Die Schaukeln hängen schon länger nicht mehr. Fotos: Redaktion

Marode Spielgeräte, Vermüllung, Drogenutensilien: Die Stadt Bergisch Gladbach sieht sich offenbar nicht mehr in der Lage, die Sicherheit auf dem öffentlichen Spielplatz neben dem Zanders-Bad zu gewährleisten. Daher sollen die verbliebenen Spielgeräte abgebaut werden, heißt es. Zu den Details schweigt die Stadt. Es bleiben offene Fragen.

Der Spielplatz am Fuß des Quirlsbergs bietet schon länger einen trostlosen Anblick: Bauzäune versperren kaputte Spielgeräte, die Schaukeln sind abgehängt, Holzbalken auf dem Boden lassen nur noch erahnen, dass hier einmal ein Spielhäuschen stand. Es ist wenig verwunderlich, dass sich nur noch selten Kinder auf den Spielplatz neben dem Zanders-Bad in der Innenstadt einfinden.

Am Montagnachmittag sind zwei Jugendliche auf dem im hinteren Bereich liegenden Bolzplatz die einzigen Besucher. Sie üben Schwertkampf mit Stöcken. Eine Mutter, die ihr Kind aus der benachbarten Kita abgeholt hat, spaziert mit dem Buggy Richtung Bensberger Straße und Innenstadt.

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Nur Bolzplatz soll bleiben

Abgesehen von den maroden Spielgeräten sind keine gefährlichen Gegenstände zu sehen. Doch solche wurden nach Angaben der Stadt in der Vergangenheit „wiederholt“ auf dem „Spielplatz Quirlsberg“ gefunden. Und sie sollen der Grund dafür sein, dass es den Spielplatz künftig nicht mehr geben soll. Bestehen bleiben soll einzig der Bolzplatz. Die übrigen Spielgeräte sollen weichen.

Öffentlich hat die Stadt das bislang nicht mitgeteilt – trotz wiederholter Nachfragen des Bürgerportals. Ausgangspunkt unserer Fragen war eine Pressemitteilung, die die Stadt bereits am 28. Mai verschickt hatte. Nach wenigen Stunden zog sie die Mitteilung jedoch wieder zurück – mit der Bitte, sie nicht zu verwenden.

Aktualisierung: Am Dienstagmorgen (21. Juli) hat die Stadt eine Pressemitteilung verschickt und den Abbau der Spielgeräte angekündigt.

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Stadt will Spielplatz in Wiese umwandeln

Mit deutlicher Verzögerung hat die Stadt Bergisch Gladbach am Dienstag ihre Pläne zum Spielplatz „Quirlsberg“ am Zanders-Bad offengelegt. Der bisherige Kinderspielplatz soll in eine „naturnah gestaltete Bewegungs- und Freizeitsportfläche“ umgewandelt werden, heißt es in der Pressemitteilung. Die zum Teil baufälligen Spielgeräte sollen rasch abgebaut, die Sandfläche ein Magerrasen werden.

Zur Erklärung und auf Nachfrage kündigte die Stadt damals an, dass sie sich „zeitnah zu diesem Thema und zum Umgang mit dem Spielplatz“ melden würde. Das ist bis heute trotz mehrfacher Anforderung und Vertröstung nicht passiert. 

Verletzungsrisiko für Kinder

Auf Nachfrage des Bürgerportals teilte die Stadt im Juni lediglich mit: „Im Rahmen der regelmäßigen Kontrollen wurden auf dem Spielplatz wiederholt Abfälle und Gegenstände festgestellt, die ein potenzielles Gesundheits- und Verletzungsrisiko für Kinder darstellen. Hierzu zählen auch Rückstände, die mutmaßlich im Zusammenhang mit dem Konsum von Betäubungsmitteln stehen.“ Was genau gefunden worden war und was das für den Spielplatz bedeutet, blieb offen.

In der Pressemitteilung vom 28. Mai hatte die Stadt mitgeteilt, die Sperrung des gesamten Spielplatzes sei aus Sicherheitsgründen nötig. Demnach stellten eine zunehmende „Vermüllung und Verschmutzung eine wachsende Gefährdung für spielende Kinder“ dar.

Trotz regelmäßiger Kontrollen und Reinigungen der Spielplatzfläche und eines „erheblichen Personaleinsatzes“ sei ein „ausreichend sicheres Spielen“ nicht mehr zu gewährleisten. Einzig der Bolzplatz sollte weiterhin geöffnet und nutzbar bleiben. 

Doch auch der Spielplatz – besser gesagt das, was davon übrig ist – blieb geöffnet.

