Hinter dem Wechsel an der Aufsichtsratsspitze der Indus-Holding verbirgt sich ein persönliches wie wirtschaftliches Drama. Die Nah-Tod-Erfahrung der Regionale beschäftigt weiter Politik und Medien, vor allem in Odenthal. Und dann noch ein Blick auf die “Kölsche Weihnacht”, gleich zweimal in Bergisch Gladbach.

Menzel hofft auf bessere Bedingungen für Regionale

Im Interview mit der Bergischen Landeszeitung macht Landrat Rolf Menzel seiner Enttäuschung Luft, dass die Lokalpolitik in Odenthal in der Finanznot die Axt an die Regionale-Pläne für Altenberg legt. Zitat:

Ich finde es sehr schade, dass das Projekt zwischen die Fronten des Kommunalwahlkampfes geraten ist. Das Projekt habe ich – auch in der zwischenzeitlich reduzierten Form – als eine Chance für die Entwicklung Altenbergs angesehen. Diese Chance hat man für die nächsten 20 Jahre vertan.”

Allerdings gibt Menzel die ambitionierten Pläne auch in Bergisch Gladbach noch nicht ganz verloren. Er hoft vor allem darauf, dass die Bedingungen für die Regionale-Projekte verändert werden und die Städte künftig nur noch zehn Prozent der Mittel selbst beitragen müssen:

Ich bin mir sicher, dass die Regionale nicht zum Rohrkrepierer wird, aber einige Projekte werden beendet werden; andere wird es nur in reduzierter Form geben. (…) Zur Zeit wird versucht, insbesondere für die Nothaushalts-Kommunen die Förderquote von 70 bis 80 Prozent der Mittel auf 90 Prozent zu erhöhen. Das würde die Reduzierung des Eigenanteils nach sich ziehen, so dass die Spielräume größer würden.” Quelle: BLZ

Kölsche Weihnacht im Vinzenz-Pallotti und im Bergischen Löwen

Ausgerechnet in der hauseigenen Kapelle bringt das Bensberger Krankenhaus seit bereits neun Jahren mit dem Programm „Kölsche Weihnacht“ seinen Patienten Weihnachtsstimmung nahe. Unter dem musikalischen Leiter Karl Becker waren dieses mal dabei Bömmel Lückerath und Hartmut Priess von den Bläck Fööss, Georg Becker, die St.-Josef-Sänger sowie der Kinderchor der Katholischen Hauptschule Griechenmarkt. Und dann dient das ganze auch noch einem guten Zweck: Die Einnahmen kommen den Palliativ- und Hospizstationen zugute.
Quelle: BLZ

Unter dem gleichen Titel, aber in einem größeren Rahmen fand die Kölsche Weihnacht im Bergischen Löwen statt. Hier traten unter anderem auf der Erzählkünstler Heinz Monheim und der Krätzjessänger Thomas Cüpper.
Quelle: KSTA mit einer ausführlichen Kritik und einer Bilderstrecke

Das versteckte Drama bei der Indus Holding

Mit einer knappen Pressemitteilung gab gestern die Gladbacher Beteiligungsgesellschaft Indus Holding AG den Wechsel an der Spitze ihres Aufsichtsgremiums bekannt:

Herr Günter Kill (73), langjähriges Aufsichtsratsmitglied und derzeitiger Aufsichtsratsvorsitzender der INDUS Holding AG, hat sein Aufsichtsratsmandat, das er seit 1991 inne hatte, aus persönlichen Gründen niedergelegt. Günter Kill war im Dezember 2008 zum Aufsichtratsvorsitzenden gewählt worden. Der Aufsichtsrat hat auf seiner Sitzung vom 9. Dezember 2009 Herrn Burkhard Rosenfeld (68) zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden gewählt. Dr. Jürgen Allerkamp (53) bleibt wie bisher stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender.
Quelle: Indus Holding Was ist die Indus Holding? Selbstdarstellung

Stutzig macht dabei, dass Günter Kill sein Amt als Aufsichtsratschef nur ein Jahr lang ausübte. Dennoch beschränkt sich der KSTA auf den Abdruck einer Reuters-Meldung, die nur wenig weitere Einordnung bietet, aber immerhin auf den Bruder Winfried Kill hinweist:

Der Aufsichtsrat der Beteiligungsfirma Indus hat einen neuen Vorsitzenden. Das Kontrollgremium hat den 68-jährigen Burkhard Rosenfeld zum neuen Chefaufseher gewählt. Wie die Indus am Donnerstag in Bergisch Gladbach mitteilte, löst der frühere Indus-Vorstand Rosenfeld Günter Kill (73) ab, der vor einem Jahr den Posten von seinem erkrankten Bruder Winfried übernommen hatte. Rosenfeld war bis Ende 2005 im Vorstand der Indus zuständig für Technik und Investitionen. Ende 2008 wurde er in den Aufsichtsrat berufen. (reuters)
Quelle: KSTA

Allerdings  hatte der KSTA bereit am 3.8.2009 detailliert und tief recherchiert über die dramatischen familiären Hintergründe bei Indus berichtet:

Winfried Kill war einmal „Manager des Jahres“, dann hat er sich verspekuliert. Über die Verluste soll der Bergisch Gladbacher den Verstand verloren haben. Der Beweis: Ein psychiatrisches Gutachten. Die Gläubiger sind skeptisch. (…) Im Juli 2002 trat Kill als Vorstands-Chef zurück und wurde Aufsichtsratsvorsitzender. Diesen Posten gab er völlig überraschend im November 2008 „aus gesundheitlichen Gründen“ auf. Sein Bruder Günter Kill wurde als neuer Aufsichtsratsvorsitzender gewählt.Während Indus dem Geschäftsmodell treu blieb und mittelständische Firmen kaufte und weiterentwickelte, versuchte Winfried Kill auf dem Finanzmarkt ein großes Rad zu drehen. (…) Laut psychiatrischem Gutachten waren es diese Verluste, die Kill buchstäblich um den Verstand brachten. (…) Der Arzt für Psychiatrie urteilt, dass die finanziellen Risiken, die Kill einging, nur mit einer Persönlichkeitsveränderung zu erklären seien. Die wiederum habe aber nichts mit gescheiterten Geschäften zu tun. Kill sei nach dem tragischen Tod seiner Tochter Sonja 1993 depressiv und tablettensüchtig geworden.
Quelle: KSTA

Die BLZ berichtete zuletzt im Mai

Handelsblatt erklärt die Geschichte hinter der Geschichte

Heute nimmt der KSTA bei der Aufsichtsrats-Personalia keinen Bezug auf die Hintergründe, doch das Handelsblatt (Düsseldorf) springt ein:

Tatsächlich waren es persönliche, ja quasi familiäre Proleme von Kill, die das Unternehmen in den letzten Monaten belasteten. Günter Kill ist der Bruder von Winfried Kill, dem Gründer der Indus AG. Winfried Kill geriet 2009 in die Schlagzeilen, wei er nach Darstellung seiner Familie und Ärzte seit Weihnachten 2007 wahrnehmungsgestört und geistig kaum noch aufnahmefähig war. (…) Günter Kill geriet in den Strudel seines Bruders, weil er als dessen Vertreter falsche Angaben über die Eigentumsverhältnisse von Winfried Kill gemacht haben soll.
Quelle: Handelsblatt

Über diese Geschichte, und über eine Strafanzeige gegen Günter Kill, hatte das Handelsblatt schon am 3.11.2009 berichtet:

Die dramatischen Vorgänge um die Mittelstandsholding Indus erhalten eine neue Wendung. Seit Monaten versuchen zwei Finanzinvestoren, offene Forderungen gegen Indus-Gründer und Mittelstandsikone Winfried Kill einzutreiben. Die Familie versuchte die Rettung – und plötzlich steht der Bruder Günter Kill, amtierender Indus-Aufsichtsratschef, unter Betrugsverdacht. Der Finanzinvestor Pentagon beschuldigt Günter Kill, den Fonds bewusst über die Finanzlage seines Bruders getäuscht und Pentagon damit einen Schaden in zweistelliger Millionenhöhe zugefügt zu haben. Der Fonds hat deshalb bei der Staatsanwaltschaft Köln Strafanzeige erstattet (Aktenzeichen 110Js636/09).
Quelle: Handelsbatt In diesem Artikel wird detailliert auf die Vermögensverhältnisse von Winfried Kill eingegangen.

Bereits am 3.8.2009  hatte das Handelsblatt erstmal die Geschichte hinter der Pressemitteilung erzählt, die sich weitgehend mit dem Artikel im KSTA vom gleichen Tag deckt. Handelsblatt:

Der renommierte deutsche Mittelstandsinvestor Indus soll monatelang von einem schwer depressiven und arzneimittelabhängigen Aufsichtsratsvorsitzenden geführt worden sein. Winfried Kill, der heute 70-jährige Gründer und langjährige Chef des Unternehmens, war nach Einschätzung seiner Familie und seiner Ärzte ab Weihnachten 2007 wahrnehmungsgestört und geistig kaum noch aufnahmefähig. Dies geht aus einem psychiatrischen Gutachten hervor, das dem Handelsblatt vorliegt. Demnach war der Indus-Aufsichtsratschef Kill spätestens ab Mai 2008 unzurechnungsfähig. Weil er in verschiedenen Aktiengeschäften mehr als 100 Mio. Euro verloren hatte, sei er in Panikzustände gefallen. Trotzdem blieb Kill bis November 2008 Aufsichtsratschef der Indus AG, einem Geflecht aus 41 Firmen mit insgesamt mehr als 5 000 Mitarbeitern und fast einer Milliarde Euro Umsatz. Der Fall ist ohne Beispiel in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. In einer Zeit, in der Kill laut Gutachten nicht geschäftsfähig war und an Schuld- und Verarmungswahn litt, leitete er mehrere Aufsichtsratssitzungen und die Hauptversammlung 2008.
Die Gläubiger halten dieses Argument für vorgeschoben und werfen der Familie vor, die Krankheit des Firmengründers zu missbrauchen, um wenigstens einen Teil des verspekulierten Vermögens zu retten. (…) Der Aktienkurs des Unternehmens ist zwischen Beginn der Geschäftsunfähigkeit Kills im Mai und seinem Rücktritt im November um bis zu 50 Prozent gefallen. (…) Die Indus AG ist anderer Meinung. Auf Anfrage teilte das Unternehmen mit, man kenne das ärztliche Gutachten. Aber: “Die darin behauptete nicht vorhandene Geschäftsfähigkeit konnte von uns nicht wahrgenommen werden.” Diese Meinung vertritt das Unternehmen, obwohl sowohl Kills Anwalt, Egon Schlütter, als auch sein Bruder Günter Kill im Kontrollgremium sitzen.
Quelle: Handelsblatt, hier der ganze, sehr detaillierte Artikel

Weitere Informationen:

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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