Themen aus der Schule sind für die Betroffenen oft sehr emotional. Das machten die Vertreter:innen der Schulen im Fachausschuss mehrfach deutlich. Gerade deshalb arbeiteten die Ausschussmitglieder viele Themen sachlich und im Konsens ab. Es ging um die Abschaffung der letzen Schulbusse, die fehlenden Plätze an Grundschulen und Realschulen – und einiges mehr.
Wir fassen die Debatten und Entscheidungen in einem Ad-hoc-Protokoll zusammen.
Die Sitzung des Ausschusses für Schulen und Gebäudewirtschaft (ASG) startet mit dem großen Bild – und dem Eingeständnis, dass dieses Bild noch immer unscharf ist. Eigentlich wollte die Schulverwaltung in dieser Sitzung den aktualisierten Schulentwicklungsplan vorstellen, der erstmals die Zukunft von Grund- und weiterführenden Schulen in einem Tableau zusammenfassen soll.
Da die aktuellen Anmeldezahlen noch nicht vorliegen, müsse man das jedoch auf die nächste Sitzung vertagen, sagt Fachbereichsleiterin Barbara Kirschner. Zwar komme der Geburtenrückgang bei den Schulen noch nicht an; dennoch wolle man die aktuellen Daten noch berücksichtigen.
Felix Bertenrath, Leiter der Otto-Hahn-Realschule und Vertreter der weiterführenden Schulen, begrüßt zunächst, dass sich die Verwaltung endlich wieder der Frage angenommen habe, wie sich die Schullandschaft mittel- und langfristig entwickeln soll. Er mahnt an, dabei auch die Trends in den Nachbarkommunen und in den einzelnen Stadtteilen Bergisch Gladbachs sowie die besondere Rolle der Hauptschule zu berücksichtigen.
Das Ende des Schülerspezialverkehrs
Die geplante Einstellung der Schulbusse in Herkenrath und Moitzfeld (die es in anderen Stadtteilen schon lange nicht mehr gibt) hatte im Vorfeld für viel Unruhe und Protest in der Elternschaft geführt. Im Stadtrat hatte zuletzt die CDU Dutzende Fragen aufgeworfen und von 1000 Schüler:innen berichtet, die jeden Morgen alleine in Herkenrath gleichzeitig ankämen.
Fachbereichsleiterin Kirschner räumt ein, dass die Schulwegsicherheit für Eltern ein emotionales Thema sei. Bittet aber um Verständnis, dass die Verwaltung auch in dieser Sache nach Recht und Gesetz handeln müsse. Deutlich wendet sie sich gegen Vorfälle, in denen Mitarbeiter der Stadt öffentlich persönlich angegriffen worden seien.
Dann ordnet sie die Sachlage ein. Tatsächlich seien es weder bei Schulbeginn noch bei Schulschluss 1000 Schüler, die in Herkenrath auf der Straße aufeinanderstießen – sondern allenfalls 30 bis 50. Von einer akuten Lebensgefahr könne keine Rede sein.
Die als Ersatz angebotenen Linienbusse seien so getaktet, dass sie rechtzeitig bzw. ohne übergroße Wartezeiten erreicht werden könnten. Sie verfügten über genug Platz, um auch die Schüler:innen aufzunehmen, die bislang mit den Schulbussen fahren. Die hatte die Stadt noch einmal zählen lassen – und hatte je nach Wochentag zwischen drei und zwölf registriert.
Sollte der Platz dennoch nicht reichen, habe der RVK zugesagt, größere Busse einzusetzen. Bei der Wupsi könne ein Bustraining für Erstklässler abgerufen werden.
Grüne und SPD verweisen auf die Haushaltslage und den Gleichbehandlungsgrundsatz, zudem sei der Vorschlag der Verwaltung zumutbar und akzeptabel.
Dem stimmt auch die CDU zu. Die Zahlen seien eindeutig, die Argumentation der Verwaltung nachvollziehbar. Das Angebot der Wupsi solle auf jeden Fall in Anspruch genommen werden.
