Liebes Bensberg,

da gibt es mitten in Deinem Herzen eine Wunde und Du tust nichts dagegen, streust noch Salz hinein.

Mitten in der ehemaligen Fußgängerzone, nennen wir sie heute Einkaufszone, dümpelt ein leerstehendes Kaufhaus vor sich hin, im Volksmund bereits als „Schrottimmobilie“ herabgewürdigt. Nach Jahren von wenig bis keinem Interesse auf Seiten des Investors entschließt dieser sich, eine Menge Geld anzupacken und in das marode Kaufhaus zu investieren.

Mit einem Gerüst protestierten die Eigentümer des Malerwinkel Hotel gegen die geplante Höhe der Marktgalerie. Daraufhin wurden die Pläne überarbeitet.

Selbst ätzende Bürgerschelte und zweifelhafte Gerüste haben ihn bisher nicht abgeschreckt. Er hat dankenswerterweise sein Geld noch nicht in einer anderen Stadt investiert. Im Gegenteil: Er geht auf Bürgerwünsche ein – auch auf die Einzelinteressen direkter Anlieger – verschlankt seine Planungen und geht damit vermutlich bis an seine Schmerzgrenze als Investor.

Schließlich möchte er Geld verdienen, wie viele andere auch, zum Beispiel die aufrüstenden Anlieger, insbesondere die benachbarten Hotelbesitzer, die ihr Geld auch nicht verschenken. Der Investor hat sich also nicht fortbewegt, sondern auf Bensberg zubewegt und das gleich mehrmals. Das groteske an der ganzen Sache: Es wird ungebrochen weiter gemeckert.

Was will eigentlich die Mehrheit der Bensberger – die schweigende Mehrheit? Wo bleiben die Unterschriftenlisten, die die „Marktgalerie“ unterstützen? Will die Mehrheit der Bensberger ein immer weiter verfallendes, weil leerstehendes Kaufhaus? Will die Mehrheit eine öde und irgendwann tote Einkaufszone? Will die Mehrheit eine Schlafstadt?

Wenn die Bensberger Mehrheit das will, dann tut mir Bürgermeister Lutz Urbach leid. Er hat sich an das „dickste aller zu bohrenden Bretter“ getraut, sprich den Investor als den alleinigen Grundstückseigentümer. Er hat den Investor aus seinem Dornröschenschlaf geweckt und sich mit viel Engagement und Engelsgeduld für Bensberg ins Zeug gelegt.

Dann tun mir auch alle anderen Investoren leid, die auf Bensberg gesetzt haben und immer noch setzen: der Kinobetreiber Brunotte, die örtlichen Kreditinstitute, die Schlossherren und die vielen gescholtenen Einzelhändler. Sie waren und sind immer aktiv, wenn es darum geht, das Bensberger Zentrum mit Leben zu füllen.

Der Wunsch auf freie Blickachsen Richtung Schloss und Rathaus ist seit Jahrzehnten ein ständig wiederkehrendes Thema und zwar immer dann, wenn Baubegehrlichkeiten anstanden. So auch 1978, als nach einvernehmlichem Ratsbeschluss die Kaufringvariante realisiert wurde. Es war eine Lösung zwischen Wunsch und Wirklichkeit, ein Kompromiss zwischen Investoren, Bürgern, Anliegern und Geschäftsleuten. Aus damaliger Sicht war diese bauliche Ausgestaltung der Bensberger Innenstadtlage eine gute Lösung, zu der man stehen durfte, denn sie hat über viele Jahre ihren Zweck erfüllt.

Heute stehen wir vor der gleichen Situation wie 1978. Der planende Investor hat auf viele Bedenken und Anregungen mit Umplanungen reagiert. Jetzt haben wir einen Mittelweg und es muss gut sein.

Andernfalls werden die Bensberger, ganz besonders die direkten Hotelanlieger mit ihren Gästen noch viele Jahre mit einem ungeliebten Betonensemble leben müssen. Sie werden täglich daran erinnert, mit Stursinn, Besserwisserei und Maximalforderungen alles vermasselt zu haben. Denn irgendwann ist auch bei einem Investor tatsächlich die Schmerzgrenze erreicht.

