Seit Monaten fehlen auf einem Spielplatz in Bergisch Gladbach die Schaukeln – offenbar kein Einzelfall. Die Zustände mancher Spielplätze sind für viele Familien ein Ärgernis. Bislang fehlt eine nutzerfreundliche Übersicht über die 136 Spielplätze im Stadtgebiet und deren Ausstattung. Das soll sich künftig durch die Spielplatz-Strukturanalyse ändern.
Jedes Mal, wenn wir aus dem Urlaub oder nach einer Auswärts-Übernachtung wieder nach Hause kommen, rennen meine beiden Töchter als erstes zum Spielplatz in unserer Siedlung. Kurz darauf kommen sie enttäuscht zurück: „Die Schaukeln fehlen immer noch.“ So ist das schon seit über einem halben Jahr.
„Warum dauert das so lange?“, fragen nicht nur meine Töchter. Ähnliche Geschichten höre ich auch aus dem Bekanntenkreis, und immer wieder weisen uns auch Leser:innen auf kaputte oder abgesperrte Spielgeräte hin.
Ich habe der Stadt Mitte August einige Fragen zum Thema Spielplätze gestellt, darunter auch nach den Schaukeln in unserer Siedlung. Die Antwort lautete: „Bei dem Spielplatz fehlen tatsächlich die Schaukeln. Auf Grund des kleinen Fallschutzbereiches handelt es sich hier um keine Standardschaukel mit ‚normalgroßen‘ und handelsüblichen Pfosten. Nachdem neue Pfosten bestellt wurden, wurden falsche (zu lange) Pfosten geliefert. Die Pfosten in der richtigen Größe wurden daraufhin neu bestellt.“
Hängematte als Ersatz-Schaukel
Diese Antwort stammt vom 20. August. Bis heute fehlen die Schaukeln. Zwischenzeitlich haben wir unsere Hängematte zwischen die beiden Pfosten gehängt. Hat prima geklappt, die Schaukeln wünschen sich meine Kinder trotzdem weiterhin zurück.
Das gleiche Bild bietet sich auch bei unserem Ausweichspielplatz, der sich nur ein paar hundert Meter weiter entfernt befindet. Auch dort sind die Schaukeln seit Monaten abgehängt.

Zugegeben, hier vermischt sich mein privates Interesse als Mutter mit dem meines Berufs als Journalistin. Wie es allgemein um die Spielplätze in Bergisch Gladbach bestellt ist, ist allerdings schwer zu erfahren.
Die Frage, ob die Stadt eine Übersicht darüber hat, wie viele Spielplätze aktuell nicht oder nur eingeschränkt nutzbar sind, bejaht diese. Wie viele es sind, konnte aber „aufgrund der Urlaubszeit“ nicht herausgefunden werden. Bis heute fehlen diese Informationen.
Die Dauer der Sperrung eines Spielplatzes oder von einzelnen Geräten hängt laut Stadt in den meisten Fällen von den Lieferzeiten der Ersatzteile ab, die sich in den vergangenen Jahren deutlich verlängert hätten. Auch allgemeine und finanzielle Ressourcen spielen demnach eine Rolle. Zudem müsse das gesamte Umfeld eines Spielplatzes ausreichend sicher sein, andernfalls der gesamte Platz oder einzelne Bereiche gesperrt werden.
Stadt will Spielplatz in Wiese umwandeln
Mit deutlicher Verzögerung hat die Stadt Bergisch Gladbach am Dienstag ihre Pläne zum Spielplatz „Quirlsberg“ am Zanders-Bad offengelegt. Der bisherige Kinderspielplatz soll in eine „naturnah gestaltete Bewegungs- und Freizeitsportfläche“ umgewandelt werden, heißt es in der Pressemitteilung. Die zum Teil baufälligen Spielgeräte sollen rasch abgebaut, die Sandfläche ein Magerrasen werden.
Ein Spielplatzkataster befindet sich laut Stadt im Aufbau. Einen Überblick über die Standorte aller Spielplätze gibt es bislang online auf einer Spielplatzkarte.
Was ist die Spielplatz-Strukturanalyse?