Stadt stellt Schulbusse für Grundschüler zum Jahresende ein
Bislang gab es für eine Reihe von Kindern der Grundschulen in Herkenrath und Moitzfeld einen eigenen Schulbusverkehr. Dieser soll Ende des Jahres endgültig abgeschafft werden. Künftig sollen die betroffenen Kinder reguläre Linienbusse nutzen. Die Stadt sieht nach einer erneuten Prüfung keine Gründe, die dagegen sprechen. Die Eltern sind anderer Auffassung.
Damit wird die Mitteilung der Verwaltung, nach erneuter Prüfung am früheren Ratsbeschluss festzuhalten und den Schülerspezialverkehr zum Jahresende einzustellen, einmütig gebilligt.
Für die Verwaltung sagt Dezernent Thore Eggert vor, die Umstellung eng zu begleiten und bei Bedarf nachzusteuern.
Mehr Grün für die GGS Paffrath
Der Schulhof der GGS Paffrath wird erneuert, um Gefahren zu beseitigen, berichtet die Verwaltung. Dabei werde es auch kleinere Maßnahmen zum Klimaschutz geben: Ein Teil der Fläche wird nicht asphaltiert, sondern mit einer wassergebundenen Decke versehen. Außerdem kämen einige Bäume hinzu.
Hinweis der Redaktion: Die Tagesordnung und alle Dokumente zur Sitzung finden Sie im Ratsinformationssystem.
Florian Fornoff, der für die AfD neu im Schulausschuss sitzt, stellt – in der ganzen Sitzung – viele Sachfragen, u.a. nach den Folgekosten der Schulhofsanierung. Mit der Maßnahme reduziere man die Betriebskosten, erläutert die für Immobilien zuständige Fachbereichsleiterin Alexandra Meuthen: Da ein Teil des Schulhofes nun eingezäunt und abends geschlossen werde, könne man sich aufwendige morgendliche Reinigungsaktionen sparen.
Die Schullandschaft in Refrath
Bei einem Bericht zum Sachstand bei der kurz- und mittelfristigen Sanierung der GGS Refrath (ein konkreter Beschlussvorschlag soll im Dezember kommen) wird auch über die Neuordnung der gesamten Grundschullandschaft Refrath gesprochen.
Auch das sei sehr emotional besetzt, sagt Fachbereichsleiterin Kirschner. Wie immer, wenn es darum gehe, Standorte zu verlegen oder gar zu schließen. Die Verwaltung sei gerade dabei, ein komplexes Paket „rund zu machen“, mit der Schulaufsicht und den Schulleitungen zu reden und voraussichtlich im Dezember den Ausschuss zu informieren.
Die Berichte der Schulleitungen
Wie drängend und eben auch emotional die Themen sind, mit denen sich die Schulen im Alltag auseinandersetzen müssen, wird wieder einmal beim Bericht der Schulleitungen deutlich.
Kerstin Bacher, Leiterin der EGS Bensberg, vertritt zum ersten Mal die Grundschulen im Ausschuss. Sie lobt die Zusammenarbeit mit der Schulverwaltung, die sich zuletzt gut entwickelt habe.
Für alle Beteiligten sehr belastend sei das laufende Anmeldeverfahren der Grundschulen, das bis zum 15. November abgeschlossen werden soll. Dafür gebe es aber an vielen Schulen nicht genug Plätze. Alleine in Moitzfeld gebe es Bedarf für eine ganze Schulklasse. Die Schulen hofften zwar erneut auf kreative Lösungen. Die seien auch im Vorjahr gefunden worden, aber eben erst im Frühjahr. Und damit nach dem eigentlichen Termin für den Versand der Zu- und Absagen.
Schon jetzt, so Bacher, reagierten viele Eltern unzufrieden, einige hysterisch. Über die Schulaufsicht hagele es Beschwerden, obwohl die eigentlich erst nach einer Ablehnung möglich seien. Alles das sorge für eine „wahnsinnige Belastung“ der Kollegien. Daher appelliert sie an die Verwaltung, möglichst rasch mehr Plätze in Moitzfeld und Refrath zu schaffen.
Die Idee, die Klassenstärken auf 28 Schüler:innen herauf zu setzen, sei unter den Bedingungen von Integration und Inklusion allerdings keine gute Lösung.
