Die strukturellen Probleme der Grundschule in Gronau lassen sich nicht mehr lösen, sie wird mittelfristig neu gebaut. Bis dahin muss man dem Niedergang aber nicht tatenlos zusehen. Das bewiesen am Samstag rund 50 Freiwillige: Innerhalb weniger Stunden strichen sie große Teile der Schule neu. Möglich wurde das durch das Engagement von Lehrkräften, Eltern, Vereinen und weiteren Helfern – und einer Menge Vorarbeit.

An einem Samstag sind die Flure der GGS Gronau normalerweise menschenleer. Am 17. Oktober ist das jedoch anders. In beiden Schulgebäuden wird auf mehreren Etagen gearbeitet. Lehrkräfte und Eltern streichen ihre Klassenräume, weitere Freiwillige kümmern sich um die Flure. Überall stehen Farbeimer, liegen Abdeckvliese. Aus den Stockwerken schallt Musik.

Die Schule bekommt einen neuen Innen-Anstrich. Und das nicht etwa durch eine beauftragte Malerfirma, sondern durch mehrere Dutzend Menschen, die dafür freiwillig ihre Zeit und Arbeitskraft zur Verfügung stellen.

Schulleiterin Ann-Marie Rosenberger. Foto: Thomas Merkenich

Schulleiterin Ann-Marie Rosenberger zählt rund 15 Menschen aus dem Kollegium, etwa zehn Eltern und zahlreiche weitere Unterstützer. Round Table 215 Bergisch Gladbach, ein Netzwerk ehrenamtlich engagierter Männer, ist mit ungefähr zehn Mitgliedern vertreten. Auch eine Jugendgruppe aus Gronau ist dabei. Hinzu kommen Menschen aus dem Umfeld der Schule und weitere Engagierte aus dem Stadtteil.

Insgesamt sind rund 50 Menschen an der Aktion beteiligt. Eine beachtliche Zahl, die angesichts der Größe der Aufgabe allerdings auch gebraucht wird.

Im älteren Schulgebäude konzentrieren sich die Arbeiten auf den Keller und das erste Obergeschoss. Im neueren Gebäude wird vom Erdgeschoss bis in die zweite Etage gestrichen. Die Lehrkräfte starten in ihren eigenen Klassenräumen, andere Helfer bearbeiten vor allem die Flure. Wer mit seinem Bereich fertig ist, packt an anderer Stelle mit an.

Von der Idee zur Streichaktion

Die Idee zu der Aktion entstand unter anderem aus Gesprächen zwischen Ann-Marie Rosenberger und Friedrich Zapf. Die Schulleiterin, die seit August 2025 an der GGS Gronau tätig ist, hatte vor einiger Zeit Vertreter verschiedener Fraktionen des Stadtrats eingeladen, sich selbst ein Bild von den Verhältnissen an der Schule zu machen.

Zapf, der für die CDU Mitglied im Schulausschuss ist, und die GGS Gronau an einem heißen Sommertag besuchte, behielt besonders eine Beobachtung auf dem Schulhof in Erinnerung. Die Kinder hatten sich unter einem Baum versammelt, der ihnen etwas Schatten bot. Spielgeräte gab es kaum. Stattdessen beschäftigten sie sich mit Erde und einem Kehrblech.

„Sie spielten mit Dreck“, erzählt Zapf. Die Szene erinnerte ihn an die Schafe auf einer Wiese gegenüber seinem Haus, die sich bei großer Hitze ebenfalls unter einem Baum zusammendrängen. Für Zapf war dieser Anblick ein Anlass, sich intensiver mit den Problemen der Schule zu beschäftigen – die er als Kind selbst besucht hatte.

Der Mangel an Spielmöglichkeiten auf dem Schulhof ist jedoch nur eine von mehreren Baustellen. Die Schule leidet unter Raumnot, baulichen Mängeln und einer in vielen Teilen veralteten Ausstattung. Viele dieser Probleme lassen sich aber kurzfristig nicht lösen, sondern müssen auf die grundlegende Sanierung der Schule warten.

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Rosenberger und Zapf suchten deshalb nach einer Möglichkeit, dennoch etwas zu verändern. Zum Beispiel die Wände in Klassenräumen und Fluren, die über die Jahre deutlich gelitten hatten. Ein neuer Anstrich schien mit freiwilligen Helfern umsetzbar.