Mit der sogenannten Spielplatz-Strukturanalyse, die im Frühjahr 2025 gestartet ist, möchte die Stadt ihre Spielplatzlandschaft systematisch erfassen und neu bewerten, um sie künftig zielgerichtet weiterzuentwickeln. Über den bisherigen Zwischenstand informiert die Verwaltung in der kommenden Sitzung des Ausschusses für Infrastruktur und Umwelt, Sicherheit und Ordnung (AIUSO).
Die Analyse sieht laut Vorlage zwei Projektphasen vor. In Phase 1 werden zuerst alle Spiel-, Bolz- und Freizeitsportflächen und deren Ausstattung erfasst und bewertet. Die Ergebnisse werden in Phase 2 zu einem Spielplatzentwicklungskonzept zusammengeführt und anschließend untersucht, wie gut der ermittelte Bedarf durch vorhandene Spielplätze gedeckt wird. Auf dieser Basis sollen künftig Entscheidungen für Sanierungen, Erweiterungen, Schließungen oder Neubauten getroffen werden – fachbereichsübergreifend.
Was ist bereits passiert?
Laut Verwaltung ist die „konzeptionell-strategische Arbeit der Phase 1 abgeschlossen“. Dazu gehört etwa die Bestandserfassung: Auf Bergisch Gladbacher Stadtgebiet gibt es 136 Spielplätze mit etwa 1100 Spielgeräten auf einer Gesamtfläche von rund 19 Hektar. Für sie ist die Abteilung Stadtgrün (Fachbereich 8) zuständig.
Jeder Spielplatz wird nach einheitlichen Kriterien bewertet und erhält am Ende einen Gesamtspielwert. Bewertet werden unter anderem Sandspiel, Schaukeln, Drehen und Wippen, Klettern und Balancieren, Rutschen, informelles und inklusives Spielen, die Funktion als sozialer Treffpunkt, Bewegungsmöglichkeiten, Sicherheit, Atmosphäre, Zugänglichkeit und Lage. Diese Daten müssen nun noch ermittelt werden.
Was sagen die Nutzer:innen der Spielplätze?
Um die Perspektive der Spielplatz-Nutzer:innen (also vor allem Kinder und Jugendliche) zu berücksichtigen, hat die Stadt sechs Bürgerdialoge veranstaltet (jeweils einen in jedem Verwaltungsbezirk) und eine Onlinebefragung durchgeführt. Auch die für Spielplätze relevanten Ergebnisse der Kinder- und Jugendbefragung wurden einbezogen.
Jugendliche: In GL fehlen Orte zum Treffen und Chillen
2204 Kinder und Jugendliche haben sich an einer Befragung der Stadt beteiligt. Die Antworten liefern Einblicke in ihr Freizeitverhalten und zeigen, woran es ihnen mangelt. Am liebsten sind junge Menschen zu Hause oder verbringen Zeit mit Freunden. Das hängt auch mit fehlenden Angeboten zusammen.
Demnach sehen die Nutzer:innen „deutlichen Verbesserungsbedarf“ beim Zustand und bei der Vielfalt der Spielgeräte sowie bei Aufenthaltsqualität, Sonnenschutz, Sauberkeit und Sitzmöglichkeiten. Unter anderem werden Müll und Hunde-/Katzenkot moniert sowie kaputte oder abgenutzte Spielgeräte – und die lange Dauer, diese wieder instand zu setzen.
Insbesondere wünschen sich Nutzer:innen vielfältige und naturnahe Spielangebote, Kletter-, Wasser- und Matsch-Spielbereiche, Bewegungs- und Sportangebote, Treffpunkte für ältere Kinder und Jugendliche sowie altersübergreifend nutzbare Flächen. Wiederholt werden die Aspekte Sicherheit, Erreichbarkeit, Barrierefreiheit und Inklusion genannt.
Das Fazit der Stadt: „Die Rückmeldungen sprechen deshalb dafür, Spiel, Bewegung, Sport, Aufenthalt und Begegnung künftig stärker gemeinsam zu betrachten. Die Flächen sollen insgesamt vielfältiger, inklusiver und für unterschiedliche Altersgruppen länger nutzbar werden.“
Ergo: Problem erkannt, noch nicht gebannt.
