Bei der Kölner Sternfahrt am 17. Juni startete ein starker Treck auch in Bergisch Gladbach

Das Ergebnis des letzten ADFC-Fahrradklimatests war für Bergisch Gladbach wenig schmeichelhaft. Beim Fahrradklimatest 2003 landete die Strundestadt unter den Großstädten mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern nur auf einem bescheidenen 18. Platz, die Durchschnittsnote war 4,18.

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In mehr als der Hälfte aller Wertungskriterien gab es deutliche Kritik. Die Radfahrer vermissten, dass etwas für den Radverkehr getan wird, fühlten sich unsicher, kritisierten zu schmale und wenig komfortable Radstrecken sowie ungünstige Ampelschaltungen und wünschten sich, dass Einbahnstraßen mit dem Rad in beide Richtungen zu befahren sind.

Online durch 27 Fragen klicken

Es wird spannend, wie Bergisch Gladbach von den Radfahrern und Radfahrern in diesem Jahr bewertet wird. Die große Umfrage wurde am 25. September gestartet und läuft noch bis zum 30. November 2012.

Auf einer speziellen Internetseite 27 Fragen in fünf Kategorien zu beantworten, das dauert nur ein paar Minuten. Die Umfrage wird gefördert vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) im Rahmen der Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans (NRVP) und unterstützt von der Fahrrad-Fachhandelsgruppe ZEG.

Damit eine Stadt wie Bergisch Gladbach in die Wertung aufgenommen wird, ist ein Rücklauf von 75 Fragebögen nötig.

Erste Ansätze

An einzelnen Stellen wurde ein guter Anfang gemacht.

Die Bensberger Straße bekommt gerade einen neuen Radweg, der abenteuerliche Radweg entlang der Mülheimer Straße ist nicht mehr benutzungspflichtig und in die neue Fußgängerzone sollen auch Radständer kommen.

Im Rahmen der Regionale 2010 wurde das Projekt RadRegionRheinland entwickelt. Ein großes Plus für Freizeitradler dürfte der Regionale-Radweg entlang des Strunder Baches von der Quelle bis nach Köln sein, wenn er denn fertig ist.

Doch diese vorbildlichen Maßnahmen muss man gezielt suchen, sie sind längst nicht Standard in der Stadt. Der vom Bundestag kürzlich verabschiedete Nationale Radverkehrsplan will das Radfahren zielgerichtet fördern. Bergisch Gladbach ist sicherlich in die Kategorie “Einsteiger” einzusortieren, dürfte also zu den Kommunen gehören, “die am Anfang der Radverkehrsförderung” stehen.

Radwege ohne Netzcharakter

Bergisch Gladbacher Radfahrer auf dem Weg zur Kölner Stadtfahrt

Defizite gibt es zum Beispiel bei den ausgewiesenen Routen des Radverkehrsnetzes NRW (rot-weiße Schilder), die meist auf wenig attraktiven Hauptstraßen verlaufen.

Die Radstation am S-Bahnhof könnte ein guter Auftakt sein für eine Radverkehrsoffensive in Bergisch Gladbach. Doch die Finanzierung soll weiter auf der Kippe stehen, trotz eines entsprechenden Ratsbeschlusses vom 3. Juli 2012.

Im Radnetz klaffen auch gefährlich Lücken, zum Beispiel am Gierather Kreisel direkt gegenüber der Polizei – oder an der Laurentiusstraße, die für Radfahrer in beiden Richtungen befahrbar sein sollte.

Anderswo scheinen Radfahrer schlicht vergessen worden zu sein: besonders augenfällig am Driescher Kreisel.

Nach der Novellierung der Straßenverkehrsordnung von 2009 (der so genannten Fahrradnovelle) und einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes dürfen nur noch solche Radwege benutzungspflichtig sein, die breit genug sind und für Radfahrer ein deutliches Sicherheits-Plus bedeuten. Viele Radwege in Bergisch Gladbach dürften diesen Kriterien nicht entsprechen. Die erforderliche Überprüfung aller Radwege scheint aber zu stocken.

Sofortmaßnahmen und Konzept

Dichtes Gedränge am Fahrradständer: Radfahren liegt voll im Trend. Trotz schlechten Wetters registrierten die Zählstellen im ersten Halbjahr einen Zuwachs von mehr als fünf Prozent.

Wünschenswert wären Sofortmaßnahmen an Stellen, die für Radfahrer gefährlich oder wenig attraktiv sind. Nötig erscheint jedoch mehr. Auch der neue Nationale Radverkehrsplan betont, dass eine integrierte Radverkehrsplanung nötig ist: Radverkehrsnetze knüpfen, die Sicherheit von Radfahrern in den Vordergrund stellen, stetige Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit – all das gehört genauso dazu wie fahrradtouristische Impulse und eine Förderung von Elektrofahrrädern.

Im Prinzip steht all das ähnlich auch im Stadtentwicklungskonzept ISEK 2030. Für den darauf aufbauenden Verkehrsentwicklungsplan, der auch ein Radverkehrsentwicklungsplan sein müsste, stehen nach Aussage von Stadtbaurat Stephan Schmickler aber kaum Kapazitäten zur Verfügung. (Mehr Infos zum Thema Isek 2030 und Radfahren)

Jugendliche lieben Radfahren

Gründe, trotzdem damit anzufangen, gibt es genug, nicht zuletzt die begrenzten finanziellen Mittel: denn billiger als durch eine Förderung des Radverkehrs kann man die städtischen Verkehrsprobleme nicht lösen.