Überreste eines Spielhäuschens hinter Bauzäunen. Fotos: Redaktion

Auf wiederholte Nachfragen des Bürgerportals teilte die Stadt im Juni mit: „Ab sofort wird die GL Service zweimal täglich den Platz anfahren und reinigen. Anfang Juli findet dann ein gemeinsames Treffen auch mit Polizei und Ordnungsbehörde statt, wo diskutiert wird, wie wir langfristig mit der Fläche umgehen. Daraufhin werden wir dann noch mal gesondert kommunizieren.“ Was nicht geschah.

In der Ratssitzung am 14. Juli sprach Benno Nuding (fraktionsloses Einzelmitglied) den Spielplatz und die zurückgezogene Pressemitteilung öffentlich an. Dabei fragte er auch, ob es einen Zusammenhang zu den Berichten der Polizei gebe, wonach die Drogenszene aus Köln verstärkt nach Bergisch Gladbach ziehe.

Der Beigeordnete Stephan Dekker kündigte an, dass es am folgenden Tag zu dem Thema eine Videokonferenz mit den Fraktions- und Gruppenvorsitzenden geben solle. Die Problematik sei erkannt, die Reinigung des Spielplatzes intensiviert worden, es solle schnell reagiert werden. 

Nach der Videokonferenz erneuerten und erweiterten wir unsere Anfragen zum Thema. Auf vier Fragen erhielten wir aber nur auf die Fragen 3 und 4, die sich auf die Drogenszene in Bergisch Gladbach bezogen, Antworten. Die Aussage der Stadt: „Die aktuelle Lage sehen wir seitens der Verwaltung unverändert. Drogenkonsum findet statt, hat aber nicht zugenommen.“

Außerdem betonte die Verwaltung, wie positiv sich der Szenetreff an der Schnabelsmühle gegenüber vom Spielplatz entwickelt habe. „Das Klientel hat diesen gut angenommen und nutzt den Rückzugsort für den Konsum. Die Drogenszene hat sich aus unserer Sicht nicht ausgeweitet, sondern ist konstant geblieben.“

Durch eine enge Zusammenarbeit mit Polizei, Ordnungsbehörde und Streetworker:innen könne zudem „schnell auf veränderte Lagen reagiert werden“, heißt es weiter.

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Alles im Griff? Das widerspricht der zurückgezogenen Pressemitteilung und dem Lagebericht der Polizei.

Wie es mit dem Spielplatz weitergeht, bleibt von der Stadt nach wie vor unbeantwortet. Ebenso offen ist die Frage, warum sich die Geräte in einem so schlechten Zustand befinden.

Geöffnet ist er weiterhin. Wie lange, ist unklar. Denn die Verwaltung soll bereits entschieden haben, auch die verbliebenen Spielgeräte abzubauen. Tatsächlich soll nur der Bolzplatz erhalten und geöffnet bleiben.

Fotos vom 28. Mai. Verunreinigungen waren an diesem Tag nicht zu finden. Fotos: Redaktion

ist seit 2024 Redakteurin des Bürgerportals. Zuvor hatte die Journalistin und Germanistin 15 Jahre lang für den Kölner Stadt-Anzeiger gearbeitet. Sie ist unter anderem für die Themen Bildung, Schule, Kita und Familien zuständig und per Mail erreichbar: k.stolzenbach@in-gl.de

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  1. Wenn die Stadt schon in peinlichster Weise kapituliert, würde ich vorschlagen den direkt angrenzenden Kindergarten auch zu räumen und den Junkies zu überlassen, dann haben die wenigstens auch noch ein Dach über dem Kopf. ‍♂️
    Laut H. Santillán muss eine Stadt ja für ALLE da sein, offensichtlich sogar besonders für solche. Da muss halt der rechtschaffene Bürger und Anwohner zurückstecken. Mich würde nur mal interessieren ob er so reden würde wenn er diese Szene vor seiner Haustür hätte.

  2. Was ist das zukünftige Ziel, der politischen Vertretung und der Stadtverwaltung, in Bezug auf die Entwicklung von Bergisch Gladbach? Mir ist es nicht mehr klar?!! Ist das wirklich noch Politik im Sinne der Bürger*innen?

  3. Der Plan scheint hier ja einfach, wie beim Rest des Quirlsberg, zu sein dass man versucht die Kinder und Jugendlichen bei jeglichen Problemen direkt wo anders in die Stadt zu schieben.
    Das offenbart wiederum, was einem die Kinder und Jugendlichen wert sind. Mit ihnen kann man es ja machen, da hier keine Lobby mit viel Geld dahinter steht.
    Ob so süchtigen Menschen geholfen wird ist ebenso fraglich…

    1. Lieber Janis,

      die Alternative wäre, das Ordnungsamt und Polizei repressiv gegen Menschen vorgeht. Das ist tatsächlich keine gute Lösung. Diese Stadt muss für ALLE da sein. Ziel muss es sein, zu einem gerechten Ausgleich der Interessenslage zu kommen, die wirklich alle berücksichtigt und die Probleme im Auge behält.