Wie geht es weiter?
Eine neue „Spielplatzbedarfsplanung“ soll die bisherige aus dem Jahr 2014 ablösen. Sie soll sichtbar machen, wo wie viele Kinder und Jugendliche leben und wo der Bedarf an öffentlich zugänglichen Spielflächen besonders ausgeprägt ist.
Dafür wird ein Bedarfspunktesystem verwendet: Als Grundwert erhält jedes Kind einen Bedarfspunkt. Zu diesem Grundwert werden verschiedene Faktoren addiert, der die Wohnsituation oder sozialräumliche Aspekte berücksichtigt. Ein höherer Wert ergibt sich insbesondere dort, wo viele Kinder leben, die sozialräumliche Belastung höher ist und aufgrund der Wohnform potenziell weniger private Spielmöglichkeiten vorhanden sind. Die Ergebnisse sollen räumlich in einer Karte visualisiert werden.
Wann ist die Analyse fertig?
Das wird aus der Vorlage nicht eindeutig ersichtlich. Vieles wurde bereits ermittelt – etwa Methoden oder Bewertungskriterien. Nun müssten die Daten für die einzelnen Flächen erhoben, geprüft, eingegeben und für eine Bedarfskarte bereitgestellt werden.
Erst danach sollen, in Phase 2, „konkrete Handlungsbedarfe formuliert und Prioritäten entwickelt werden“, sprich: politische Entscheidungen über zusätzliche Spielplätze, Verbesserung der Ausstattung, Sanierung, Ausbau oder Schließung bestehender Plätze. Berücksichtigt werden dabei vor allem der oben erwähnte Spielwert, Ausstattung, Erreichbarkeit, Barrierefreiheit, Inklusion und Klimaanpassung.
Die Verwaltung betont, dass die Bearbeitung mit dem vorhandenen Personal erfolgt, während die übrigen Aufgaben weiterlaufen. Auch laufende Spielplatzplanungen würden währenddessen fortgeführt.
Über das Thema Spielplatzpflege informierte die Verwaltung im April 2026. Demnach gelten für alle Spielplätze klare Vorgaben im Hinblick auf Sicherheit und Pflege. So müssen sämtliche Spielgeräte, Fallschutzflächen und Böden gepflegt und instandgehalten werden.
Jeder Spielplatz muss in gesetzlich vorgeschriebenen Abständen von qualifizierten Spielplatzprüfern kontrolliert werden:
Auch Sitzgelegenheiten, Umzäunungen, Schilder sowie Sand- und Grünflächen müssen gepflegt, gefährliche Gegenstände, giftige Pflanzen und Müll entfernt werden. Auch Baumpflege, Winterdienst und Reinigung angrenzender Wege unter die Spielplatzpflege. Darüber hinaus müssen Pflege und Kontrollen der Spielplätze dokumentiert werden.
Sechs Mitarbeitende stehen für die Leistung der beschriebenen Aufgaben auf Spielplätzen zur Verfügung, hiervon jeweils zwei Personen zur Pflege, Unterhaltung und Kontrolle. (Stand: April 2026).
Unterstützung erhält das Spielplatz-Team etwa beim Sandtausch durch die Logistikkolonne und im Sommer durch die Mähkolonne. Die Leerung der Mülleimer und Reinigung des Umfelds werden durch die GL Service gGmbH durchgeführt. Reparaturen, Um- und Aufbauten von Spielelementen werden häufig an externe Fachbetriebe vergeben.
Die Mitteilungsvorlage dazu finden Sie im Ratsinformationssystem.
Zur Sache: Pflege und Kontrollen der Spielplätze
Die Spielplatz-Strukturanalyse soll alle fünf Jahre aktualisiert werden und perspektivisch in einer Spielplatz-App inklusive Bewertungsfunktion dargestellt werden.
Bei dem Spielplatz in unserer Siedlung würde die Bewertung meiner Töchter eindeutig negativ ausfallen. Zumindest solange die Schaukeln fehlen.
Alle Informationen dazu finden Sie im Ratsinformationssystem.