Der Abstand zum Goethehaus (links) beträgt nun 15 Meter. Insgesamt wurden im nun dritten Entwurf 1100 Quadratmeter eingespart.

Weitere Informationen:

Peter Schlösser

Ich bin verheiratet, Vater zweier Söhne und wohne seit mehr als 65 Jahren in Bergisch Gladbach, davon bis 1966 in Bensberg. Der Grund dieser Sesshaftigkeit: Ich habe mehr als 40 Jahre für die Stadt Bergisch Gladbach gearbeitet, davon mehr als 30 Jahre als Pressesprecher und Verantwortlicher für die...

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12 Kommentare

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  1. Nachdem ich hier einige Berichte gelesen habe, war ich zuerst schockiert, da von Enteignungen gesprochen wurde. Nachdem ich alle Komentare gelesen hatte, wurde ich sehr nachdenklich, da ich feststellen musste, der alte Investor ist der Neue? Leider kann ich daran auch nichts Gutes finden, weil die Vergangenheit bewiesen hat, daß das Objekt vernachlässigt wurde.

    Das das Umfeld die Befürchtung hat, dies könnte mit einem neuen Objekt wieder passieren, ist für mich mehr als Nachvollziehbar.

    Dass die Stadt vielleicht verzweifelt eine Lösung sucht, kann man auch verstehen und dass sie mittlerweile das leidige Problem loswerden möchte, kann ich auch verstehen.

    Aber eine schnelle Lösung, mit weitreichenden Folgen, würde ich an deren Stelle nicht in Kauf nehmen und der Stadt würde ich raten, sich sehr wohl zu überlegen in wessen Abhängigkeit sie sich begibt.

    Vieleicht wäre es sogar besser, noch abzuwarten und einen neuen Investor zu suchen, als einen Investor zu nehmen, der jetzt noch zu allem ja und Amen sagt, bis er im Boot ist.

    Das ist meine Meinung als Bürger, der weder eigene Interessen hat, noch in irgend einer Weise etwas mit der Stadt zu tun hat.

    Sicherlich kann man nicht alle Wünsche berücksichtigen, aber zumindestens den Teil der Ortsansässigen Händler, die hier seid Generationen ihre Geschäfte führen und dies auch weiter wollen und vor allem mit Herz bei der Sache sind und nicht nur in Zahlen denken. Man sollte mal die richtigen Prioritäten setzen.

  2. Wenn all diejenigen, die hier laut schreien, was man alles hätte tun müssen und können sich mal näher mit der Materie beschäftigen würden, dann würden sie merken, dass das alles nicht so einfach ist, wie man sich das vorstellt.

    Es gibt keine rechtliche Grundlage, den Eigentümer zu zwingen, das heutige Gebäude wieder zu öffnen oder zu modernisieren.
    Er hat die Pflicht zur Verkehrssicherung, sprich von dem Gebäude darf keine Gefahr ausgehen, Der kommt er nach, denn eine Gefahr geht vom heutigen Gebäude nicht aus.

    Lediglich die Gefahr, dass Bensberg noch stärker verödet, wenn sich nichts tut.

    Schöne Grüße von Lennart Höring, CDU-Ratsmitglied

  3. Hallo Herr Schlösser,

    viel zu wenige Bürger , Geschäftsleute oder Promis in Bensberg sind so mutig wie Sie und hauen diesen Superkritikern und notorischen Nörglern mal richtig was um die Ohren.

    Sie haben mit Ihren Ausführungen den Nerv getroffen und versucht, „Allen“ langsam klar zu machen, welch geduldiges „Schaf“ der Investor sein muß.

    Mehr als auf die Wünsche einzugehen, kann doch nicht immer wieder aufs neue verlangt werden.

    Das sollte auch denen langsam klar werden, die meinen, dass Ihre Meinung auch die des normalen Bensberger Bürgers ist.

    Die , die hier Forderungen stellen, sind nur in eigener Sache unterwegs, nicht im Auftrag der Bensberger Bevölkerung.

    Das der Investor dieses Hickhack so lange mitmacht, ist mehr als erstaunlich und verdient unsere Hochachtung.