      Das darf zu nicht Kürzungen bei Kindern führen. Im Gegenteil, müssen wir da mehr tun. Es kommt eben darauf an, wo und was auch gut funktioniert. Ich befürchte, dass Polizei am Spielplatz Quirlsberg keine Lösung ist.

      Tomás M. Santillán -Mitglied im Stadtrat Bergisch Gladbach Die Linke

  4. “Außerdem betonte die Verwaltung, wie positiv sich der Szenetreff an der Schnabelsmühle gegenüber vom Spielplatz entwickelt habe.”
    Damit hat die Verwaltung doch eine Position bezogen und ihre Prioritäten gesetzt.
    Dass die Ansiedlung der Szene konsequenzenbehaftet ist, liegt in der Natur der Dinge.
    Sehr schade, dass eine wunderschöne vorhandene Grünfläche mitten im Stadtkern von GL nun nicht mehr Familien mit kleinen Kindern, sondern Drogenkonsumenten zur Verfügung gestellt wird.
    Ich denke, das erkennbare Stadtbild lässt stets einen Rückschluss auf die Arbeit der Gemeindeverwaltung zu. Bei uns entwickelt sich nach Aussage der Verwaltung die Drogenszene gut und diese Menschen fühlen sich in dem gesamten Bereich rund um die Schnabelsmühle wohl. Die anderen halt nicht und können sich woanders etwas suchen.

  5. Das wird der absolute Gamechanger werden die Drogenszene zu bekämpfen. Ruft doch mal bitte in Köln an und berichtet von eurem genialen Durchbruch. Da sollen die die Spielplätze schließen dann hauen die Junkies von alleine ab.

    1. Wie die Repression sich in Köln auswirkt sehen wir am Beispiel Neumarkt. Jetzt ist die Szene woanders und auf anderen Plätzen. Die Dinge haben sich nur verschoben, aber keine Probleme gelöst. Doch ein Punkt: Die Lage am Neumarkt ist besser geworden und jetzt haben andere das Problem.
      Allerdings ist der Neumarkt als zentraler Platz und viel Menschenbewegung nicht mit dem Spielplatz Quirlsberg zu vergleichen, denn da halten keine Busse und Bahnen, um umzusteigen. Tatsächlich ist er Platz etwas abgelegen und führt in der Stadtmitte zu keinem Stress. Hinzukommt das Wäldchen dahinter, was natürlich für eine bestimmte Szene sehr attraktiv ist.
      Der jetzige Vorschlag eröffnet aber eine Menge Optionen und die Streetworker und Verbände können repressionsfrei dort arbeiten, ohne dass Polizei und Ordnungsamt Erfolge durch ein repressives Vorgehen zerstören würden.

      Der Vorschlag der Stadt ist richtig und ich bin sogar etwas verwundert, dass sie das vorschlagen.

      Tomás M. Santillán – Mitglied im Stadtrat Bergisch Gladbach Die Linke

  6. Als unmittelbarer Anwohner empfehle ich der Redakteurin nicht nachmittags den Ort zu besuchen sondern abends, wenn sie sich traut, denn mittlerweile ist dies ein krimineller Hotspot. Alternativ morgens, dann würde sie die Hinterlassenschaften und die zum Teil katastrophalen Zustände sehen.

    1. Wir waren mehrfach auch abends zu verschiedenen Uhrzeiten vor Ort.

  7. Die größere Frage ist, wie es insgesamt mit dem Wäldchen auf dem Quirlsberg weitergehen soll. Haben Verwaltung und Politik dazu Ideen? Eigentlich ist es ein schönes Fleckchen Grün mitten im Stadtzentrum. Wenn es besser erschlossen wäre, könnte es sich zu einem beliebten (kühlen!) Park entwickeln. Wie schon an anderer Stelle geschrieben, wäre meine Idealvorstellung eine begrünte Brücke über die Schnabelsmühle, um eine Verbindung zum Forumspark herzustellen. Teuer, ja…

    Solange es nur um den Spielplatz geht, wäre ein Wegfall m.E. verkraftbar – es gibt andere Plätze in fußläufiger Entfernung. Oder wie sehen die Anwohner:innen das?

    1. eine Brücke für die Menschen.
      Ja – wäre eine Möglichkeit rüber ins Grün zu kommen

      Konträr dazu: die Planung der gigantischen Brücke bzgl. der S-Bahn.
      dies wird uns als einzig gute tragbare Lösung offeriert

    2. @U. Kleinert, welche anderen (Spiel)Plätze in fußläufiger Entfernung gibt es?

