika die Kinder mit Handschlag.

Ein Junge und ein Mädchen planschen kurze darauf neben Bendix mit Poolnudeln durchs Wasser. Mika gibt einem kleinen Jungen eine erste Probestunde. Der schmiegt sich ängstlich an seine Mutter. „Deine Mama darf im Bad bleiben“, sagt der Schwimmlehrer. Die Mutter nimmt auf einem Liegestuhl Platz. 

„Willst du mal fühlen, wie warm das Wasser ist?“, lockt Mika den Jungen schließlich erst an den Beckenrand und dann auf die erste Treppenstufe. Er darf sich ein paar Spielsachen aussuchen, diese nassmachen und herumspritzen. Dann darf er dem Schwimmlehrer Wasser über den Kopf schütten. Ohne es zu merken, wird auch der Junge nasser und nasser – und ist irgendwann doch im Becken und lässt sich von Mika durchs Wasser schieben. 

„Jedes Kind lernt in seinem eigenen Tempo und braucht unterschiedlich viel Zeit, um Vertrauen aufzubauen und Scheu vor dem Wasser zu überwinden“, erklärt Mika. „Wir nehmen uns die Zeit, um Ängste spielerisch abzubauen.“

Informationen zu Kursen und Preisen stehen auf der Mixi-Internetseite

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ist der Fotograf des Bürgerportals. Mittlerweile wohnt er „im schönen Kürten" und liebt das Bergische Land. Aber das sieht man seinen Fotos ja auch an. Mehr Infos auf seiner Website www.thomas-merkenich.de

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