Ich habe Fragen!
Die Pfosten zu lang?
Es müssen neue bestellt werden?
Hatte der Monteur der Pfosten kein Werkzeug und hätte die Pfosten kürzen können?
Die Ketten der Schaukel um ein paar Glieder zu verlängern wäre auch keine Option gewesen?
Es muss ein Spielplatzkataster aufgebaut werden, eine Spielplatzstrukturanalyse durchgeführt werden um ein Spielplatzentwicklungskonzept aufzustellen?
Jetzt hättet ihr mich fast gehabt!
Das ist Satire hier, oder?
Wenn nicht, dann habt ihr hier das beste Beispiel dafür, warum es in Bergisch Gladbach und in Deutschland immer weiter den Bach runter geht.
Wenn man schon wegen der Reparatur und Instandhaltung von ein paar Schaukeln und Spielgeräten einen solchen Aufriss veranstalten muss, kann man sich Vorstellen, warum das mit der Verbesserung der Infrastruktur, dem Wohnungsbau und im Prinzip allem, wo Stadt, Bund und Land ihre Hände im Spiel haben nichts mehr werden wird.
Leidtragend ist leider immer der Bürger, in diesem Fall die Kinder, denen es egal ist ob die Schaukel 3cm höher oder tiefer hängt, oder ob irgendeine DIN-Norm eingehalten wird, oder nicht. Sie wollen einfach nur Schaukeln und Spielen.
Früher, “als noch Alles besser war”,
hätte ein Hausmeister oder ein Bauhofmitarbeiter der Stadt solche Probleme in wenigen Tagen behoben.
Und einen Tip hab ich noch für die Stadt: Holz, Bretter, Schrauben und Ketten liegen in jedem Baumarkt, auch in Bergisch Gladbach zu Genüge rum, ganz ohne Lieferzeiten!
Ja, Normkonformität ist lästig und zeitraubend. Aber die Stadt muss sich daran halten, um bei Unfällen nicht in die Haftung zu geraten.
Zu den Zeiten, als Hausmeister bei Spielgeräten nach Gutdünken schnell etwas zusammengezimmert haben, ist auch mehr an Stürzen und Verletzungen passiert. Wenn nach so einer Schnellaktion heutzutage ein Kind von der Schaukel fallen würde, wäre das Geschrei doch noch hundertmal lauter als jetzt (am lautesten wahrscheinlich von Eltern, die auf dem Smartphone herumdaddeln, statt ihre Kinder im Auge zu behalten).
Viele dieser bis ins kleinste Detail geregelten Dinge verdanken wir klagefreudigen Menschen und der daraus folgenden Rechtsprechung. Auch die ausführenden Personen sind nicht immer glücklich darüber, müssen sich aber wegen der Haftung dran halten.
Im Prinzip sicher richtig – allerdings geht es oft (nur) um die Beschaffung standardisierter Ersatzteile, Bsp. Schaukeln. Auch wundere ich mich über manch neuen, “DIN-gerechten” Spielplatz, wo Klettergerüste mit rutschigen Metallstangen ein hohes Verletzungsrisiko bergen (imo). Siehe Zanders-Park, Buchmühlenpark…
Danke für diesen Artikel! Wir ärgern uns auch schon seit über einem halben Jahr über die fehlenden Schaukeln auf all unseren Stammspielplätzen. Genau wie die Autorin haben wir schon oft mit der Stadt telefoniert aber bisher hat es offensichtlich nichts gebracht.
Ich finde das wirklich unmöglich und ein absolutes Armutszeugnis für die Stadt, wenn Kindern noch nicht mal schaukeln auf den Spielplätzen zur Verfügung gestellt werden können.
Wir warten also weiterhin auf die schaukeln auf dem Spielplatz in Herborn und im Rotdornbusch.
Stadtrat, lang und relevant: Das Q1, der Haushalt und die Sache mit der AfD – Bürgerportal Bergisch Gladbach https://share.google/U2VqmhgHm2lvWje8QVi
Vielleicht liegt hier ja eine der Antworten warum es keine Schaukel gibt.
Konsequenz
Personalmangel, innere Kündigungen, hoher Krankenstand ?