    Ich hätte das weite gesucht und mein Geld dort angelegt, wo ich willkommen bin….. nicht bei bösen Nachbarn.

    Danke nochmals für diese offenen Worte und man kann nur hoffen, dass langsam ein gutes Ende für Bensberg näher rückt….

    Es wird höchste Zeit.

  4. Deutschland, das Land von Dichtern und Denkern. So sehen wir uns gern. Bekannter sind wir jedoch als das Land der Nörgler und Miesepeter!
    Das Recht auf freie Meinungsäusserung ist ein Privileg, welches wir all zu gern als selbstverständlich hinnehmen, das ist wahr.
    Jedoch sollte nicht jedes Thema „ausgelutscht und tot-debattiert“ werden. So bekommt jedes vermeindliche Problem den bitteren Beigeschmack der Lachhaftigkeit.
    Natürlich empfindet es jeder anders, unser gutes Recht, jedoch ist auch hier langsam gut.
    Bensberg sei froh, dass es überhaupt Investoren gibt, die sich für dich interessieren. Und das auch noch zum Wohlwollen der Einzelhändler und Kunden. Denn Niemand möchte ein Massensterben von Geschäften wie z. B. im „Aushängeschild“ Fußgängerzone Bergisch Gladbach.
    Sooo schlimm sind die Pläne nicht. Direkte Nachbarn kann man nie zufrieden stellen. Ob der neue Gartenzaun, der Telegrafenmast, Windanlage oder die neue Garage. Alle wollen profitieren, aber bitte ohne direkte Einwirkung vor der eigenen Tür … diese Debatte macht nur noch müde!

  5. Liebe CDU-Fraktion, lieber Herr Urbach,
    ja seid ihr denn noch zu retten?
    Anstatt dem Eigentümer der „Schrottimobilie“ einmal richtig in den Arsch zu treten und ihn nötigenfalls zwingen diese wieder zu beleben, wollt ihr jetzt den Bensbergern und allen die noch in Bensberg einkaufen gehen, ein Riesen-Parkhaus-EKZ-Monster aufbürden, welches in keinster der jetzt vorgestellten, auch bereits „abgespeckten“ Version in das Stadtbild passt! Wollt ihr die letzten Kunden aus Bensberg vergraulen mit solchen größenwahnsinnigen Träumen?
    Habt ihr nichts gelernt aus dem Fiasko mit dem Marktkauf?
    Wer will schon mit seinen Lebensmitteleinkäufen Fahrstuhl oder Rolltreppen fahren, um sich dann damit in einem engen Parkhaus zu seinem Auto zu quälen? Das funktioniert vielleicht bei einem Aldi, aber doch nicht bei einem Vollsortimenter! Und dann bringen auch nichts andere Geschäfte in dem selben Gebäude, die werden genauso in die Röhre gucken! OK, die Rhein-Berg-Galerie funktioniert, aber nach einem anderen Konzept. Da sind es die Mode-Häuser und C&A sowie der Saturn, die die Leute anlocken, aber welcher Lebnsmittel-Laden soll das schaffen?
    Sonst seid ihr doch auch schnell mit Enteignung bei der Sache, oder funktioniert das nur wenn es um einfache Bürger geht, die einem Parteifreund Platz für seine Gewerbe-Immobilie machen sollen? Also warum könnt ihr den jetzigen Eigentümer nicht auch enteignen und auf seine Kosten die Schrottimobile abreißen? Schließlich würde das doch dem Allgemeinwohl dienen und wäre damit im Gegensatz zu euren sonstigen Enteignungen bzw. Enteignungsoplänen sogar noch verfassungskonform!
    Wenn dann ein schön erschlossenes Grundstück mit nem tollen Zugang oder ner Treppe zum Marktplatz da wäre würden sich auch schon noch vernünftige Kleininvestoren finden, die dann einen funktionierenden Lebensmittelhandel einrichten!

