Die Pläne der Stadt für ein riesiges Gewerbegebiet „Voislöhe“ von über 20 Hektar zwischen Moitzfeld und Herkenrath werden konkreter. In dem jüngst veröffentlichten Stadtentwicklungskonzept ISEK 2030 wird eine der letzten verbliebenen freien Höhenlagen in Bergisch Gladbach nun ausdrücklich als potentielle Gewerbefläche ausgewiesen.

Neben dem kleineren – und laut Gutachten voll bedarfsdeckenden – Standort Brüderstraße soll Voislöhe damit „offiziell“ die wichtigste – und einzige – zu entwickelnde Industriefläche in ganz Bergisch Gladbach sein.

Der Rat mit der Mehrheit der CDU, SPD und FDP bereits im Februar (Sitzung 14.2.2012) beschlossen, dass diese Vorschläge des ISEK bei allen weiteren Planungen – und besonders bei der anstehenden Überarbeitung des Flächennutzungsplans – zu berücksichtigen sind.

D.h. aktuell plant die Stadt mit diesen Flächen. „Wir wundern uns sehr, dass auf unsere Anfragen seitens der großen Fraktionen stets erwidert wurde, es sei noch nichts entschieden und man bräuchte noch Zeit für die Meinungsfindung, wo doch die Ratsbeschlüsse vom Februar eine eindeutige Sprache sprechen,“ sagt David Bothe, einer der Sprecher der Initiative.

„Für uns heißt das, dass jetzt der Zeitpunkt ist, aktiv zu werden gegen eine Umsetzung dieser Beschlüsse – das Landschaftsschutzgebiet muss erhalten bleiben.“

Die Stadt setzt mit der geplanten Industrieansiedlung die Wohn- und Lebensqualität und den dörflichen Charakter von Moitzfeld,  Herkenrath und der umliegenden Regionen aufs Spiel, ohne sich mit den zahlreichen vorliegenden gewichtigen Argumenten gegen diesen Standort überhaupt auseinander zu setzen (eine erste Übersicht unserer Argumente findet sich auf unserer Webseite.

Dabei sprechen diese Einwände eine klare Sprache – ein Gewerbegebiet an dieser Stelle hat weder wirtschaftlich Sinn, noch werden Natur- und Landschaftsschutz oder die Bedeutung der Region für Naherholung- und Tourismus auch nur ansatzweise berücksichtigt.

Diese Landschaft besitzt ein großes Potential für die Stadt – gerade auch wirtschaftlich. Ein Gewerbegebiet an dieser Stelle würde dieses Potential ohne Not verschwenden und letztlich würde die Stadt insgesamt ärmer und schlechter dastehen.

Das räumt sogar das ISEK-Gutachten ausdrücklich ein – und empfiehlt wörtlich:

„In den östlichen Stadtteilen gilt es den attraktiven Landschaftsraum und die Naturschutzgebiete langfristig zu sichern, aber auch als attraktiven Erholungsraum zu qualifizieren.“

sowie

„Vorrangig sind die großen Freiräume im Süden und Osten des Stadtgebiets vorzufinden. […] Die Landschaftsschutzgebiete besitzen auch eine besondere Bedeutung als Erholungsraum. Bei zukünftigen Planungen ist entscheidend, dass der Charakter der Gebiete nicht verändert wird und sie ihrem eigentlichen Schutzzweck nicht entgegenstehen.”

Damit bringt das ISEK genau die Kernargumente der BI auf den Punkt, weist aber dennoch – ohne jedes weitere Wort der Begründung und im offenen Widerspruch zum Landschaftsplan Südkreis (Rechtskraft 2008)– das Gebiet zwischen Moitzfeld und Herkenrath als zentrales Gewerbeflächenpotential für ganz Bergisch Gladbach aus.

Eine wie auch immer geartete Begründung für diese offensichtlich widersprüchliche Empfehlung ist dem Gutachten schlichtweg nicht zu entnehmen.

Die Bürgerinitiative – in der sich bereits über 1.600 Mitglieder für den Erhalt der Landschaft engagieren – nimmt dies zum Anlass, ihre Aktivitäten auszuweiten, um die Interessen der Bürger – und letztlich auch der gesamten Stadt und des Kreises – zu vertreten. Ziel ist eine aktive Beteiligung an der öffentlichen Diskussion und ein Ausbaus des Dialogs mit den Vertretern des Rates – für den Erhalt der Landschaft zwischen Moitzfeld und Herkenrath.

Bürgerinitiative setzte Informationskampagne fort

Nachdem die Stadt Anfang August handstreichartig und mit großem Druck gegenüber den Grundstückseigentümern die Protestplakate der Bürgerinitiative zwischen Moitzfeld und Herkenrath hat entfernen lassen, informieren ab heute wieder großflächige Banner die Bürger über die konkreten Pläne der Stadt, auf der Höhenlage zwischen den Ortsteilen ein riesiges Industriegebiet für produzierende Großbetriebe vorzusehen.