Fachbereichsleiterin Kirschner sagt zu, mit Hochdruck an der Sache zu arbeiten. Allerdings sei noch gar nicht klar, wieviele Kinder zurückgestellt und ein weiteres Jahr in den ersten Klassen verbringen würden. Noch komplizierter werde die Lage durch den Rechtsanspruch auf einen OGS-Platz, der im nächsten Jahr für die erste und zweite Klasse gilt.
Bertenrath berichtet als Sprecher der weiterführenden Schulen, dass die Neubauten für die Rückkehr zu G9 weitgehend rechtzeitig in Betrieb gegangen seien. Nun gebe es – zum Beispiel am AMG – große Sorgen, dass sich die anschließende Sanierung (bzw. Neubau) der Schule um womöglich weitere zwei Jahre verzögere. Und war deshalb, weil die Verwaltung zunächst entlang der Schulbauleitlinien mit den Schulleitungen sehr genau definieren wolle, wie gebaut wird.
Das sei jetzt notwendig, erläutert Fachbereichsleiterin Meuthen, um den späteren Planungsprozess deutlich zu beschleunigen. Durch die Schulbauleitlinien verliere man keine Zeit, sondern spare sie ein.
Danach nimmt Bertenrath ein weiteres Thema auf – und verwies auf den Bericht der Schulsozialarbeiter im Jugendhilfeausschuss. Dort hätten sie sehr deutlich gemacht, wie wichtig ihre Arbeit ist – und dass es sehr viel mehr von ihnen geben müsste.
„Ich kann nur dort agieren, wo die Not am größten ist“
Leistungsdruck, Mobbing, häusliche Gewalt: Die Schulsozialarbeiter:innen in Bergisch Gladbach berichten von einer deutlichen Zunahme an Belastungen bei Schülerinnen und Schülern. Die vorhandenen Stellen reichen bei weitem nicht aus. Zusammen mit den Schulleitungen fordern sie einen Ausbau.
Wie bei den Grundschulen gibt es auch bei den weiterführenden Schulen nach wie vor große Probleme bei der angemessenen Verteilung der Schüler auf zu wenig Schulplätze, berichtet Bertenrath. Drastisch zeige sich das beim Wechsel vom Gymnasium zur Realschule: im vergangenen Jahr hätten 144 Gymnasiasten nach der siebten Klasse eigentlich auf die Realschule wechseln wollen, aber nur 60 hätten einen Platz gekommen.
Dahinter, so Bertenrath, stünden dramatische Erlebnisse. Er schildert den Fall, wie Lehrer und Schulleitungen die Eltern mühsam überzeugt hätten, dass ihr Sohn besser auf der Realschule aufgehoben sei. Dann hätten sie das akzeptiert – und mussten erfahren, dass es an den Realschulen keinen Platz gibt. Dieses Kind habe ein Jahr am Gymnasium wiederholen, erneut ein Jahr des Versagens erleben müssen, bevor er von einer Realschule aufgenommen werden musste.
Auch hier räumt Kirschner ein, das Problem zu kennen, aber keine Lösung zu haben. Zwar sei an der Realschule Kleefeld in diesem Jahr eine weitere Klasse eingerichtet worden – für mehr fehle in den vier Realschulen der Stadt aber schlicht der Platz.
Last but not least wiederholt Bertenrath seine Klage, dass vor so gut wie jeder Schule der Elterntaxi-Betrieb für unhaltbare, teilweise in der Tat für lebensgefährliche Umstände sorge. Auch dieses Problem, so Dezernent Eggert, sei der Stadt sehr bewusst. Es sei jedoch ein gesellschaftliches Problem, dass weder von der Polizei noch von der Verwaltung gelöst werden könne. Sondern nur durch Einsicht und ein anderes Verhalten der Eltern.
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“Wie bei den Grundschulen gibt es auch bei den weiterführenden Schulen nach wie vor große Probleme bei der angemessenen Verteilung der Schüler auf zu wenig Schulplätze, berichtete Bertenrath. Drastisch zeige sich das beim Wechsel vom Gymnasium zur Realschule: im vergangenen Jahr hätten 144 Gymnasiasten nach der siebten Klasse eigentlich auf die Realschule wechseln wollen, aber nur 60 hätten einen Platz gekommen.”
Die Lösung für dieses Dilemma sind natürlich mehr Gesamtschulen.
