Jugendzentren: Stadt hält an Kahlschlag fest
Die Pläne der Stadtverwaltung, unter dem Druck des Nothaushalts bei den sieben Jugendzentren massiv zu sparen und bis zu vier der Einrichtungen zu schließen, hatten für eine heftige Debatte vor und im Jugendhilfe-Ausschuss geführt. Mit einem Brief hatten die Offenen Träger der Jugendhilfe die Diskussion angestachelt – waren aber schon in der Sitzung des Ausschusses wieder auf einen Konsenskurs mit der Verwaltung eingeschwenkt.

Mehr Informationen zum Hintergrund:
Droht der Jugendarbeit ein Kahlschlag?
Dokumente + Reaktionen 
Alle Jugendzentren in Bergisch Gladbach
Alle Berichte zur Jugendarbeit

Der Jugendhilfeausschuss hatte sich erst einmal vertagt, damit die Verwaltung die Träger der Jugendarbeit gründlich informiert und einbezieht. Das ist nun geschehen, mit einem ernüchternden Ergebnis:

  • vier Jugendzentren werden geschlossen
  • die Betreuung von Jugendlichen unter 14 Jahren wird ausgeglieder und in die Verantwortung der Schulen gelegt

Wir dokumentieren die
Pressemitteilung der Stadtverwaltung:

  • Umbau statt Abbau
  • Angebote von Jugendarbeit und Ganztag enger vernetzen
  • Neukonzeption soll Angebote im Nothaushalt langfristig sichern
  • Einbindung freier Träger und Schulen
  • Einstieg in konzeptionelle Gespräche bei Trägerkonferenz

Die Stadt Bergisch Gladbach wird sich in der offenen Kinder- und Jugendarbeit neu aufstellen müssen. Mit diesem Thema befasste sich auf einer gestrigen Sitzung im Jugendamt die Trägerkonferenz der offenen Jugendeinrichtungen, die sich aus Stadt, den Trägern der Jugendeinrichtrungen und politischen Vertreterinnen des Jugendhilfeausschusses zusammensetzt. Die Verwaltung legte noch einmal detailliert dar: Mit Blick auf die Einsparvorgaben im Nothaushalt sind Umstrukturierungen ohne Alternative. Gemeinsames Ziel ist es, mit den vorhandenen Ressourcen bestmögliche Angebote für Kinder und Jugendliche in Bergisch Gladbach langfristig zu sichern. Vorhandene gute Strukturen in der Jugendarbeit sollen nicht verloren gehen, sondern in das Ganztagsangebot der weiterführenden Schulen integriert werden. Wie das genau geschehen soll, mit welchen pädagogischen Konzepten und finanziellen Spielräumen, wird gemeinsam mit den jeweiligen Einrichtungen erarbeitet werden. Gesprächstermine dazu sind bereits terminiert.

Rahmenbedingungen im Nothaushalt

Bei den „freiwilligen Leistungen“ muss die Stadt in den nächsten Jahren 10% jährlich sparen. Weh tun diese Kürzungen im so genannten freiwilligen Bereich vor allem da, wo es Kinder und Jugendliche trifft – ein Bereich, den Bürgermeister Lutz Urbach ausdrücklich als Schwerpunktthema benannt hat. Umso wichtiger ist es, dass die unvermeidlich knapper werdenden Ressourcen bestmöglich eingesetzt werden. Wichtig ist eine Neukonzeption der Angebote für Kinder und Jugendliche nicht zuletzt vor dem Hintergrund des offenen Ganztages an den weiterführenden Schulen. Hier sind in Bergisch Gladbach die gesetzlichen Vorgaben noch nicht erfüllt; Anbote für eine pädagogisch fundierte Betreuung der Schülerinnen und Schüler am Nachmittag müssen ausgebaut werden. Umbau statt Abbau – das ist die Formel, auf die sich der Vorschlag der Verwaltung bringen lässt. Die schlechtere Alternative hieße: Mit einer pauschalen Kürzung von 10% in den nächsten Jahren stünden die Jugendzentren vor einer Schließung auf Raten. Weitere Kürzungen nach der „Rasenmähermethode“ sind hier nach einhelliger Meinung nicht mehr möglich, ohne an die Substanz der Einrichtungen zu gehen.

Eckpunktepapier der Verwaltung

In einem Eckpunktepapier hatte die Verwaltung deshalb Vorschläge gemacht, die in den interfraktionellen Arbeitskreis, in die AG Jugendhilfe und in den letzten Jugendhilfeausschuss eingebracht wurden. Die Vorschläge sind eine Diskussionsgrundlage, auf Basis derer ein gemeinsames Konzept von Politik, Verwaltung, freien Trägern der Jugendhilfe und Schulen auf den Weg gebracht werden soll.