„Es geht darum, etwas zu machen“, sagt Zapf.

Schon im Sommer hatte der Round Table 215 der Schule mehrere Tischkicker und Spielmaterial gespendet. Und auch für die nächste Aktion konnte Zapf „seine Jungs“ vom Round Table gewinnen. Derweil mobilisierte Rosenberger das Kollegium und die Elternschaft.

Diese breite Unterstützung kommt dabei nicht aus dem Nichts. Eine wichtige Rolle spielt das seit Jahren bestehende Netzwerk Gronau-Hand, in dem soziale Einrichtungen, Vereine und engagierte Menschen aus den beiden Stadtteilen zusammenarbeiten. Auch der Abenteuerspielplatz, dessen Leiterin Angelika Schäfer am Samstag selbst mit anpackt, ist Teil dieser gewachsenen Strukturen.

Viel Arbeit vor dem Samstag

Ganz ohne Hürden ging es allerdings nicht. Für die Streichaktion wurden nicht nur zahlreiche Helfer gebraucht, sondern auch erhebliche Mengen an Material.

Foto: Thomas Merkenich

Allein 500 Liter Wandfarbe standen auf der Bestellung. Hinzu kamen Pinsel, Farbrollen, Acryl und Abdeckmaterial. Die Gesamtkosten von 3.483,49 Euro übernahm die Stadt Bergisch Gladbach. Die endgültige Zusage erhielt Rosenberger allerdings erst kurz vor dem Aktionstag.

Auch die Schule selbst musste vorbereitet werden. Schon in der Woche vor der Aktion wurden Löcher verspachtelt und beschädigte Stellen ausgebessert. Das Sekretariat war am Samstag schon fertig gestrichen. Dieser Bereich sollte bewusst vor der großen Aktion fertig sein, weil dort sensible Daten lagern.

Am Freitag vor den Herbstferien blieben die Kinder zu Hause und bearbeiteten dort Aufgaben, die ihnen die Lehrkräfte vorbereitet hatten. So konnte das Kollegium alle nötigen Vorbereitungen für den großen Einsatz am Samstag treffen.

Eine besondere Aufgabe wartete im Keller des Altbaus. An der langen Wand des Flurs war der Putz besonders stark beschädigt. Mit einem einfachen Anstrich war es hier nicht getan.

Sprach- und Fachlehrerin Mimoza Leka organisierte deshalb Unterstützung aus ihrem Bekanntenkreis. Drei Männer aus der albanischen Community entfernten die schadhaften Putzstellen, bereiteten den Untergrund vor, arbeiteten Gewebe ein und verputzten die Wand neu. Dafür waren sie schon vor dem Samstag mehrfach in der Schule.

Die Männer haben teilweise gar keine unmittelbare Verbindung zur GGS Gronau. Sie wollten der Gesellschaft einfach etwas zurückgeben, erzählt Leka. Am Samstag sind sie noch mit den letzten Malerarbeiten beschäftigt.

Viele Hände, schnelles Ende?

In den Klassenräumen und Fluren kommen große Farbrollen zum Einsatz. Damit lassen sich die Wandflächen zügig streichen. Mehr Zeit kosten die Ecken, Kanten und schwer zugänglichen Stellen. Gerade dort bleibt am Nachmittag noch einiges zu tun.

Die Stimmung ist sehr gut. Mitglieder des Round Table 215 haben Musikanlagen mitgebracht, auf den Fluren arbeiten Eltern und Vereinsmitglieder zusammen mit den Lehrkräften.

Eine Lehrerin, die ihren eigenen Klassenraum bereits gestrichen hat, übernimmt auf einem der Flure kurzerhand das Kommando. Sie sagt, wo noch nachgebessert werden muss und niemand wagt es, ihr zu widersprechen. „Geh zum Round Table, haben sie gesagt. Da ist es lustig, haben sie gesagt“, kommentiert einer der Männer lachend.

Foto: Thomas Merkenich

Auch zwei weitere Ratsmitglieder helfen mit: Martin Freitag von der FWG und Max Kindervater von der CDU streichen gemeinsam den Raum der Schulsozialarbeiterinnen und unterstützen sich gegenseitig.