Die Hauptschule will doch niemand… Das belegen die Anmeldezahlen. Man könnte aus Hauptschule und Realschule im Kleefeld eine dritte “kleine” Gesamtschule machen.
Viele Kinder werden dann mit eingeschränkter Gymnasialempfehlung auf das Gymnasium geschickt, würden die Gesamtschule bevorzugen, wo es aber keine Plätze gibt.
Die Stadt kann dieses Problem ziemlich gut lösen. Es wird jedes Jahr wieder diskutiert werden, bis es dann in ein paar Jahren endlich angegangen wird.
“Im Stadtrat hatte zuletzt die CDU Dutzende Fragen aufgeworfen und von 1000 Schüler:innen berichtet, die jeden Morgen alleine in Herkenrath gleichzeitig ankämen.”
“Dann ordnete sie die Sachlage ein. Tatsächlich seien es weder bei Schulbeginn noch bei Schulschluss 1000 Schüler, die in Herkenrath auf der Straße aufeinanderstießen – sondern allenfalls 30 bis 50.”
Liebe CDU, das als Populismus zu bezeichnen wäre ja eine Untertreibung. Was ist da bei euch los?
Mich macht dieser Bericht nachdenklich. Nicht nur wegen der fehlenden Schulplätze, sondern vor allem wegen der Kinder, die dahinterstehen.
Wenn ein Schulwechsel vom Gymnasium auf die Realschule (oder eine andere Schulform) notwendig wird, ist das für viele Familien ohnehin eine belastende Situation. Wenn Kinder dann erleben, dass sie eine Empfehlung erhalten, aber keinen Platz bekommen, verstärkt das Gefühle von Scheitern, Ausgrenzung und Perspektivlosigkeit. Die ohnehin belastende Situation, es „nicht geschafft“ zu haben und „abgeschult“ zu werden, wird dadurch massiv verstärkt.
Übergänge in der Bildungsbiografie gehören zu den Ereignissen, die das Wohlbefinden und die psychische Gesundheit von Kindern spürbar beeinflussen. Schulübergänge sind sensible Phasen, die gut begleitet werden müssen. Dass die Kinder dann aber erleben müssen, dass für sie woanders kein Platz ist, ist sicher nicht sensibel.
Aus meiner Sicht sollten wir deshalb nicht nur über fehlende Plätze sprechen. Wir sollten darüber sprechen, wie wir ein Schulstruktur – und -organisation in Bergisch Gladbach gestalten, dass Kinder in ihrer Entwicklung gestärkt werden statt ihnen das Gefühl zu geben, sie seien ein Problem. Kein Kind sollte erleben müssen, ein weiteres Jahr zu scheitern, weil die Strukturen nicht zu seinem Lernweg passen.
Ich hoffe sehr, dass auch diese Überlegungen Teil des Schulentwicklungplans sind und nicht nur über Zahlen und Rechtsansprüche diskutiert wird.
Hinter jeder Zahl verbirgt sich ein Kind, dass in erster Linie mal das Recht auf eine optimale Bildung hat.
Schlussfolgere ich richtig, dass zwölf Elternpaare, oder lassen wir es mal 20 sein, die ihre Kinder lieber im Schulbus als im Linienbus zur Schule schicken, so einen Aufstand gemacht haben, dass der Stadtrat sich damit mehrfach beschäftigen musste und Mitarbeitende der Stadt öffentlich angefeindet wurden?
Aber wenn die 20 Kinder dann mit dem Auto gefahren werden, weil man sie nicht in den Linienbus setzen möchte (zurecht) wird dies auch bemängelt . Es wird immer weiter bei den Familien und Kindern gespart. 20 Kinder sind wichtig.
Warum möchten Sie Ihr Kind (zurecht?) nicht in den Linienbus setzen?
Das Problem ist, dass es in den betreffenden Ortsteilen weit & breit keine Buslinie gibt. Insofern verstehe ich, dass die Eltern sich verschaukelt vorkommen. Ich verstehe aber auch, dass eine Sonderbehandlung für wenige Kinder an zwei Grundschulen ungerecht ist. Was tun? Jedenfalls sollte man ehrlich sein und keine “Alternative” anbieten, die es bei Lichte betrachtet gar nicht gibt.