Ironiemodus an
CDU und AFD werden sich ja etwas zum “Wohle der Bürger” gedacht haben
Noch eine Anmerkung
In Sachsen Anhalt hätte Herr Siegmund vermutlich mit großem Gefolge publikumswirksam mit viel Bier und Bratwurst eine neue Schaukel gebaut und sich somit wieder Wählerstimmen gesichert.
So gewinnt man Wahlen!
Tja liebe demokratische Volksparteien……..Gute Nacht
Es ist nicht verkehrt, sich einen “Überblick zu verschaffen” über alle Spielplätze im Stadtgebiet.
Was ich aber nicht verstehe: Warum wird nicht *gleichzeitig* damit begonnen, besonders verwahrloste Plätze zu erneuern – sagen wir 10 Stück pro Jahr? Welche es dringend nötig haben, lässt sich auf einer Rundfahrt oder -gang durch die Wohnquartiere schnell herausfinden (und dürfte der Verwaltung ohnehin bekannt sein).
“Gesamtkonzepte” in allen Ehren, aber ich erlebe es leider zu oft, dass deren Erstellung zur Ersatzhandlung wird, während sichtbare Verbesserungen Jahre und Jahrzehnte auf sich warten lassen.
Das Beispiel zeigt mal wieder sehr deutlich, wieso dieses Land immer mehr verkommt. Statt einfach neue Schaukeln aufzuhängen, wenn die alten defekt sind, werden umfassende und aufwendige Bedarfsanalysen durchgeführt. Natürlich von Beamten und städtischen Angestellten, die im Zweifel krankgeschrieben, im Urlaub oder anderweitig verhindert sind. Denn anders als bei einem Unternehmen ist das Einkommen immer sicher, selbst wenn der Kunde (der Steuerzahler) keinerlei Gegenleistung erhält.
Und während wir also 14 Jahre für den Bau eines neuen Flughafens, 22 Jahre für den Bau eines Bahnhofs (das Projekt hieß mal Stuttgart 21) und jetzt sogar Jahre für die Erneuerung einer Schaukel brauchen, hat die Türkei ihren neuen Flughafen in Istanbul in 4 1/2 Jahren gebaut und in Bangkok wurde die berühmte und extrem große ICONSIAM Mall in 3 Jahren direkt am Flussufer erstellt. Vom Ausbau und Angebot des Flughafens Changi im (flächenmäßig) kleinen Singapur will ich gar nicht erst anfangen.
Inzwischen hat uns jedes früher mal als Entwicklungsland bezeichnete Land in Asien links und rechts überholt. Und wir machen einfach weiter wie bisher… Angeführt von einem Kanzler, der vermutlich als der Kanzler in die Geschichte eingehen wird, der AfD alles geliefert zu haben, was zu ihrem Wahlsieg noch fehlte. Damit ist er perfekt in die Fußstapfen seiner von ihm ungeliebten Vorgängerin im Kanzleramt eingetreten, die mit ihrer Politik die AfD überhaupt erst ermöglicht hat. Und spätestens wenn die AfD dann die Regierung stellt, kann man vermutlich nur noch hoffen, dass man es nicht bereut, seine Koffer nicht schon früher gepackt zu haben.
Ja, ich weiß, ein spannender Bogen vom Kindergarten zur vollen Katastrophe. Aber ich wünschte mir, man würde in diesem Land mal wieder gute Nachrichten hören. Inzwischen freut man sich ja schon, wenn der Schnellzug mit nicht mehr als 1 Stunde Verspätung am Ziel ankommt.
@Olaf:
1. Ihnen ist aber schon klar, dass sie mit ihrem Verwaltungs-Bashing im ersten Absatz genauso denen in die Hände spielen, die hier gerne an die Macht und mal so richtig aufräumen wollen? Zwischen Kritik und dem, wie sie schreiben, gibt es einen Unterschied.
2. Denken sie, junge, motivierte und gut qualifizierte Fachkräfte suchen einen Job in der Verwaltung, wenn sie und viele andere deren Image nach Kräften schlechtreden?