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Für die Verpflegung sorgt der Förderverein. In der Verbindungshalle zwischen den beiden Schulgebäuden stehen Kaffee, Brötchen und Würstchen bereit. Wer eine Pause braucht, kann sich hier stärken, bevor es weitergeht.

Die Schulleiterin, ständig mit Pinsel oder Abdeckband bewaffnet, ist an diesem Samstag fast überall zu finden: Da, wo ordentlich Meter gemacht werden, aber auch an den Stellen, an denen eher mit feiner Klinge nachgearbeitet werden muss. Über den Einsatz der vielen helfenden Hände freut sie sich genauso wie über das Ergebnis. Doch die nächste Aufgabe hat sie bereits im Blick.

Foto: Thomas Merkenich

Die Treppenhäuser mussten bei der Streichaktion ausgespart werden. Dort müsste in größerer Höhe gearbeitet werden, was für die freiwilligen Helfer zu gefährlich wäre. Für diese Baustelle möchte sie bei der Malerinnung um professionelle Unterstützung werben – beispielsweise im Rahmen des Azubi-Day.

Auch an der Ausstattung der Schule ändert die Farbe nichts. In manchen Klassenräumen wird weiterhin mit Kreidetafeln und Overhead-Projektoren unterrichtet. Für deren Projektionen müssen beim Streichen eigens weiße Wandflächen freigehalten werden.

Foto: Thomas Merkenich

Ein langer Samstag

Am frühen Nachmittag ist ein großer Teil der Wände bereits frisch gestrichen. Doch mit dem letzten Pinselstrich ist die Arbeit noch lange nicht erledigt. An vielen Stellen müssen Ränder nachgearbeitet, Abdeckmaterial entfernt und Werkzeuge weggeräumt werden. Dazu kommt die Entsorgung des angefallenen Mülls.

Dass die Streichaktion unmittelbar vor den Herbstferien stattfindet, ist bewusst geplant. In den Ferien steht ohnehin die Grundreinigung der Schule an. Bis dahin müssen die Malerarbeiten abgeschlossen und die Räume wieder aufgeräumt sein.

Während einige Freiwillige ihren Einsatz beenden, arbeiten andere weiter. Rosenberger bleibt bis zum Schluss. Gegen 17.15 Uhr hat schließlich auch sie Feierabend.

Am Ende haben die Beteiligten in beiden Schulgebäuden zahlreiche Klassenräume und Flure neu gestrichen. Die baulichen Probleme der GGS Gronau sind damit natürlich nicht gelöst. Aber die Räume, in denen die Kinder nach den Herbstferien wieder lernen werden, sehen an vielen Stellen deutlich freundlicher aus.

Dafür haben an diesem Samstag viele verschiedene Menschen zusammengearbeitet: Lehrkräfte, Eltern, Vereinsmitglieder, Ehrenamtliche, Lokalpolitiker und weitere Helfer aus dem Stadtteil. Kann man ja mal machen.

Weitere Eindrücke vom Aktionstag

ist der Fotograf des Bürgerportals. Mittlerweile wohnt er „im schönen Kürten" und liebt das Bergische Land. Aber das sieht man seinen Fotos ja auch an. Mehr Infos auf seiner Website www.thomas-merkenich.de

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  1. Was für eine Mammut-Aufgabe! Eine ganz tolle Aktion und ein großes Lob an alle Beteiligten! Super !!! Dass sich von den 50 Freiwilligen nur 10 Elternteile beteiligt haben, irritiert mich allerdings auch etwas.

    1. Nun, wenn man bereits 50 Freiwillige zusammentrommeln konnte, würden da nicht weitere Helfer/Eltern, die zudem vielleicht (das weiß man ja nicht) noch nie im Leben einen Pinsel, Farbrolle oder Spachtel in der Hand gehalten haben, nur dumm im Weg herumstehen und die anderen aufhalten?

      Chapeau an Schulleiterin Ann-Marie Rosenberger, dass sie es geschafft hat und 50 Leute zu motivieren und organisieren. Bei Musik zusammen was auf die Beine zu stellen und Spaß zu haben, was gibt es Schöneres.

  2. Sehr sehr tolle Aktion!
    Irritiert hat mich etwas, dass “etwa zehn Eltern” von der ganzen Schule teilgenommen haben… ein Elternteil pro Klasse…?