Hinzu kommt natürlich der überall zu spürende Fahrradboom und die Liebe zum Rad bei der Bergisch Gladbacher Jugend. In einer Umfrage gehörte Radfahren zu den liebsten Freizeitbeschäftigungen, zwei Drittel sind regelmäßig mit Fahrrad oder Bike unterwegs.

Dabei muss das Rad keineswegs neu erfunden werden. In den neuen “Empfehlungen für Radverkehrsanlagen” ist beispielsweise im Detail beschrieben, wie zeitgemäße Radwege und Radspuren aussehen sollen. Auch will die Bundesregierung für “Einsteigerkommunen” maßgeschneiderte Planungshilfen anbieten. Ein wichtiger Schritt wäre auch der Beitritt von Stadt und Kreis zum Netzwerk Fahrradfreundlicher Kommunen in Nordrhein-Westfalen (AGFS). Im Wahlkampf hatten dies viele Kandidaten begrüßt.

Fahrradfans aus Bergisch Gladbach

Viel los war in Burscheid am 22. April zur Eröffnung der Balkantrasse. Bei passendem Wetter ist seitdem auf der ehemaligen Bahnstrecke viel los. Sie verbindet Burscheid, Hilgen, und Wermelskirchen mit Bergisch Born.

Seit etwa anderthalb Jahren hat der ADFC Köln und Umgebung, der auch für Bergisch Gladbach zuständig ist, einen neuen Vorstand. Vieles wurde von den neuen Leuten an der Spitze des Fahrradclubs angegangen, u.a. ein regelmäßiges Treffen in Bergisch Gladbach organisiert. Bald geht auch eine neue Homepage online und im Jahr 2013 soll der neue Fahrradstadtplan erscheinen, der auch weite Teile Bergisch Gladbachs umfasst.

Ein wichtiger Schritt ist die Eröffnung der neuen Geschäftsstelle in der Nähe des Neumarktes am 29. November im Mauritiussteinweg 11, 50676 Köln. Hoher Besuch aus der Kölner Stadtspitze hat sich angekündigt, außerdem gibt’s einen Tag der offenen Tür von 10 bis 20 Uhr. Das nächste Aktiventreffen für Bergisch Gladbach ist in der neuen Kölner Geschäftsstelle am 17. Dezember geplant. Im Anschluss steht ein Besuch des Weihnachtsmarktes auf dem Programm.

Weitere Informationen:

Viel los war in Burscheid am 22. April zur Eröffnung der Balkantrasse. Bei passendem Wetter ist seitdem auf der ehemaligen Bahnstrecke viel los. Sie  verbindet Burscheid, Hilgen, und Wermelskirchen mit Bergisch Born.

des Bürgerportals. Kontakt: info@in-gl.de

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  1. Natürlich ist Bergisch Gladbach nicht fahrradfreundlich.

    Beispiele:

    So gibt es in Gladbach neue Blockaden in Form von Einbahnstraßen, welche nicht für den Radverkehr geöffnet sind, obwohl dies gemäß aktueller Verordnung der Regelfall sein soll.
    So ist es zum Beispiel am Vollmühlenweg für wichtiger erachtet worden für beide Richtungen eine Abbiegespur einzurichten und somit auch den Radfahrern die diese Straße von der Hauptstraße aus erreichen wollen einen ordentlichen Umweg zuzumuten.

    Ebenso verhält es sich an der Feldstraße und auch die Cederwaldstraße darf streng genommen nicht in nord-westlicher Richtung befahren werden (fehlenden Beschilderung), obwohl das Sackgassenschild an der Cederstraße / Ecke Heidkamper-Str. eine durchfahrtsmöglichkeit für Radfahrer ausweisst.

    Zur Erreichbarkeit der Fussgängerzone ist ebenfalls nichts neues verlautbart worden, obwohl die Stadtverwaltung dem Verkehrsausschuss einen Lösungsvorschlag für diesen Sommer versprochen hat.
    Warum es in Bensberg möglich war die Fußgängerzone dem KFZ-Verkehr zu opfern, dann aber in den Abendstunden und am Wochenende auch den Radfahrern dort die Durchfahrt zu verwähren, obwohl es zu den Zeiten lediglich um Lärmschutz geht, kann mir auch keiner erklären. (Zeichen 260 hätte dort auch gereicht).

    Der Radweg an der Bensberger Straße dürfte kein Sicherheitsgewinn sein, so lange die brandgefährliche Einfahrt zum Rübezahlwald nicht entschärft wird. Da hat es Gegensatz zu der freien Strecke zwischen Gladbach und Bensberg auch schon Tote gegeben. – Durch die sanierte Fahrbahndecke dürfte das Geschwindigkeitsniveau steigen.

    Übrigens heisst es im Gesetz zur Benutzungspflicht nicht, dass für die Anordnung einer Benutzungspflicht durch den Radweg eine deutliches Sicherheits-Plus gegeben sein muss, sondern dass auf der Fahrbahn eine Gefahrenlage vorliegen muss, welches das allgemeine Risiko erheblich übersteigt! – Übrigens konnte in noch keiner Studie ein Sicherheitsgewinn durch einen Radweg belegt werden, das Gegenteil allerdings schon.