@L.Donner:
Wie sieht denn dieser Unterschied aus? Ich beschreibe ja nur die Realität. Wer auch nur ein bisschen mit der Verwaltung in BGL zu tun hat, kann meine Aussagen sofort bestätigen.
Und das Problem ist nicht, dass keiner mehr einen Job in der Verwaltung sucht. Das Problem ist, dass die allermeisten nach kurzer Zeit den Job wieder fluchtartig verlassen. Da ist völlig egal, was ich hier schreibe. Jeder halbwegs motivierte Mensch macht das nicht lange mit. Die Fluktuation ist brutal hoch. Wenn die in den Unternehmen so hoch wäre, an denen ich beteiligt bin, wären die schon längst erledigt.
„Aber ich wünschte mir, man würde in diesem Land mal wieder gute Nachrichten hören.“ – Und genau deshalb bedienen Sie jedes Negativ-Klischee in schwarzmalerischer Übertreibung?
Ich wünschte, es wäre eine Übertreibung. Nennen Sie mir eine Aussage, die nicht stimmt.
Das hier ist Übertreibung:
https://temagazin.de/e-mobilitaet/buerokratieabbau-e-autos-bekommen-eine-plakette-dass-sie-keine-plakette-brauchen/
Aber auch nur ein bisschen…
„Nennen Sie mir eine Aussage, die nicht stimmt.“ – Gerne:
– „dieses Land immer mehr verkommt“
– „wenn der Kunde (der Steuerzahler) keinerlei Gegenleistung erhält“
– „Inzwischen hat uns jedes früher mal als Entwicklungsland bezeichnete Land in Asien links und rechts überholt.“
– „die mit ihrer Politik die AfD überhaupt erst ermöglicht hat“
– „Inzwischen freut man sich ja schon, wenn der Schnellzug mit nicht mehr als 1 Stunde Verspätung am Ziel ankommt.“
Allesamt unterkomplexe, plakative, pauschalisierende, übertreibende und teils schlicht falsche Aussagen zu vielschichtigen und multifaktoriellen Phänomenen – wie aus dem Lehrbuch populistischer Kommunikation.
Nur weil sie anderer Meinung sind, sind die Aussagen deswegen nicht falsch:
– “Das Land immer mehr verkommt…” sorry, aber wenn man wie ich die 70er, 80er und 90er Jahre erlebt hat, dann kann man sich noch sehr gut an eine Zeit erinnern, als Spielplätze einfach da waren und funktioniert haben
– “dass man als Steuerzahler immer weniger Gegenleistung erhält”, ist leider auch ein Fakt. Nach dem Ende von Corona war eigentlich zu erwarten, dass die gewerblichen Mieten zurückgehen sollten, weil sehr viele Unternehmen ihren Mietbestand reduziert haben, weil viele Mitarbeiter im Home Office geblieben sind. Darunter selbst konservative Unternehmen wie z.B. Versicherungen. Fakt war aber, dass die Mieten in Köln stabil hoch blieben. Als Grund wurde genannt, dass die Stadt Köln für 50% der neu vermieteten Flächen als Mieter aufgetreten ist. FÜNFZIG Prozent! Ich glaube nicht, dass die Bürger dadurch irgendeine Verbesserung im städtischen Service erlebt haben. Im Gegenteil.
– „Inzwischen hat uns jedes früher mal als Entwicklungsland bezeichnete Land in Asien links und rechts überholt.“
Wann waren Sie das letzte Mal in Asien? Ich war im März mit der Familie u.a. in Hong Kong, Bangkok und Singapur. In den Jahren davor in Malaysia und Indonesien. Wenn Sie in den letzten 15 Jahren in Asien gewesen wären, wüssten Sie, wovon ich rede. Dass Sie diesen Punkt anführen, zeigt, dass Sie es nicht waren.
– „die mit ihrer Politik die AfD überhaupt erst ermöglicht hat“ – Ich bin mir relativ sicher, dass Historiker in 20 oder 30 Jahren die Ursache für die AfD klar in Merkels Politik verorten werden. Erstmal die Dauer-GroKo. An sich schon ein Problem, wie auch Österreich gezeigt hat. Und dann konkret die Finanzpolitik im Zusammenhang mit Griechenland und danach die Handhabung der syrischen Flüchtlinge. Ich will da gar nicht ins Detail einsteigen und es ist auch egal, ob man das gut fand oder schlecht, aber Fakt ist, dass beides die Triebfedern dafür waren, dass mehr Menschen die AfD gewählt haben.
