Hildegard Knoch-Will im Belkaw-Lager

Mehr als 1000 Kartons und unzählige Plastiktüten in einer einzigen Woche annehmen, auspacken, sortieren, neu einpacken, in Folie hüllen, stapeln, auf den Lkw laden. Selbst wenn man 50 Helfer hat, kann das anstrengend werden. Oder nicht?

Hildegard Knoch-Will steht zum dritten Mal am Anfang einer solchen Woche und lässt sich von dem Ausblick nicht schrecken. „Es gibt Dinge, die fließen einfach – und die Aktion ‘Schuhe für Bulgarien’ gehört einfach dazu“, sagt die selbständige Imageberaterin lächelnd. Sie hat die Aktion 2009 gegründet und hält alle Fäden in der Hand. Während wir miteinander sprechen füllen sich hinter ihrem Rücken die ersten Kartons und Paletten.

Von diesem Montag an bis Samstag können im ehemaligen Zählerlager der Belkaw Schuhe und Bekleidung abgegeben werden (Details siehe unten). In den vergangenen drei Jahren kamen auf diese Weise in Bergisch Gladbach mehr als 40 Tonnen Kinderkleidung, Schuhe und Decken zusammen. All das wurde an die Partnerorganisation „The Faithful Steward“ geschickt, die damit vor allem Roma-Kindern aus dem Elend helfen will.

Foto: Geschenke der Hoffnung

„Ich war 2009 im Zuge der Weihnachtspäckchen-Aktion in Burgas“, berichtet Knoch-Will, „und konnte einfach nicht fassen, was die Kinder dort an den Füßen hatte.” Daraus entstand eine spontane private Hilfsaktion, die sich dann zu einem ausgewachsenen jährlichen Programm entwickelte – fast ganz von selbst. „Ich habe mich damals in Burgas gefragt, wie diese Kinder ohne Schuhe überhaupt irgendwohin laufen können – und daraus ist die Schuhaktion entstanden.“

Die ganze Aktion läuft ehrenamtlich, sowohl in Bergisch Gladbach wie in Burgas. Die Belkaw stellt das Lager zur Verfügung, ein großer Automobilzulieferer aus der Region kümmert sich um Partner, die Transport und Verpackung kostenlos liefern. Was die Helfer in Bergisch Gladbach an Barspenden (Empfehlung: fünf Euro pro Karton) einnehmen, geht komplett an die Partnerorganisation, die damit gezielt Familien unterstützt. Im Mittelpunkt steht dabei das Ziel, den Kindern einen ordentlichen Schulbesuch zu ermöglichen, damit sie sich Schritt für Schritt qualifizieren und selbst aus dem Elend heraus schreiten können.

Hier ist noch Platz

In Bergisch Gladbach stößt die Aktion auf große Resonanz. Die Sponsorensuche und das Anwerben von Helfern sei nie ein Problem gewesen, berichtet Knoch-Will. Inzwischen ist die Aktion eine feste Größe in der Stadt, schon am Montagmorgen strömten die ersten Spender mit ihren Kartons in die noch leere Halle.

Am Ende werden sich wieder 1000 Kartons auf den Paletten türmen. Damit ist die Kapazitätsgrenze des Lastwagens erreicht. Was übrig bleibt (und das war  im vergangenen Jahr nicht wenig), geht an die Obdachlosenhilfe des Heilsbrunnens.

Knoch-Will ist bewusst, dass es auch Kritik gibt, weil die Hilfe nach Bulgarien und nicht an bedürftige Familien in Deutschland geht. Doch darauf hat die tief im Glauben verwurzelte Frau eine klare Antwort: „Gott hat für jeden eine Aufgabe. Mein Weg hat mich nach Bulgarien geführt – also ist es Bulgarien geworden. Aber es hätte genauso gut die Obachdachlosenhilfe in Köln sein können.“

Die meisten Spender geben sich große Mühe. In vielen Kartons liegt gut erhaltene, gewaschene und gebügelte Wäsche. Allerdings kommt es vor, dass auch völlig unbrauchbare, zerlöcherte Schuhe gebracht werden. „Manche Leute denken offenbar, für die Bulgaren ist alles besser als nichts – aber das ist nicht meine Sicht: das sind Menschen, deren Würde wir respektieren sollten,“ sagt Knoch-Will. Daher geht auch einiges auf dem Müll, bis zum Ende der Woche wird so ein kleiner Container gefüllt.

Die Helfer in der Halle sind fast alles Frauen. Damit das andere Geschlecht nicht zu kurz kommt, gibt es am Mittwoch (12.9.). extra einen Männerabend: dann müssen die schweren Kartons sauber und hoch auf 36 Paletten gestapelt werden. Bei diesem Packabend, da ist sich die Organisatorin sicher, wird eine genauso gute Stimmung herrschen, wie unter den Frauen an diesem Montag. Dazu tragen Kaffee und frischer Pflaumenkuchen bei. Entscheidend ist aber das Gefühl, etwas Sinnvolles für diejenigen zu tun, die es wirklich gebrauchen können.

Benötigt werden:

  • warme Strümpfe und Strumpfhosen
  • neuwertige, gut erhaltene Schuhe in allen Größen
  • Mützen, Schals und Handschuhe
  • gut erhaltene warme Kleidung für Kinder
  • gut erhaltene warme Kleidung für Erwachsene in kleinen Größen
  • Decken, Bettwäsche, Handtücher
  • Umzugskarton zum Verpacken

Und wie funktioniert es?

Die Hilfsgüter werden in der Zeit  bis zm 05.10., Montags, Dienstag, Mittwoch, Freitag und Samstag von 10 bis 18 Uhr angenommen, im ehemaligen Zählerlager der BELKAW, Hermann-Löns-Str. 105, 51469 Bergisch Gladbach.

Um die Aktion zu unterstützen und die Verteilung vor Ort zu sichern, wird neben den Hilfsgütern um eine finanzielle Unterstützung von 5,00 € je Umzugskarton gebeten.

Kontakt und weitere Infos

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G. Watzlawek

Journalist, Volkswirt und Gründer des Bürgerportals. Mail: gwatzlawek@in-gl.de.

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