Beit Jalas Bürgemeister Dr. Nael Salman besuchte Bergisch Gladbach vom 24. bis 26. September. Auf dem Programm standen ein Besuch der FHDW, die Besichtigung des neuen Kunstrasenplatzes am Stadion, eine Führung bei der Firma Krüger sowie ein Treffen mit Bürgermeister Lutz Urbach und Erich Bethe von der Bethestiftung.

Bürgermeister Salman stattete Bergisch Gladbach einen Kurzbesuch ab. (FOTO: Felder)

Dr. Salman, willkommen in Bergisch Gladbach. Was genau gefällt Ihnen an Bergisch Gladbach?
Nael Salman: Bergisch Gladbach ist eine ruhige Stadt und die Verwaltung ist gut organisiert. Außerdem gefallen mir Lage und Umwelt sehr gut. Die Menschen sind freundlich und die Topografie ist sehr interessant

Sie haben den neuen Kunstrasenplatz gesehen, wie er auch in Beit Jala entstehen soll. Wie wichtig ist Ihnen dieses Projekt persönlich?
Der Sportplatz in Bergisch Gladbach ist ein gutes Beispiel. In Beit Jala gibt es nicht genügend Platz. Seit den Verträgen von Oslo gibt es die Zonen A, B und C, wir als Stadt dürfen nur in der Zone A bauen. Es sind nur kleine Landtaschen übrig geblieben, die stadtplanerisch wenig Möglichkeiten bieten. Zudem gibt es überhaupt keine Sporteinrichtungen in Beit Jala; die Jugend braucht dringend Entfaltungsmöglichkeiten. Vor den Wahlen im November haben alle Parteien versprochen, einen Sportplatz zu bauen.

Sehen Sie, ich habe als Jugendlicher früher selbst viel Fußball und Basketball gespielt. Das physische Leben eines Menschen durchläuft verschiedene Stationen, Sport darf da nicht fehlen. Er trägt mit zur Bildung des Charakters bei. Wir wollen, dass die Jugendlichen in Beit Jala ihre Energie sinnvoll einsetzen – sie im Sport rauslassen, und nicht in Gewalttaten.

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Sie sprachen vom engen Entwicklungsspielraum unserer Partnerstadt. Wie schätzen Sie als Stadtplaner die derzeitige Situation ein?
Ich sehe kaum Spielraum für Beit Jala in der Stadtentwicklung. Wir sind gerade dabei, verschiedene Regulierungen zu ändern, um die wenige Landfläche optimal nutzen zu können. Es wird einen Masterplan geben, der auch die Zone C einschließt, um darzulegen wie akut die Situation ist. Es gibt sehr viel Bedarf, aber nur sehr wenig Land.

Es gibt viele Probleme: Verkehr, Gebäudeplanung, Einschränkung der Lebensqualität. Im schlimmsten Fall werden die Menschen auswandern, gerade Christen, die nur zwei Prozent  der Bevölkerung ausmachen, emigrieren immer häufiger. Ich nenne das indirekte ethnische Säuberung. Das ist ein großes Problem und wird uns noch lange beschäftigen. Aus diesem Grund brauchen wir internationale Unterstützung.

Vita: Nael Salman studierte von 1984 bis 1988 Architektur in Palästina. 
1993 wechselte er an die Universität Stuttgart, wo er 1995 den Master 
und 2000 den Doktor machte, im Spezialgebiet Stadtentwicklung. 
Zurück in der Heimat arbeitete er seit 2000 für das Planungsministerium, 
ehe er zum Manager des UN-HABITAT-Programms in Palästina ernannt wurde. 
Am 7. November 2012 wurde Salman zum Bürgermeister von Beit Jala gewählt.

In Beit Jala gibt es seit Kurzem einen Jugendstadtrat. Bitte verraten Sie uns mehr darüber!
Gern. Der Jugendstadtrat besteht aus 13 Mitgliedern, wie der echte Stadtrat. Es finden gemeinsame Sitzungen und Diskussionen statt, da die Struktur die gleiche ist. Die Rolle der Jugend ist für eine nachhaltige Entwicklung elementar und muss gefördert werden. Die Kinder sind unsere Zukunft. Man muss früh beginnen zu zeigen, was es heißt, Verantwortung zu übernehmen. So wird eine Verbindung zwischen Entscheidungsträgern und Entscheidungsempfängern hergestellt. Übrigens: es gibt sogar einen Jugendbürgermeister!

Bergisch Gladbach hat seit diesem Jahr auch eine israelische Partnerstadt. Könnten Sie sich eine Dreieckspartnerschaft zwischen Beit Jala, Bergisch Gladbach und Ganey Tikva vorstellen?
Nein, nicht zum gegenwärtigen Zeitpunkt. Das heißt nicht, dass ich es kategorisch ausschließe, aber erst muss eine Lösung auf größerer politischer Ebene gefunden werden. Die palästinensischen Bürger müssen zuerst ihre Rechte und Würde erhalten. Man kann nicht auf der einen Seite Mauern bauen, Bürgerrechte vorenthalten und Häuser zerstören, und auf der anderen Seite Freundschaft spielen, das geht nicht. Wir versuchen Brücken zu bauen, während andere Mauern des Hasses errichten.

Stellen Sie sich vor, Sie sitzen mit Ihrem Freund zusammen und ich bringe meinen Freund dazu, und verlange von ihnen, diesen zu mögen. Es muss ein wirklich politisch guter Wille sein, der eine Veränderung auf Dauer bringen muss. Nehmen Sie als Beispiel das Verhältnis von Frankreich und Deutschland nach dem Krieg: erst mit der Unterschrift Konrad Adenauers wurde Freundschaft auch auf kleinerer Ebene möglich.

Zum Schluss möchte ich eine Frage stellen, die ich jedem meiner Interviewpartner stelle. Völlig losgelöst vom bisherigen Kontext, einfach in den Raum gestellt: was ist für Sie der Sinn des Lebens?
Freiheit. Freiheit des Denkens, Freiheit des Handels. Im Rahmen des Gesetzes und den Vereinbarungen der Gemeinschaft mit der Umwelt interagieren. Ohne Freiheit können Sie nichts bewegen. Das ist für mich der Sinn des Lebens.

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