„Wir waren enttäuscht, dass die Stadtverwaltung – ohne bislang auf unsere Gesprächsanfrage über die Gewerbepläne überhaupt einzugehen – direkt so massiv unsere Meinungsäußerung unterdrückt. Wenn über 1.600 Bürger ein Anliegen formulieren hätten wir auf größere Gesprächsbereitschaft gehofft,“ sagt David Bothe.

„Neben der Webseite der Initiative sind öffentlichkeitswirksame Plakate die wichtigste Möglichkeit für uns, auf diese sinnlosen Pläne der Stadt aufmerksam zu machen. Wir sind für konstruktive Gespräche immer offen, aber einschüchtern lassen wir uns nicht.“

Deshalb machen ab heute als Ersatz für die baurechtlich umstrittenen Stellwände Banner sowie Fahnen entlang der Straße auf die Pläne der Stadt aufmerksam. Die hochwertigen Banner aus luftdurchlässigem Material wurden durch Spendengelder der Mitglieder finanziert.

In den nächsten Wochen wird die Bürgerinitiative ihre Aktivitäten ausweiten, um die Interessen der Bürger – und letztlich auch der gesamten Stadt und des Kreises – weiter zu vertreten. So ist bspw. für Sonntag, 30.09.12 (Erntedank) eine Vollversammlung aller Mitglieder und Interessenten geplant, auf der noch einmal der aktuelle Planungsstand vorgestellt wird und die Initiative das weitere Vorgehen abstimmen wird.

Kontaktdaten:

Bürgerinitiative Moitzfeld-Herkenrath
c/o Dr. David Bothe
Neuenhaus 20a
51429 Bergisch Gladbach
Tel:      02204 9590061
Mobil: 0173 5300998
WWW: http://www.moitzfeldherkenrath.de
Email:  moitzfeldherkenrath@gmx.de

Weitere Informationen:

moitzfeldherkenrath

Bürgerinitiative Moitzfeld-Herkenrath - Für den Erhalt der geschützten Landschaft zwischen Moitzfeld und Herkenrath! Kein Gewerbegebiet Voislöhe!

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2 Kommentare

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  1. Sehr geehrte Frau Walterscheidt,

    bevor man die Enthaltung der Grünen zu ISEK 2030 kritisiert, sollte man sich damit auseinandersetzen, was dieses Gutachten bezweckt.

    Dieses Gutachten befasst sich mit dem aktuellen und zukünftigen Bedarf an Wohnbauland und Gewerbeflächen in unserer Stadt. Es werden bestehende Baulücken für Wohnbebauung und aktuelle Leerstände und Freiflächen in den vorhandenen Gewerbegebieten mit einbezogen. Die Verkehrsanbindung (auch ÖPNV) findet ebenfalls Berücksichtigung.

    Das der Istzustand vorhandener Freiflächen und der Zukünftige Bedarf für Bergisch Gladbach einmal ermittelt und zusammengefasst wird, findet in unsere Fraktion ausdrückliche Zustimmung. Mit Hilfe der ermittelten Daten können wir in der politischen Arbeit für oder gegen Pläne der Verwaltung argumentieren.

    Dies bedeutet aber noch lange nicht, dass wir mit allen ermittelten und vorgeschlagenen Flächen für Wohnbebauung und Gewerbe einverstanden sind. Genau dies bringen wir mit unserer Enthaltung zum Ausdruck.

    Bezüglich unseres Standpunktes zum Thema Voislöhe verweise ich im Übrigen auf die Beiträge meiner Parteikollegen in diesem Forum.

    Die Begründung unsers Abstimmungsverhaltens können Sie den Protokollen der zuständigen Ausschüsse im Ratsinformationssystem auf der Homepage der Stadtverwaltung nachlesen.

    Natürlich dürfen Sie das Nein von Die Linke/mit BfBB zu ISEK 2030 loben! Ich persönlich sehe darin jedoch ein klares Nein zu jedweder zukünftigen Entwicklung von Wohn- und / oder Gewerbebebauung in Bergisch Gladbach! Dies hat für mich mit einer zukunftsorientierten Politik jedoch wenig zu tun.

    Dirk Steinbüchel
    Planungspolitischer Sprecher Bündnis 90/Die Grünen

  2. Der Autor hat (warum auch immer) verschwiegen, daß auch DIE GRÜNEN im Stadtrat nicht verhindern wollten, dass die Planung für ein Gewerbegebiet Voislöhe beschlossen wurde. Ein wichtiger Teil des ISEK 2030 ist das Gewerbeflächenkonzept, in welchem das Gewerbegebiet Voislöhe vorgeschlagen wird. Mit ihrer Enthaltung haben DIE GRÜNEN diesen Plan defacto passieren lassen ohne sich zu wehren.

    Nur DIE LINKE hat sich im Stadrrat gegen neue Gewerbegebiete in Lustheide, Frankenforst oder Voislöhe ausgesprochen und hat mit Nein gestimmt.