– “Inzwischen freut man sich schon, wenn der Zug nur 1h Verspätung hat” – ernsthaft jetzt? Offensichtlich sind Sie auch schon lange nicht mehr Zug gefahren. Sonst hätten Sie diesen Punkt nicht in ihre Liste gepackt. Unterhalten Sie sich doch einfach mal mit jemandem, der mindestens 1x pro Woche mit dem ICE fährt, bevor Sie hier Dinge anzweifeln, die nun wirklich keine Überraschung sind. Zugfinder.net zeigt z.B. für den ICE eine Pünktlichkeitsquote von 39,2% für gestern an. https://www.zugfinder.net/de/statistik
Bei Leuten wie Ihnen frage ich mich ernsthaft, was eigentlich noch alles schiefgehen muss, bis auch Sie bemerken, dass es so nicht weitergehen kann. Reisen Sie doch einfach mal ins außereuropäische Ausland. Es muss gar nicht Asien sein. Inzwischen sind auch die öffentlichen Verkehrsmittel in Südamerika wesentlich pünktlicher unterwegs als in Deutschland.
Jetzt haben Sie schon Ihre eigene Aussage „wenn der Kunde (der Steuerzahler) keinerlei Gegenleistung erhält“ in (das nicht viel wahrere) “dass man als Steuerzahler immer weniger Gegenleistung erhält” verfälscht – da soll man Ihnen noch ein einziges Wort glauben? Übrigens war ich durchaus schon in verschiedenen Ländern Ostasiens, auch in den letzten 15 Jahren, und es ist einfach Quatsch, was Sie erzählen. Auf den Rest Ihrer Phrasen gehe ich nicht mehr ein, das lohnt nicht weiter.
Tja Olaf, wärst`e mal Beamter geworden. Dann könntest Du krank machen, Urlaub oder sonst was.
Augen auf bei der Berufswahl.
Den Ärger ihrerseits kann man in gewisser Weise schon verstehen. Dennoch mache ich mir mal die Antwort auf die Punkte einzugehen:
Die Stadt ist für die Sicherheit der Spielplätze zuständig. Wenn es etwas nicht konform ist, kann es richtig Ärger geben… Natürlich dauern diese Prozesse teilweise viel zu lang, das ist nicht von der Hand zu weisen. Juni bis September sind die klassischen Urlaubsmonate. Da können die Angestellten in dem Bereich natürlich nicht mit voller Manpower arbeiten. Ich bin froh, dass wir hier (im Vergleich zu quasi allen asiatischen Ländern) die Möglichkeit haben, 30 Tage Urlaub für Reisen zu verwenden und den Horizont zu erweitern.
Wie kommen Sie darauf, dass es keine Gegenleistung von städtischen Mitarbeitern gibt? Das Ordnungsamt sorgt u.a. für eine saubere Stadt. Die Mitarbeitenden im Bürgerbüro leisten täglich Arbeit für eine funktionierende Kommune. Ich finde, dass wir da in GL (verglichen z.B. mit Köln) sehr gut an Termine kommen können und Prozesse reibungslos passieren. Ich könnte jetzt weitere Beispiele nennen, wo städtische Mitarbeiter eine klar zu benennende Leistung für uns als Gesellschaft nennen (z.B. die Hausmeister in den Schulen), aber weitere Ausführungen sprengen den Rahmen.
Projekte in asiatischen Ländern oder auch Katar, wo es z.B. keinen Arbeitsschutz gibt, werden natürlich viel schneller umgesetzt. Zumindest hat unsere Politik mit dem Bauturbo Verbesserungen in den Vorabläufen erwirkt. Das wird dazu führen, dass deutlich schneller der Schritt von Planung zu Baubeginn gelingt. Ein positives Gesetz aus dem letzten Jahr.