      1. Mir fallen spontan Spielmöglichkeiten im Forumpark, im Buchmühlenpark und die Kleingeräte am Trotzenburgplatz ein. Meines Wissens wurden jüngst auch auf Zanders Spielmöglichkeiten errichtet – allerdings ist mir dort die Zielgruppe nicht bekannt.

  8. Ich habe mal eine Frage an die Stadtverwaltung: hat die Schließung des Spielplatzes etwas mit dem Canabisgesetz und der Abstandsregelung zu tun? In der Nähe gibt es eine “Einrichtung”, die möglicherweise nicht im Einklang steht mit dem Gesetz.

  9. Langsam entsteht ein Gesamtbild, das viele Bürger beunruhigt.

    Erst das Jugendzentrum Q1 am Quirlsberg, dann die Verkleinerung und Verlagerung der Pfadfinder, jetzt soll auch noch der Spielplatz verschwinden. Für jedes einzelne Vorhaben gibt es eine Begründung – in der Summe bleibt aber immer weniger Raum für Kinder und Jugendliche auf dem Quirlsberg.

    Deshalb stellt sich zwangsläufig die Frage: Welche langfristige Perspektive verfolgt die Stadt eigentlich für dieses Gelände? Bis heute fehlt eine klare und transparente Antwort.

    Das Evangelische Krankenhaus expandiert seit Jahren im Umfeld des Quirlsbergs und hat dort bereits zahlreiche Gebäude und Flächen übernommen. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass sich viele Bürger fragen, ob die Interessen von Kindern und Jugendlichen bei den aktuellen Entscheidungen wirklich noch das gleiche Gewicht haben wie andere städtebauliche Entwicklungen.

    Wenn innerhalb kurzer Zeit ein Jugendzentrum verschwindet, die Pfadfinder ihren gewachsenen Standort verlieren und nun auch noch ein Spielplatz aufgegeben werden soll, dann entsteht der Eindruck, dass die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen Schritt für Schritt zurückgedrängt werden.

    Die Stadt sollte deshalb endlich offen darlegen, welche langfristige Planung sie für den Quirlsberg verfolgt. Transparenz wäre der beste Weg, Gerüchten und Spekulationen entgegenzutreten – denn genau die entstehen, wenn Entscheidungen nur scheibchenweise erklärt werden.

    Diese Entscheidungen die hinter verschlossenen Türen getroffen werden verstärken politisch weiter den Ruck nach rechts.

    Ich habe langsam den Eindruck die Stadtverwaltung der Bürgermeister und Konsorten machen sich keine Vorstellung davon welche Wut das in den Bürgern hervorruf, gleichzeitig wird In sozialen Medien von der Stadt Bergisch Gladbach die Kommentarfunktion für die Bürger abgeschaltet damit solche Entscheidungen öffentlich nicht mehr groß hinterfragt werden können.

    1. Danke für Ihre klaren Worte.
      mögen diese “die Verwaltung” bewegen
      (kaum vorstellbar – die Empörung so oft schon geteilt in diesen Belangen – keine Veränderung der schweigenden Taktik)

      * träumen und wünschen erlaubt *

      BürgerIn in GL

    2. @Stephie

      Du stellt berechtigte Frage. Und tatsächlich besteht die Gefahr, dass im drohenden Haushaltssicherungskonzept weitere Mittel bei Kinder und Jugend gestrichen werden. Das richtige Signal wäre hier, dass Die Stadtverwaltung deutlich macht, dass keine weiteren Mittel gekürzt werden und genauer und ortsnah eingesetzt werden. Das ist wichtig. Der neue Vorschlag darf nicht dazu führen, dass weiter gespart wird.

      Bei der Vermutung, “Ruck nach rechts” bin ich aber nicht bei dir, denn tatsächlich gibt es dazu eine Menge “law-and-order” Forderung, die Repression gegen die Szene zu erhöhen und Menschen dort zu verdrängen. Tatsächlich wäre das aktuell wohl die einzige Alternative. Genau betrachtet ist der Vorschlag aus der Verwaltung kein “Ruck nach rechts”, sondern genau das Gegenteil. Es geht um einen realistischen Ausgleich. Statt Sündenböcke zu suchen, Menschen an den Rand zu drücken und mit Polizei zu vertreiben, brauchen wir nachhaltige Konzept, die Kindern und Jugendlichen nutzen und andere vulnerable Gruppen nicht einfach platt machen.

      Tomás M. Santillán – Mitglied im Stadtrat Bergisch Gladbach Die Linke