„Rund um Köln“ finde ich ärgerlich und störend. Es fand jahrelang vorzugsweise am Ostermontag statt, also an einem Tag, an dem Christen die Auferstehung Jesu Christi von den Toten feiern.  Wir kamen schlichtweg kaum noch zu unseren Kirchen. Und schon gar nicht ohne einstündige Wartezeit von dort weg, denn die Radrennfahrer hatten ja Vorfahrt und schon aus Sicherheitsgründen mussten Autofahrer fernab der Rennfahrer bleiben.

Wer steht hinter der Absperrung? Foto: Philipp C. Jahn/flickr

Wer steht hinter der Absperrung? Foto: Philipp C. Jahn/flickr

Auf dem Weg nach Klasmühle versuchte ich zwei Polizisten von meinem Anliegen zu überzeugen. Sie lächelten freundlich und gaben zu, dass sie das Osterfest kennen. Ich möge doch bitte an der Schlage entlang gehen und meine „Schäfchen“ heraussuchen. Wir dürften dann in Kolonne zur Kapelle in Klasmühle fahren. Eine entgegenkommende Idee, aber leider nur begrenzt praktikabel. Weiß ich, wer alles zum Gottesdienst will, und ob die alle gerade in der Schlange stehen?

„Rundum Köln“ nutzt ein christliches Fest. Schert sich aber nicht um die, die dieses Fest feiern wollen.

Die Organisatoren des Radrennens „Rund um Köln“ habe ich selbst mehrfach schriftlich um Rücksichtnahme gebeten. Man verwies mich an das Ordnungsamt Odenthal.  Dort gelobte man Rücksichtnahme.  Aber das gelang nicht, so dass Ostermontag nur nicht die Hälfte der Mitfeiernden zum Gottesdienst finden. Das kann es nicht sein.  Meine Anfrage, ob man das Radrennen vielleicht gegen 11.30 Uhr beginnen lassen könne, so dass die Christen ihre Gottesdienste besuchen könnten, wurde keiner Antwort für Wert befunden.

Denkbar wäre ja auch, das Rennen am Samstag zu veranstalten. Schließlich finden auch viele andere Sportveranstaltungen samstags statt.

Lustig war es auch in dem Jahr als das Radrennen auf unsere Konfirmationen fiel.  Die Eikamper und Scherfbachtaler mussten ziemlich erfindungsreich sein, um zu unserer Kirche zu kommen.  Über Nebenstraßen und Feldwege kamen sie dann irgendwie durch. Aber beim queren der Radrennstrecke musste man schon einen flexiblen Streckenposten antreffen, der die Überquerung dann unter seine Verantwortung nahm.

Im Jahr darauf habe ich die Konfirmationen auf das erste Mai-Wochenende verlegt. Ich brauche für die Eltern ein Jahr Vorlauf. Aber inzwischen ist das Radrennen schon wieder auf dem Ostermontag.

Spielen Glaube, Hoffnung und Liebe in unserer Gesellschaft keine Rolle mehr, oder hat man uns Christen einfach schlicht vergessen? Wünschenswert wäre, wenn die Ordnungsämter, die Politiker und die Veranstalter des Radrennens die Kirchenvertreter mit an den Tisch holen, wenn das Radrennen verabredet wird.

Vielleicht könnte man ja einen Weg finden, mit dem alle zurecht kommen. Ich wäre jedenfalls gerne bereit, nach einem Kompromiss zu suchen!

Achim Dehmel

Pfarrer der Kirche zum Heilsbrunnen, 4. Pfarrbezirk der Evangelischen Kirchengemeinde Bergisch Gladbach.

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1 Kommentar

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  1. Wenngleich bei vielen Menschen eher der Osterhase und seine Geschenke im Vordergrund stehen, so wird doch am Ostermontag im Christentum die Wiederauferstehung von Jesus gefeiert.
    Wenn auch nach christlicher Überlieferung am Ostersonntag „ein Engel den Grabesstein beiseitegeschoben und die Auferstehung Jesu verkündete“ und „die Grabstätte keinen Leichnam mehr beherbergte“, waren die Jünger des Herrn zweifelnd.
    Erst als ihnen am Ostermontag der auferstandene Jesus Christus erschien, waren ihre Zweifel am göttlichen Wunder beseitigt und sie verbreiteten die frohe Botschaft um die wahrhaftige Auferstehung ihres Herrn. Die im Lukasevangelium erzählte Geschichte besagt, dass sich an diesem Tag nach Jesu Auferstehung zwei Jünger auf dem Weg nach dem Ort Emmaus befinden. Der Fremde, dem sie begegnen, entpuppt sich am Abend als Jesus Christus. Daraufhin verbreiten die Jünger die Kunde von der Auferstehung in Jerusalem.
    Zum Gedenken an diese Geschehnisse und ihre große Bedeutung gibt es in vielen Gemeinden heute noch den Brauch des sogenannten Emmausgangs und darum zählt eben der Ostermontag, noch vor Weihnachten und Pfingsten in der christlichen Tradition und auch immer noch bei vielen Christen als wichtigster Feiertag, auch wenn dies heutzutage bei vielen anderen Menschen untergegangen ist. Daher finde ich den Protest des Pfarrer Dehmel mehr als verständlich.
    Und traurig, dass es Menschen gibt, die sonst „ihre christliche Tradition“ als Monstranz vor sich her tragen, dies aber scheinbar nicht einmal wissen.
    Wenn durch die Presse die Falschmeldung geistert, eine bestimmte Partei wolle angeblich „St. Martin“ (nichtmals ein christlicher Feiertag) umbenennen, damit sich auch andere Kulturen von der Botschaft angesprochen fühlen, ist das Geschrei groß und es wird empört auf die christliche Tradition verwiesen.
    Wenn aber jemand ein kommerzielles Sportereignis an einem der höchsten, wenn nicht sogar dem höchsten christlichen Feiertag ausrichtet, an dem einzig und allein der Veranstalter und eine kleine Zahl der Teilnehmer im Grunde genommen zu Lasten der Allgemeinheit Geld verdient, dann werden sämtliche christlichen Gefühle auf Seite geschoben, dem Mammon gehuldigt und sogar gesagt: „die Christen sollen doch zusehen, wie sie ihr Osterfest feiern können, die sind in der Minderheit und wir wollen uns an einem Sport berauschen, der wie kein anderer für (Doping-)Mißbrauch steht.“