  6. Vielen Dank an Peter Schlösser für die Infos. Zum Beitrag von Lutz Urbach: Er zeigt, dass die „Marktgalerie“ in weiten Teilen keine Galerie sondern schlicht ein Parkhaus werden soll und dass es der für die Autos vorgesehene Platz ist, der die Dimensionen sprengt – auch nach mehrfachem Umplanen. Das Stadtentwicklungskonzept ISEK 2030, das die Stadt für viel Geld hat erstellen lassen und welches im Frühjahr vom Stadtrat verabschiedet wurde, weist einen anderen Weg: Es stellt intelligente, umweltverträgliche Mobilität in den Mittelpunkt und sieht Chancen, dass die so genannte „Nahmobilität“ (zu Fuß, mit dem Rad, mit öffentlichen Verkehrsmitteln) in Bergisch Gladbach Potenzial hat – auch im Einkaufsverkehr und gerade im Hinblick auf neue Entwicklungen wie das E-Bike. Das wird unterstrichen von aktuellen Forschungsergebnissen, wie sie zum Beispiel in der Publikation „A-4/2011: Mit dem Fahrrad zum Einkaufen“ im Fahrradportal des BMVBS nachzulesen sind. Die radelnde Kundschaft gibt pro Einkauf zwar weniger Geld aus, kommt aber viel öfter in die Läden als die Autofahrer. Unterm Strich sind vielerorts Radfahrer deshalb die besseren Kunden. Wichtig sei eine Kooperation von Kommune und Einzelhandel, wenn man lebendige, fahrradfreundliche Innenstädte haben möchte. Wie das geht, ist auch im „Aktionsplan Nahmobilität“ der Landesregierung NRW nachzulesen. Was Herr Urbach schreibt, hört sich ein wenig so an: Händler wollen Parkplätze, also lassen wir welche bauen, auch wenn’s dann (leider) ein Klotz werden muss. Ich bin mir sicher, dass Bürger, Politik, (künftige) Händler und der Investor gemeinsam noch eine kreativere Lösung finden können. „Qualität statt Quantität“ fordert das Stadtentwicklungskonzept für die Bensberger Innenstadt mit „vielfältigen, architektonisch ansprechenden Gebäuden“.

  7. Antwort an Klaus:
    Ich habe mich in den vergangenen drei jahren mit einigen möglichen Mietern am Objekt getroffen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, „woran es hakt“. Einer der Kernpunkte (neben der nicht zeitgemäßen verwinkelten Bauweise): Zu wenig Stellplätze! Die ca. 60 Plätze auf dem Parkdeck sind viel zu wenig – finden die Mieter. Nach der aktuellen Planung werden es ca. 160 Parkplätze sein.

  8. Ja, ich bin seit drei Jahren als Geschäftsführer für die CDU-Stadtratsfraktion tätig, aber nicht als Mandatsträger. Ich habe auch mehr als 40 Jahre für die Stadt Bergisch Gladbach gearbeitet und lebe seit über 60 Jahren in dieser Stadt. Aufgewachsen bin ich in Bensberg. Ich habe mir immer erlaubt, auch meine eigenständige Meinung abzugeben, so wie jetzt zur Bensberger Marktgalerie. Diese Freiheit nehme ich mir. Ich habe meinen Text weder mit der CDU-Fraktion noch mit dem Bürgermeister abgestimmt, noch wurde er „bestellt“. Ich hatte, was die Marktgalerie betrifft, einfach die Faxen dicke. Auch das gibt es.
    Peter Schlösser

  9. Sind Sie jener Peter Schlösser, der auch als Fraktionsgeschäftsführer der CDU-Fraktion im Rat der Stadt Bergisch Gladbach arbeitet?

  10. Was mir absolut nicht einleuchtet ist,warum man es jahrelang nicht geschafft hat, die bestehenden Gebäude auf einen technisch aktuellen Stand zu bringen und dort wieder lukrative Geschäfte anzusiedeln – jetzt aber meint, mit einem pompösen Bau alles wieder raus zu reißen. Eine Sanierung des Gebäudes mit optischer Anpassung im oberen Bereich hätte sich doch wunderbar ins Bild gefügt. Und wenn dafür keine geeigneten Geschäfte gefunden werden können, wieso denn für ein noch größeres Gebäude?