Die Vorschläge in Stichpunkten:

  • Die offene Kinder- und Jugendarbeit in den Jugendzentren soll sich auf die Zielgruppe der 14- bis 21-jährigen konzentrieren. Statt bisher sieben Jugendeinrichtungen soll es drei gut erreichbare Standorte geben, die mit je drei Stellen ausgestattet sind. Die Jugendeinrichtungen sollen Planungssicherheit bis 2015 bekommen.
  • Gleichzeitig sieht der Lösungsansatz der Verwaltung vor, dass die bisher gute Arbeit in den Jugendzentren für Altergruppe der unter 14-Jährigen nicht ersatzlos wegfällt, sondern in den außerschulischen Angeboten  des offenen Ganztages an den weiterführenden Schulen integriert wird. Für Jungen und Mädchen von 10 bis 14 Jahren werden an den acht Schulstandorten Angebote gemacht, die mit pädagogischem Profil umgesetzt werden.
  • Eine Vernetzung zwischen den Angeboten der offenen Jugendarbeit und den Betreuungsangeboten im offenen Ganztag der Sekundarstufe I, die es in vielen Bereichen bereits heute gibt, soll gezielt gefördert und intensiviert werden – Stichwort: Ausbau der Kommunalen Bildungslandschaft.
  • Ein Gesamtkonzept für die Kinder- und Jugendarbeit wie für den Ausbau der Kindertagesbetreuung soll in einem Beratungs- und Abstimmungsprozess gemeinsam zwischen den Beteiligten erarbeitet werden.

Die genannten Eckpunkte sind noch kein fertiges Konzept, sondern bedürfen der Ausarbeitung, Beratung und Abstimmung mit den beteiligten freien Trägern der Jugendhilfe und den weiterführenden Schulen. Öffentlich beraten wurde über die Vorschläge in zum Teil kontroverser Debatte im Jugendhilfeausschuss am 29. Juni, den erfreulicherweise rund 150 Jugendliche aus Bergisch Gladbach als Zuhörer verfolgten. Deutlich wurde dabei, dass es keiner politischen Fraktion ebenso wenig wie der Sozialverwaltung um blindes Sparen und Streichen von Angeboten geht, sondern um eine bestmögliche Kinder- und Jugendarbeit in der Stadt unter schwierigen Rahmenbedingungen.

Wie geht es weiter? –  Arbeitsauftrag des Jugendhilfeausschusses an die Verwaltung

Nach dem Beschluss des Jugendhilfeausschusses vom 29. Juni wurde die Verwaltung damit beauftragt, in Abstimmung mit den freien Trägern ein gemeinsames Konzept für die offene Kinder- und Jugendarbeit und die Tagesbetreuung im offenen Ganztagsunterricht der weiterführenden Schulen zu erarbeiten. Am Beratungs- und Planverfahren, das dem Jugendhilfeausschuss zeitnah vorgelegt werden soll, werden sowohl die Schulen als auch der interfraktionelle Arbeitskreis der Politik frühzeitig beteiligt. Gleichzeitig sollen alle haushaltsrechtlichen Möglichkeiten in Abstimmung mit der Kommunalaufsicht ausgelotet werden, damit die erforderlichen Schritte nachhaltig und planungssicher für die Träger umgesetzt werden können.

Mit der gemeinsamen Trägerkonferenz am 6. Juli und den zeitnah terminierten Einzelgesprächen ist der Einstieg bei diesem wichtigen Zukunftsvorhaben gemacht.

Redaktion

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

Reden Sie mit, geben Sie einen Kommentar ab

1 Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

  1. Das ist schönweich geschriebenes Gerede. Im Klartext bedeutet dies nichts anders als Kürzungen und Rotstift und mehr als eine Halbierung der jetzt schon unterfinanzierten Jugendarbeit in Bergisch Gladbach. Man kann sich die Dinge auch schönreden, aber was hier als Diskussionspapier vorgelegt wird, ist schlicht gesagt eine ziemliche Sauerei und pädagogischer Unsinn. Der Wegfall der Angebote für unter 14 kann nicht von den offenen Ganztagsschulen aufgefangen werden. Diesen fehlen nicht nur das Personal und Geld, sondern auch die pädagogische Qualifikation. Dort wird schon sehr viel ehrenamtlich organisiert. Lutz Urbach will seine Versprechen für eine kinder- und familienfreundliche Stadt offenbar nicht einhalten. Stattdessen freut sich die Presse und auch Herr Urbach über 11 Millionen Euro Zuschüsse des Landes, die er aber nicht in die Kinder und Jugend stecken will, sondern in eine sinnlose und überflüssige Parkanlage an der Buchmühle. Ich könnte kotzen.