Ich bin viel in NRW mit dem Rad unterwegs und habe 2026 im Rheinland selten so viele Baustellen betreffend der Infrastruktur gesehen. Das diese endlich mal instand gesetzt wird ist deutlich erkennbar. Straßen werden im großen Stil erneuert. Aber da wir erst jetzt damit anfangen, wird es eben Jahrzehnte dauern, bis es flächendeckend auch wirklich für jeden erkennbar wird.
Thema AFD: Ich teile ihre Analyse. Merkels kommunikativer Fehler, “alternativlos” als Wort zu verwenden. Und auch mit ihrer Politik (russlandfreundlich, keine Investition in erneuerbare Energien, keine Investitionen) fallen uns seit 3 Jahren auf die Füße. Merz ist der schlechteste Kanzler der Geschichte. Aber danach kann es nur besser werden (und damit meine ich keine AFD Regierung! Da sind wir im Bund noch weit entfernt von. Zum Glück!)
Das grosse Problem ist, dass es eine Haushaltssperre gibt, gleichzeitig aber Investitionen in allen Kommunen essentiell sind. Idee: Besteuerung von Vermögen der ultrareichen 0,002 Prozent der Gesamtbevölkerung. Bringt jährlich 20 Milliarden. Diese werden auf alle Kommunen aufgeteilt und dürfen ausschließlich für Spielplätze, Parks und Straßen verwendet.
Die Stadt hat das Problem offenbar erkannt – Nutzer:innen benennen kaputte Geräte, fehlende Vielfalt, Schmutz, mangelnde Sitzgelegenheiten und lange Reparaturzeiten deutlich. Doch zwischen Erkenntnis, Konzept und konkreter Verbesserung klafft eine Lücke. Kinder brauchen keine weitere Analyse, um zu wissen, dass eine fehlende Schaukel fehlt. Sie brauchen einen funktionierenden Spielplatz – heute, nicht erst nach Abschluss eines mehrjährigen Planungsprozesses.
Ich habe vor ca. sechs Monaten die defekte / fehlende Schaukel auf dem Spielplatz “Am Vorend” über die App “tellme Mängel” bei der Stadt Bergisch Gladbach angezeigt. Sechs Monate ohne Schaukel sind für Kinder keine Kleinigkeit.
Eine falsch gelieferte Stütze kann passieren. Doch nach einem halben Jahr fehlt nicht nur ein Ersatzteil, sondern eine Lösung. Für Kinder bedeutet das bei jedem Spielplatzbesuch dieselbe Enttäuschung.
Kinder und Familien haben offenbar keine starke Lobby.
Bei einer monatelang gesperrten Straße, einem defekten Parkscheinautomaten oder ausgefallener Beleuchtung wäre der öffentliche und politische Druck vermutlich größer. Spielplätze werden offenbar als verzichtbare Infrastruktur behandelt – dabei sind sie für viele Familien unverzichtbar.
Ausweichmöglichkeiten existieren nur auf dem Papier.
Wenn auch auf dem nur wenige hundert Meter entfernten Spielplatz die Schaukeln seit Monaten fehlen, ist das kein Einzelfall mehr. Familien können nicht einfach auf andere Angebote ausweichen, insbesondere nicht ohne Auto, Garten oder kostenpflichtige Freizeitmöglichkeiten.
Es mangelt an Transparenz und Verantwortlichkeit.
Die Stadt verwaltet 136 Spielplätze mit rund 1.100 Geräten – kann aber nicht kurzfristig sagen, wie viele davon eingeschränkt nutzbar sind. Der Verweis auf Urlaubszeit ist enttäuschend: Gerade eine digitale, öffentlich zugängliche Übersicht über Sperrungen, Mängel, Reparaturstatus und Termine wäre längst notwendig.
Die Strukturanalyse darf nicht zur Vertröstung werden.
Eine neue Bedarfsplanung, Beteiligungsformate und Kriterien für Inklusion, Aufenthaltsqualität oder Klimaanpassung sind sinnvoll. Aber während Daten erhoben und Konzepte entwickelt werden, müssen bestehende Mängel trotzdem zeitnah behoben werden. Eine Analyse ersetzt keine Schaukel.