Am 27.Februar 2013 tagte der Bergisch Gladbacher Planungsausschuss.

Unter anderem durfte er sich mit dem Thema “Gewerbegebiet Voislöhe” befassen und hat schlussendlich unseren Antrag (d.h. der Grünen, die Red), mindestens den westlichen Teil (“Neuenhauser Seite”) der in Diskussion stehenden Fläche definitiv nicht für Gewerbe (oder gar “Industrie”) zu nutzen, einstimmig (allerdings bei Enthaltung einer sehr zerrissen wirkenden CDU-Fraktion) beschlossen.

Das ist schon einmal gut. (Dazu sei an dieser Stelle auch auf die Berichterstattung der Bürgerinitiative hingewiesen.)

Aber es wird für die gesamte Stadt natürlich erst dann “ein Schuh”, wenn sich der Rat in einer großen Mehrheit Gedanken um die langfristige Weiterentwicklung der städtischen Gewerbepolitik macht. Ebenso wie um die gewünschte Entwicklung der Bevölkerungsstruktur. Das hängt natürlich zusammen. (Interessant an dieser Stelle vielleicht auch die [nicht- repräsentative] Umfrage des Kölner- Stadt- Anzeiger zu Gewerbegebieten.)

Will und kann Bergisch Gladbach die Stadt “im Grünen” sein und bleiben, also insbesondere auf Wohnqualität setzen, was zu Einnahmen über die Einkommenssteuer führt? Oder ist der Hauptfokus die Gewerbesteuer?

Klar ist, dass dies kein Entweder-Oder darstellt. Insgesamt benötigt Bergisch Gladbach beides. Aber die Abhängigkeit von saisonalen, konjunkturellen und anderen Schwankungen bei den Gewerbesteuereinnahmen machen es für die Stadt sehr schwer, sich auf diese Einnahmequelle so ganz zu verlassen.

Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen stellt für die Ratssitzung am 7.März 2013 einen Antrag zur Erstellung eines Konzeptes zur Reaktivierung und Vermarktung brachliegender Gewerbeflächen. Ein Antrag, der bereits in der o.e. Sitzung des Planungsausschusses auch von SPD und CDU lobend erwähnt wurde.

Dabei geht es auch um die Frage, welches Profil, welche Arten Gewerbe (“Zielbranchen”) möchte Bergisch Gladbach mittel- und langfristig haben (und weiter- oder neu entwickeln)? Diskussionen um Verkehrsanbindungen, Lastwagen und PKW vs. ÖPNV, hängen maßgeblich von solch einer Profilbildung beim Gewerbe ab.

Wichtig für Bergisch Gladbach ist – auch wenn manche den Begriff nicht mehr hören mögen – ein nachhaltiges und auf längere Sicht ausgerichtetes Konzept (und anschließend natürlich eine daran ausgerichtete Verwaltungspraxis). Bürgerproteste wie in Lustheide, wo im Laufe der Jahrzehnte Gewerbeentwicklung und Wohnbau-Ausdehnung sich abwechselten, sind genau einem fehlenden “roten Faden” bei der Flächenentwicklung und Profilbildung geschuldet.

Gleichzeitig muss auch der gewerbliche Bestand betrachtet werden. Dass es in der Stadt Bergisch Gladbach – zumindest zu bestimmten Zeiten – ernsthafte (automobile) Verkehrsprobleme gibt, wird kaum jemand bestreiten. Aber auch hier sollten Alternativen (oder ggf. ergänzende Möglichkeiten) ernsthafter als bisher betrachtet und in Angriff genommen werden. Ein Gewerbegebiet Zinkhütte verfügt über einen eigenen Gleisanschluss.

Eine Gewerbeentwicklung, die in Richtung von Dienstleistungsgewerbe gehen wird, wird andere verkehrliche Anforderungen stellen. Gerade hierbei wird es Aufgabe der Stadt sein, interessante Anbindungen an die S-Bahn und den weiteren ÖPNV zu bieten. Auch die Verlängerung der Straßenbahnlinie bis zum Bockenberg und damit eine Option für all die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Technologiepark oder bei Miltenyi Biotec ist ein ernsthaft zu diskutierendes Thema.

Es wäre gut, wenn die Kommunalpolitik den Mut aufbrächte, für die nächsten dreißig, vierzig Jahre klarzustellen, in welchen Bereichen (welche Arten von) Gewerbe (weiter)entwickelt werden sollen, wo es bei Wohngebieten (definitiv) bleiben soll.


Für interessierte Leserinnen und Leser noch einige Links mit Lesestoff:

p.s. Die Linken, die vor allem im Planungsausschuss der Stadt Bergisch Gladbach nicht gerade mit konsequentem Abstimmungsverhalten glänzen, versuchen den Grünen vorzuhalten, sie hätten für das Gewerbekonzept gestimmt. Ich verweise hierzu auf das Protokoll der Stadtratssitzung vom 14.02.2012, in dem deutlich zu lesen ist, dass die Grünen-Fraktion dem ISEK eben nicht zugestimmt hat.

Ausdrücklich (vgl. S. 6 der Niederschrift) wegen der Gewerbekonzeptes konnte die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen nicht zustimmen! Ich zitiere aus der Niederschrift: “Auch Herr Dr. Baeumle-Courth befürwortet für die Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN grundsätzlich das Konzept in vielen Punkten, beispielsweise der Berücksichtigung der demografischen Entwicklung und dem ganzheitlichen Ansatz. Die Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN werde sich in den Abstimmungen aber enthalten, da ein Gewerbeflächenkonzept enthalten sei, das auch eine Prioritätenliste umfasse, deren ersten drei Punkte problematisch sein würden und die auch die Bahndammtrasse aufführe.”

p.p.s. Das Thema Bahndamm-Trasse spukt übrigens immer noch in den Köpfen Einiger herum. Und dies, obwohl hinter verschlossenen Türen quer durch die politischen Reihen klar ist, dass es keinen Autobahnzubringer über den Bahndamm geben wird. Hierzu nachstehend zwei Beiträge aus dem Kölner Stadt-Anzeiger.

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Dieser Beitrag erschien zuerst im pebaco blog des Autors. Quelle der o.g. Graphik: http://www.bergischer-naturschutzverein.de/pic/Gewerbegebiet-Moitzfeld-Herkenrath.jpg

Peter Baeumle-Courth, wohnhaft in Moitzfeld, beruflich tätig an der FHDW (Fachhochschule der Wirtschaft). Mehr unter <a href="http://www.baeumle-courth.eu/">baeumle-courth.eu</a> oder im Blog <a href="http://blog.baeumle-courth.eu/">blog.baeumle-courth.eu</a>.<br> Seit 2004 Mitglied des Rates der Stadt...

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